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NC Zahnmedizin: Zulassung, Quoten, Chancen

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Student blickt nachdenklich auf seinen Laptop beim Prüfen der Zulassungsergebnisse – NC Zahnmedizin: Zulassung, Quoten, Chancen

„Wie hoch ist der NC für Zahnmedizin?“ ist wahrscheinlich die meistgestellte Frage, bevor Du Dich überhaupt näher mit dem Studium beschäftigst. Die ehrliche Antwort: Es gibt nicht den einen NC. Was es gibt, ist ein bundesweit einheitliches Vergabeverfahren mit mehreren Quoten, in denen ganz unterschiedliche Kriterien zählen – und ein Auswahlwert, der von Uni zu Uni und von Semester zu Semester schwankt. Wer das Verfahren einmal verstanden hat, kann seine Chancen deutlich realistischer einschätzen als jemand, der nur auf eine einzelne Zahl starrt.

Ein bundesweites Verfahren für alle staatlichen Unis

Zahnmedizin gehört neben Humanmedizin, Tiermedizin und Pharmazie zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen. Das bedeutet: Du bewirbst Dich nicht direkt bei den einzelnen Universitäten, sondern zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung, besser bekannt als hochschulstart.de. Die technische Abwicklung läuft über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) und das Bewerbungsportal AntOn. Wie die Bewerbung dort konkret abläuft, liest Du im Artikel zur Bewerbung über hochschulstart.

Für Dich als Bewerber:in heißt das vor allem eines: Deine Chancen hängen nicht nur von der Abiturnote ab. Hochschulstart vergibt die Studienplätze über drei getrennte Quoten, die jeweils eigene Regeln haben.

Die drei Quoten im Überblick

Nach den Vorgaben des Staatsvertrags über die Hochschulzulassung, den die Bundesländer 2019/2020 reformiert haben, werden die Studienplätze in Zahnmedizin so verteilt:

  • Abiturbestenquote (30 %): Hier entscheidet ausschließlich die Abiturdurchschnittsnote. Da die Notenvergabe zwischen den Bundesländern unterschiedlich streng gehandhabt wird, bildet hochschulstart zunächst 16 Landesquoten und gleicht die Werte anschließend über ein Verfahren zur Vergleichbarkeit der Abiturnoten an.
  • Zusätzliche Eignungsquote, ZEQ (10 %): In dieser Quote spielt die Abiturnote keine Rolle. Stattdessen zählen andere, schulnotenunabhängige Kriterien wie Testergebnisse, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufserfahrung im medizinischen beziehungsweise pflegerischen Bereich. Welche Kriterien konkret zählen und wie sie gewichtet werden, entscheidet jede Hochschule selbst. Details dazu findest Du im Artikel ZEQ und AdH erklärt.
  • Auswahlverfahren der Hochschulen, AdH (60 %): Der mit Abstand größte Batzen der Studienplätze wird über das AdH vergeben. Hier legt jede Universität eigene Auswahlkriterien fest – meist eine Kombination aus Abiturnote und weiteren Faktoren wie dem Test für medizinische Studiengänge (TMS).

Diese drei Quoten laufen technisch getrennt, Du bewirbst Dich aber über eine einzige Bewerbung gleichzeitig für alle, für die Du in Frage kommst.

Warum es „den NC“ nicht gibt

Der Begriff Numerus clausus stammt eigentlich noch aus der Zeit, als die Abiturnote das einzige Kriterium war. Heute ist er vor allem ein umgangssprachliches Sammelwort für den sogenannten Auswahlwert oder die Grenznote – also den Wert, ab dem in der jeweils letzten Vergaberunde noch ein Platz vergeben wurde. Dieser Wert:

  • unterscheidet sich zwischen den drei Quoten teils erheblich
  • unterscheidet sich zwischen den Universitäten – in der Abiturbestenquote und im AdH gibt es keinen bundesweit einheitlichen Wert, sondern für jeden Studienort einen eigenen
  • schwankt von Semester zu Semester, je nachdem wie viele Bewerber:innen sich in einem Jahrgang für welchen Studienort entscheiden
  • hängt im AdH zusätzlich davon ab, wie stark die einzelne Hochschule Abiturnote, TMS-Ergebnis oder andere Kriterien gewichtet

Konkrete Zahlen, die Du irgendwo im Netz findest, sind deshalb immer nur eine Momentaufnahme aus einem vergangenen Semester – und taugen bestenfalls als grobe Orientierung, nicht als Garantie. Wer sein Auswahlverfahren sinnvoll planen will, sollte sich weniger auf einzelne Grenzwerte versteifen als auf die Struktur des Verfahrens: In welcher Quote hast Du realistisch die besten Chancen, und wie kannst Du diese gezielt verbessern?

