Zahnmedizinstudium im Ausland

Zahnmedizinstudium in Tschechien

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Wehende tschechische Flagge neben einem Zahnarzt im Kittel – Zahnmedizinstudium in Tschechien

Die Karls-Universität ist die älteste Universität Mitteleuropas (gegründet 1348 in Prag) und unterhält gleich an drei Standorten eigenständige medizinische Fakultäten mit englischsprachigem Zahnmedizinstudium: in Pilsen, in Prag selbst und in Hradec Králové. Daneben bieten auch die Masaryk-Universität in Brno und die Palacký-Universität in Olomouc eigene englischsprachige Zahnmedizin-Programme an. Damit ist Tschechien mit fünf Standorten eines der Länder mit der größten Auswahl an englischsprachigen Zahnmedizin-Studiengängen in Europa.

Die medizinischen Fakultäten Tschechiens

Pilsen liegt gut anderthalb Autostunden von der bayerischen Grenze entfernt und ist damit einer der am leichtesten erreichbaren Auslandsstudienorte für Bewerber:innen aus Süddeutschland. Die Medizinische Fakultät der Karls-Universität in Pilsen bietet einen eigenständigen, komplett auf Englisch unterrichteten Zahnmedizin-Studiengang an, der mit dem akademischen Grad MDDr. abschließt. Prag wiederum bietet Zahnmedizin über die 1. Medizinische Fakultät der Karls-Universität an, ohne eigenständiges Stomatologie-Institut, ein wichtiger Unterschied zur Fakultät in Pilsen, da sich Zulassungsvoraussetzungen und Fristen zwischen den Fakultäten der Karls-Universität deutlich unterscheiden. In Hradec Králové unterhält die Karls-Universität eine dritte medizinische Fakultät, die nach eigenen Angaben sowohl die theoretischen als auch die klinischen Fächer komplett auf Englisch unterrichtet.

Die Masaryk-Universität in Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, bietet ein eigenständiges MDDr.-Programm an, bei dem ab dem ersten Studienjahr allerdings verpflichtende Tschechischkurse für den späteren Patientenkontakt Teil des Curriculums sind. Die Palacký-Universität in Olomouc, der zweitältesten Universität Tschechiens, rundet das Angebot mit einem weiteren fünfjährigen, englischsprachigen MDDr.-Programm ab.

Die Aufnahmeprüfungen: Präsenz oder online

Anders als in Ungarn oder Rumänien läuft die Zulassung an allen tschechischen Standorten über einen klassischen Aufnahmetest: die Formate unterscheiden sich jedoch deutlich:

  • Pilsen: Schriftlicher Aufnahmetest in Präsenz vor Ort in Pilsen, jährlich im Juni, mit Fragen zu Biologie, Chemie und Physik, gefolgt von einem persönlichen Gespräch mit der Aufnahmekommission.
  • Prag (1. Medizinische Fakultät): Zweistufiges Verfahren aus einem schriftlichen Multiple-Choice-Test (Biologie, Chemie, Naturwissenschaften) und fünf kurzen Online-Interviews nach dem Multi-Mini-Interview-Format, die über die endgültige Rangliste entscheiden.
  • Brno (Masaryk-Universität): Schriftliche Aufnahmeprüfung in Biologie, Chemie und Physik; alternativ ein hauseigenes Foundation Programme.
  • Olomouc (Palacký-Universität): Aufnahmeprüfung in Biologie, Chemie und wahlweise Physik oder Mathematik, ergänzt um Englischnachweis und ein kurzes Interview.
  • Hradec Králové: Schriftlicher Online-Multiple-Choice-Test (Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik) sowie ein Interview zu wissenschaftlichem Verständnis, Persönlichkeit und Motivation.

Weil mehrere dieser Tests in Präsenz stattfinden, solltest Du die Anreise frühzeitig einplanen. Wer sich systematisch auf mehrere testbasierte Länder gleichzeitig vorbereiten möchte, findet einen Überblick über zulassungsfreie und -erleichterte Alternativen im Artikel Zahnmedizin ohne NC studieren. Zur Bewerbung gehören an allen Standorten üblicherweise ein Online-Bewerbungsformular, Kopien der bisherigen Schulzeugnisse, ein Reisepass sowie eine Bewerbungsgebühr.

Kosten des Zahnmedizinstudiums in Tschechien

Die Studiengebühren werden an allen tschechischen Standorten offiziell in Kronen ausgewiesen, Stand 2026/27:

  • Pilsen: 195.000 CZK pro Semester, umgerechnet rund 8.000 €
  • Prag (1. Medizinische Fakultät): 24.250 € pro Jahr, rechnerisch rund 12.125 € pro Semester (offiziell nur als Jahresbetrag ausgewiesen)
  • Brno (Masaryk-Universität): 200.000 CZK pro Semester, umgerechnet rund 8.200 €
  • Olomouc (Palacký-Universität): 7.000 € pro Semester
  • Hradec Králové: 205.000 CZK pro Semester, umgerechnet rund 8.400 €

Da die Gebühren offiziell größtenteils in Kronen ausgewiesen werden, kann der Euro-Gegenwert je nach Wechselkurs leicht schwanken, für die Budgetplanung solltest Du deshalb eher mit der Kronen-Summe rechnen. Im europäischen Vergleich liegen die tschechischen Standorte im mittleren bis oberen Kostenbereich, spürbar günstiger als etwa Zypern, aber teurer als die günstigsten Standorte in Bulgarien oder Rumänien. Eine vollständige Übersicht über alle Länder findest Du im Artikel Was kostet das Zahnmedizinstudium im Ausland?

