70 Prozent aller Zahnmedizin-Studienplätze werden nicht allein über die Abiturnote vergeben, sondern über zwei Verfahren, in denen die Universitäten selbst entscheiden, wonach sie auswählen: die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) und das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Beide klingen auf den ersten Blick ähnlich, funktionieren aber grundlegend unterschiedlich. Wer den Unterschied kennt, kann seine Bewerbung deutlich gezielter ausrichten.
Die ZEQ: Zulassung ganz ohne Abiturnote
Die Zusätzliche Eignungsquote wurde im Zuge der Reform des Vergabeverfahrens 2020 eingeführt und ersetzt seither die frühere Wartezeitquote. Über sie werden 10 Prozent der Studienplätze vergeben, und zwar komplett unabhängig von der Abiturnote. Das macht die ZEQ besonders interessant für alle, die fachlich und persönlich gut für das Studium geeignet sind, aber kein Spitzenabitur mitbringen.
Welche Kriterien in der ZEQ zählen, legt jede Hochschule selbst fest. Möglich sind unter anderem:
- ein Testergebnis, meist der TMS beziehungsweise künftig der TMSnat
- eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, etwa als Zahnmedizinische Fachangestellte oder Zahntechniker:in
- Berufserfahrung in medizin- oder pflegenahen Berufen
- ein Auswahlgespräch
An den meisten Hochschulen läuft die Auswahl über ein Punktemodell mit einer maximal erreichbaren Punktzahl, in das die gewählten Kriterien mit unterschiedlichem Gewicht einfließen. In der Praxis ist an vielen Standorten das Testergebnis das mit Abstand einflussreichste Kriterium, eine einschlägige Berufsausbildung bringt häufig zusätzliche Punkte, ersetzt ein gutes Testergebnis aber selten vollständig. Wie genau ein bestimmter Studienort gewichtet, veröffentlichen die Hochschulen jeweils in ihren eigenen Zulassungssatzungen. Ein Blick lohnt sich, bevor Du Deine Ortswünsche priorisierst.
Wichtig: In der ZEQ musst Du Dich nicht separat bewerben. Du gibst im Rahmen Deiner Bewerbung über hochschulstart einfach an, dass Du auch für diese Quote in Betracht gezogen werden möchtest, und reichst die entsprechenden Nachweise ein.
Das AdH: die größte Quote mit den meisten Freiheiten
Mit 60 Prozent aller Studienplätze ist das Auswahlverfahren der Hochschulen die mit Abstand wichtigste Quote – und gleichzeitig die vielfältigste. Hier legt jede Universität ihre eigenen Auswahlkriterien fest, muss dabei aber gesetzliche Vorgaben einhalten: Die Abiturnote muss in irgendeiner Form berücksichtigt werden, mindestens ein weiteres, schulnotenunabhängiges Kriterium ist verpflichtend hinzuzuziehen.
In der Praxis bedeutet das für Zahnmedizin an den meisten staatlichen Fakultäten eine Kombination aus:
- Abiturnote, die meist prozentual in eine Punktzahl umgerechnet wird
- TMS-Ergebnis, das an fast allen Standorten ebenfalls einfließt. Wie viele Punkte dafür maximal erreichbar sind, unterscheidet sich deutlich zwischen den Universitäten
- teils zusätzlichen Kriterien wie einer einschlägigen Berufsausbildung, besonderen Diensten (etwa Freiwilligendienst oder Ausbildung zur Rettungssanitäter:in) oder einem Auswahlgespräch
Einzelne Universitäten setzen statt des TMS auf den HAM-Nat, einen vergleichbaren Test der Universität Hamburg. Wie stark die einzelnen Kriterien gewichtet werden, ist von Hochschule zu Hochschule sehr unterschiedlich – an manchen Standorten dominiert die Abiturnote klar, an anderen kann ein sehr gutes TMS-Ergebnis eine mittelmäßige Abiturnote fast vollständig kompensieren.
