Fachzahnarzt & Weiterbildung

Fachzahnarzt werden: Alle Weiterbildungen im Überblick

RedaktionVon Redaktion7 Min. Lesezeit
Fachbücher, Zertifikatsmappe und Lupenbrille auf einem Schreibtisch – Fachzahnarzt werden: Alle Weiterbildungen im Überblick

Bundesweit verbreitet sind drei Fachzahnarzt-Titel: Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentliches Gesundheitswesen. Die Weiterbildung dauert in den meisten Kammerbereichen drei fachspezifische Jahre plus ein allgemeinzahnärztliches Jahr, also vier Jahre nach der Approbation. Regional kommen die Parodontologie (Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz) und die Allgemeine Zahnheilkunde (Brandenburg) hinzu. Alles andere – von der Implantologie bis zur Endodontie – läuft über Curricula, Master oder einen Tätigkeitsschwerpunkt und endet nicht in einem Fachzahnarzt-Titel.

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zählte zum 31.12.2024 3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie und 3.825 für Kieferorthopädie; zahnärztlich aktiv waren laut BZÄK 73.511 Zahnärztinnen und Zahnärzte. Zahlen zum Stichtag 31.12.2025 stehen dort im Oktober 2026 noch nicht. Die Tabelle fasst alle Wege zusammen.

Weg Dauer in Vollzeit Besonderheit Zahl, Stand Mehr
Kieferorthopädie 3 Jahre fachspezifisch plus allgemeinzahnärztliches Jahr; Nordrhein: 3 Jahre insgesamt Zwei Jahre ohne Unterbrechung an einer Weiterbildungsstätte 3.825 (31.12.2024) Weiterbildung Kieferorthopädie
Oralchirurgie 3 Jahre fachspezifisch plus allgemeinzahnärztliches Jahr; Nordrhein: 3 Jahre insgesamt Niedersachsen: OP-Katalog mit Richtzahlen 3.910 (31.12.2024) Weiterbildung Oralchirurgie
Öffentliches Gesundheitswesen NRW: 4 Jahre (22 + 22 Monate Praxis, 400 Stunden Theorie); Brandenburg, Sachsen-Anhalt: 3 Jahre plus allgemeinzahnärztliches Jahr Theorie an einer Akademie für öffentliches Gesundheitswesen BZÄK nennt keine Zahl Fachzahnarzt für öffentliches Gesundheitswesen
Parodontologie (nur Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz) 3 Jahre plus allgemeinzahnärztliches Jahr Titel in Westfalen-Lippe seit 1983, in Rheinland-Pfalz seit 2024 Westfalen-Lippe: 63 (31.12.2023) Fachzahnarzt Parodontologie
Allgemeine Zahnheilkunde (nur Brandenburg) mindestens 3 Jahre in der Praxis eines ermächtigten Fachzahnarztes Curriculum mit mindestens 150 Stunden und Notfallkurs keine Zahl veröffentlicht siehe unten
MKG-Chirurgie (ärztlicher Facharzt, kein Fachzahnarzt) 6 + 3,5 + 5 = 14,5 Jahre Humanmedizin und Zahnmedizin 1.916 berufstätig (31.12.2025) MKG-Chirurg werden

Wer den Titel schützt und wie die Kammern abweichen

Der Titel ist durch das Heilberufe- beziehungsweise Kammergesetz des Landes und die Weiterbildungsordnung (WBO) der jeweiligen Zahnärztekammer geschützt. Eine Fachgebietsbezeichnung darf nur führen, wer die Anerkennung einer Zahnärztekammer erhalten hat (so etwa § 1 Abs. 3 der WBO der Zahnärztekammer Niedersachsen, Fassung vom 18.06.2026). Die Muster-Weiterbildungsordnung der BZÄK ist eine Empfehlung ohne eigene Rechtskraft. Verbindlich ist die Ordnung der Kammer, bei der Du die Weiterbildung machst. Anerkennungen anderer Kammern gelten auch in Niedersachsen, Nordrhein und Westfalen-Lippe.

