Zahnmedizinstudium im Ausland

Zahnmedizin ohne NC studieren: Alle Wege im Überblick

Von Redaktion6 Min. Lesezeit
Studentin zeigt auf eine bunte Weltkarte mit Auslandsstudien-Optionen – Zahnmedizin ohne NC studieren: Alle Wege im Überblick

Nicht jede:r, der oder die Zahnärztin oder Zahnarzt werden möchte, hat einen Abiturschnitt, der für einen Studienplatz über die Abiturbestenquote reicht. Die gute Nachricht: Der Numerus Clausus ist längst nicht die einzige Tür in die Zahnmedizin. Zwischen Auslandsstudium, privaten Universitäten, Bundeswehr und alternativen Zulassungswegen gibt es eine ganze Reihe von Optionen, die ohne Spitzen-Abitur funktionieren: manche davon schneller, manche mit höherem finanziellem oder zeitlichem Einsatz. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Wege ein und verweist auf die passenden Detailartikel.

Weg 1: Zahnmedizin im europäischen Ausland studieren

Der mit Abstand am häufigsten genutzte Weg ohne klassischen NC führt ins europäische Ausland. Zahlreiche Universitäten in EU-Staaten bieten Zahnmedizinstudiengänge auf Englisch oder Deutsch an, die entweder komplett ohne Aufnahmetest auf Basis der Schulnoten vergeben werden oder über einen Test laufen, der unabhängig vom deutschen Abiturschnitt ist. Der große Vorteil: Ein an einer EU-Universität erworbener Abschluss wird über die europäische Berufsanerkennungsrichtlinie automatisch in Deutschland anerkannt, mehr dazu im Artikel Anerkennung: Mit dem Auslandsabschluss zurück nach Deutschland.

Zu den etabliertesten Zielen gehören:

  • Lettland: Die Riga Stradins Universität verzichtet komplett auf einen Aufnahmetest und prüft stattdessen die Schulnoten in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Details im Artikel Zahnmedizinstudium in Lettland.
  • Zypern: An der European University Cyprus reicht ein solider Abiturschnitt von rund 2,3 mit Biologie, ganz ohne zentralen Test. Mehr dazu im Artikel Zahnmedizinstudium auf Zypern.
  • Österreich: Die staatlichen Universitäten setzen auf den MedAT-Z-Aufnahmetest, die private DPU Krems auf ein eigenes Auswahlverfahren ganz ohne diesen Test. Beide Wege im Vergleich im Artikel Zahnmedizinstudium in Österreich.
  • Tschechien: An der Karls-Universität in Pilsen entscheidet ein Präsenztest in Biologie, Chemie und Physik über die Zulassung, unabhängig vom Abiturschnitt. Details im Artikel Zahnmedizinstudium in Tschechien.

Daneben gibt es weitere Länder mit eigenen Zulassungsmodellen, etwa Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, die Slowakei, Polen und Litauen. Einen Überblick über die Kosten aller Länder findest Du im Vergleichsartikel Was kostet das Zahnmedizinstudium im Ausland?

Weg 2: Private Universitäten in Deutschland und Österreich

Wer in Deutschland bleiben möchte, hat mit der Universität Witten/Herdecke eine etablierte private Alternative zum klassischen NC-Verfahren. Statt Abiturschnitt entscheidet ein persönliches Auswahlverfahren mit Gespräch und praktischem Eignungstest über die Zulassung, finanziert wird das Studium über ein einkommensabhängiges Modell, den sogenannten umgekehrten Generationenvertrag. Alle Details dazu im Artikel Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke.

Auch die österreichische Danube Private University (DPU) in Krems gehört in diese Kategorie: Auch sie vergibt ihre Plätze über ein eigenes Auswahlverfahren statt über einen zentralen Test, verlangt dafür allerdings reguläre Studiengebühren. Mehr dazu im Artikel zu Österreich.

Weg 3: Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren

Die Bundeswehr finanziert das Zahnmedizinstudium ausgewählter Bewerber:innen an zivilen Universitäten, verbunden mit einer Verpflichtungszeit von mehreren Jahren als Sanitätsoffizier:in. Die Zulassung läuft über ein eigenes Eignungsauswahlverfahren der Bundeswehr, das neben schulischen Leistungen auch gesundheitliche und charakterliche Eignung berücksichtigt: ein regulärer ziviler NC-Wert spielt dabei keine zentrale Rolle. Wie dieser Weg im Detail funktioniert, erklärt der Artikel Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren.

Weg 4: Losverfahren und Nachrückchancen

Nicht alle Studienplätze in Deutschland werden über feste Quoten vergeben. Bleiben nach dem regulären Vergabeverfahren und dem Nachrückverfahren Plätze übrig, werden diese über ein Losverfahren in der Studienplatzbörse verteilt. Die Chancen darauf schwanken von Semester zu Semester und lassen sich vorab kaum verlässlich einschätzen, weshalb dieser Weg eher als zusätzliche Option neben anderen Strategien zu verstehen ist. Details liefert der Artikel Das Losverfahren.

Weg 5: Studienplatzklage

Wer nach einer Ablehnung nicht aufgeben möchte, kann prüfen lassen, ob eine Studienplatzklage infrage kommt. Dabei wird gerichtlich geltend gemacht, dass eine Universität zusätzliche, nicht ausgeschöpfte Kapazitäten hat, die eigentlich vergeben werden müssten. Dieser Weg ist rechtlich komplex, an feste Fristen gebunden und nicht in jedem Fall erfolgversprechend, ein grundsätzlicher Überblick findet sich im Artikel Studienplatzklage Zahnmedizin.

