Wissenswertes

Zahnmedizin als Zweitstudium: Zweitstudienquote und Messzahl

RedaktionVon Redaktion6 Min. Lesezeit
Frau mittleren Alters hält zwei Universitätsdiplome in den Händen – Zahnmedizin als Zweitstudium studieren

Wer ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen hat, bewirbt sich für Zahnmedizin über die Zweitstudienquote: höchstens 3 Prozent der Plätze je Studienangebot, vergeben nach einer Messzahl aus Abschlussnote und Begründung statt nach der Abiturnote. Aus Note und Gründen sind höchstens 15 Punkte möglich, dazu kommen Zuschläge für eine Familienphase. Im Wintersemester 2026/27 reichten je nach Standort 5, 11 oder 12 Punkte für ein Zulassungsangebot. Das Verfahren läuft über hochschulstart, ergänzt um einen Papierantrag mit beglaubigten Nachweisen.

Was als Zweitstudium zählt

Nach dem Leitfaden von hochschulstart (Sommersemester 2027) bist Du Zweitstudienbewerber, wenn Du mit Ablauf der Bewerbungsfrist ein Studium an einer deutschen Hochschule erfolgreich abgeschlossen hast. Das ist der Fall mit bestandener Staatsprüfung oder akademischer Abschlussprüfung (Bachelor, Diplom, Magister). Bei Jura und Lehramt zählt die Erste Staatsprüfung oder der Bachelor, bei Pharmazie der Zweite Teil der Pharmazeutischen Prüfung. Eine Promotion allein genügt nicht. Wer erst durch das Erststudium die Berechtigung für Zahnmedizin erworben hat, bewirbt sich ebenfalls als Zweitstudienbewerber.

Die Quote

Die Vorabquote für Zweitstudienbewerber steht im Staatsvertrag über die Hochschulzulassung (Art. 9 Abs. 1 Nr. 4; zusammen mit den übrigen Vorabquoten bis zu 20 Prozent). Den Wert von höchstens 3 Prozent je Studienangebot nennt der Leitfaden. Bei 55 Plätzen (Münster, Wintersemester 2026/27) wären das rechnerisch 1,65 Plätze; je gebildeter Quote ist mindestens ein Platz vorzuhalten. Die Statistik von hochschulstart weist für Zahnmedizin im Wintersemester 2025/26 54 Zulassungen in der Zweitstudienquote aus, verteilt auf 29 Standorte. Im Sommersemester 2026 waren es 29 Zulassungen an 14 Standorten – jeweils einschließlich Rückstellungen. Wartezeit spielt hier keine Rolle, mehr dazu in Wartesemester. Die übrigen Quoten erklärt NC Zahnmedizin.

So entsteht die Messzahl

Die Messzahl ist die Summe aus den Punkten für die Abschlussnote und für die Begründung, bei Familienphase plus Zuschlag. Je höher, desto weiter vorn auf der Rangliste; sie gilt für alle Studienorte Deiner Bewerbung.

Abschlussnote des Erststudiums Punkte
ausgezeichnet, sehr gut 4
gut, voll befriedigend 3
befriedigend 2
ausreichend 1
Note nicht nachgewiesen 1
Fallgruppe Grund für das Zweitstudium Punkte
1 zwingende berufliche Gründe (der Beruf setzt gesetzlich zwei Studiengänge voraus) 9
2 wissenschaftliche Gründe: gewichtig / von besonderem Gewicht / überragend 7 / 9 / 11
3 besondere berufliche Gründe (das Zweitstudium ergänzt das Erststudium sinnvoll; ein bloßer Berufswechsel genügt nicht) 7
4 sonstige berufliche Gründe (die berufliche Situation verbessert sich erheblich, ohne sinnvolle Ergänzung) 4
5 sonstige Gründe 1

Gewertet wird nur die günstigste Fallgruppe, die Gründe werden nicht addiert. Ein Zuschlag von bis zu 2 Punkten ist möglich, wenn Du nach einer Familienphase (zum Beispiel Kindererziehung) wieder ins Berufsleben einsteigen willst, weil Du dafür eine frühere Berufstätigkeit aufgegeben oder auf eine passende Stelle verzichtet hast. Die Höhe richtet sich nach Dauer und Belastung der Familienphase. Wer sein Zweitstudium aus familiären Gründen bisher zurückgestellt hat, erhält unabhängig davon einen weiteren Zuschlag; dessen Höhe nennt der Leitfaden nicht. Quelle der Tabellen: Leitfaden, Kapitel 6.

Beispiel mit drei Profilen

Annahmen: Die Noten entsprechen den verbalen Stufen der Tabelle, Gründe und Gutachten fallen so aus wie beschrieben.

