Alternativen

Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Studentin in stilisierter Bundeswehr-Uniform mit Büchern auf dem Campus – Zahnmedizin bei der Bundeswehr studieren

Kaum ein alternativer Zugangsweg zum Zahnmedizinstudium ist von so vielen halbwahren Gerüchten umgeben wie der über die Bundeswehr. Mal ist von zwölf, mal von 17 Jahren Verpflichtung die Rede, mal klingt es nach einem cleveren Trick, um den NC zu umgehen, mal nach einem Vertrag, den man besser nicht unterschreibt. Zeit, die tatsächlichen Fakten von der offiziellen Bundeswehr-Karriereseite gegenüberzustellen.

Wie der Studienweg funktioniert

Wer sich für den Studienweg über die Bundeswehr entscheidet, bewirbt sich nicht über hochschulstart, sondern direkt bei der Bundeswehr, unabhängig vom Zulassungsverfahren der zivilen Universitäten. Nach einer erfolgreichen Auswahl durchläufst Du zunächst eine militärische Grundausbildung, bevor das eigentliche Zahnmedizinstudium an einer zivilen deutschen Universität beginnt. Während des Studiums bist Du vom regulären militärischen Dienst freigestellt, in den Semesterferien kommen jedoch militärische Ausbildungsabschnitte hinzu, etwa Offizierslehrgänge oder Truppenpraktika, die die klinischen Famulaturen zumindest teilweise ersetzen. Nach bestandenem Staatsexamen und erteilter Approbation wirst Du automatisch zum Stabsarzt befördert und beginnst Deinen Dienst als approbierter Sanitätsoffizier Zahnarzt.

Die Verpflichtungszeit: 17 Jahre, verifiziert

An dieser Stelle kursieren im Netz die unterschiedlichsten Zahlen. Die verbindliche Angabe auf der offiziellen Karriereseite der Bundeswehr ist eindeutig: „Deine Dienstzeit in dieser Laufbahn beträgt 17 Jahre“, mit der Option, anschließend als Berufssoldat:in übernommen zu werden. Wichtig für das richtige Verständnis dieser Zahl: Es handelt sich um die gesamte Dienstzeit ab Beginn der militärischen Grundausbildung, nicht um eine zusätzliche Verpflichtung, die erst nach der Approbation beginnt. Die rund fünf Jahre Studienzeit sind in diesen 17 Jahren also bereits enthalten, die tatsächliche Dienstzeit als approbierter Zahnarzt danach liegt entsprechend bei rund zwölf Jahren.

Das ist ein entscheidender Unterschied zum Seiteneinstieg für bereits approbierte Zahnärzt:innen, für den laut Bundeswehr-Karriereseite eine deutlich kürzere Mindestverpflichtungszeit gilt. Die beiden Wege, Studienweg und Seiteneinstieg, sind rechtlich und praktisch klar getrennt und werden ausführlich im Artikel Zahnarzt bei der Bundeswehr gegenübergestellt, der auch die spätere Berufstätigkeit als approbierte:r Sanitätsoffizier:in Zahnarzt beschreibt.

Wer die Verpflichtung vorzeitig beenden möchte, muss grundsätzlich mit einer Rückzahlungspflicht für die während des Studiums entstandenen Ausbildungskosten rechnen, die konkrete Höhe und die genauen Bedingungen dafür regelt die Bundeswehr im Einzelfall und sollten vor einer Bewerbung direkt bei der Karriereberatung erfragt werden.

Voraussetzungen und Bewerbung

Für den Studienweg gelten neben der allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung mehrere formale Voraussetzungen: deutsche Staatsangehörigkeit, ein Mindestalter von 17 Jahren, gesundheitliche und psychologische Eignung sowie die grundsätzliche Bereitschaft zum bundesweiten Einsatz und zu möglichen Auslandseinsätzen. Die Bewerbung läuft über die Karrierecenter der Bundeswehr und ist von den zivilen Bewerbungsfristen über hochschulstart unabhängig, sie sollte aber ebenfalls frühzeitig erfolgen, da der Auswahlprozess mehrstufig ist.

Das Auswahlverfahren selbst ist deutlich umfangreicher als ein normales Bewerbungsgespräch: Es umfasst unter anderem eine ärztliche Untersuchung, computergestützte Tests zu Logik, Sprache und Gedächtnis, naturwissenschaftliche Aufgaben, Gruppenübungen, persönliche Gespräche mit Offizieren und Psycholog:innen sowie einen Sporttest. Wer diesen Weg konkret ins Auge fasst, sollte sich auf einen mehrtägigen Auswahlprozess einstellen, der deutlich intensiver ist als ein klassisches Auswahlgespräch an einer zivilen Universität.