Die Lebenshaltungskosten liegen in Prag am höchsten, deutlich darunter in Pilsen, Brno, Olomouc und Hradec Králové. Insgesamt solltest Du in Prag mit rund 700 € bis 1.000 € monatlich rechnen, an den übrigen vier Standorten eher mit 500 € bis 800 €.

Studienaufbau und Dauer

Das Zahnmedizinstudium dauert an allen fünf tschechischen Standorten fünf Jahre und gliedert sich, wie in den meisten europäischen Ländern üblich, in einen vorklinischen Abschnitt mit naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern und einen klinischen Abschnitt mit intensiver praktischer Ausbildung am Patientenstuhl in den jeweiligen Universitätskliniken. In Brno sind ab dem ersten Studienjahr zusätzlich Tschechischkurse verpflichtend, da der klinische Patientenkontakt in den höheren Semestern tschechische Sprachkenntnisse voraussetzt, an den übrigen Standorten lässt sich der überwiegende Teil des Studienalltags mit Englisch bewältigen.

Leben in Tschechien

Tschechien bietet mit seinen fünf Zahnmedizin-Standorten eine große Bandbreite an Studienorten: von der Millionenmetropole Prag mit ihrer weltberühmten Altstadt über die Studierendenstadt Brno mit einer der höchsten Studierendendichten des Landes bis zu den überschaubaren, historischen Universitätsstädten Pilsen, Olomouc und Hradec Králové. Für internationale Studierende gibt es an allen Fakultäten eigene Betreuungsstrukturen, die bei der Wohnungssuche, der Anmeldung bei den tschechischen Behörden und organisatorischen Fragen rund um Studienbeginn helfen.

Anerkennung des Abschlusses in Deutschland

Tschechien ist EU-Mitglied, weshalb ein an einer der fünf medizinischen Fakultäten erworbener Zahnmedizin-Abschluss unter die europäische Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG fällt. Die Approbation in Deutschland läuft entsprechend ohne inhaltliche Einzelfallprüfung Deiner Ausbildung, sofern die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Details zum Ablauf beschreibt der Artikel Anerkennung: Mit dem Auslandsabschluss zurück nach Deutschland, die konkreten Antragsschritte erklärt Die Approbation als Zahnarzt.

Krankenversicherung und Formalitäten

Als EU-Bürger:in profitierst Du in Tschechien von den üblichen Freizügigkeitsregeln: eine gesonderte Aufenthaltsgenehmigung ist für ein Studium nicht nötig, eine Anmeldung bei den örtlichen Behörden nach der Ankunft aber trotzdem sinnvoll. Für die Krankenversicherung akzeptieren die Fakultäten in der Regel sowohl eine mitgebrachte deutsche Auslandskrankenversicherung als auch eine vor Ort abgeschlossene Police, sofern sie den formalen Anforderungen der jeweiligen Universität entspricht. Am besten klärst Du diesen Punkt bereits im Zulassungsprozess, damit die Immatrikulation nicht an fehlenden Nachweisen scheitert.

Für wen sich Tschechien eignet

Tschechien eignet sich vor allem für Bewerber:innen, die sich gezielt auf einen klassischen naturwissenschaftlichen Aufnahmetest vorbereiten möchten und einen Studienort schätzen, der geografisch nah an Deutschland liegt. Mit fünf Standorten unterschiedlicher Größe und Prüfungsformate lässt sich zudem gezielt nach dem passenden Auswahlverfahren suchen, von der Präsenzprüfung in Pilsen bis zum zweistufigen Online-Verfahren in Prag. Wer sich unsicher ist, wie realistisch die eigenen Erfolgsaussichten beim jeweiligen Aufnahmeverfahren sind, oder Unterstützung bei der gezielten Vorbereitung sucht, findet bei Anbietern wie StudiMed eine unabhängige Einordnung der eigenen Chancen und der infrage kommenden Standorte.

Quellen

  • Karls-Universität Prag, Medizinische Fakultät Pilsen: Admission Requirements, Dentistry Programme (lfp.cuni.cz)
  • Karls-Universität Prag, 1. Medizinische Fakultät: Dentistry Studies (en.lf1.cuni.cz)
  • Karls-Universität Prag, Medizinische Fakultät Hradec Králové: Admission Requirements (lfhk.cuni.cz)
  • Masaryk-Universität Brno, Medizinische Fakultät: Dentistry (med.muni.cz)
  • Palacký-Universität Olomouc, Medizinische Fakultät: Master Degree Programmes (lf.upol.cz)
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