Wer als approbierte Zahnärztin oder approbierter Zahnarzt tiefer in ein Fachgebiet einsteigen möchte, ohne den formalen und zeitlichen Aufwand einer Fachzahnarzt-Weiterbildung auf sich zu nehmen, findet in berufsbegleitenden Masterstudiengängen eine wachsende Auswahl. Anders als der Fachzahnarzt-Titel sind Master-Abschlüsse (meist M.Sc.) kein geschütztes Fachgebiet nach zahnärztlichem Weiterbildungsrecht, sondern akademische Grade, die aber ein anerkanntes und rechtlich zulässiges Zeichen vertiefter Kompetenz sind.
Was Master-Studiengänge von Fachzahnarzt und Curriculum unterscheidet
Drei Wege der Vertiefung stehen in der Zahnmedizin nebeneinander: die Fachzahnarzt-Weiterbildung als staatlich geregelter Titel (nur für Kieferorthopädie, Oralchirurgie, öffentliches Gesundheitswesen und regional Parodontologie verfügbar), das Curriculum als schlankere, fachgesellschaftlich organisierte Fortbildungsreihe, und der Masterstudiengang als akademischer Mittelweg, zeitintensiver und teurer als ein Curriculum, aber flexibler und kürzer als eine vollständige Fachzahnarzt-Weiterbildung. Ein Gesamtüberblick über alle Wege findet sich im Artikel Fachzahnarzt werden: alle Weiterbildungen im Überblick
Master Implantologie und Parodontologie (DGI)
Der wohl etablierteste Weg ist der von der Deutschen Gesellschaft für Implantologie mitgetragene Master „Orale Implantologie und Parodontologie“ mit 24 Monaten Regelstudienzeit, angeboten unter anderem an der Universität Mainz (7.300 Euro pro Semester) und der Steinbeis-Hochschule (13.400 bis 16.480 Euro pro Jahr, je nach Vorqualifikation). Ausführliche Details liefert der Artikel Master Implantologie (MSc)
DG-PARO-Master
Wer sich stärker auf die Parodontologie konzentrieren möchte, findet im DG-PARO-Master ein zweijähriges, berufsbegleitendes Programm mit überwiegend an Wochenenden stattfindenden Modulen. Die Studiengebühren liegen je nach Vorkenntnissen zwischen etwa 25.000 und 32.000 Euro für das gesamte Programm; wer zuvor das Curriculum Parodontologie von APW und DG PARO absolviert hat, erhält einen Nachlass von 5.000 Euro (Quelle: dgparo.de). Der Abschluss wird von einer Hochschule als Master of Science verliehen und darf auf dem Praxisschild geführt werden.
Master Endodontologie (DGET)
Die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) bietet nach eigenen Angaben den ersten und bislang einzigen Masterstudiengang für Endodontologie in Deutschland an. Er richtet sich an approbierte Zahnärzt:innen mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung, die sich klinisch und wissenschaftlich auf Endodontologie spezialisieren möchten, und schließt mit dem akademischen Grad Master of Science ab (Quelle: dgz-online.de, dget.de). Wer sich zunächst über den kürzeren Weg informieren möchte, findet im Artikel Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel den vorgeschalteten Curriculum-Weg. Ein Überblick über das Tätigkeitsfeld selbst findet sich im Artikel Was macht ein Endodontologe?
Master ästhetische Zahnmedizin
Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ) kooperiert mit der Universität Greifswald für einen Masterstudiengang, der mit dem Titel „Master of Science in zahnmedizinischer Ästhetik und Funktion“ abschließt. Die Regelstudienzeit beträgt 2,5 Jahre einschließlich Masterthesis; wer das Studium vorzeitig beendet, kann bereits nach dem praktischen Teil ein „Diploma für zahnmedizinische Ästhetik und Funktion“ erwerben. Die Universität Greifswald nennt für ihre berufsbegleitenden zahnmedizinischen Masterprogramme reguläre Studiengebühren von rund 26.500 Euro, unter bestimmten Bedingungen reduziert auf rund 22.800 Euro (Quelle: uni-greifswald.de, dgaez.de). Wer sich für das Berufsbild dahinter interessiert, findet mehr im Artikel Was macht ein ästhetischer Zahnmediziner?
