Fachzahnarzt & Weiterbildung

Curricula: Strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel

Von Redaktion4 Min. Lesezeit
Zahnärzte sitzen in einem Fortbildungsseminar mit Bildschirmpräsentation zu Zahndiagnosen – Curricula: Strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel

Nicht jede Spezialisierung in der Zahnmedizin braucht einen Fachzahnarzt-Titel. Für Bereiche wie Implantologie, Endodontologie oder Parodontologie (für die es außerhalb weniger Kammerbereiche gar keine Fachzahnarzt-Weiterbildung gibt) haben sich die zahnmedizinischen Fachgesellschaften ein eigenes System aufgebaut: strukturierte Curricula, die berufsbegleitend an Wochenenden absolviert werden und mit einer eigenen Zertifizierung enden. Wer sich vertiefen möchte, ohne jahrelang an eine Fachzahnarzt-Weiterbildung gebunden zu sein, findet hier den pragmatischeren Weg.

Was ein Curriculum von einer Fachzahnarzt-Weiterbildung unterscheidet

Ein Curriculum ist kein staatlich geregelter Titel nach zahnärztlichem Weiterbildungsrecht, sondern eine private Fortbildungsreihe einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft, oft in Kooperation mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der DGZMK. Es dauert typischerweise 1 bis 1,5 Jahre, findet berufsbegleitend an Wochenenden statt und schließt mit einer Prüfung sowie (je nach Fachgesellschaft) dokumentierten Behandlungsfällen ab. Der entscheidende Unterschied: Nach einem Curriculum darf man sich nicht „Zahnarzt für Implantologie“ oder ähnlich nennen, sondern höchstens einen Tätigkeitsschwerpunkt oder eine fachgesellschaftseigene Bezeichnung wie „DGI-Zertifiziert für Implantologie“ führen. Was dabei rechtlich erlaubt ist, erklärt der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?

Curriculum Implantologie (DGI/APW)

Das bekannteste Curriculum ist das DGI/APW-Curriculum Implantologie, seit 1998 der etablierte Standardweg in die Implantologie. Es dauert rund 1,5 Jahre, umfasst neun Wochenendmodule und über 130 bis 140 Unterrichtsstunden. Je nach Veranstaltungsort liegen die Kosten für DGI- beziehungsweise APW-Mitglieder bei rund 395 Euro pro Modul, für Nichtmitglieder bei rund 465 Euro (Quelle: dginet.de, apw.de). Nach dem Curriculum kann man sich über weitere DGI-Qualifikationsstufen mit steigenden Fallzahlanforderungen hocharbeiten: von „DGI-Zertifiziert“ bis „DGI-Spezialist:in für Implantologie®“. Details dazu liefert der Artikel Master Implantologie (MSc)

Curriculum Endodontologie (DGET/APW)

Für die Endodontologie bietet die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) ein eigenes Curriculum mit acht Wochenendmodulen und mehr als 150 Unterrichtsstunden an; die Kosten liegen bei rund 7.850 Euro inklusive Mehrwertsteuer, zahlbar in drei Raten (Quelle: dget.de). Wer erst einmal einen niedrigschwelligeren Einstieg sucht, kann alternativ mit dem APW-Curriculum Endodontologie starten: sieben Wochenendkurse mit rund 134 Unterrichtsstunden, das als Vorstufe zum DGET-Curriculum konzipiert ist. Nach dem Curriculum können sich Absolvent:innen über dokumentierte Fälle und eine Prüfung als „DGET-Zertifiziertes Mitglied“ und in einer weiteren Stufe als „DGET-Spezialist:in“ qualifizieren.

Curriculum Parodontologie (DG PARO/APW)

Auch die Parodontologie (außerhalb von Westfalen-Lippe und Rheinland-Pfalz ohnehin kein Fachzahnarzt-Titel) hat ein eigenes, gemeinsam von APW und DG PARO getragenes Curriculum: rund 130 Unterrichtsstunden über mehrere Wochenendmodule, ergänzt um Online-Module, eine Hospitation, eine Supervision und ein Abschlusskolloquium. Wer danach tiefer einsteigen möchte, kann sich zum „DG-PARO-Spezialisten“ weiterqualifizieren oder direkt in den DG-PARO-Master wechseln – Absolvent:innen des Curriculums erhalten dort einen Nachlass von 5.000 Euro auf die Studiengebühren (Quelle: dgparo.de). Mehr zum Sonderfall der Fachzahnarzt-Weiterbildung Parodontologie im Artikel Fachzahnarzt Parodontologie

