Eine Studienplatzklage macht geltend, dass eine Hochschule mehr Studienplätze hätte anbieten müssen, als sie gemeldet hat. Sie läuft als Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht. Bei einem Streitwert von 5.000 Euro kostet jede Hochschule nach den gesetzlichen Gebühren rund 830 Euro (Rechenbeispiel unten), und die Antragsfristen liegen je nach Land im Juli oder im Oktober. Eine Erfolgsquote nennen die abgerufenen Gerichts- und Hochschulseiten nicht – ein Platz ist also nie sicher.
Die Grundidee: außerkapazitäre Studienplätze
Jede Universität setzt ihre Zulassungszahl nach einer Kapazitätsberechnung fest, in die Zahl der Lehrenden, deren Lehrverpflichtung und weitere Faktoren eingehen. Die Länder regeln das in eigenen Verordnungen; in Bayern etwa legt die Hochschulzulassungsverordnung den Curricularnormwert fest (§ 48) und enthält eine eigene Überprüfung des Berechnungsergebnisses für die Zahnmedizin (§ 54). Die Klage prüft nur, ob die gemeldete Zahl stimmt. Zusätzliche Plätze heißen außerkapazitär. Wie die regulären Plätze verteilt werden, steht in NC Zahnmedizin.
Ablauf
Rechtsgrundlage des Eilverfahrens ist § 123 VwGO (einstweilige Anordnung). Der Weg in fünf Schritten:
- Reguläre Bewerbung bei hochschulstart abgeben. In Baden-Württemberg ist sie Voraussetzung für den außerkapazitären Antrag (Universität Ulm, § 37 HZVO).
- Bei jeder Hochschule einen Antrag auf Zulassung außerhalb der festgesetzten Kapazität stellen, innerhalb der Ausschlussfrist. Weder Klage noch Eilantrag ersetzen ihn (VG Hannover).
- Bei Ablehnung oder ausbleibender Zulassung den Eilantrag beim Verwaltungsgericht stellen.
- Entscheidung abwarten. Sie ergeht nach VG Hannover oft erst nach Beginn der Lehrveranstaltungen, weil das Gericht die Frist der Direktbewerbungen abwartet.
- Gibt es mehr Antragsteller als Plätze, ordnet das Gericht eine Verlosung an. Wer so einen vorläufigen Platz erhält, muss ihn in der Hauptsache endgültig erstreiten.
Fristen
| Land | Wintersemester | Sommersemester | Quelle |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 2. Juni bis 15. Juli | 1. Dezember bis 15. Januar | Universität Ulm, Online-Antrag im Campusportal |
| Niedersachsen | bis 15. Oktober (Ausschlussfrist) | bis 15. April | VG Hannover, Hinweise für Hochschulzulassungsverfahren (Dokument ohne Datum, Stand 2014; Fristen vor einem Antrag beim Gericht bestätigen lassen) |
Die Termine wiederholen sich jährlich; für das Wintersemester 2027/28 gelten die Zeiträume des Jahres 2027 (Stand der Hochschulseiten: Oktober 2026). Die Länder unterscheiden sich stark, deshalb zählt die Frist der Hochschule, die Du verklagen willst. Ulm berücksichtigt nur den Online-Antrag im Campusportal, Papier oder E-Mail genügen dort nicht.
Kosten
Rechenbeispiel für eine Hochschule. Annahmen: Streitwert 5.000 Euro, ein Eilverfahren, keine mündliche Verhandlung, gesetzliche Gebühren, Gebührentabellen mit Stand BGBl. 2025 I Nr. 109. Der Streitwert von 5.000 Euro ist der Auffangwert; das OVG Sachsen setzt ihn auch im Eilverfahren an, das VG Hannover „regelmäßig”, einzelne Gerichte setzen die Hälfte an.
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Gerichtsgebühr Eilverfahren | 1,5 × 170,50 € (GKG, KV 5210) | 255,75 € |
| Anwaltsgebühr | 1,3 × 354,50 € (RVG, VV 3100) | 460,85 € |
| Auslagenpauschale Anwalt | VV 7002 | 20,00 € |
| Umsatzsteuer 19 % auf Anwaltskosten | 91,36 € | |
| Summe je Hochschule | 827,96 € |
Bei fünf Hochschulen sind das rund 4.140 Euro, bei zehn rund 8.280 Euro. Dazu können kommen: eine Terminsgebühr von 1,2 × 354,50 Euro (506,23 Euro mit Umsatzsteuer) bei mündlicher Verhandlung, eine Gerichtsgebühr von 511,50 Euro für das Hauptsacheverfahren (3,0 × 170,50 Euro) und im Fall der Niederlage die Kosten der Hochschule. Das VG Hannover nennt für deren Anwalt bei 5.000 Euro Streitwert 492,54 Euro nach der damaligen Gebührentabelle. Wird der Antrag früh zurückgenommen, sinkt die Gerichtsgebühr auf ein Drittel. Kanzleipreise außerhalb der gesetzlichen Gebühren sind nicht enthalten; lass Dir vor dem Auftrag ein schriftliches Angebot geben.