Die Kammern unterscheiden sich vor allem bei der Dauer. Nordrhein schreibt in der Fassung von 2003 für Kieferorthopädie und Oralchirurgie drei Jahre vor, ohne eigenes allgemeinzahnärztliches Jahr. Niedersachsen, Westfalen-Lippe, Brandenburg und Sachsen-Anhalt verlangen drei fachspezifische Jahre plus das allgemeinzahnärztliche Jahr; Baden-Württemberg schreibt mindestens vier Jahre insgesamt vor. „Nordrhein-Westfalen” ist dabei kein Kammerbereich, denn dort bestehen die Zahnärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe mit je eigener WBO. Die Ordnungen sind unterschiedlich alt. Niedersachsen hat seine am 18.06.2026 neu gefasst, Sachsen-Anhalt am 22.11.2025; die hier ausgewerteten Fassungen von Brandenburg und Nordrhein stammen von 2016 und 2003.

Bewerbung und Vergütung in der Weiterbildung

Voraussetzung ist die Approbation; vorher darf die Weiterbildung nicht beginnen (§ 1 Abs. 2 WBO Niedersachsen). Das allgemeinzahnärztliche Jahr verlangt jede der geprüften Kammern außer Nordrhein; in Westfalen-Lippe zählt dafür jede überwiegend allgemeinzahnärztlich tätige Stelle, ob auch die Assistenzzeit zählt, regelt die Kammer. Danach suchst Du eine Weiterbildungsstätte mit ermächtigtem Fachzahnarzt (Universitätszahnklinik, Krankenhausabteilung oder Praxis). Die Kammer führt dazu ein Verzeichnis der Ermächtigten (so ausdrücklich § 4 Abs. 6 der WBO Nordrhein). Ein zentrales Bewerbungsverfahren kennen die geprüften Ordnungen nicht; jede Stelle wird einzeln besetzt.

Wie viele Plätze es gibt, veröffentlicht keine Kammer. Begrenzt wird das Angebot durch die Ermächtigung selbst. In Niedersachsen setzt sie mindestens fünf Jahre Tätigkeit als Fachzahnarzt im Gebiet voraus, in der Kieferorthopädie zusätzlich 500 bis 800 Patienten in laufender Behandlung beim Weiterbilder. Melde den Beginn der fachspezifischen Weiterbildung der Kammer. In Westfalen-Lippe beginnt sie frühestens mit dem Eingang der Meldung (WBO Westfalen-Lippe § 3 Abs. 3).

Die Weiterbildung läuft in einem angemessen vergüteten Arbeitsverhältnis (§ 2 Abs. 4 WBO Niedersachsen). Westfalen-Lippe verlangt bei der Meldung eine Erklärung, dass die Vergütung mindestens dem Mindestlohngesetz entspricht. Konkrete Gehälter für Zahnärztinnen und Zahnärzte in Weiterbildung veröffentlichen die Kammern nicht; die Höhe steht im Vertrag mit der Weiterbildungsstätte. Zum Einordnen: Der Median aller angestellten Zahnärzte liegt laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 bei 6.944 Euro brutto im Monat (Gehalt als angestellter Zahnarzt); die Bezahlung in der Assistenzzeit zeigt Gehalt als Assistenzzahnarzt.

Teilzeit ist möglich, mit mindestens der Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit (Niedersachsen, Nordrhein, Baden-Württemberg, Brandenburg) beziehungsweise mindestens 20 Wochenstunden in Westfalen-Lippe; die Weiterbildung verlängert sich entsprechend. Unterbrechungen von mehr als einem Monat müssen in Niedersachsen genehmigt werden, Elternzeit gilt dort als wichtiger Grund. Abgeschlossen sein soll die Weiterbildung innerhalb von acht Jahren. Wechselst Du den Kammerbereich, rechnet Niedersachsen Zeiten einer nicht abgeschlossenen Weiterbildung aus anderen Kammerbezirken an, soweit sie der eigenen Ordnung entsprechen (§ 4). Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Kammer; in Niedersachsen dauert sie 30 bis 60 Minuten (§ 16).

