Für Härtefälle sind bis zu 1 Prozent der Studienplätze reserviert; daneben gibt es den Nachteilsausgleich für die Abiturnote. Beide Anträge stellst Du zusammen mit dem Zulassungsantrag bei hochschulstart, mit amtlich beglaubigten Nachweisen und innerhalb der regulären Fristen (31. Mai, 15. Juli, 15. Januar). Laut Leitfaden werden nur wenige Härtefallanträge anerkannt. In der hochschulstart-Statistik steht für Zahnmedizin im Wintersemester 2025/26 an allen 29 Standorten und im Sommersemester 2026 an allen 14 Standorten in der Spalte „Härtefall“ eine Null – über die Härtefallquote wurde dort niemand zugelassen.
Der Härtefallantrag: wann er greift
Die Härtefallquote gilt gemeinsam für Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Laut hochschulstart-Leitfaden hält die Stiftung bis zu 1 Prozent der Studienplätze dafür vor (Abschnitt 5.2, Stand Sommersemester 2027); sie zählt zu den Vorabquoten, die zusammen bis zu 20 Prozent der Plätze umfassen dürfen (Staatsvertrag Art. 9). Eine außergewöhnliche Härte liegt vor, wenn besondere soziale oder familiäre Gründe in Deiner Person die sofortige Aufnahme des Studiums zwingend erfordern. Der Leitfaden übersetzt das so: Schon eine Verzögerung um ein Semester muss unzumutbar sein. Berücksichtigt werden nur gegenwärtige oder künftige Umstände; erlittene Nachteile aus der Vergangenheit entschädigt die Regelung nicht. Eine Schwerbehinderung allein rechtfertigt in der Regel keine sofortige Zulassung.
Wird der Antrag anerkannt, nimmst Du zunächst wie alle anderen an Abiturbestenquote, ZEQ und AdH teil. Erreichst Du dort die Auswahlgrenzen nicht, kann die Anerkennung gegen Ende der Koordinierungsphase zu einem Zulassungsangebot führen: Im Wintersemester 2026/27 kamen die Härtefall-Angebote am 14. August 2026, zwei Wochen nach den Angeboten für ZEQ und AdH (31. Juli). Für das Sommersemester 2027 hat hochschulstart diesen Termin Stand Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht; die übrigen Daten stehen in Koordinierungsphase bei hochschulstart. Wird der Antrag abgelehnt, nimmst Du normal am Verfahren teil und hast keine Nachteile. Die Entscheidung gilt für alle Bewerbungen im Zentralen Verfahren. Konkurrieren mehr anerkannte Härtefälle um die Plätze einer Hochschule, als dort vergeben werden können, hat zuerst Vorrang, wer einen Dienst abgeleistet hat – als letztes Kriterium entscheidet das Los.
Was als Härte gilt, zählt der Leitfaden beispielhaft auf; die Tabelle unten gibt die Fälle wieder. Eine Erfolgsquote nennt hochschulstart nicht, der Leitfaden spricht von „wenigen“ anerkannten Anträgen je Semester.
Der Nachteilsausgleich: bessere Durchschnittsnote
Der Nachteilsausgleich führt nicht zur sofortigen Zulassung, sondern verbessert rechnerisch die Durchschnittsnote, mit der Du am Verfahren teilnimmst. Er greift bei Umständen, die Dich gehindert haben, in der Oberstufe eine bessere Abiturnote zu erreichen und die Du nicht selbst zu vertreten hast. Betrachtet werden die Leistungen der Oberstufenjahre, nicht die Abiturprüfung selbst. Eine frühere Variante für die Wartezeit gibt es nicht mehr: Mit der Abschaffung der Wartezeitquote kennt der Leitfaden nur noch Nachteilsausgleich für die Durchschnittsnote und Härtefallantrag (Wartesemester).
Der Umstand allein reicht nicht. Du musst zusätzlich nachweisen, wie er sich auf die Note ausgewirkt hat. Dazu gehören beglaubigte Schulzeugnisse und in der Regel eine Stellungnahme der Schulleitung (nicht der Lehrkräfte) mit Unterschrift und Dienstsiegel. Die Stellungnahme beschreibt die Schullaufbahn, den Umstand nach Art und Dauer, die Auswirkung auf die einzelnen Fächer und die Note, die ohne die Beeinträchtigung zu erwarten gewesen wäre. Die Schule kann die Stellungnahme ablehnen, etwa nach zu kurzer Zugehörigkeit; dann ersetzt ein pädagogisch-psychologisches Gutachten auf eigene Kosten die Stellungnahme. Fordere sie so früh wie möglich an, damit sie vor dem Bewerbungsschluss vorliegt.
Was anerkannt wird und was nicht
Die folgende Übersicht gibt Beispiele aus dem Leitfaden wieder. Sie ist nicht abschließend, denn im Einzelfall entscheidet hochschulstart anhand der Unterlagen.
