Fachzahnarzt & Weiterbildung

Weiterbildung Oralchirurgie: Der Weg zum Fachzahnarzt

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Team in Orange und Türkis operiert konzentriert im Mundraum eines Patienten – Weiterbildung Oralchirurgie: Der Weg zum Fachzahnarzt

3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie waren zum 31.12.2024 in Deutschland tätig, davon 1.104 Frauen (Quelle: bzaek.de, Mitgliederstatistik), damit ist Oralchirurgie nach der Kieferorthopädie die zweitgrößte der bundesweit anerkannten Fachzahnarzt-Richtungen. Anders als beim Weg zum MKG-Chirurgen bleibt man dabei Zahnärztin oder Zahnarzt und muss kein zweites Studium beginnen.

Voraussetzungen für den Start

Wer sich für die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie interessiert, braucht zunächst die abgeschlossene zahnärztliche Approbation. Eine bestimmte Mindestzeit als Generalist:in ist formal nicht vorgeschrieben, in der Praxis sammeln aber die meisten künftigen Oralchirurg:innen zunächst Erfahrung (oft während der Assistenzzeit), bevor sie sich um einen der begrenzten Weiterbildungsplätze bewerben.

Dauer und Struktur der Weiterbildung

Nach der Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg umfasst die Weiterbildung insgesamt 4 Jahre: ein allgemeinzahnärztliches Jahr sowie drei fachspezifische Jahre. Empfohlen wird, mit dem allgemeinzahnärztlichen Jahr zu beginnen. Von den drei fachspezifischen Jahren muss mindestens ein Jahr an einer Klinik oder bei einer niedergelassenen Zahnärztin beziehungsweise einem niedergelassenen Zahnarzt mit dreijähriger Weiterbildungsermächtigung abgeleistet werden. Zwei der drei fachspezifischen Jahre müssen ohne Unterbrechung erfolgen, und die gesamte fachspezifische Weiterbildung soll an nicht mehr als zwei Weiterbildungsstätten stattfinden (Quelle: lzk-bw.de, Weiterbildung Oralchirurgie). Die Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN) sieht mit ebenfalls 4 Jahren (1 Jahr allgemeinzahnärztlich plus 3 Jahre fachspezifisch) eine vergleichbare Struktur vor (Quelle: zkn.de).

Wo findet die Weiterbildung statt?

Möglich sind Hochschuleinrichtungen mit oralchirurgischer Abteilung, zugelassene Krankenhausabteilungen sowie Praxen weiterbildungsermächtigter Oralchirurg:innen. Wer an einer Universitätszahnklinik weiterbildet, kommt häufiger mit komplexeren, teils stationär zu versorgenden Fällen in Kontakt als in einer niedergelassenen Praxis mit überwiegend ambulantem Spektrum.

Was lernt man in der Weiterbildung?

Im Mittelpunkt stehen operative Eingriffe im Mundbereich, die über das übliche Behandlungsspektrum eines Zahnarztes hinausgehen:

  • Entfernung verlagerter und retinierter Weisheitszähne
  • Operative Insertion von Zahnimplantaten, inklusive Knochenaufbau (Augmentation) und Sinuslift
  • Operative Entfernung von Kieferzysten und anderen gutartigen Gewebeveränderungen
  • Wurzelspitzenresektionen
  • Biopsien zur Abklärung verdächtiger Schleimhautveränderungen
  • Chirurgische Freilegung verlagerter Zähne für die kieferorthopädische Einordnung
  • Umgang mit Angstpatient:innen, unter anderem über Lachgas- oder Dämmerschlafsedierung

Ein ausführlicher Überblick über den späteren Berufsalltag findet sich im Artikel Was macht ein Oralchirurg?

Die Abschlussprüfung

Am Ende der Weiterbildungszeit steht die Prüfung vor der zuständigen Landeszahnärztekammer, bei der das im Logbuch dokumentierte Fallspektrum sowie theoretisches Fachwissen geprüft werden. Erst nach bestandener Prüfung darf die geschützte Bezeichnung „Fachzahnärztin“ beziehungsweise „Fachzahnarzt für Oralchirurgie“ geführt werden. Wer stattdessen ohne vollständige Weiterbildung operativ tätig sein möchte, kann sich stattdessen auf einen Tätigkeitsschwerpunkt beschränken. Die rechtlichen Unterschiede erklärt der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?

