Fachzahnarzt & Weiterbildung

Weiterbildung Oralchirurgie: Der Weg zum Fachzahnarzt

RedaktionVon Redaktion7 Min. Lesezeit
Team in Orange und Türkis operiert konzentriert im Mundraum eines Patienten – Weiterbildung Oralchirurgie: Der Weg zum Fachzahnarzt

Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie umfasst mindestens drei fachspezifische Jahre. Die meisten Kammern verlangen zusätzlich ein allgemeinzahnärztliches Jahr, die Zahnärztekammer Nordrhein schreibt drei Jahre insgesamt vor. Zum 31.12.2024 waren in Deutschland 3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie tätig, davon 1.104 Frauen (Quelle: BZÄK, Nachgezählt); in der Kieferorthopädie sind es 3.825. Anders als beim Weg zum MKG-Chirurgen bleibst Du Zahnärztin oder Zahnarzt – ein zweites Studium brauchst Du nicht.

Voraussetzungen für den Start

Du brauchst die zahnärztliche Approbation; vorher darf die Weiterbildung nicht beginnen (§ 1 Abs. 2 WBO Niedersachsen). Wo ein allgemeinzahnärztliches Jahr vorgesehen ist, soll es vor der fachspezifischen Zeit liegen. Ob die Assistenzzeit dafür zählt, regelt die Kammer, frag dort nach.

Dauer und Struktur der Weiterbildung

Mindestens drei fachspezifische Jahre schreiben alle geprüften Ordnungen vor. Die Tabelle zeigt, wo sie abweichen.

Kammer Dauer Allgemeinzahnärztliches Jahr Bedingungen und Anrechnung Ordnung (Stand)
Nordrhein 3 Jahre nicht vorgesehen Hochschulabteilung oder MKG-Abteilung eines Krankenhauses bis 3 Jahre, ermächtigte Praxis bis 1 Jahr anrechenbar; je Stelle mindestens 12 Monate WBO vom 17.05.2003, § 10
Westfalen-Lippe 3 Jahre plus 1 ja, grundsätzlich zu Beginn Mindestens 36 Wochenstunden; ein Jahr ohne Unterbrechung an einer dreijährig zugelassenen Stätte; ein Jahr unter universitärer Leitung; OP-Katalog mit Fallzahlen WBO vom 26.11.2016, § 3, Anlage 1
Baden-Württemberg mindestens 4 Jahre insgesamt ja Mindestens ein Jahr an einer Hochschul- oder Krankenhausabteilung oder bei dreijährig ermächtigtem Niedergelassenen; zwei Jahre ohne Unterbrechung; höchstens zwei Stätten (drei mit Begründung); Hospitationen von je einer Woche in sechs Fächern WBO, Stand 24.07.2021, §§ 23 bis 25
Niedersachsen 3 Jahre plus 1 ja, sollte vorher liegen Mindestens ein Jahr durchgehend an einer dreijährig ermächtigten Stätte; OP-Katalog mit Richtzahlen WBO vom 18.06.2026, Anlage 1
Brandenburg 3 Jahre plus 1 ja, sollte vorher liegen Hochschul- oder Krankenhausabteilung bis 3 Jahre; Praxis bis 2 Jahre, bei klinischem Bezug bis 3 Jahre WBO vom 07.03.2016, Anlage 3
Sachsen-Anhalt 3 Jahre plus 1 ja, soll vorher liegen Mindestens ein Jahr an einer Stätte mit stationärer Anbindung; Praxis bis 2 Jahre anrechenbar WBO, Beschluss 22.11.2025, Anlage 1

Weiterbildungsstätten sind Hochschuleinrichtungen mit oralchirurgischer Abteilung, zugelassene Krankenhausabteilungen und Praxen mit ermächtigtem Fachzahnarzt oder Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Was lernt man in der Weiterbildung?

Das Gebiet umfasst nach den Ordnungen die orale Medizin und die operative Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde im gesamtmedizinischen Kontext; Nordrhein nennt zusätzlich die Kieferbruchbehandlung. Was am Ende nachzuweisen ist, zeigt der OP-Katalog in Westfalen-Lippe (Anlage 1 der WBO, Auszug):

Eingriff Fallzahl
Entfernung von Zähnen und Wurzelresten 130
Entfernung retinierter und verlagerter Zähne 300
Wurzelspitzenresektionen (Frontzahn und Seitenzahn je 30) 60
Zystentherapien 25
Augmentationen des alveolären Knochens (davon 5 autolog, 5 Sinusboden) 10
Einfache Implantationen / Implantationen mit Augmentation 10 / 5
Legen intravenöser Zugänge 50
Sedierungen mit apparativem Monitoring 25
Oralchirurgische Behandlungen in Intubationsnarkose mit Anästhesist 25

Fehlende Fälle in einer Teilkategorie lassen sich dort durch mehr Fälle in vergleichbaren Kategorien ausgleichen. Niedersachsen arbeitet mit Richtzahlen in elf Bereichen, die der Antragsteller in den letzten 12 Monaten vor der Antragstellung erreicht haben muss (Anlage 1 Nr. 3.3 und 3.4). Baden-Württemberg verlangt Hospitationen in Allgemeinmedizin, HNO, Unfallchirurgie, Anästhesiologie und Notfallmedizin, Dermatologie sowie Innerer Medizin und Onkologie. Wie der Berufsalltag danach aussieht, steht in Was macht ein Oralchirurg?