Profil Note Grund Messzahl
A: Biologie-Master, Note 1,4, Forschungsschwerpunkt belegt, Gutachten „gewichtig” sehr gut = 4 Fallgruppe 2 = 7 11
B: Betriebswirtin mit Berufserfahrung in Zahnarztpraxen, kein sinnvoller Fachbezug zum Erststudium gut = 3 Fallgruppe 4 = 4 7
C: Juristin mit Erstem Staatsexamen, Note gut gut = 3 Fallgruppe 5 = 1 4

Im Wintersemester 2026/27 lagen die Grenzen bei 5 (neun Standorte: Aachen, Bonn, Dresden, Frankfurt, Gießen, Greifswald, Marburg, Münster, Würzburg), 11 (neun Standorte) und 12 (elf Standorte). Profil A hätte demnach an 18 der 29 Standorte gereicht, Profil B an neun, Profil C an keinem. Die Grenzen schwanken von Semester zu Semester – eine Garantie ist das nicht. Bei Gleichstand entscheiden zuerst ein geleisteter Dienst, dann das Los.

Gründe belegen

Berufliche Gründe musst Du mit beglaubigten Nachweisen unterlegen, etwa einer Bestätigung der Tätigkeit. Wer geltend macht, dass das Erststudium keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet und er bereits zwei Jahre arbeitslos ist, belegt das mit einer Bestätigung der Agentur für Arbeit und erfolglosen Bewerbungen.

Wissenschaftliche Gründe setzen voraus, dass Dein bisheriger Werdegang einen Schwerpunkt in Wissenschaft und Forschung erkennen lässt. Als Beispiele nennt der Leitfaden längere Forschungszeiten als wissenschaftlicher Assistent, ein abgeschlossenes Promotionsverfahren und einschlägige Publikationen. Dafür beantragst Du parallel zur Bewerbung ein Gutachten bei der Hochschule, die Du bei der Bewerbung an erster Stelle nennst; die Frist legt die Hochschule fest. Sie setzt die Punkte fest und leitet das Ergebnis an hochschulstart weiter. Kommt das Gutachten zu spät oder fällt es negativ aus, setzt hochschulstart die Punkte aus den beruflichen Gründen fest, allein anhand Deiner Unterlagen. Nur bei rein beruflichen Gründen entscheidet hochschulstart von Anfang an selbst – dann entfällt das Gutachten.

Ablauf und Fristen

  1. Bei hochschulstart im Dialogorientierten Serviceverfahren registrieren und in der Bewerbung Zahnmedizin wählen.
  2. Im Antrag Online angeben, dass Du Dich für ein Zweitstudium bewirbst.
  3. Antrag ausdrucken, unterschreiben und mit den Unterlagen in Papierform an hochschulstart schicken: beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses mit der Note, beglaubigte Nachweise zu Deinen Gründen, gegebenenfalls Dienstnachweis, formlose Begründung mit ausdrücklicher Nennung der Fallgruppe.
  4. Bei wissenschaftlichen Gründen zusätzlich das Gutachten anfordern.

Die Termine hängen vom Abschlussdatum ab: Hast Du das Erststudium vor dem 16. Januar des Bewerbungsjahres abgeschlossen, gilt für das Wintersemester der 31. Mai. Bei Abschluss ab dem 16. Januar gilt der 15. Juli. Für das Sommersemester gilt der 15. Januar, für das Sommersemester 2027 also der 15. Januar 2027. Die Termine für das Wintersemester 2027/28 hat hochschulstart noch nicht veröffentlicht (Stand Oktober 2026); einen Überblick gibt Bewerbungsfristen Zahnmedizin.

Der Stichtag ist der Ablauf der Bewerbungsfrist. Ob Deine Abschlussprüfung dann als abgelegt gilt, klärt das zuständige Prüfungsamt; im Zweifel hilft die Sachbearbeitung bei hochschulstart.

Studienleistungen anrechnen und finanzieren

Hast Du im Erststudium Leistungen erbracht, die für Zahnmedizin zählen, lass sie vor der Bewerbung vom Prüfungsamt anerkennen. Nach der Zulassung kannst Du bei der Einschreibung die Einstufung in ein höheres Semester beantragen. Der direkte Weg über den Quereinstieg ist laut Leitfaden aussichtsarm, weil zuerst Bewerber mit Zulassungsbescheid und anrechenbaren Leistungen zum Zuge kommen; mehr dazu in Quereinstieg. Ein Zweitstudium fördert das BAföG nur in engen Ausnahmen, siehe BAföG im Zahnmedizinstudium.

Checkliste

  1. Abschluss an einer deutschen Hochschule bis zum Ablauf der Frist nachweisbar?
  2. Fallgruppe und Belege bestimmt, bei wissenschaftlichen Gründen das Gutachten beantragt?
  3. Papierantrag mit beglaubigten Kopien rechtzeitig abgeschickt?
  4. Alternativen offen gehalten: Härtefall- und Sonderanträge, Zahnmedizin ohne NC und das Studium im Ausland.

Quellen

Redaktion
Über die Redaktion

Redaktion

Die Redaktion von zahnmedizinstudium.eu betreut die Ratgeber-Artikel und Universitätsprofile auf dieser Seite – unabhängig und mit besonderem Blick auf Zulassung, Studieninhalte und Karrierewege in der Zahnmedizin.

Alle Artikel der Redaktion →