Besoldung während des Studiums

Ein zentraler Vorteil dieses Weges ist die finanzielle Absicherung während des gesamten Studiums: Anstelle von BAföG oder Nebenjobs erhältst Du als Offizieranwärter:in bereits während des Studiums das volle, Deinem Dienstgrad entsprechende Gehalt. Nach Angaben der Bundeswehr-Karriereseite liegen die Nettobeträge beispielhaft bei rund 2.321 Euro für Offizieranwärter:innen und rund 2.833 Euro für Leutnants, abhängig von Familienstand und weiteren Faktoren. Damit entfällt für Studierende auf diesem Weg ein Großteil der finanziellen Sorgen, die viele andere Studierende im Artikel Was kostet das Zahnmedizinstudium? beschäftigen, auch wenn die Materialkosten für Instrumente und Kurse davon nicht automatisch abgedeckt sind.

Wie das Studium selbst neben der militärischen Ausbildung abläuft

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Studierende auf diesem Weg ein eigenes, militärisches Zahnmedizinstudium durchlaufen. Tatsächlich ist das Curriculum identisch mit dem regulären Zahnmedizinstudium an einer zivilen Universität: dieselben Vorlesungen, derselbe Phantomkurs, dieselben Prüfungen wie bei allen anderen Studierenden am jeweiligen Standort. Der militärische Anteil kommt zusätzlich hinzu, vor allem in den Semesterferien, und ersetzt teilweise klassische Praktika oder Famulaturen durch Truppenpraktika mit medizinischem Bezug. Im laufenden Semester unterscheidet sich der Alltag also deutlich weniger vom regulären Studienalltag, als viele erwarten, auch wenn die Bundeswehr als Arbeitgeber im Hintergrund immer präsent bleibt, etwa durch die eigene Uniform bei bestimmten Anlässen oder durch feste Ansprechpersonen bei der Truppe.

Häufige Irrtümer über diesen Weg

Neben der falschen Zahl bei der Verpflichtungszeit halten sich noch weitere Missverständnisse hartnäckig. Ein verbreiteter Irrtum ist, man könne sich nach der Approbation einfach freikaufen und sofort in die zivile Praxis wechseln, ohne nennenswerte Konsequenzen. Tatsächlich ist ein vorzeitiges Ausscheiden an feste Bedingungen und in der Regel an eine Rückzahlungspflicht geknüpft, die von der Bundeswehr im Einzelfall geprüft wird. Ein zweiter Irrtum ist, der Weg über die Bundeswehr sei automatisch der „einfachere“ Zugang zum Zahnmedizinstudium. Formal stimmt das, weil kein ziviler NC gilt, dafür ersetzt ihn aber ein eigenes, mehrstufiges und anspruchsvolles Auswahlverfahren, das keineswegs jeder besteht, der sich bewirbt.

Für wen sich dieser Weg eignet – und für wen nicht

Der Bundeswehr-Studienweg ist kein Trick, um den NC zu umgehen, sondern eine vollwertige, sehr langfristige Bindung, die weit über das Studium hinausreicht. Er eignet sich vor allem für alle, die:

  • frühzeitig, meist direkt nach dem Abitur, eine langfristige Entscheidung treffen wollen und mit einer Bindung über fast zwei Jahrzehnte gut leben können.
  • finanzielle Unabhängigkeit während des Studiums einem möglichst freien, unabhängigen Studienalltag vorziehen.
  • grundsätzliches Interesse an militärischen Strukturen, Disziplin und Hierarchie mitbringen, denn diese prägen das Studium von Anfang an mit.
  • die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen nicht als Ausschlusskriterium, sondern als Teil der beruflichen Perspektive sehen.

Für alle, die sich noch nicht sicher sind, ob sie sich für fast zwei Jahrzehnte binden möchten, oder die maximale Flexibilität bei der Studienortwahl und im späteren Berufsleben schätzen, ist dieser Weg dagegen mit Vorsicht zu betrachten. Anders als bei einem regulären Studienplatz lässt sich diese Entscheidung nicht einfach durch einen Uniwechsel korrigieren.

Fazit

Der Weg über die Bundeswehr ist ein ernstzunehmender, gut dokumentierter Zugang zum Zahnmedizinstudium ganz ohne NC, mit finanzieller Sicherheit während der gesamten Studienzeit. Der Preis dafür ist real und sollte nicht kleingeredet werden: 17 Jahre Gesamtdienstzeit, gerechnet ab Studienbeginn, mit allem, was militärischer Dienst an Verpflichtungen und Einschränkungen mit sich bringt. Wer sich diesen Weg vorstellen kann, findet in der Bundeswehr einen verlässlichen, langfristig planbaren Arbeitgeber. Wer sich diese Bindung nicht vorstellen kann, sollte lieber einen der anderen Wege prüfen, etwa das Zahnmedizinstudium im Ausland.

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