Zahnarztberuf & Karrierewege

Arbeitsvertrag Assistenzzahnarzt prüfen: Checkliste

RedaktionVon Redaktion10 Min. Lesezeit
Formulare, Notizblock und Stift auf hellem Holztisch – Arbeitsvertrag Assistenzzahnarzt prüfen

Der Vertrag für Deine Vorbereitungsassistenz begleitet Dich zwei Jahre. Er legt fest, wie viel Du verdienst, wann Du arbeitest, was bei Krankheit passiert und was Du nach dem Ausscheiden darfst. Wer die Stelle unbedingt will, unterschreibt schnell, was ihm vorgelegt wird. Diese Prüfliste hilft Dir, den Entwurf Punkt für Punkt durchzugehen.

Wichtig vorab: Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Er zeigt, worauf Du achten kannst, und verweist auf Gesetze und Kammer-Vorlagen. Ob eine Klausel im Einzelfall wirksam ist, kann nur eine rechtliche Prüfung klären. Die Bayerische Landeszahnärztekammer empfiehlt in den Hinweisen zu ihrem Muster selbst, individuelle Vertragswünsche mit einem spezialisierten Rechtsanwalt wie einem Fachanwalt für Arbeitsrecht umzusetzen. Die Kammern nennen Beratung und Unterstützung ihrer Mitglieder als Aufgabe (so beschreibt es der Ratgeber von BZÄK und KZBV). Ob und in welchem Umfang Deine Kammer Arbeitsverträge prüft, erfragst Du dort direkt. Stand der Gesetzestexte: Oktober 2026.

Der Maßstab: Musterverträge der Kammern

Mehrere Kammern und KZVen stellen Muster für den Vorbereitungsassistenten bereit, darunter die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK), die Zahnärztekammer Niedersachsen und die KZV Rheinland-Pfalz. Das BLZK-Muster (Stand Dezember 2022) ist öffentlich einsehbar. Es ist ausdrücklich unverbindlich und kein Anspruch auf eine bestimmte Gestaltung, taugt aber gut als Vergleichsfolie: Weicht Dein Entwurf an einer Stelle deutlich ab, frag nach dem Grund. Die Fundstellen unten beziehen sich auf dieses Muster, wenn “Muster” dabeisteht.

Außerdem schreibt das Nachweisgesetz vor, dass der Arbeitgeber die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederlegen und Dir aushändigen muss. Dazu zählen Entgelt samt Überstundenvergütung, Arbeitszeit, Urlaubsdauer, ein etwaiger Fortbildungsanspruch, Probezeit, Kündigungsverfahren und -fristen (§ 2 NachwG). Fehlt etwas davon, kann das ein Bußgeld bis zu 2.000 Euro nach sich ziehen (§ 4 NachwG).

Block A: Rahmen und Start

  1. Vertragspartner und Ausbilder. Wer ist Dein Arbeitgeber, und wer ist als Ausbilder benannt? In den KZV-Verfahren wird die Genehmigung personenbezogen für Praxis und Assistent erteilt (Beispiel Hamburg). Die KZV Bayerns genehmigt für einen benannten Ausbilder. Fragen, die Du vor der Unterschrift klären solltest: Bleibt dieser Ausbilder, und was passiert, wenn er ausscheidet?
  2. KZV-Genehmigung als Bedingung. Nach § 32 Abs. 2 Zahnärzte-ZV bedarf die Beschäftigung eines Vorbereitungsassistenten der Genehmigung der KZV. Das Muster macht die Wirksamkeit des Vertrags von dieser Genehmigung abhängig und bindet den Beginn an das dort genannte Datum. Ohne klare Regel riskierst Du, Zeiten zu arbeiten, die nicht angerechnet werden.
  3. Befristung. Das Muster ist auf 24 Monate befristet, das Arbeitsverhältnis endet ohne Kündigung. Eine Befristung bedarf nach § 14 Abs. 4 TzBfG der Schriftform. Frag, was nach den zwei Jahren geschieht: Übernahme, Weiterbildung, nichts?
  4. Arbeitsort. Das Muster erlaubt den Einsatz an einem weiteren Praxissitz. Prüfe, ob Zweigpraxen im Spiel sind und wie Fahrzeit und Fahrtkosten geregelt sind.
  5. Voll- oder Teilzeit. Die Wochenstunden entscheiden mit über die Dauer der Vorbereitungszeit. Nach den Hinweisen zum BLZK-Muster verlängert sich die Zeit bei halbtägiger Beschäftigung (mehr als 15 Stunden) von zwei auf vier Jahre, die KZV Hamburg verlangt mindestens 16 Stunden für eine Anrechnung. Schreibe die Stundenzahl konkret in den Vertrag.

