Zahnmedizinstudium in Deutschland

Die besten Unis für Zahnmedizin? Was Rankings wirklich zeigen

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Studierende mit bunten Rucksäcken vor einem historischen Uni-Gebäude – Die besten Unis für Zahnmedizin? Was Rankings wirklich zeigen

„Was ist die beste Uni für Zahnmedizin?“ ist eine der meistgestellten Fragen angehender Studierender, und zugleich eine, auf die es keine seriöse einfache Antwort gibt. Es gibt keine offizielle, allgemein anerkannte Rangliste der zahnmedizinischen Fakultäten in Deutschland, die eine Universität eindeutig auf Platz eins setzt. Was es gibt, ist das CHE-Hochschulranking, ein differenziertes Bewertungsinstrument, das allerdings anders funktioniert, als der Begriff „Ranking“ vermuten lässt.

Zu beachten ist außerdem, dass sich das CHE-Ranking auf staatliche Universitäten konzentriert. Die private Universität Witten/Herdecke mit ihrem eigenen NC-freien Auswahlverfahren wird in der klassischen Erhebung nicht in derselben Form erfasst, da sie strukturell anders organisiert ist als die staatlichen Fakultäten.

Was das CHE-Ranking überhaupt ist

Das CHE-Hochschulranking wird vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) erstellt und seit 2005 in Kooperation mit der ZEIT veröffentlicht, aktuell im ZEIT Studienführer. Seit 2024/25 wird darin auch Zahnmedizin als eigenes Fach an den deutschen Universitäten erhoben. Grundlage sind mehrere Datenquellen gleichzeitig: eine Befragung der Fachbereiche, eine Studierendenbefragung an den staatsexamensbasierten Studiengängen, eine Professor:innenbefragung, eine Analyse wissenschaftlicher Publikationen sowie weitere strukturelle Kennzahlen.

Warum das CHE-Ranking keine Rangliste im klassischen Sinn ist

Der entscheidende Unterschied zu Rankings, wie man sie etwa aus dem Wirtschaftsteil kennt: Das CHE vergibt keine Platzierungen von 1 bis 30, sondern ordnet die Universitäten in jedem Kriterium einer von drei Gruppen zu: Spitzengruppe, Mittelgruppe und Schlussgruppe. Es gibt also keine einzelne „Nummer eins“, sondern für jedes Kriterium eine Reihe von Universitäten, die gemeinsam in der Spitzengruppe landen. Zu den erhobenen Kriterien gehören unter anderem, wie Studierende die Prüfungsorganisation, den Zugang zu Lehrveranstaltungen, die Ausstattung der Phantomköpfe und Simulationsplätze oder die allgemeine Betreuungssituation einschätzen.

Das bedeutet in der Praxis: Eine Universität kann bei der Ausstattung der Simulationslabore in der Spitzengruppe liegen und bei der Prüfungsorganisation gleichzeitig nur im Mittelfeld. Wer eine einzelne Gesamtnote oder einen eindeutigen ersten Platz sucht, wird beim CHE-Ranking enttäuscht, und das ist ausdrücklich so gewollt, weil die Ersteller:innen selbst betonen, dass die Qualität einer Fakultät sich nicht sinnvoll in einer einzelnen Kennzahl zusammenfassen lässt.

Wer überhaupt teilnimmt

Ein wichtiger methodischer Punkt, der bei der Interpretation des Rankings leicht übersehen wird: Einbezogen werden nur Studiengänge, an denen zum jeweiligen Stichtermin tatsächlich Erstsemester-Einschreibungen möglich waren, und die Fachbereiche müssen aktiv an der Datenerhebung teilnehmen. Das bedeutet, dass nicht zwangsläufig jede zahnmedizinische Fakultät in Deutschland im Ranking auftaucht, und dass ein Nicht-Erscheinen einer Universität nicht automatisch etwas über deren Qualität aussagt: es kann ebenso gut bedeuten, dass die Fakultät zum Erhebungszeitpunkt nicht teilgenommen hat oder aus organisatorischen Gründen nicht berücksichtigt werden konnte.

Was ein gutes Abschneiden wirklich bedeutet

Ein Ranking-Ergebnis in der Spitzengruppe bei einem bestimmten Kriterium kann ein nützlicher Hinweis sein, sagt aber nichts darüber aus, ob eine Fakultät auch persönlich zu Dir passt. Die Studierendenbefragung, auf der ein großer Teil der Bewertung beruht, spiegelt subjektive Einschätzungen der befragten Kohorte wider: Faktoren wie individuelle Erwartungen, die persönliche Betreuungssituation im jeweiligen Semester oder auch kurzfristige organisatorische Probleme können das Ergebnis beeinflussen, ohne dass sich daraus zwingend etwas über die grundsätzliche Qualität der Ausbildung ableiten lässt.

