Zahnmedizinstudium in Deutschland

Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke studieren

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Campus der Universität Witten/Herdecke – Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) ist die einzige etablierte private Alternative zum staatlichen Zahnmedizinstudium in Deutschland. Gegründet 1983 als erste private Universität der Bundesrepublik, verzichtet sie bis heute bewusst auf den klassischen Numerus Clausus und wählt ihre Studierenden stattdessen über ein eigenes, persönliches Verfahren aus. Wer sich mit dem Gedanken an ein Studium in Witten/Herdecke trägt, sollte allerdings zwei Dinge realistisch einordnen: das ungewöhnliche Auswahlverfahren und das Finanzierungsmodell, das sich grundlegend von klassischen Studiengebühren unterscheidet.

Zulassung ohne Numerus Clausus

Die UW/H wirbt offen damit, dass „Deine Persönlichkeit zählt“: das Studium ist ausdrücklich NC-frei. Statt nach Abiturschnitt zu selektieren, lädt die Universität Bewerber:innen zu einem mehrstufigen Auswahltag ein, der ein persönliches Gespräch und einen praktischen Test umfasst. Dieser praktische Test prüft laut Universität die manuelle Geschicklichkeit, das dreidimensionale Vorstellungsvermögen sowie die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen zu bearbeiten, Fertigkeiten, die im späteren Berufsalltag als Zahnärztin oder Zahnarzt direkt gebraucht werden. In die Gesamtbewertung fließen laut UW/H zusätzlich schulische Leistungen, eine naturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung, soziales Engagement, berufliche Vorerfahrung, Motivation, Sprachkenntnisse und absolvierte Praktika ein.

Für die Bewerbung fällt eine einmalige Gebühr von 300 Euro an, die bei nachgewiesener finanzieller Bedürftigkeit auf 200 Euro reduziert werden kann. Die Online- und schriftliche Bewerbung läuft in der Regel von Februar bis Ende Mai, die eigentliche Auswahlwoche mit dem persönlichen Auswahltag findet Ende Juni/Anfang Juli statt, mit Einladungen rund 10 bis 14 Tage vorher per Post. Studienbeginn ist jeweils zum Wintersemester. Wie sich dieser Weg im Vergleich zu den staatlichen Fakultäten und deren Bewerbung über hochschulstart.de darstellt, ordnet der Artikel Zahnmedizin studieren in Deutschland ein. Wer sich generell für zulassungsfreie oder -erleichterte Wege interessiert, findet einen breiteren Überblick im Artikel Zahnmedizin ohne NC studieren.

Vorbereitung auf den Auswahltag

Weil weder ein Abiturschnitt noch ein standardisierter Test allein über die Zulassung entscheidet, lässt sich die Vorbereitung auf den Auswahltag in Witten/Herdecke nur bedingt mit der Vorbereitung auf einen klassischen Aufnahmetest vergleichen. Wichtiger als reines Faktenwissen ist hier, sich mit der eigenen Motivation, bisherigen Erfahrungen im medizinischen oder sozialen Bereich und der eigenen Haltung zum Beruf auseinanderzusetzen, da genau das im persönlichen Gespräch abgefragt wird. Der praktische Test lässt sich dagegen gezielter trainieren, etwa durch Übungen zur Feinmotorik und zum räumlichen Vorstellungsvermögen, wie sie auch für andere manuelle Testverfahren empfohlen werden.

Der umgekehrte Generationenvertrag

Das prägendste Merkmal der UW/H ist ihr Finanzierungsmodell: der umgekehrte Generationenvertrag (UGV), verwaltet von der 1995 gegründeten StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. Statt klassischer Studiengebühren, die vorab bezahlt werden müssen, bietet die Universität drei Zahlungsvarianten an, zwischen denen Du während der ersten Studienhälfte wechseln kannst:

  • Einkommensabhängige Späterzahlung: Während des Studiums zahlst Du nichts. Nach dem Abschluss zahlst Du über zehn Beitragsjahre 14 Prozent Deines Einkommens zurück – bei niedrigem Verdienst entsprechend weniger, mit einer festgelegten Obergrenze für die maximale Rückzahlung.
  • Fixbetragsorientierte Sofortzahlung: Für das Zahnmedizinstudium liegen die Gesamtkosten bei 110.400 Euro, zahlbar in monatlichen Raten von 1.840 Euro über die Regelstudienzeit von zehn Semestern.
  • Hälftiges Modell: Während des Studiums zahlst Du monatlich die Hälfte des Fixbetrags (920 Euro), nach dem Abschluss zusätzlich 7 Prozent Deines Einkommens über zehn Beitragsjahre.

