Zahnmedizin gehört zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen – wer sich für ein Studium in Deutschland entscheidet, kommt an einem zentralen Bewerbungsverfahren nicht vorbei. Anders als bei den meisten anderen Studiengängen bewirbst Du Dich nicht einfach direkt bei der Wunschuniversität, sondern über ein bundesweites Portal, das die Vergabe der begrenzten Plätze koordiniert. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Studienorte in Deutschland und erklärt, wie der Bewerbungsweg grundsätzlich funktioniert.
Rund 30 Standorte für Zahnmedizin
In Deutschland bieten aktuell rund 30 staatliche Universitäten einen Zahnmedizin-Studiengang an, verteilt über nahezu alle Bundesländer – von den norddeutschen Standorten Kiel, Hamburg, Rostock und Greifswald über die großen Fakultäten in Berlin, Leipzig, Dresden und Halle im Osten bis zu Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen und Münster im Westen sowie München, Erlangen, Würzburg, Regensburg, Tübingen, Freiburg, Ulm und Heidelberg im Süden. Auch Mittelstädte mit traditionsreichen medizinischen Fakultäten wie Marburg, Gießen, Jena, Magdeburg, Mainz, Homburg oder Göttingen gehören zum Kreis der Standorte. Jede dieser Fakultäten hat eigene Schwerpunkte, eine eigene Klinikanbindung und teils unterschiedliche Auswahlkriterien innerhalb der zulassungsbeschränkten Quoten – eine pauschale Rangfolge lässt sich daraus nicht ableiten. Wie sich die Standorte in Rankings wie dem CHE-Hochschulranking einordnen lassen und welche Vorsicht dabei geboten ist, erklärt der Artikel Die besten Unis für Zahnmedizin.
Neben diesen staatlichen Fakultäten gibt es mit der Universität Witten/Herdecke eine einzige etablierte private Alternative, die ihre Studienplätze über ein eigenes Auswahlverfahren statt über das zentrale Bewerbungsportal vergibt. Mehr dazu im Artikel Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke.
Universitätsklinik oder eigenständige Fakultät
Ein Unterschied zwischen den Standorten, der im Studienalltag oft mehr ausmacht als der Name der Stadt: Manche zahnmedizinischen Fakultäten sind organisatorisch eng in ein großes Universitätsklinikum eingebunden, wie es etwa an der Charité in Berlin der Fall ist, andere haben eine eigenständigere, kleinere Klinikstruktur. Das wirkt sich auf die Größe der Jahrgänge, die Betreuungsdichte in den praktischen Kursen und die Bandbreite klinischer Fälle aus, mit denen Du in Kontakt kommst.
Die Bewerbung über hochschulstart.de
Für alle staatlichen Fakultäten läuft die Bewerbung zentral über hochschulstart.de, das Portal der Stiftung für Hochschulzulassung. Über das sogenannte Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) kannst Du Dich gleichzeitig auf mehrere Studienorte bewerben und Deine Präferenzen priorisieren. Zur Bewerbung gehören neben der Online-Registrierung in aller Regel auch postalisch einzureichende Unterlagen wie Zeugniskopien und ein ausgefülltes Antragsformular. Wie der komplette Ablauf von der Registrierung bis zum Zulassungsbescheid funktioniert, erklärt der Artikel Bewerbung über hochschulstart Schritt für Schritt.
Die drei Vergabequoten
Die Studienplätze werden nicht nach einem einzigen Kriterium vergeben, sondern über drei parallele Quoten:
- Abiturbestenquote: Ein Teil der Plätze wird direkt nach Abiturdurchschnitt vergeben.
- Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ): Hier fließen neben der Abiturnote weitere Kriterien wie der Test für medizinische Studiengänge (TMS) oder eine einschlägige Berufsausbildung ein.
- Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH): Jede Universität legt eigene Kriterien fest, in die neben der Abiturnote unter anderem TMS-Ergebnisse, Auswahlgespräche oder eine Berufsausbildung einfließen können.
Wie genau ZEQ und AdH im Detail funktionieren und worin sich die beiden Quoten unterscheiden, erklärt der Artikel ZEQ und AdH erklärt. Wichtig zu wissen: Die konkreten Auswahlgrenzen unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Semester zu Semester erheblich, pauschale Notenschnitte lassen sich daraus nicht verlässlich ableiten. Einen grundsätzlichen Überblick über die NC-Mechanik liefert der Artikel NC Zahnmedizin: Zulassung, Quoten, Chancen.
