Zahnmedizinstudium im Ausland

Zahnmedizinstudium in Polen

Von Redaktion8 Min. Lesezeit
Wehende polnische Flagge neben einer Zahnärztin im Kittel – Zahnmedizinstudium in Polen

Polen gehört zu den größten und etabliertesten Studienländern für internationale Medizin- und Zahnmedizinstudierende in Europa. Für Zahnmedizin auf Englisch kommen inzwischen acht Standorte infrage: die Wroclaw Medical University in Breslau, die Schlesische Medizinische Universität (SUM) in Kattowitz sowie die Medical University of Warsaw, die Jagiellonen-Universität Krakau, die Poznan University of Medical Sciences, die Medical University of Lublin, die Pomeranian Medical University Stettin und die Medical University of Lodz. Viele dieser Universitäten zeichnen sich durch ein Zulassungsverfahren aus, das für EU-Bewerber:innen ganz ohne Aufnahmetest auskommt – ein Umstand, der Polen zu einer der planbarsten Optionen unter den europäischen Zahnmedizin-Standorten macht.

Land und Leute

Polen ist mit rund 38 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder der EU und geografisch enorm vielfältig, von der Ostseeküste im Norden über weite Ebenen bis zu den Karpaten und der Hohen Tatra im Süden. Breslau (Wrocław) in Niederschlesien gehört zu den schönsten Städten Polens: eine von zahlreichen Kanälen und Brücken durchzogene Altstadt, ein riesiger, farbenfroher Marktplatz und eine der größten Studierendenpopulationen des Landes prägen das Stadtbild. Kattowitz (Katowice) im Süden, im industriell geprägten Oberschlesien, wirkt auf den ersten Blick nüchterner, hat sich in den letzten Jahren aber zu einem lebendigen Kultur- und Universitätsstandort mit spannender Architektur zwischen Industriekultur und moderner Konzerthalle entwickelt.

Daneben bietet Warschau als Hauptstadt und größte Metropole des Landes das breiteste kulturelle Angebot, Krakau punktet mit seiner mittelalterlichen, zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Altstadt und einer der größten Studierendenpopulationen Polens. Posen im Westen ist eine der ältesten und wirtschaftsstärksten Städte des Landes mit guter Zuganbindung nach Deutschland, Lublin im Osten überzeugt mit einer besonders gut erhaltenen Altstadt und niedrigen Lebenshaltungskosten. Stettin liegt nur rund 15 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und ist damit einer der am leichtesten erreichbaren Standorte für Bewerber:innen aus Norddeutschland, während Łódź mit seiner Piotrkowska-Straße und umgebauten Industriearealen zu einem der spannendsten Kulturstandorte Polens geworden ist.

Polen ist seit 2004 EU-Mitglied und Teil des Schengen-Raums, verwendet mit dem Złoty (PLN) aber weiterhin eine eigene Währung – ein Euro-Beitritt ist bislang nicht terminiert. Das bedeutet: Studiengebühren und viele Alltagskosten werden in Złoty abgerechnet, was bei der Budgetplanung berücksichtigt werden sollte, zumal die Gebühren jährlich leicht indexiert werden. Als EU-Bürger:in benötigst Du für einen längeren Aufenthalt lediglich eine Meldebescheinigung, die die Universitäten üblicherweise bei der Einschreibung mit organisieren.

Alle acht Universitäten gehören zu den größten Ausbildungsstätten für internationale Medizin- und Zahnmedizinstudierende in Europa, entsprechend groß ist die deutsche und internationale Community an allen Standorten. Fachschaften und studentische Vereine organisieren Erstsemester-Wochen, Lerngruppen und Freizeitangebote, die den Einstieg erleichtern. Breslau gilt unter Studierenden als besonders lebendige, junge Stadt mit großem Kulturangebot entlang der Oder, während Kattowitz mit kürzeren Wegen, günstigeren Mieten und einer wachsenden alternativen Kulturszene rund um das ehemalige Zechengelände Nikiszowiec punktet.