Block B: Geld

  1. Vergütung und Fälligkeit. Bruttobetrag, Zahltag und Zahlungsweise gehören ins Schriftliche (§ 2 NachwG). Ob der Betrag marktüblich ist, kannst Du mit dem Artikel Gehalt als Assistenzzahnarzt abgleichen.
  2. Überstunden. Das Muster sieht vor, dass Überstunden bis zu 10 Prozent der vertraglichen Arbeitszeit mit der Vergütung abgegolten sind und darüber hinaus bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden, allerdings ohne Zuschläge. Die BLZK weist selbst darauf hin, dass der zulässige Umfang pauschaler Abgeltung nicht abschließend geklärt ist. Bei 40 Wochenstunden wären 10 Prozent vier Stunden pro Woche. Lass diese Klausel besonders genau ansehen.
  3. Notdienst. Das Muster verpflichtet dazu, an einer festgelegten Zahl von Feiertagen, Samstagen oder Sonntagen im Jahr am Notdienst teilzunehmen, mit Freizeit- oder Geldausgleich. Prüfe die Zahl, die Vergütung und die Ersatzruhetage nach dem Arbeitszeitgesetz.
  4. Sonderzahlungen. Das Muster stellt zusätzliche Gratifikationen unter einen Freiwilligkeitsvorbehalt. Wenn Dir Weihnachts- oder Urlaubsgeld mündlich zugesagt wurde, gehört es konkret in den Vertrag.
  5. Umsatzbeteiligung. Falls angeboten: Bemessungsgrundlage, Abrechnungszeitraum, Einsicht in die Abrechnung. In der Assistenzzeit ist eine Beteiligung eher untergeordnet, was der Artikel Gehalt als Assistenzzahnarzt erläutert. Das Vergütungsmodell nach der Assistenz beschreibt Gehalt als angestellter Zahnarzt.
  6. Altersvorsorge und Versorgungswerk. Als Mitglied im Versorgungswerk bist Du auf Antrag von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit. Der Arbeitgeber zahlt dann einen Zuschuss in Höhe des Anteils, den er bei Rentenversicherungspflicht tragen müsste (§ 172a SGB VI). Frag, ob die Praxis ihn automatisch zahlt. Eine betriebliche Altersversorgung ist im Muster optional.

Block C: Zeit und Erholung

  1. Arbeitszeit und Pausen. Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden, verlängerbar auf zehn bei Ausgleich, schreibt 30 Minuten Pause bei mehr als sechs Stunden Arbeit (45 Minuten bei mehr als neun) und eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden vor (§§ 3 bis 5 ArbZG). Dein Vertrag sollte diese Grenzen nicht aushebeln.
  2. Urlaub. Das Bundesurlaubsgesetz garantiert mindestens 24 Werktage, das sind 20 Arbeitstage bei einer Fünf-Tage-Woche. Der volle Anspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten (§ 4 BUrlG). Prüfe den vertraglichen Zusatzurlaub, Betriebsferien (nach den Hinweisen der BLZK sollten dem Arbeitnehmer mindestens zwei Fünftel zur freien Verfügung bleiben) und Verfallregeln.
  3. Krankheit. Nach vier Wochen Beschäftigungsdauer besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung bis zu sechs Wochen (§ 3 EntgFG). Das Muster schließt außerdem § 616 BGB (bezahlte vorübergehende Verhinderung, etwa bei einem Arztbesuch) aus. Das ist ein Punkt zum Verhandeln, ob er im Einzelfall wirksam ist, lass prüfen.
  4. Schwangerschaft und Elternzeit. Vertragsklauseln dazu sind selten, die Folgen für die Vorbereitungszeit regeln die KZVen. In Rheinland-Pfalz bleibt die bereits absolvierte Zeit erhalten und läuft nach der Rückkehr weiter, Hamburg rechnet Zeiten des Beschäftigungsverbots nicht an. Mehr dazu im Artikel Zahnärztin: Familie und Beruf.