Was Deine Chancen tatsächlich beeinflusst

Mehrere Stellschrauben wirken zusammen, an denen Du selbst drehen kannst:

Die Abiturnote bleibt die Basis für die Abiturbestenquote und fließt an den meisten Unis auch ins AdH ein. Sie lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern, wohl aber durch andere Faktoren ausgleichen.

Der TMS ist an fast allen staatlichen Unis Teil des AdH und dort oft der zweitwichtigste Faktor nach der Abiturnote. Ein gutes Ergebnis kann eine durchschnittliche Abiturnote spürbar aufwerten. Wie der Test aufgebaut ist und wie die aktuelle Umstellung auf den TMSnat aussieht, erklärt der Artikel TMS für Zahnmedizin.

Eine medizinnahe Berufsausbildung, etwa als Zahnmedizinische Fachangestellte oder Zahntechniker:in, kann Dir in der ZEQ und teils auch im AdH zusätzliche Punkte bringen. Gerade wer sich mit einer durchschnittlichen Abiturnote bewirbt, verbessert damit seine Position spürbar.

Die Wahl der Studienorte wirkt sich ebenfalls aus: An stark nachgefragten Standorten wie München oder Heidelberg ist die Konkurrenz traditionell größer als an kleineren Fakultäten. Wer offen für mehrere Studienorte ist und entsprechend viele Ortswünsche angibt, erhöht seine Gesamtchance im Verfahren.

Wartesemester spielen dagegen praktisch keine Rolle mehr – die frühere Wartezeitquote wurde abgeschafft. Was das für Deine Bewerbungsstrategie bedeutet, liest Du im Artikel Wartesemester: Lohnt sich das Warten noch?

Losverfahren als letzte Chance

Bleiben nach dem regulären Vergabeverfahren und dem Nachrückverfahren an einzelnen Hochschulen Plätze übrig, werden diese über ein Losverfahren vergeben, in dem weder Abiturnote noch TMS eine Rolle spielen. Wie das funktioniert und wie realistisch die Chancen tatsächlich sind, erklärt der Artikel zum Losverfahren.

Typische Denkfehler beim Blick auf den NC

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, ein einmal veröffentlichter Grenzwert gelte auch im nächsten Semester noch. Tatsächlich kann sich der Auswahlwert an ein und derselben Universität von einem Semester zum nächsten spürbar verschieben, je nachdem wie viele Bewerber:innen sich in diesem Jahrgang für genau diesen Studienort entschieden haben. Ein zweiter Denkfehler: Viele vergleichen ihre eigene Abiturnote nur mit dem Wert der Abiturbestenquote und schließen daraus voreilig, dass sich eine Bewerbung nicht lohnt. Dabei betrifft dieser Wert nur 30 Prozent der Plätze – über ZEQ und AdH kommen häufig auch Bewerber:innen mit einer deutlich durchschnittlicheren Note zum Zug, wenn TMS-Ergebnis oder Berufsausbildung entsprechend gut ausfallen.

Realistisch bewerben statt auf eine Zahl starren

Die wichtigste Erkenntnis für Deine Bewerbung lautet: Konzentriere Dich nicht auf einen einzelnen NC-Wert, sondern auf das Zusammenspiel der Quoten. Prüfe für jede Quote, wo Du realistisch stehst, informiere Dich frühzeitig über die konkreten Auswahlkriterien der Hochschulen, an denen Du studieren möchtest, und plane Deine Vorbereitung (etwa auf den TMS) entsprechend. Wer den gesamten Weg vom Studium bis zum Beruf im Blick hat, sieht die Zulassung ohnehin nur als ersten von vielen Schritten, auch wenn er sich gerade jetzt wie der größte anfühlt.

Quellen

  • Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de): Quotenmodell des zentralen Vergabeverfahrens
  • Staatsvertrag über die Hochschulzulassung (Studienplätze in Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie), Fassung nach der Reform 2019/2020
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