Implantologie ist kein Fachzahnarzt-Titel – wer sich aber ernsthaft auf diesen Bereich spezialisieren will, findet neben dem klassischen Curriculum auch einen akademischen Weg: den berufsbegleitenden Masterstudiengang. Anders als ein Curriculum endet ein Master mit einem geschützten akademischen Grad, dem „Master of Science“ (M.Sc.), der auf dem Praxisschild geführt werden darf.
Warum überhaupt ein Master statt eines Curriculums?
Ein Curriculum wie das DGI/APW-Curriculum Implantologie vermittelt in rund 1,5 Jahren die implantologischen Grundlagen und ist der übliche Einstieg in die Implantologie, mehr dazu im Artikel Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel. Ein Master baut inhaltlich weiter aus: mehr Studienzeit, ein eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten inklusive Masterthesis und am Ende ein staatlich anerkannter akademischer Grad statt eines fachgesellschaftseigenen Zertifikats. Der Preis dafür ist ein deutlich höherer Zeit- und Kostenaufwand.
Der DGI-Master „Orale Implantologie und Parodontologie“
Der bekannteste Weg ist der von der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) mitgetragene Masterstudiengang „Orale Implantologie und Parodontologie“ mit einer Regelstudienzeit von 24 Monaten. Er wird an mehreren Hochschulen angeboten:
- An der Universität Mainz kostet der Studiengang 7.300 Euro pro Semester, bei vier Semestern also insgesamt rund 29.200 Euro.
- An der Steinbeis-Hochschule liegen die Studiengebühren je nach Vorqualifikation zwischen etwa 13.400 und 16.480 Euro pro Jahr.
(Quellen: dgi-master.de, daad.de)
Aufbau und Zulassungsvoraussetzungen
Der DGI-Master richtet sich an approbierte Zahnärzt:innen mit Berufserfahrung, die implantologisch und parodontologisch bereits aktiv sind oder sich strukturiert in beide Bereiche einarbeiten möchten. Das Studium ist berufsbegleitend organisiert: Theoriemodule an Präsenzterminen wechseln sich mit Selbststudium, dokumentierten Patientenfällen aus der eigenen Praxis und der Anfertigung der Masterthesis ab. Wer bereits ein Curriculum wie das DGI/APW-Curriculum Implantologie absolviert hat, bringt oft schon einen Teil der geforderten Grundlagenkenntnisse mit, was den Einstieg erleichtert.
Wie ordnet sich der Master in die DGI-Qualifikationsstufen ein?
Die DGI staffelt ihre implantologischen Qualifikationen in mehreren Stufen mit steigenden Anforderungen an Fallzahlen und Erfahrung: vom „DGI-Zertifiziert für Implantologie“ nach dem Curriculum über „DGI-Advanced“ und „DGI-Expert“ bis zur höchsten Stufe „DGI-Spezialist:in für Implantologie®“, die unter anderem drei Jahre durchgehende Tätigkeit an einer DGI-anerkannten Weiterbildungsstätte, wissenschaftliche Publikationen und dokumentierte komplexe interdisziplinäre Fälle voraussetzt (Quelle: dginet.de). Der Master ist davon rechtlich unabhängig (ein akademischer Grad statt einer fachgesellschaftlichen Fallstufe), wird aber häufig parallel oder im Anschluss an die mittleren DGI-Stufen absolviert. Ein Gesamtbild des implantologischen Tätigkeitsfelds bietet der Artikel Was macht ein Implantologe?
Wie unterscheidet sich der Master vom Tätigkeitsschwerpunkt?
Wer implantologisch tätig ist, kann bei der zuständigen Landeszahnärztekammer zusätzlich den Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie nach der jeweiligen Berufsordnung anmelden – meist gebunden an eine Mindestzahl gesetzter oder versorgter Implantate sowie dokumentierte Fälle, befristet auf 5 Jahre und danach verlängerungspflichtig. Ein Master-Titel ist davon unabhängig: Er darf als akademischer Grad geführt werden, ersetzt aber nicht die Meldung eines Tätigkeitsschwerpunkts bei der Kammer, wenn man öffentlich auf die eigene implantologische Ausrichtung hinweisen möchte. Die genauen Regeln erklärt der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?