Finanzierung: Wie zahlen Zahnärzt:innen ein solches Studium?
Bei Studiengebühren im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich stellt sich für die meisten Interessierten zwangsläufig die Finanzierungsfrage. In der Praxis wird ein Masterstudium selten aus laufendem Einkommen bestritten, sondern meist über eine Kombination finanziert: Rücklagen aus den ersten Berufsjahren, ein Bildungskredit oder (bei angestellten Zahnärzt:innen) eine Fortbildungsvereinbarung mit dem Arbeitgeber, der sich im Gegenzug eine mehrjährige Betriebszugehörigkeit zusichern lässt. Wer bereits mit eigener Praxis plant, kann die Studiengebühren häufig steuerlich als Fortbildungskosten geltend machen, sofern ein klarer beruflicher Zusammenhang besteht: die genaue steuerliche Behandlung sollte im Einzelfall mit einer Steuerberatung geklärt werden.
Weitere Anbieter und internationale Programme
Neben den fachgesellschaftlich getragenen Programmen bieten auch einzelne Hochschulen eigene, teils englischsprachige Masterprogramme an, etwa die Goethe Dental School in Frankfurt mit einem berufsbegleitenden Programm im Umfang von 90 ECTS-Punkten über zwei Jahre, komplett auf Englisch. Solche Programme richten sich häufig auch an internationale Zahnärzt:innen und legen einen stärkeren Fokus auf wissenschaftliches Arbeiten und internationale Vernetzung.
Was haben alle Programme gemeinsam?
Fast alle hier vorgestellten Masterstudiengänge sind berufsbegleitend konzipiert, sodass Praxistätigkeit und Studium parallel möglich bleiben, ein wichtiger Unterschied zur Fachzahnarzt-Weiterbildung, die meist Vollzeit an einer Weiterbildungsstätte erfolgt. Gemeinsam ist ihnen auch der hohe finanzielle Aufwand: Studiengebühren zwischen rund 20.000 und über 30.000 Euro sind über die gesamte Studienzeit üblich, deutlich mehr als bei einem einzelnen Curriculum.
Wie wählt man den passenden Studiengang?
Die Wahl hängt in erster Linie vom fachlichen Interesse ab: Wer implantologisch-chirurgisch arbeiten möchte, ist beim DGI-Master richtig; wer sich auf den Zahnhalteapparat konzentriert, beim DG-PARO-Master; wer Wurzelkanalbehandlungen vertiefen will, beim DGET-Master; und wer sich für Ästhetik und Funktion begeistert, bei der DGÄZ-Kooperation mit Greifswald. Wichtig ist außerdem die Frage der Kammerakkreditierung und ob das Programm mit dem eigenen Praxisalltag zeitlich vereinbar ist: die meisten Studiengänge verlangen regelmäßige Präsenzwochenenden über mehrere Jahre hinweg.
Fazit – akademische Tiefe für alle, die es genau wissen wollen
Masterstudiengänge sind die anspruchsvollste, aber auch renommierteste Fortbildungsoption unterhalb des Fachzahnarzt-Titels. Sie eignen sich vor allem für Zahnärzt:innen, die sich fachlich bereits sicher sind und bereit sind, mehrere Jahre und einen fünfstelligen Betrag in die eigene Spezialisierung zu investieren, mit dem Vorteil eines geschützten akademischen Grads, der über den privaten Zertifikaten der Curricula steht.
Quellen
- DGI-Master (dgi-master.de), Deutscher Akademischer Austauschdienst (daad.de)
- DG PARO (dgparo.de): DG-PARO-Master
- DGET (dget.de) und DGZ (dgz-online.de): Masterstudiengang Endodontologie
- Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin (dgaez.de) und Universität Greifswald (uni-greifswald.de)

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