Wer zahlt was?
Wer unterliegt, trägt nach der Kostenentscheidung des Gerichts die Kosten (VG Hannover). Das umfasst die Gerichtskosten und die Kosten der Hochschule, soweit sie einen Anwalt beauftragt hat. Gibt es mehr Antragsteller als Plätze, geht ein Teil von ihnen in der Verlosung leer aus und muss mit Kosten rechnen. Das Risiko entsteht je Hochschule neu, auch wenn Du mehrere gleichzeitig verklagst. Ob eine Rechtsschutzversicherung solche Verfahren deckt, regeln die Vertragsbedingungen; eine allgemeine Aussage dazu ist in den abgerufenen Quellen nicht belegt.
Checkliste für den Antrag
- Aktenzeichen bei jedem Schreiben an das Gericht angeben und Schriftsätze zweifach einreichen.
- Den Antrag bei der Hochschule vor Ablauf der Ausschlussfrist stellen und das Fachsemester nennen, für das Du zugelassen werden willst.
- Den Schriftwechsel mit der Hochschule dem Gericht vorlegen; er belegt den Hochschulantrag.
- Zeugnisse und Bescheide in Kopie bereithalten. Jedes neue Verfahren braucht die Nachweise neu, auch die Prozessvollmacht.
- Die eidesstattliche Versicherung zu früheren Studienzeiten ist laut VG Hannover für das 1. Fachsemester Zahnmedizin nicht erforderlich.
Bei der Anwaltswahl hilft ein schriftliches Angebot mit den Gebühren je Hochschule. Prüfe darin, welche Positionen über die gesetzlichen Gebühren der Tabelle oben hinausgehen.
Zahnmedizin: Besonderheiten
An Standorten mit Studienjahr, etwa Hannover, nimmt die Hochschule zum Wintersemester nur das erste und ungerade höhere Fachsemester auf, zum Sommersemester gerade höhere. Wer nur einen bestimmten Ausbildungsabschnitt beantragt, hat nach dem VG Hannover einen Streitwert von 2.500 Euro. Das Gericht stellt die Kapazitätsunterlagen der Hochschulen zur Einsicht bereit – gegen Kostenerstattung auch als Kopie.
Studienplatzklage neben der regulären Bewerbung
Die Klage ergänzt die reguläre Bewerbung über hochschulstart; Baden-Württemberg verlangt sie sogar. Das Koordinierte Nachrücken und das Losverfahren laufen parallel oder danach. Wer besondere soziale oder familiäre Gründe hat, prüft den Härtefallantrag. Alle Wege im Vergleich zeigt Zahnmedizin ohne NC studieren. Gewinnst Du das Verfahren, bietet die Universität den Platz formal an, und Du musst Dich fristgerecht einschreiben. Läuft das Verfahren erst nach Semesterbeginn, kommst Du mitten in laufende Lehrveranstaltungen.
Weiterführende Informationen
Für tiefergehende, laufend aktualisierte Informationen zu Fristen, Verfahrensdetails und rechtlichen Grundlagen der Studienplatzklage (auch über Zahnmedizin hinaus) bietet das unabhängige Infoportal studienplatzklage.de einen guten Einstieg.
Quellen
- VG Hannover: Hinweise für Anträge auf einstweilige Anordnung in Hochschulzulassungsverfahren: Direktbewerbung, Fristen 15.4. und 15.10., Verfahrensdauer, Verlosung, Streitwert 5.000 Euro, Studienjahr, Teilzulassung (Abruf Oktober 2026)
- Universität Ulm: Außerkapazitärer Antrag: Fristen 2. Juni bis 15. Juli und 1. Dezember bis 15. Januar, Online-Antrag, innerkapazitäre Bewerbung (§ 37 HZVO)
- OVG Sachsen, Beschluss NC 2 E 116/14: Streitwert 5.000 Euro nach Nr. 18.1 des Streitwertkatalogs, auch im Eilverfahren
- § 123 VwGO: einstweilige Anordnung
- GKG, Anlage 2 und Kostenverzeichnis: Gebühr bei Streitwert bis 5.000 Euro 170,50 Euro, Nr. 5210 (1,5) und 5110 (3,0)
- RVG, Anlage 2 und Vergütungsverzeichnis: Gebühr bei Gegenstandswert bis 5.000 Euro 354,50 Euro, Nr. 3100 (1,3), 3104 (1,2)
- Bayerische Hochschulzulassungsverordnung: Curricularnormwert (§ 48), Überprüfung des Berechnungsergebnisses im Studiengang Zahnmedizin (§ 54)
- studienplatzklage.de: Unabhängiges Infoportal zu Fristen, Ablauf und rechtlichen Grundlagen der Studienplatzklage

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