Alternativen

Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren

RedaktionVon Redaktion6 Min. Lesezeit
Studentin in stilisierter Bundeswehr-Uniform mit Büchern auf dem Campus – Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren

Die Bundeswehr kann pro Jahr über 20 Studienplätze in Zahnmedizin vergeben. Wer ausgewählt wird, studiert an einer zivilen Universität, erhält schon im Studium das Gehalt seines Dienstgrads und verpflichtet sich für 17 Jahre. Die Bewerbung läuft direkt bei der Bundeswehr, nicht über hochschulstart. Ein ziviler NC-Wert entscheidet nicht. An seine Stelle tritt ein mehrtägiges Assessment – und schon die Vorauswahl berücksichtigt die Abiturnote. Den Berufsalltag und die Besoldung als Zahnarzt beschreibt der Artikel Zahnarzt bei der Bundeswehr.

Wie der Studienweg funktioniert

Die Plätze laufen im Zentralen Verfahren als Vorabquote für „Benannte”: Die Bundeswehr entscheidet in einem eigenen Bewerbungs- und Auswahlverfahren selbst, wer einen dieser Plätze erhält (Erläuterung in der Statistik von hochschulstart). Zum Wintersemester 2025/26 gingen in der Zahnmedizin 29 Zulassungen an Benannte, zum Sommersemester 2026 zwei. Die Zahnärztlichen Mitteilungen (zm, Heft 09/2026) nennen über 20 Plätze pro Jahr; für die Medizin insgesamt erhält die Bundeswehr laut FAQ Sanität etwa 250 von 10.000 Studienplätzen. Der Ablauf:

  1. Bewerbung über Beratungsgespräch und Bewerbungsportal der Bundeswehr. Die Vorauswahl berücksichtigt die Abiturnote oder die schulischen Leistungen zum Bewerbungszeitpunkt.
  2. Mehrtägiges Assessment. Geprüft werden Studieneignung, Motivation für den Soldatenberuf, Eignung als Offizier, körperliche Fitness und gesundheitliche Eignung. Die Karriereseite erklärt in Videos den Computertest (CAT), das Vorstellungsgespräch, das Gruppensituationsverfahren, die medizinische Untersuchung und den Basis-Fitnesstest.
  3. Dreimonatige militärische Grundausbildung.
  4. Studium an einer zivilen Universität, gemeinsam mit zivilen Studierenden. Die zm nennen rund elf Semester. Du bist vom militärischen Dienst freigestellt; in den Semesterferien folgen militärische Ausbildungen, und mindestens einmal im Kalenderjahr musst Du die soldatischen Grundfertigkeiten nachweisen. Zum Leutnant wirst Du nach drei Jahren befördert, wenn Du das Physikum bestanden und den Offizierlehrgang Teil 1 absolviert hast.
  5. Approbation und automatische Beförderung zum Stabsarzt. Die Soldatenlaufbahnverordnung (§ 29 Abs. 3) verlangt für diesen Dienstgrad die Approbation.
  6. Professionalisierungsphase von 18 Monaten, die laut zm der Assistenzzeit in einer Praxis entspricht. Danach arbeitest Du in einer von 150 Behandlungseinrichtungen der Bundeswehr.
  7. Dienstende nach 17 Jahren, auf Wunsch und bei freien Dienstposten mit Verlängerung oder Übernahme als Berufssoldat.

Feste Bewerbungsfristen nennt die Karriereseite nicht – Termine klärt das Beratungsgespräch.

Wie lange musst Du Dich verpflichten?

Auf der Karriereseite der Bundeswehr steht für diese Laufbahn: „Deine Dienstzeit in dieser Laufbahn beträgt 17 Jahre”, mit der Möglichkeit zur Übernahme als Berufssoldat. Die zm sprechen von mindestens 17 Jahren und rechnen nach dem Studium mit etwa 11,5 Jahren Dienst als Zahnarzt; der Rest entfällt auf Grundausbildung und Studium. Etwa zwei Drittel der Sanitätsoffiziere Zahnarzt verlassen die Bundeswehr nach den 17 Jahren im Alter von 35 bis 40 Jahren. Bis zu sieben pro Jahr übernimmt die Bundeswehr als Berufssoldaten, die in der Regel bis 62 dienen.

Für bereits approbierte Zahnärzte gilt ein anderer Einstieg mit eigenen Konditionen, siehe Zahnarzt bei der Bundeswehr.