Zum Vergleich: Für das humanmedizinische Modellstudium liegen die Gesamtkosten bei 76.800 Euro beziehungsweise 12 Prozent Einkommensabhängigkeit – Zahnmedizin ist damit spürbar teurer als Humanmedizin an derselben Universität, was mit dem höheren Materialaufwand der praktischen Ausbildung zusammenhängt. Eine Einordnung, wie sich diese Summe zu anderen privaten und ausländischen Optionen verhält, findet sich im Artikel Was kostet das Zahnmedizinstudium im Ausland?, auch wenn Witten/Herdecke selbst ein inländischer Standort ist, hilft der Vergleich bei der Einordnung der Größenordnung.

Wie das Modell in der Praxis funktioniert

Der Grundgedanke des UGV: Wer nach dem Studium gut verdient, finanziert mit der einkommensabhängigen Rückzahlung indirekt die Ausbildung nachfolgender Studierendengenerationen mit, daher der Name. Wichtig zu verstehen ist, dass es sich rechtlich nicht um ein klassisches Darlehen handelt, sondern um ein Modell, das eng an die individuelle wirtschaftliche Situation nach dem Berufseinstieg gekoppelt ist. Wer nach dem Studium wenig verdient oder eine Familienpause einlegt, zahlt entsprechend weniger oder zeitweise gar nichts zurück, muss dafür aber auch mit einer entsprechend langen Rückzahlungsphase rechnen.

Kleine Jahrgänge, persönliche Betreuung

Die UW/H ist bewusst klein gehalten: Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Fachportale vergibt die Universität jährlich rund 44 Studienplätze für Zahnmedizin – ein Bruchteil dessen, was große staatliche Fakultäten pro Jahrgang aufnehmen. Diese Größenordnung ermöglicht eine deutlich persönlichere Betreuung in den praktischen Kursen, verglichen mit Studiengängen an großen staatlichen Universitäten mit mehreren Hundert Studierenden pro Jahrgang.

Vergleich zu Auslandsoptionen

Wer sich sowohl mit Witten/Herdecke als auch mit einem Studium im Ausland beschäftigt, sollte die beiden Wege nicht nur nach der Gesamtsumme vergleichen, sondern auch nach der Zahlungsstruktur: Ein Auslandsstudium etwa in Lettland oder Zypern verlangt laufende Jahresgebühren bereits während des Studiums, während der UGV in seiner reinsten Form die komplette Zahlung erst nach dem Berufseinstieg vorsieht. Für Familien, die während des Studiums selbst wenig Kapital zur Verfügung haben, kann das ein entscheidender Unterschied sein, auch wenn am Ende, je nach späterem Einkommen, unterm Strich ähnlich hohe oder sogar höhere Summen zusammenkommen können als bei einer klassischen Studiengebühr im Ausland.

Studienaufbau

Das Zahnmedizinstudium in Witten/Herdecke ist als Staatsexamensstudiengang „Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ organisiert und dauert regulär zehn Semester. Die Universität wirbt damit, dass Studierende von Anfang an praktisch relevant arbeiten und schon früh in der universitätseigenen Zahnklinik Erfahrung sammeln – ein Ansatz, der sich strukturell nicht grundlegend von staatlichen Fakultäten unterscheidet, aber durch die kleinen Jahrgangsgrößen intensiver umgesetzt werden kann.

Standort Witten und das Ruhrgebiet

Witten liegt im südlichen Ruhrgebiet, zwischen Bochum und Dortmund, und bietet damit eine ganz andere Studienatmosphäre als die großen Universitätsstädte München oder Berlin: überschaubar, mit kurzen Wegen zwischen Campus und Wohnort, aber gleichzeitig mit guter Anbindung an die Metropolregion Ruhrgebiet und deren kulturelles und wirtschaftliches Angebot. Für Studierende, die eine ruhigere Umgebung mit persönlicher Campusatmosphäre einer belebten Großstadt vorziehen, kann das ein weiterer Pluspunkt neben dem NC-freien Zulassungsverfahren sein.

Für wen sich Witten/Herdecke eignet

Die UW/H passt vor allem zu Bewerber:innen, die mit einem durchschnittlichen Abiturschnitt keine realistische Chance auf einen staatlichen Studienplatz sehen, aber im persönlichen Auswahlverfahren überzeugen können – und die sich mit dem einkommensabhängigen Finanzierungsmodell wohlfühlen. Wie sich Fakultäten wie Witten/Herdecke in einem Ranking wie dem CHE-Hochschulranking einordnen lassen, erklärt der Artikel Die besten Unis für Zahnmedizin. Wer sich unsicher ist, ob die Studiengebühren beziehungsweise die spätere Rückzahlungsquote zur eigenen finanziellen Planung passen, sollte sich frühzeitig direkt bei der StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke über die genauen Konditionen informieren, bevor die Entscheidung für die Bewerbung fällt.

Quellen

  • Universität Witten/Herdecke: Staatsexamen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Bewerbungsverfahren (uni-wh.de)
  • Universität Witten/Herdecke: Umgekehrter Generationenvertrag, Studienbeiträge (uni-wh.de)
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