Hinzu kommt: Rankings bilden immer die Vergangenheit ab. Zwischen der Datenerhebung und der Veröffentlichung vergeht Zeit, und bis Du selbst an der jeweiligen Fakultät studierst, können sich Rahmenbedingungen wie Personal, Ausstattung oder Studienorganisation bereits wieder verändert haben.

Warum wir hier keine eigene Rangliste veröffentlichen

Wir verzichten bewusst darauf, eine eigene Top-Liste der „besten“ zahnmedizinischen Fakultäten zu veröffentlichen. Der Grund: Jede pauschale Rangfolge würde eine Genauigkeit vortäuschen, die es angesichts der Methodik und der subjektiven Anteile solcher Bewertungen schlicht nicht gibt. Stattdessen empfehlen wir, das CHE-Ranking als einen von mehreren Bausteinen bei der Studienortwahl zu nutzen, gemeinsam mit anderen, oft wichtigeren Kriterien.

Worauf es bei der Studienortwahl wirklich ankommt

Neben den Ranking-Ergebnissen lohnt sich der Blick auf ganz praktische Fragen: Wie ist die Klinikanbindung der Fakultät organisiert, wie früh kommst Du mit echten Patient:innen in Kontakt, wie ist das Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden in den praktischen Kursen, und nicht zuletzt, wie gut passt der Studienort persönlich zu Dir, was Stadt, Lebenshaltungskosten und Nähe zum Heimatort angeht? Einen Überblick über die verschiedenen Standorte in Deutschland liefert der Artikel Zahnmedizin studieren in Deutschland. Wie sich das Studium an einer der bekanntesten deutschen Fakultäten konkret gestaltet, zeigt exemplarisch der Artikel Zahnmedizin in Berlin studieren.

Andere Quellen, die bei der Einordnung helfen

Neben dem CHE-Ranking lohnt sich der Blick auf weitere, unabhängige Informationsquellen: Erfahrungsberichte aktueller Studierender und Fachschaften geben oft ein aktuelleres und persönlicheres Bild als eine im mehrjährigen Rhythmus erhobene Studie. Auch ein direkter Austausch mit Studierenden vor Ort, etwa bei einem Tag der offenen Tür oder über studentische Beratungsangebote der jeweiligen Fakultät, liefert häufig konkretere und aktuellere Eindrücke als eine abstrakte Kennzahl aus einer im mehrjährigen Rhythmus erhobenen Studie.

Rankings als Orientierung, nicht als Entscheidungsgrundlage

Wer das CHE-Ranking nutzen möchte, sollte es als das lesen, was es ist: eine strukturierte Sammlung von Einschätzungen zu einzelnen Aspekten des Studiums, nicht als objektive Qualitätsmessung der gesamten Fakultät. Sinnvoll ist es, gezielt die Kriterien anzuschauen, die Dir persönlich am wichtigsten sind (etwa die Ausstattung der praktischen Kurse, wenn Dir das besonders wichtig ist), statt nach einer vermeintlichen Gesamtplatzierung zu suchen, die es in dieser Form gar nicht gibt.

Wie mit Ranking-Ergebnissen in Marketing und Presse umgegangen wird

Nach jeder Veröffentlichung des CHE-Rankings greifen Fachportale und teils auch Universitäten selbst einzelne positive Ergebnisse heraus und bewerben sie prominent, etwa mit Formulierungen wie „Spitzengruppe bei der Betreuung“. Das ist grundsätzlich zulässig, weil es sich um reale Teilergebnisse handelt: wichtig ist nur, sich bewusst zu machen, dass eine so beworbene Einzelkategorie nicht automatisch eine Gesamtüberlegenheit gegenüber anderen Standorten bedeutet. Wer eine Pressemitteilung oder einen Marketingtext mit Ranking-Bezug liest, sollte deshalb im Zweifel selbst auf die Original-Methodikseite des CHE schauen, um zu verstehen, worauf sich die genannte Platzierung tatsächlich bezieht.

Fazit – es gibt nicht die eine beste Uni

Die ehrliche Antwort auf die Frage nach der besten Uni für Zahnmedizin lautet: Es kommt darauf an, wonach Du suchst. Das CHE-Ranking liefert dafür wertvolle, aber bewusst nicht zu einer einzigen Note verdichtete Informationen. Wer sich bei der Studienortwahl allein auf eine vermeintliche Rangliste verlässt, übersieht am Ende oft die Kriterien, die für den eigenen Studienalltag tatsächlich den größten Unterschied machen.

Quellen

  • CHE Ranking-Methodik: Zahnmedizin (methodik.che-ranking.de)
  • CHE: Wie entsteht eigentlich das CHE Hochschulranking? (che.de)
  • ZEIT Studienführer 2026/27
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