Block D: Entwicklung

  1. Fortbildung. Das Muster stimmt den Besuch von Fortbildungen im Einzelfall ab und übernimmt die Kosten, soweit sie für die Arbeitsleistung erforderlich sind. Nach § 111 GewO dürfen Dir die Kosten einer Fortbildung nicht auferlegt werden, die Dein Arbeitgeber aufgrund eines Gesetzes oder Tarifvertrags anbieten muss, und sie soll in der Arbeitszeit stattfinden. Für alles darüber hinaus, etwa einen Curriculumskurs, brauchst Du eine eigene Regelung zu Freistellung, Kosten und möglichen Rückzahlungspflichten. Auf Rückzahlungsklauseln solltest Du die rechtliche Prüfung besonders ansetzen. Nach der BZÄK-Checkliste zählen Fortbildungspunkte aus der Vorbereitungsassistenz übrigens nicht für den 125-Punkte-Nachweis, sinnvoll ist Fortbildung trotzdem.
  2. Anleitung und Behandlungsspektrum. Standardverträge sagen dazu wenig. Du kannst Ausbilder, Supervision und Behandlungsspektrum schriftlich festhalten, zum Beispiel in einer Anlage. Die KZV Hamburg stellt in ihren Richtlinien klar, dass der Vorbereitungsassistent nicht regelhaft allein in der Praxis sein darf. Eine Hilfe bei der Praxisauswahl bietet die Bewertungstabelle für Ausbildungspraxen.
  3. Weiterbildung und Weiterbildungsermächtigung. Wenn Du Fachzahnarzt werden willst, frag früh, ob die Praxis weiterbildungsberechtigt ist. Die Weiterbildung ist nur im Angestelltenverhältnis möglich und muss laut BZÄK-Checkliste vor ihrem Beginn von der Landeszahnärztekammer genehmigt sein. Nach den Hamburger Richtlinien darf ein Weiterbildungsassistent nach der Vorbereitungszeit in derselben Praxis längstens zwei Jahre beschäftigt werden, nach einem Arbeitgeberwechsel insgesamt ein Jahr. Eine mündliche Zusage reicht nicht, die Berechtigung der Praxis kannst Du bei der Kammer erfragen. Einen Überblick liefert der Artikel Fachzahnarzt werden.
  4. Bescheinigungen. Für die Eintragung ins Zahnarztregister brauchst Du einen Nachweis über Deine Tätigkeit nach der Approbation (§ 4 Abs. 2 Zahnärzte-ZV). Das Zeugnis nach § 109 GewO gehört in der Regel zum Ende dazu. Halte schriftlich fest, dass Du eine Bescheinigung über die Vorbereitungszeit erhältst.