Bewerbung für das Zahnmedizinstudium in Polen

Für EU-Bewerber:innen ist das Zulassungsverfahren an den meisten polnischen Standorten ungewöhnlich unkompliziert, da vielerorts kein klassischer Aufnahmetest, sondern ein Ranking nach Schulnoten entscheidet – Warschau, Krakau, Posen und Łódź setzen dagegen auf einen Aufnahmetest beziehungsweise ein Auswahlgespräch:

  • Breslau (Wroclaw Medical University): Für EU-Bewerber:innen entfällt der Aufnahmetest. Entscheidend ist ein Ranking nach den Abiturnoten, wobei Biologie als Pflichtfach zählt und zusätzlich ein Fach aus Chemie, Physik oder Mathematik einfließt. Englischkenntnisse müssen über ein anerkanntes Sprachzertifikat (mindestens B2) nachgewiesen werden.
  • Kattowitz (Schlesische Medizinische Universität, SUM): Auch hier entscheidet primär ein Ranking nach den vorhandenen Abiturnoten. Eine mündliche Prüfung in Biologie sowie Chemie oder Physik ist nur dann erforderlich, wenn eines dieser Fächer nicht im Abiturzeugnis auftaucht.
  • Warschau (Medical University of Warsaw): Zulassung über den hauseigenen WUM-Kompetenztest oder einen anerkannten externen Test wie BMAT, MCAT, GAMSAT, UCAT, DAT oder HPAT. Die Bewerbung läuft online über das ORS-System, Studienbeginn ist jeweils der 1. Oktober.
  • Krakau (Jagiellonen-Universität): Die Zulassung entscheidet sich laut Universität „ausschließlich auf Basis des Prüfungsergebnisses“ eines Online-Aufnahmetests in Biologie und Chemie, meist ergänzt um Physik.
  • Posen (Poznan University of Medical Sciences): Aufnahmeprüfung in den Naturwissenschaften, ergänzt um ein Interview und einen Test zur manuellen Geschicklichkeit. Bewerbungsschluss ist üblicherweise Ende Juli, Studienbeginn Anfang September.
  • Lublin (Medical University of Lublin): EU-, OECD- und EFTA-Bürger:innen sind von der fachspezifischen Aufnahmeprüfung befreit und durchlaufen nur einen allgemeinen Qualifikationstest mit Interview; alle anderen Bewerber:innen legen zusätzlich eine Fachprüfung ab.
  • Stettin (Pomeranian Medical University): Für EU-, OECD- und EFTA-Bürger:innen entfällt der Aufnahmetest, alle anderen Bewerber:innen legen eine Prüfung in Biologie und Chemie ab. Englischkenntnisse auf B2-Niveau sind Voraussetzung.
  • Łódź (Medical University of Lodz): Mündliches Online-Aufnahmeverfahren über MS Teams mit Wissenstest und Interview in zwei frei wählbaren Fächern aus Biologie, Chemie, Mathematik oder Physik.

Da an Breslau, Kattowitz, Lublin und Stettin die Abiturnoten direkt beziehungsweise für EU-Bürger:innen vorrangig in die Zulassungsentscheidung einfließen, lohnt sich ein früher Blick auf die eigenen Zeugnisnoten in Biologie, Chemie und Physik – wer hier stark ist, hat gute Chancen, ganz ohne zusätzlichen Test zugelassen zu werden. Zu den Bewerbungsunterlagen gehören außerdem eine Passkopie, ein ärztliches Gesundheitszeugnis und eine Bewerbungsgebühr im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich. Einen Überblick über alle europäischen Studienoptionen findest Du im Artikel Zahnmedizin im Ausland studieren – gerade für Bewerber:innen, die ohne Aufnahmetest zum Studienplatz kommen wollen, ist Polen eine der interessantesten Optionen.

Kosten für das Zahnmedizinstudium in Polen

Die Studiengebühren werden in Złoty berechnet, Stand 2026/27:

  • Breslau (Wroclaw Medical University): 39.350 PLN pro Semester, umgerechnet rund 9.250 €
  • Kattowitz (SUM): 34.200 PLN pro Semester, umgerechnet rund 8.000 €
  • Warschau (Medical University of Warsaw): 10.450 € pro Semester
  • Krakau (Jagiellonen-Universität): 8.500 € pro Semester
  • Posen (Poznan University of Medical Sciences): 37.625 PLN pro Semester, umgerechnet rund 8.830 €
  • Lublin (Medical University of Lublin): 9.650 USD pro Semester, umgerechnet rund 8.880 € (Gebühr offiziell in US-Dollar ausgewiesen)
  • Stettin (Pomeranian Medical University): 7.000 € pro Semester, zuzüglich einer einmaligen Vorkursgebühr von 600 €
  • Łódź (Medical University of Lodz): 7.550 € pro Semester

Da die Gebühren in Polen erfahrungsgemäß jährlich leicht angepasst werden, solltest Du bei der langfristigen Finanzplanung eine gewisse Indexierung von Jahr zu Jahr einkalkulieren.