| Antrag | In der Regel anerkannt | In der Regel nicht anerkannt |
|---|---|---|
| Härtefall | Krankheit mit Tendenz zur Verschlimmerung, die später ein Studium verhindern würde; Aufgabe des bisherigen Berufs oder Studiums aus gesundheitlichen Gründen; Spätaussiedlung mit Studium im Herkunftsland; frühere Zulassung, die aus zwingenden Gründen nicht genutzt werden konnte | Warten auf die Übernahme einer Praxis; Altersgrenzen; Ableistung eines Dienstes; wiederholte Ablehnung; ein Kind oder ein kranker Angehöriger; Bindung an den Studienort; Aufgabe von Studium oder Beruf aus Motivationsgründen oder wegen schlechter Berufsaussichten |
| Nachteilsausgleich | längere krankheitsbedingte Abwesenheit, schwere Krankheit oder Behinderung, Schwangerschaft oder eigenes minderjähriges Kind, Betreuung minderjähriger Geschwister, Verlust eines Elternteils (unter 25, ledig), mehrmaliger Schulwechsel wegen Umzugs der Eltern, Kader eines Bundessportfachverbands; jeweils in den letzten drei Jahren vor der Hochschulzugangsberechtigung | Trennung oder Krankheit der Eltern; Mitarbeit im elterlichen Betrieb ohne Notlage; Krankheit in der Abiturprüfung; weiter Schulweg; Austauschprogramm; Lehrermangel oder schlechte Räume; die Behauptung ungerechter Benotung |
Bei einem Zweitstudium gelten für den Härtefall strengere Anforderungen. Es muss eine Krankheit oder Behinderung mit Tendenz zur Verschlimmerung vorliegen, die den bisherigen Beruf unzumutbar macht (Zweitstudium).
Ablauf und Checkliste
- Registriere Dich bei hochschulstart und gib in AntOn an, dass Du einen Härtefallantrag oder Nachteilsausgleich stellst.
- Beschaffe die Nachweise. Beim Härtefall ist das ein aktuelles fachärztliches Gutachten, das Entstehung, Schwere, Verlauf, Behandlungsmöglichkeiten und Prognose beschreibt und für medizinische Laien nachvollziehbar ist; ergänzend dienen etwa der Schwerbehindertenausweis oder der Feststellungsbescheid des Versorgungsamts. Beim Nachteilsausgleich sind es Gutachten oder Belege zum Umstand, beglaubigte Zeugnisse und die Stellungnahme der Schule. Hinzu kommt jeweils eine schriftliche Begründung.
- Lass alle Kopien amtlich beglaubigen und unterschreibe den Antrag im Original.
- Achte auf die Fristen. Der Online-Antrag muss bis 31. Mai oder 15. Juli (Wintersemester) beziehungsweise 15. Januar (Sommersemester) eingehen, die Unterlagen per Post nach den regulären Postfristen. Im Sommersemester 2027 sind das der 15. Januar 2027 und der 20. Januar 2027. Alt-Abiturienten dürfen einen Härtefallantrag noch bis zum 15. Juli stellen, wenn das beeinträchtigende Ereignis erst nach dem 31. Mai eingetreten ist. Alle Termine stehen in Bewerbungsfristen Zahnmedizin und im Fristen-Cockpit.
- Über beide Anträge informiert der Bescheid über Deinen Zulassungsantrag, spätestens am Ende der Koordinierungsphase; eine ausführliche Begründung gibt es auf schriftliche Anfrage. Eine Vorabprüfung der Härtegründe bietet hochschulstart nicht an.
Wurde ein Antrag in einem früheren Verfahren abgelehnt, musst Du die Unterlagen im nächsten Verfahren erneut und in aktueller Form einreichen. Das Verfahren läuft schriftlich – der Härtefall muss durch die Belege so deutlich dargestellt sein, dass eine außenstehende Person den Sachverhalt anhand der Unterlagen nachvollziehen kann.
Wie die Sonderanträge zu den Quoten passen
Der Härtefall ist eine von mehreren Vorabquoten, die NC Zahnmedizin zusammen mit Zweitstudium, Landzahnarztquote und Bundeswehr erklärt. Ein anerkannter Antrag verbessert Deine Chance auf ein Angebot, ersetzt aber die normale Bewerbung nicht; ein abgelehnter schadet Deiner Position in den Hauptquoten nicht (ZEQ und AdH Zahnmedizin). Härtefall-Angebote kommen als letzte der drei Gruppen und folgen denselben Koordinierungsregeln wie alle anderen: Welches Angebot bleibt, hängt von Deiner Reihenfolge ab (Bewerbungen priorisieren). Wer ohne Studienplatz bleibt, findet weitere Wege in Zahnmedizin ohne NC; die Studienplatzklage ist ein gerichtliches Verfahren und mit den Sonderanträgen nicht verbunden.
Quellen
- hochschulstart-Leitfaden Sommersemester 2027 (Abruf Oktober 2026): Abschnitt 5.1 Nachteilsausgleich (Stellungnahme der Schule, begründete und unbegründete Fälle), Abschnitt 5.2 Härtefallantrag (bis zu ein Prozent, Definition, strenger Maßstab, Nachweise, Antragstellung, Vorrang bei Überhang), Fristen (31. Mai, 15. Juli, 15. Januar)
- Staatsvertrag über die Hochschulzulassung (Stand 11.2019), Artikel 9: Vorabquoten bis zu 20 Prozent, Definition der außergewöhnlichen Härte (Absatz 3)
- hochschulstart: Termine und Fristen (Abruf 10.10.2026): Härtefall-Angebote ab 14.08.2026, ZEQ und AdH ab 31.07.2026; Postfristen Sommersemester 2027
- hochschulstart: Unterlagen (Abruf Oktober 2026): Bescheinigungen für Härtefall und Nachteilsausgleich, Originalunterschrift, beglaubigte Kopien, erneute Einreichung nach Ablehnung
- Statistiken des Zentralen Verfahrens Wintersemester 2025/26 (Tabelle 23, Datenstand 01.10.2025) und Sommersemester 2026 (Tabelle 18, Datenstand 01.04.2026): Zulassungen nach Vorabquoten, Spalte Härtefall

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