Ein Weg, der nicht mehr funktioniert: Wartesemester

Früher galt „einfach warten“ als verbreitete Strategie, um auch mit schwächerem Abiturschnitt irgendwann einen Studienplatz zu bekommen. Seit 2020 gibt es diese gesonderte Wartezeitquote im zentralen Vergabeverfahren jedoch nicht mehr: Wartesemester allein verschaffen Dir also keinen automatischen Vorteil mehr bei der Zulassung. Wer trotzdem Zeit überbrücken möchte, sollte diese sinnvoll nutzen, etwa für eine Berufsausbildung, ein FSJ oder gezielte Testvorbereitung, statt auf einen Automatismus zu hoffen, den es so nicht mehr gibt. Mehr dazu im Artikel Wartesemester: Lohnt das Warten noch?

Weitere Wege abseits des klassischen NC

Neben den genannten Hauptwegen gibt es weitere Optionen, die je nach persönlicher Ausgangslage relevant sein können:

  • Quereinstieg: Wer bereits ein naturwissenschaftliches Studium begonnen oder abgeschlossen hat, kann teils Scheine anrechnen lassen. Mehr dazu im Artikel Quereinstieg in die Zahnmedizin.
  • Zweitstudium: Über die Zweitstudienquote lässt sich mit einem bereits abgeschlossenen Erststudium ein zusätzlicher Zulassungsweg öffnen, erklärt im Artikel Zahnmedizin als Zweitstudium.
  • Härtefallanträge: In besonderen persönlichen Ausnahmesituationen kann ein Härtefallantrag helfen, mehr dazu im Artikel Härtefall- und Sonderanträge.
  • Berufsausbildung als Sprungbrett: Eine abgeschlossene ZFA-Ausbildung kann Deine Chancen im Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) verbessern, wie der Artikel ZFA-Ausbildung als Sprungbrett zeigt.
  • Gezielte Vorbereitung: Unabhängig vom gewählten Weg lassen sich die eigenen Chancen mit der richtigen Vorbereitung verbessern, etwa durch den TMS oder gezielte Praxiserfahrung, eine Übersicht bietet der Artikel Zulassungschancen verbessern.

Was die verschiedenen Wege wirklich kosten

So unterschiedlich die Zulassungswege sind, so unterschiedlich fällt auch die finanzielle Seite aus. Ein Studienplatz über das Losverfahren oder eine erfolgreiche Studienplatzklage kostet Dich formal nicht mehr als ein regulärer Studienplatz in Deutschland. Ein Auslandsstudium bedeutet dagegen in aller Regel Studiengebühren zwischen rund 4.500 und knapp 15.000 Euro pro Semester, je nach Land, eine vollständige Übersicht findest Du im Artikel Was kostet das Zahnmedizinstudium im Ausland?. Witten/Herdecke wiederum verlangt zwar ebenfalls eine hohe Gesamtsumme, verschiebt die Zahlung über den umgekehrten Generationenvertrag aber auf die Zeit nach dem Studium. Der Bundeswehr-Weg ist finanziell der Sonderfall unter allen Optionen: Er kostet Dich kein eigenes Geld, bindet Dich dafür aber über viele Jahre vertraglich.

Wie Du den richtigen Weg für Dich findest

Es gibt nicht den einen „besten“ Weg ohne NC: welche Option sinnvoll ist, hängt stark von Deinem Notenschnitt, Deinem Budget, Deiner Sprachbereitschaft und davon ab, wie flexibel Du bei Studienort und Zeitplan bist. Wer finanziell und sprachlich flexibel ist, findet im europäischen Ausland die planbarsten Zulassungswege. Wer in Deutschland bleiben möchte und die Studiengebühren einer Privatuni stemmen kann, sollte sich mit Witten/Herdecke näher beschäftigen. Und wer sich für eine langfristige Bindung an die Bundeswehr entscheiden könnte, findet dort einen ganz eigenen, planbaren Karriereweg.

Sinnvoll ist in jedem Fall, nicht nur einen einzigen Weg zu verfolgen, sondern mehrere Optionen parallel offenzuhalten: eine Bewerbung über hochschulstart.de in Deutschland, gleichzeitig eine oder mehrere Bewerbungen im Ausland und, falls passend, zusätzlich eine Bewerbung an einer Privatuniversität. Dieses parallele Vorgehen kostet zwar etwas mehr organisatorischen Aufwand und teils auch Bewerbungsgebühren, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, am Ende überhaupt einen Studienplatz zu bekommen, deutlich, und verschafft Dir die Freiheit, Dich am Ende für die Option zu entscheiden, die tatsächlich am besten zu Dir passt.

Wer bei der Orientierung zwischen diesen Optionen Unterstützung sucht, kann sich bei spezialisierten Beratungsangeboten wie StudiMed informieren. Solche Anbieter kennen die Zulassungsverfahren der verschiedenen Länder und Universitäten im Detail und können anhand des eigenen Notenschnitts, Budgets und der persönlichen Präferenzen einschätzen, welcher Weg realistisch zum Ziel führt.

Fazit – der NC ist nur eine von vielen Türen

Ein durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Abitur bedeutet nicht das Ende des Traums vom Zahnmedizinstudium. Zwischen Auslandsstudium, privaten Universitäten, Bundeswehr, Losverfahren und alternativen Zulassungswegen gibt es eine ganze Bandbreite an Optionen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Wichtig ist, sich frühzeitig und realistisch mit den eigenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, statt sich allein auf einen einzigen Weg zu verlassen: wer mehrere Optionen parallel verfolgt, erhöht die eigenen Chancen deutlich.

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