Die Lebenshaltungskosten liegen in allen acht Städten im unteren bis mittleren Bereich des europäischen Vergleichs, wobei Warschau und Krakau als größte Städte spürbar teurer sind als Lublin oder Stettin. Als grobe Orientierung, angelehnt an Größenordnungen aus Vergleichsportalen wie Numbeo:

  • Wohnen (WG-Zimmer): 300 € bis 450 € in Breslau und Warschau, 250 € bis 400 € in Kattowitz, Posen, Stettin und Łódź, 200 € bis 350 € in Lublin
  • Lebensmittel: 180 € bis 230 €
  • Öffentlicher Nahverkehr: 15 € bis 25 €
  • Sonstiges (Freizeit, Internet, Versicherung): 100 € bis 150 €

In Summe solltest Du mit monatlichen Lebenshaltungskosten zwischen etwa 500 € und 900 € rechnen, je nachdem, ob Du Dich für eine der größeren Metropolen oder einen kleineren Standort entscheidest. Eine Vergleichstabelle aller Länder findest Du im Artikel Was kostet das Zahnmedizinstudium im Ausland?

Aufbau des Studiums

Das Zahnmedizinstudium dauert an allen acht polnischen Universitäten fünf Jahre und schließt je nach Standort mit dem “Doctor of Dental Surgery” oder “Doctor of Dental Medicine” ab. Die ersten Studienjahre sind naturwissenschaftlich-theoretisch geprägt, mit Fächern wie Anatomie, Histologie, Physiologie und Biochemie, ehe ab dem dritten Jahr zahnmedizinische Fachinhalte wie Prothetik, konservierende Zahnheilkunde und Kieferorthopädie sowie praktische Übungen im Phantomlabor hinzukommen. In den letzten beiden Studienjahren behandelst Du unter fachärztlicher Aufsicht Patient:innen in den universitätseigenen Kliniken, ergänzt um klinische Rotationen durch verschiedene zahnmedizinische Fachbereiche. Alle acht Universitäten gehören zu den größeren medizinischen Ausbildungsstätten Polens mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung internationaler Studierender, inklusive eigener International Offices, die sich speziell um ausländische Studierende kümmern.

Vorteile des Zahnmedizinstudiums in Polen

  • An vielen Standorten kein Aufnahmetest für EU-Bewerber:innen, Zulassung über Notenranking
  • Acht sehr unterschiedliche Studienstädte von der Millionenmetropole Warschau bis zur überschaubaren Grenzstadt Stettin
  • Große, etablierte medizinische Universitäten mit moderner Ausstattung
  • Gute Zug- und Flugverbindungen nach Deutschland
  • Moderate Lebenshaltungskosten
  • EU-weit anerkannter Abschluss

Wer die Chancen einer notenbasierten Zulassung realistisch einschätzen möchte, profitiert von einer kostenlosen Vermittlung und Beratung durch StudiMed, die sowohl bei der Auswahl des passenden Standorts als auch bei der vollständigen Bewerbung unterstützt. Mehr Informationen dazu findest Du unter www.studimed.de.

Anerkennung in Deutschland

Polen ist seit 2004 EU-Mitglied, weshalb ein dort abgeschlossenes Zahnmedizinstudium unter die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG fällt und in Deutschland automatisch anerkannt wird. Mit der Approbation kannst Du nach dem Studium in Deutschland und jedem anderen EU-Land als Zahnärztin oder Zahnarzt arbeiten. Den genauen Ablauf des Anerkennungsverfahrens beschreibt der Artikel Anerkennung: Mit dem Auslandsabschluss zurück nach Deutschland ausführlich.

Für Bewerber:innen mit einem soliden, aber nicht unbedingt Spitzen-Abitur ist Polen eine der attraktivsten europäischen Optionen: Statt eines separaten Aufnahmetests entscheiden die vorhandenen Schulnoten, was die Bewerbung planbarer macht als an vielen anderen Standorten – vorausgesetzt, Biologie, Chemie oder Physik gehörten zu den eigenen Abiturfächern.

Ein Punkt, den Du bei der Budgetplanung nicht unterschätzen solltest, ist die jährliche Indexierung der Studiengebühren in Złoty: Wer über fünf Studienjahre plant, sollte einen finanziellen Puffer für moderat steigende Gebühren einkalkulieren, statt starr mit dem Betrag des Einschreibungsjahres zu rechnen. Gleichzeitig bleibt Polen dank der Kombination aus notenbasierter Zulassung, moderaten Gesamtkosten und guter Verkehrsanbindung nach Deutschland eine der zugänglichsten Optionen für ein europäisches Zahnmedizinstudium.

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