Block E: Ende des Arbeitsverhältnisses

  1. Probezeit. Sie darf nach § 622 Abs. 3 BGB höchstens sechs Monate betragen, die Kündigungsfrist beträgt dann zwei Wochen. Bei einem befristeten Vertrag über 24 Monate ist eine lange Probezeit ein Prüfpunkt.
  2. Kündigungsfristen. Die gesetzliche Grundfrist ist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende (§ 622 Abs. 1 BGB). Für Deine Kündigung darf keine längere Frist vereinbart werden als für die des Arbeitgebers (§ 622 Abs. 6 BGB). Kündigungen bedürfen der Schriftform (§ 623 BGB), per E-Mail ist sie unwirksam. Prüfe, ob der befristete Vertrag eine ordentliche Kündigung zulässt, das Muster sieht sie nach der Probezeit vor.
  3. Kündigungsschutz. Das Kündigungsschutzgesetz greift erst nach sechs Monaten (§ 1 KSchG) und gilt nach § 23 KSchG nicht in Betrieben mit in der Regel zehn oder weniger Arbeitnehmern, wenn das Arbeitsverhältnis nach dem 31.12.2003 begann. In einer kleinen Praxis greift es deshalb nicht. Das ist kein Mangel des Vertrags, aber eine Information für Deine Risikoeinschätzung.
  4. Vertragsstrafe. Das Muster sieht bei schuldhaftem Nichtantritt zwei Wochen Festvergütung vor. Prüfe, ob eine Strafe überhaupt vereinbart ist, und wie sie berechnet wird, und ob auch andere Pflichtverletzungen darunterfallen.
  5. Wettbewerbs- und Patientenschutz. Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot bedarf der Schriftform und ist nur verbindlich, wenn der Arbeitgeber eine Entschädigung zahlt, die mindestens die Hälfte der zuletzt bezogenen Leistungen erreicht (§ 74 HGB in Verbindung mit § 110 GewO). Es ist unverbindlich, soweit es keinem berechtigten Interesse dient, und darf nicht länger als zwei Jahre nach Ende wirken (§ 74a HGB). Das Kammer-Muster enthält kein solches Verbot. Ob eine “Patientenschutzklausel” oder Abwerbeverbot darunter fällt, solltest Du rechtlich klären lassen, zumal es entscheidet, ob Du nach den zwei Jahren in der Nähe niederlassen darfst. Mehr zur Niederlassung: Eigene Praxis gründen.

Block F: Verantwortung und Alltag

  1. Weisungsrecht und fachliche Leitung. Der Arbeitgeber darf Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit nach billigem Ermessen bestimmen (§ 106 GewO). Die Musterberufsordnung der BZÄK verlangt für angestellte Zahnärzte die Leitung durch einen Zahnarzt und eine angemessene Vergütung (§ 18), der zahnärztliche Beruf wird zugleich fachlich unabhängig ausgeübt (§ 2). Behandlungsentscheidungen sollten Du und Dein Ausbilder gemeinsam tragen.
  2. Haftung und Berufshaftpflicht. Das Kammer-Muster enthält keine Haftungsklausel. Klär deshalb schriftlich, ob Du in die Berufshaftpflicht der Praxis eingeschlossen bist. Die BZÄK-Checkliste nennt genau diese Rückfrage, und die Musterberufsordnung verlangt, dass jeder Zahnarzt gegen Haftpflichtansprüche versichert ist (§ 4 MBO-Z). Im Verhältnis zum Arbeitgeber musst Du nach § 619a BGB Schaden aus einer Pflichtverletzung nur ersetzen, wenn Du sie zu vertreten hast. Das Haftungsrecht im Arbeitsverhältnis ist im Detail komplex, deshalb gehört jede Regress- oder Freistellungsklausel zur rechtlichen Prüfung.
  3. Nebentätigkeit, Verschwiegenheit, Ausschlussfrist. Das Muster verlangt die Zustimmung des Arbeitgebers zu Nebentätigkeiten, die er bei fehlenden berechtigten Interessen erteilen muss. Die Verschwiegenheit gilt über das Ende hinaus, im Einklang mit § 7 MBO-Z. Die Ausschlussfrist verlangt, Ansprüche binnen drei Monaten nach Fälligkeit in Textform geltend zu machen, sonst verfallen sie. Merke Dir die Frist, wenn Überstunden offen sind.

Zusätzlich gehören arbeitsmedizinische Vorsorge und Masernschutz in den Vertrag, das Muster nimmt sie in § 10 auf.

Wie Du die Liste nutzt

Geh den Entwurf mit einem Stift durch und markiere alles, was Du nicht verstehst oder was vom Kammer-Muster abweicht. Sprich die Punkte offen an, am besten schon beim Vorstellungsgespräch, wie im Artikel Bewerbung als Assistenzzahnarzt beschrieben. Gib den Vertrag dann zur rechtlichen Prüfung, bevor Du unterschreibst. Dafür kommen die Beratung Deiner Zahnärztekammer oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frage. Kosten und Umfang erfragst Du vorab.

Wenn die Stelle läuft, sind die ersten 100 Tage als Assistenzzahnarzt eine gute Gelegenheit, den Vertrag im Alltag zu prüfen. Und für den Papierkram danach gibt es den Artikel Nach dem Examen: Kammer, Versorgungswerk, eHBA.

Quellen

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