Ablauf eines typischen Studienabschnitts
Ein berufsbegleitender Master-Studiengang wie der DGI-Master ist so aufgebaut, dass Präsenzphasen und Praxisalltag sich nicht dauerhaft ausschließen: Über die Regelstudienzeit von 24 Monaten verteilen sich mehrere mehrtägige Präsenzblöcke pro Semester, meist an der tragenden Universität, ergänzt um Selbststudium, Literaturarbeit und die Behandlung eigener Patient:innenfälle in der Heimatpraxis, die später in die Masterthesis einfließen. Wer sich dafür entscheidet, sollte die eigene Praxisorganisation entsprechend anpassen, etwa durch eine Vertretungsregelung für die Präsenztage oder eine Anpassung der Terminplanung über mehrere Semester hinweg.
Lohnt sich die Investition?
Bei Studiengebühren von rund 27.000 bis knapp 30.000 Euro über die gesamte Studienzeit ist der Master finanziell die anspruchsvollste Fortbildungsoption in der Implantologie – deutlich teurer als das Curriculum, aber auch mit höherem Renommee und tieferer wissenschaftlicher Fundierung verbunden. Da implantologische Leistungen zu den umsatzstärksten Bereichen einer Zahnarztpraxis zählen, amortisiert sich die Investition bei entsprechender Fallzahl häufig innerhalb weniger Jahre, eine gesonderte, belastbare Statistik dazu gibt es allerdings nicht.
Master versus Fachzahnarzt-Weg: eine ehrliche Einordnung
Wer implantologisch arbeiten möchte, könnte auf den ersten Blick auch fragen, warum es dafür überhaupt keinen Fachzahnarzt-Titel gibt, wie es ihn für Kieferorthopädie oder Oralchirurgie gibt. Der Grund liegt in der Entstehungsgeschichte des Fachgebiets: Implantologie hat sich erst in den vergangenen Jahrzehnten zu einem eigenständigen Schwerpunkt entwickelt und wird historisch als Querschnittsdisziplin verstanden, die in mehrere bestehende Fachgebiete (Oralchirurgie, MKG-Chirurgie, Prothetik und Parodontologie) hineinreicht, statt ein eigenständiges Fachgebiet mit klar abgrenzbarem Aufgabenspektrum zu bilden. Genau deshalb haben sich private, fachgesellschaftlich getragene Qualifikationssysteme wie das DGI-Modell etabliert, die diese Lücke schließen, ohne den formalen Rahmen einer Fachzahnarzt-Weiterbildung zu benötigen.
Alternativen und Einordnung
Wer sich noch nicht sicher ist, ob sich der volle Master-Aufwand lohnt, findet mit dem Curriculum Implantologie einen deutlich günstigeren und kürzeren Einstieg, der jederzeit später durch einen Master ergänzt werden kann. Einen Überblick über weitere Masterprogramme in anderen Fachrichtungen – etwa Endodontologie, Parodontologie oder ästhetische Zahnmedizin – bietet der Artikel Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick
Fazit: Der akademische Weg für ambitionierte Implantolog:innen
Der Master Implantologie ist kein Ersatz für einen Fachzahnarzt-Titel, den es für Implantologie in Deutschland ohnehin nicht gibt, sondern die höchste akademische Stufe innerhalb eines mehrstufigen Fortbildungssystems. Für Zahnärzt:innen, die implantologisch bereits stark aktiv sind und sich wissenschaftlich fundiert und mit anerkanntem Titel weiterentwickeln möchten, ist er eine der anspruchsvollsten, aber auch renommiertesten Optionen der zahnmedizinischen Fortbildungslandschaft.
Quellen
- DGI-Master (dgi-master.de): Konzept, Studiendauer
- Deutscher Akademischer Austauschdienst (daad.de): Studiengebühren Steinbeis-Hochschule
- Deutsche Gesellschaft für Implantologie (dginet.de): Qualifikationsstufen
- Deutsches Zentrum für orale Implantologie / DGI (dzoi.de, dginet.de): Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie

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