Ausstieg und Rückzahlung

Ein vorzeitiges Ausscheiden auf eigenen Wunsch setzt einen Härtefall voraus: Nach § 55 Abs. 3 Soldatengesetz (SG) ist ein Soldat auf Zeit auf Antrag zu entlassen, wenn das Verbleiben aus persönlichen, häuslichen, beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen eine besondere Härte wäre. Wer auf eigenen Antrag ausscheidet, muss nach § 56 Abs. 4 SG die Kosten des Studiums erstatten, als Sanitätsoffizieranwärter zusätzlich das gezahlte Ausbildungsgeld. Dasselbe gilt bei fristloser Entlassung wegen schuldhafter Dienstpflichtverletzung, beim Verlust der Rechtsstellung und bei Entfernung aus dem Dienst nach einem Disziplinarurteil. Auf die Erstattung kann die Bundeswehr ganz oder teilweise verzichten, wenn sie eine besondere Härte wäre; gestundete Beträge werden mit 5 Prozentpunkten über dem Basiszins verzinst.

Wer die Laufbahnanforderungen nicht mehr erfüllt, kann nach § 55 Abs. 4 SG in den ersten vier Dienstjahren entlassen werden; ein Anwärter, der sich nicht zum Sanitätsoffizier eignet, soll es. Zahlen muss er dann nur, wenn er die Entlassung vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hat (§ 56 Abs. 4 Nr. 3). Das Gesetz nennt keine Beträge, die Karriereseite ebenfalls nicht; die Höhe wird im Einzelfall festgesetzt.

Voraussetzungen

Die Karriereseite nennt für den Studienweg: Mindestalter 17 Jahre, deutsche Staatsangehörigkeit, allgemeine Hochschulreife, Bereitschaft zur bundesweiten Verwendung und zu möglichen Auslandseinsätzen sowie den Eid, Deutschland treu zu dienen. Dazu kommen laut zm die gesundheitliche Eignung zum Wehrdienst und ausreichende Fitness. Eine Mindestnote für das Abitur ist nicht veröffentlicht; die zm schreiben nur, dass die Plätze „sehr begehrt” sind und die Note bei der Vorauswahl eine Rolle spielt. Wie weit Fachabitur oder berufliche Qualifikation für die Zahnmedizin reichen, steht in den Artikeln Zahnmedizin mit Fachabi und Zahnmedizin ohne Abitur.

Gehalt im Studium

Schon als Anwärter erhältst Du das Gehalt Deines Dienstgrads. Du startest als Sanitätssoldat und steigst mit dem Studienfortschritt auf (§ 29 Abs. 1 SLV legt die Mindestdienstzeiten je Dienstgrad fest). Die Netto-Beispiele der Bundeswehr und die Besoldung nach der Approbation stehen im Artikel Zahnarzt bei der Bundeswehr. Wer ohne Dienstverpflichtung finanzieren will, findet Alternativen bei BAföG und Stipendien; die Studienkosten ordnet Was kostet das Zahnmedizinstudium? ein.

Gerüchte und Stand

Gerücht Stand laut Bundeswehr, zm und Gesetz
Es sind nur zwölf Jahre. 17 Jahre Dienstzeit; die zm nennen „mindestens 17 Jahre”.
Ohne NC kommt man leicht hinein. Kein ziviler NC-Wert, aber Vorauswahl mit Abiturnote und mehrtägiges Assessment bei über 20 Plätzen im Jahr.
Das Studium läuft getrennt vom zivilen. Reguläres Studium an einer zivilen Universität, gemeinsam mit zivilen Studierenden; militärische Ausbildung zusätzlich in den Semesterferien.
Nach der Approbation kann man einfach kündigen. Entlassung auf Antrag nur bei besonderer Härte (§ 55 Abs. 3 SG), danach Kostenerstattung nach § 56 Abs. 4 SG.

Passt der Weg zu Dir?

Drei Fragen entscheiden:

  1. Kannst Du Dir vorstellen, mit 17 oder 18 Jahren eine Bindung bis etwa Mitte 30 oder länger einzugehen? Zwei Drittel der Zahnärzte gehen laut zm mit 35 bis 40 Jahren.
  2. Nimmst Du bundesweite Versetzungen und Auslandseinsätze in Kauf? Laut zm sind jedes Jahr bis zu 30 Sanitätsoffiziere Zahnarzt bei Missionen, Einsätzen und Übungen im Ausland; der Schwerpunkt liegt auf Landes- und Bündnisverteidigung.
  3. Willst Du Soldat sein, nicht nur Zahnarzt? Das Studium ist zivil – der Dienst danach nicht.

Dreimal Ja spricht für eine Bewerbung beim Karrierecenter der Bundeswehr. Bei einem Nein lohnt der Blick auf die übrigen Wege in Zahnmedizin ohne NC studieren oder das Studium im Ausland.

Quellen

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