Der wichtigste Unterschied für Deine Bewerbungsstrategie
Der zentrale Unterschied zwischen ZEQ und AdH lässt sich so zusammenfassen: In der ZEQ zählt die Abiturnote gar nicht, im AdH zählt sie fast immer mit, aber selten allein. Für Deine Strategie heißt das:
- Wer eine einschlägige Berufsausbildung oder ein sehr gutes Testergebnis vorweisen kann, aber eine eher durchschnittliche Abiturnote hat, hat in der ZEQ realistisch die besten Chancen.
- Wer eine solide, aber nicht überragende Abiturnote mit einem guten TMS-Ergebnis kombiniert, profitiert vor allem vom AdH.
- Wer ein Spitzenabitur hat, sollte sich zusätzlich immer auch für die Abiturbestenquote bewerben, in der ausschließlich die Note zählt.
Da Du Dich mit einer einzigen Bewerbung über hochschulstart automatisch für alle Quoten qualifizieren kannst, für die Deine Angaben passen, lohnt es sich, alle relevanten Nachweise (Testergebnis, Ausbildungszeugnis, Praktikumsbescheinigungen) vollständig und rechtzeitig einzureichen. Fehlende Unterlagen führen im schlimmsten Fall dazu, dass Du in einer Quote gar nicht erst berücksichtigt wirst, in der Du eigentlich gute Chancen gehabt hättest.
Ein Beispiel zur Einordnung
Nimm zwei fiktive Bewerber:innen: Person A hat ein Abitur von 1,6 und kein TMS-Ergebnis, aber eine abgeschlossene Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Person B hat ebenfalls ein Abitur von 1,6, aber ein sehr gutes TMS-Ergebnis und keine Berufsausbildung. Im AdH werden beide je nach Universität unterschiedlich gut abschneiden, je nachdem, wie stark TMS und Abiturnote dort gewichtet werden. In der ZEQ dagegen hat Person A durch die Berufsausbildung an vielen Standorten einen klaren Vorteil, während Person B vor allem vom TMS-Ergebnis profitiert, das an manchen Hochschulen in der ZEQ noch stärker zählt als im AdH. Dieses Beispiel zeigt, warum es sich lohnt, das eigene Profil realistisch einzuschätzen und beide Quoten parallel im Blick zu behalten, statt sich vorschnell auf eine davon zu konzentrieren.
Warum es keine pauschale „bessere“ Quote gibt
Ob ZEQ oder AdH für Dich vorteilhafter ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von Deinem individuellen Profil ab, und von der Universität, an der Du studieren möchtest. Manche Standorte vergeben in der ZEQ vergleichsweise viele Punkte für eine Berufsausbildung, andere kaum. Es lohnt sich deshalb, für die favorisierten Studienorte konkret nachzulesen, wie die jeweiligen Kriterien und Gewichtungen aussehen, statt sich auf allgemeine Aussagen zu verlassen. Wie die Bewerbung dafür technisch abläuft, erklärt der Artikel zur Bewerbung über hochschulstart, einen Überblick über alle drei Quoten inklusive der Abiturbestenquote findest Du im Artikel NC Zahnmedizin: Zulassung, Quoten, Chancen.
Fazit: Beide Wege lohnen sich zu prüfen
ZEQ und AdH öffnen zusammen 70 Prozent aller Zahnmedizin-Studienplätze für Kriterien jenseits der reinen Abiturnote. Wer sich frühzeitig informiert, welche Kriterien an welcher Uni wie gewichtet werden, und gezielt in die eigenen Stärken investiert – sei es durch TMS-Vorbereitung oder eine passende Berufsausbildung vor dem Studium – verbessert seine Chancen oft deutlicher, als es die Abiturnote allein zulassen würde.
Quellen
- Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de): Verfahrensdetails zum Quotenmodell des zentralen Vergabeverfahrens
- Zulassungssatzungen einzelner Universitäten zu den Kriterien der ZEQ und des AdH für Zahnmedizin (exemplarisch geprüft, Details variieren je Hochschule und Semester)

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