Parodontologie und Allgemeine Zahnheilkunde: die regionalen Titel

Den Fachzahnarzt für Parodontologie gibt es in Westfalen-Lippe seit dem 1. Januar 1983. Rheinland-Pfalz zog nach. Die Vertreterversammlung änderte die WBO am 25. November 2023, das Ministerium stimmte Mitte Februar 2024 zu (zm-online 2024). Weitere Kammern mit Paro-Titel nennen die geprüften Quellen nicht (Stand: Oktober 2026). Die BZÄK lehnt zusätzliche Fachzahnarzt-Disziplinen ab; ihr Präsident Christoph Benz verweist im zm-Interview 2024 auf die Warnemünder Erklärung, nach der die Hauszahnärztin oder der Hauszahnarzt 80 bis 90 Prozent der Patientenbedürfnisse abdeckt. Alles Weitere im Artikel Fachzahnarzt Parodontologie.

In Brandenburg kennt die WBO der Landeszahnärztekammer vom 7. März 2016 zusätzlich den Fachzahnarzt für Allgemeine Zahnheilkunde: mindestens drei Jahre ambulante Tätigkeit in der Praxis eines ermächtigten Fachzahnarztes, dazu ein Curriculum mit mindestens 150 Stunden und ein Notfallkurs. Ein Stellenangebot der Stadt Brandenburg an der Havel von 2026 nennt diesen Titel – neben Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentlichem Gesundheitswesen – als gleichrangige Qualifikation.

MKG-Chirurgie: Facharzt statt Fachzahnarzt

Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist ein ärztlicher Facharzt-Titel nach dem Weiterbildungsrecht der Ärztekammern. Du brauchst Humanmedizin und Zahnmedizin: 6 Jahre Medizin, danach nach Angabe der DGMKG im Idealfall 3,5 Jahre Zahnmedizin, dann 5 Jahre Weiterbildung – zusammen 14,5 Jahre, also rund 15. Die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer lässt dafür bis zu 24 Monate zahnmedizinische Weiterbildung in Oralchirurgie anrechnen. Die Ärztestatistik der Bundesärztekammer zählte zum 31.12.2025 1.916 berufstätige MKG-Chirurginnen und -Chirurgen. Weg, Zulassung und Anrechnung stehen im Artikel MKG-Chirurg werden.

Spezialisieren ohne Fachzahnarzt-Titel

Fortbildungscurricula von Fachgesellschaften wie DGI, DGET oder DG PARO und berufsbegleitende Master (M.Sc.) vertiefen ein Gebiet, begründen aber keinen Fachzahnarzt-Titel. Dauer und Kosten stehen in den Artikeln Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel und Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick. Was Du auf Praxisschild und Website ohne Fachzahnarzt-Titel schreiben darfst, klärt der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen? Einen Vergleich aller Wege bietet Spezialisieren oder Generalist bleiben?

Welcher Weg passt?

Willst Du Behandlungen über Jahre begleiten, passt die Kieferorthopädie. Operierst Du lieber und willst kein zweites Studium, ist es die Oralchirurgie. Prävention, Versorgungsplanung und Verwaltung gibt es im öffentlichen Gesundheitswesen. Die MKG-Chirurgie lohnt, wenn Du Tumor- und Traumachirurgie am gesamten Gesichtsschädel willst und 14,5 Jahre einplanst. Brauchst Du nur ein Gebiet wie Parodontologie oder Implantologie, reicht oft ein Curriculum. Prüfe vor jeder Entscheidung die Weiterbildungsordnung Deiner Kammer und frage dort nach den ermächtigten Weiterbildern.

Quellen

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