Abgrenzung zur Allgemeinzahnheilkunde und zur MKG-Chirurgie

Viele der Eingriffe, die in der oralchirurgischen Weiterbildung vertieft werden, führen auch Generalist:innen in ihrer Praxis durch: unkomplizierte Zahnentfernungen etwa gehören zum Grundhandwerk jeder zahnärztlichen Ausbildung. Der entscheidende Unterschied liegt in der Komplexität und im Routineumfang: Fachzahnärzt:innen für Oralchirurgie behandeln überwiegend die Fälle, die aus allgemeinzahnärztlichen Praxen überwiesen werden, weil sie über das übliche Spektrum hinausgehen: tief verlagerte Weisheitszähne in Nervnähe, ausgedehnte Zysten oder Implantatversorgungen mit umfangreichem Knochenaufbau. Zur MKG-Chirurgie besteht dagegen ein grundsätzlicherer Unterschied: Oralchirurg:innen bleiben Zahnärzt:innen und operieren praktisch ausschließlich innerhalb der Mundhöhle, während MKG-Chirurg:innen als Doppelapprobierte auch am übrigen Gesichtsschädel eingreifen, etwa bei Tumoren, Frakturen oder Fehlbildungen.

Typischer Tagesablauf in der Weiterbildung

Der Alltag während der fachspezifischen Weiterbildungsjahre ist deutlich chirurgisch getaktet: kürzere, aber intensivere Behandlungstermine als in der Allgemeinzahnheilkunde, häufig mit vorbereitender Bildgebung per digitaler Volumentomografie (DVT) zur exakten OP-Planung. Assistenzärzt:innen in Weiterbildung übernehmen zunächst einfachere Eingriffe unter Aufsicht und steigern die Eigenständigkeit schrittweise, bis zum Ende der Weiterbildungszeit auch komplexere Fälle selbstständig geplant und durchgeführt werden. Parallel gehört die Zusammenarbeit mit Anästhesist:innen für Sedierungen bei Angstpatient:innen zum festen Bestandteil des Ausbildungsalltags, ebenso wie die Dokumentation der behandelten Fälle für das Weiterbildungslogbuch.

Berufsverbände und weiterführende Fortbildung

Berufspolitisch vertreten wird die Fachrichtung durch den Berufsverband Deutscher Oralchirurgen (BDO), der auch Fortbildungen organisiert. Nicht zu verwechseln ist der BDO mit der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), die die ärztlich-zahnärztlich doppelapprobierten MKG-Chirurg:innen vertritt. Viele Fachzahnärzt:innen für Oralchirurgie bilden sich zusätzlich implantologisch fort, etwa über das DGI/APW-Curriculum Implantologie, da operative Implantatversorgung einen großen Teil ihres Praxisalltags ausmacht. Mehr dazu im Artikel Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel

Wie geht es nach der Weiterbildung weiter?

Die meisten Fachzahnärzt:innen für Oralchirurgie arbeiten anschließend ambulant: in eigener Praxis, in oralchirurgischen Gemeinschaftspraxen oder angestellt in größeren Zahnarztpraxen und Z-MVZs, die ihr Leistungsspektrum um chirurgische Eingriffe erweitern. Ein kleinerer Teil bleibt an Universitätszahnkliniken, oft verbunden mit Lehr- oder Forschungstätigkeit.

Was verdient man als Fachzahnarzt für Oralchirurgie?

Laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 verdienen angestellte Oralchirurginnen und Oralchirurgen im Median 9.306 Euro brutto monatlich, deutlich über dem Durchschnitt aller angestellten Zahnärzt:innen von 6.944 Euro. Details und Bandbreiten liefert der Artikel Gehalt als Oralchirurg

Fazit – ein klar strukturierter Weg mit hohem Praxiswert

Mit 4 Jahren ist die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie überschaubar und führt in eines der praxisrelevantesten Fächer der Zahnmedizin: Weisheitszähne, Implantate und Zysten gehören zu den häufigsten Überweisungsgründen aus allgemeinzahnärztlichen Praxen. Wer sich für operatives Arbeiten begeistert, aber kein zweites, ärztliches Studium beginnen möchte, findet hier einen klaren, gut planbaren Karriereweg.

FAQs

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie?

Nach den Weiterbildungsordnungen von Baden-Württemberg und Niedersachsen insgesamt 4 Jahre: ein allgemeinzahnärztliches Jahr plus drei fachspezifische Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen Oralchirurgie und MKG-Chirurgie?

Oralchirurg:innen sind Zahnärzt:innen mit vierjähriger zahnärztlicher Fachweiterbildung und operieren vor allem in der Mundhöhle. MKG-Chirurg:innen haben zusätzlich Humanmedizin studiert und eine fünfjährige ärztliche Facharztweiterbildung absolviert. Sie operieren auch am übrigen Gesichtsschädel.

Quellen

  • Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (lzk-bw.de): Weiterbildung Oralchirurgie
  • Zahnärztekammer Niedersachsen (zkn.de): Weiterbildung Fachzahnarzt
  • Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Mitgliederstatistik Fachzahnärzte, Stichtag 31.12.2024
  • Dentale Gehaltsstudie 2025
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