Sommer- oder Wintersemester?
Zahnmedizin lässt sich an den meisten deutschen Fakultäten nur zum Wintersemester beginnen, an einigen Standorten ist zusätzlich ein Start zum Sommersemester möglich – dann allerdings meist mit einer deutlich kleineren Zahl an verfügbaren Plätzen. Wer sich für einen bestimmten Studienort interessiert, sollte frühzeitig direkt bei der jeweiligen Hochschule prüfen, welche Startmöglichkeiten es dort gibt.
Wie das Studium aufgebaut ist
Unabhängig vom gewählten Standort folgt das Zahnmedizinstudium in Deutschland der bundesweit gültigen Approbationsordnung für Zahnärzte. Es gliedert sich in einen vorklinischen und einen klinischen Studienabschnitt mit jeweils eigenen Prüfungsabschnitten der Zahnärztlichen Prüfung, von der Vorklinik über den Phantomkurs bis zum Staatsexamen, und dauert bundesweit einheitlich zehn Semester plus Prüfungszeit.
Wenn es mit dem Studienplatz in Deutschland nicht klappt
Nicht jede Bewerbung führt beim ersten Versuch zum Erfolg. Wer nach einer Ablehnung nicht ein weiteres Semester auf eine erneute Bewerbung warten möchte, hat mehrere Alternativen: das europäische Ausland, in dem viele Universitäten planbarere Zulassungswege ohne strengen NC bieten, die private Universität Witten/Herdecke mit einem eigenen Auswahlverfahren, oder ergänzende Wege wie das Losverfahren um übrig gebliebene Plätze. Eine vollständige Übersicht über alle diese Optionen liefert der Artikel Zahnmedizin ohne NC studieren. Viele Bewerber:innen verfolgen ohnehin mehrere Wege parallel, um die eigenen Chancen zu erhöhen, statt sich allein auf die Bewerbung über hochschulstart.de zu verlassen.
Was das Studium kostet
An den staatlichen Fakultäten fallen keine klassischen Studiengebühren an, sondern lediglich die üblichen Semesterbeiträge, die je nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich hoch ausfallen und unter anderem das Semesterticket für den Nahverkehr enthalten. Anders als in vielen anderen Studiengängen musst Du in der Zahnmedizin aber von Anfang an eigenes Instrumentarium anschaffen, etwa für den Kurs der technischen Propädeutik und die späteren Phantomkurse, das sich über das Studium hinweg auf einen erheblichen Betrag summieren kann und bei der Finanzplanung von Beginn an mitgedacht werden sollte.
Was nach dem Studium kommt
Am Ende des Studiums steht das dritte Staatsexamen, im Anschluss beantragst Du die Approbation bei der zuständigen Landesbehörde – Voraussetzung dafür, überhaupt eigenverantwortlich als Zahnärztin oder Zahnarzt arbeiten zu dürfen.
Wechsel zwischen Standorten
Wer während des Studiums den Standort wechseln möchte, etwa aus familiären Gründen oder weil ein bestimmter Schwerpunkt an einer anderen Fakultät besser passt, kann das grundsätzlich über eine Hochschulwechsel-Bewerbung versuchen – allerdings ist die Zahl frei werdender Plätze für höhere Fachsemester an den meisten Standorten sehr begrenzt, und die Aufnahme ist keineswegs garantiert. Wer diesen Weg in Erwägung zieht, sollte sich frühzeitig direkt beim Studierendensekretariat der Zieluniversität über freie Kapazitäten und die dortigen Auswahlkriterien informieren.
Fazit: Viele Wege, ein Ziel
Ob Küste, Rheinland oder Süddeutschland: Die Wahl des Studienorts in Deutschland hängt weniger von objektiven Qualitätsunterschieden als von persönlichen Vorlieben, der Nähe zum Heimatort und den individuellen Zulassungschancen an der jeweiligen Fakultät ab. Wer sich breit über mehrere Standorte informiert und die eigenen Chancen in den verschiedenen Quoten realistisch einschätzt, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Studienplatz deutlich – unabhängig davon, welche Universität am Ende den Zuschlag gibt.

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