Weitere Curricula abseits der drei Hauptbereiche

Neben Implantologie, Endodontologie und Parodontologie bieten APW und zahlreiche Fachgesellschaften strukturierte Curricula für weitere Teilgebiete an, etwa Kinderzahnheilkunde, Funktionsdiagnostik und -therapie bei craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) oder ästhetische Zahnmedizin. Der Aufbau folgt dabei meist demselben Muster: mehrere Wochenendmodule über ein bis eineinhalb Jahre, eine Abschlussprüfung und eine fachgesellschaftseigene Zertifizierung, die (anders als der Fachzahnarzt-Titel) kein staatlich geschützter Berufstitel ist. Wer sich einen Überblick über das gesamte Spektrum verschaffen möchte, findet auf der Website der APW eine laufend aktualisierte Übersicht aller angebotenen Curricula.

Wer trägt die Curricula?

Die meisten strukturierten Curricula laufen über die Akademie Praxis und Wissenschaft (APW), das Fortbildungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), oft in inhaltlicher Kooperation mit der jeweiligen Spezialgesellschaft: DGI für Implantologie, DGET für Endodontologie, DG PARO für Parodontologie. Diese enge Verzahnung sorgt für bundesweit vergleichbare Standards, anders als bei den kammerabhängigen Fachzahnarzt-Weiterbildungen, deren Dauer und Struktur je nach Landeszahnärztekammer variieren.

Fallnachweise und Dokumentation als roter Faden

Ein Merkmal, das fast alle Curricula verbindet, ist die verpflichtende Dokumentation eigener Behandlungsfälle. Anders als in einem klassischen Studiengang reicht die reine Teilnahme an den Präsenzterminen meist nicht aus: Absolvent:innen müssen zusätzlich eine festgelegte Zahl selbst durchgeführter Behandlungen mit Vorher-Nachher-Dokumentation, Röntgenbildern und Verlaufskontrollen einreichen. Das stellt sicher, dass die vermittelten Inhalte tatsächlich in der eigenen Praxis angewendet wurden, bringt aber auch einen organisatorischen Mehraufwand mit sich, den Interessierte bei der Zeitplanung nicht unterschätzen sollten.

Für wen lohnt sich ein Curriculum?

Ein Curriculum eignet sich vor allem für Zahnärzt:innen, die bereits als Generalist:in oder in einer bestehenden Praxis arbeiten und ihr Leistungsspektrum gezielt erweitern möchten, ohne für Jahre in eine Vollzeit-Weiterbildung zu wechseln. Wer dagegen einen geschützten Fachzahnarzt-Titel anstrebt und die entsprechende Fachrichtung überhaupt zur Verfügung steht, ist mit dem klassischen Weiterbildungsweg besser beraten – ein Überblick über alle Fachzahnarzt-Wege findet sich im Artikel Fachzahnarzt werden: alle Weiterbildungen im Überblick

Wie geht es nach dem Curriculum weiter?

Die meisten Fachgesellschaften bauen ihre Qualifikationssysteme mehrstufig auf: Wer nach dem Curriculum weiter Fälle dokumentiert, Fortbildungspunkte sammelt und Berufserfahrung nachweist, kann sich in höhere Stufen hocharbeiten, bis hin zum berufsbegleitenden Masterstudiengang. Einen Gesamtüberblick über diese Masterprogramme bietet der Artikel Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick

Fazit – die pragmatische Alternative zum Fachzahnarzt

Curricula sind für viele Zahnärzt:innen der realistischere Weg zur Spezialisierung als eine mehrjährige Fachzahnarzt-Weiterbildung: kürzer, berufsbegleitend und ohne den Umzug an eine Weiterbildungsstätte. Der Preis dafür ist ein geringerer rechtlicher Schutz der erworbenen Bezeichnung – wer öffentlich mit seiner Qualifikation werben möchte, muss die berufsrechtlichen Grenzen zwischen Tätigkeitsschwerpunkt und Fachzahnarzt-Titel genau kennen.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Implantologie (dginet.de) und APW (apw.de): Curriculum Implantologie, Kostenübersicht
  • Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (dget.de): Curriculum DGET und Curriculum APW
  • DG PARO (dgparo.de): Curriculum Parodontologie, DG-PARO-Master
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