Die Abschlussprüfung

Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Landeszahnärztekammer; in Niedersachsen dauert sie 30 bis 60 Minuten (§ 16 WBO), in Nordrhein ist sie ein Fachgespräch von in der Regel dreißig Minuten (§ 14). Den Titel „Fachzahnärztin” beziehungsweise „Fachzahnarzt für Oralchirurgie” oder „Oralchirurg” schützen das Heilberufe- und Kammergesetz des Landes und die Weiterbildungsordnung der Kammer. Wer ohne vollständige Weiterbildung operativ arbeitet, kann einen Tätigkeitsschwerpunkt ausweisen; die rechtlichen Unterschiede erklärt Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?

Abgrenzung zur MKG-Chirurgie und der Brückenweg

Die MKG-Chirurgie ist ein ärztlicher Facharzt: Du brauchst die ärztliche Approbation, die Weiterbildung dauert 60 Monate. Nach der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (Fassung vom 03.07.2026) umfasst das Gebiet auch Tumoren, Fehlbildungen, Frakturen und Veränderungen des Gesichtsschädels bis zur frontalen Schädelbasis. Die Oralchirurgie ist enger zugeschnitten. Wer beide Wege verbinden will, kann Oralchirurgie-Zeit anrechnen lassen – die Muster-WBO lässt bis zu 24 Monate zahnmedizinische Weiterbildung in Oralchirurgie auf die MKG-Weiterbildung zu, wenn der Weiterbilder für MKG befugt ist, auch wenn Du sie vor der ärztlichen Approbation geleistet hast. Die Ärztekammer Nordrhein nennt bis zu 12 Monate Oralchirurgie plus bis zu 12 Monate in Oralchirurgie oder anderen Gebieten. Voraussetzung bleibt das Medizinstudium. Umgekehrt lässt Niedersachsen Fachärzte für MKG zur Fachzahnarztprüfung in Oralchirurgie zu, wenn sie innerhalb von drei Jahren nach der Facharztprüfung abgelegt wird (§ 15a WBO). Den ganzen MKG-Weg beschreibt MKG-Chirurg werden.

Bewerbung, Vergütung und Bedingungen

Gesucht wird bei Weiterbildern, die die Kammer ermächtigt hat. Die Anforderungen sind hoch – in Niedersachsen braucht der Ermächtigte nach seiner Anerkennung mindestens fünf Jahre Tätigkeit im Gebiet, für eine Praxis zusätzlich fünf Jahre in eigener Praxis (Anlage 1 Nr. 3.1). Westfalen-Lippe verlangt fünf Jahre, davon zwei in eigener Niederlassung, und für die zweijährige Weiterbildung 800 zahnärztlich-chirurgische Eingriffe in den letzten 12 Monaten. Wie viele Plätze es gibt, veröffentlicht keine Kammer. Das Verzeichnis der Ermächtigten führt die Kammer, in Nordrhein ausdrücklich nach § 4 Abs. 6 der WBO. Melde den Beginn der fachspezifischen Weiterbildung vorher bei der Kammer.

Die Weiterbildung findet in einem angemessen vergüteten Arbeitsverhältnis statt (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt); Westfalen-Lippe verlangt eine Erklärung, dass mindestens der Mindestlohn gezahlt wird. Zahlen für Zahnärztinnen und Zahnärzte in Weiterbildung veröffentlichen die Kammern nicht. Teilzeit ist erlaubt, mindestens mit der halben Wochenarbeitszeit (in Westfalen-Lippe 20 Wochenstunden), die Weiterbildung verlängert sich entsprechend. Zeiten in der eigenen Praxis zählen nicht.

Nach der Weiterbildung

Möglich sind die eigene Praxis, die oralchirurgische Gemeinschaftspraxis, die Anstellung in einer größeren Praxis oder einem Z-MVZ und die Arbeit an einer Universitätszahnklinik. Berufspolitisch vertritt der Berufsverband Deutscher Oralchirurgen (BDO) das Fach; die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) vertritt die MKG-Chirurgen. Viele bilden sich zusätzlich über Curricula weiter, etwa in der Implantologie (Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel). Zum Gehalt: Nach Angaben des Mitherausgebers Deutscher Zahnarzt Service (Dentale Gehaltsstudie 2025) verdienen angestellte Oralchirurginnen und Oralchirurgen im Median 9.306 Euro brutto im Monat bei 40 Wochenstunden (Quartile 7.375 und 10.655 Euro); der Median aller angestellten Zahnärzte liegt bei 6.944 Euro. Das sind Angestelltengehälter, kein Praxisertrag. Mehr dazu in Gehalt als Oralchirurg.

FAQs

Wie viele Eingriffe muss man in der Weiterbildung nachweisen?

Das regeln die Kammern über OP-Kataloge. Westfalen-Lippe verlangt zum Beispiel 130 Zahnentfernungen und 300 Entfernungen retinierter oder verlagerter Zähne; Niedersachsen arbeitet mit Richtzahlen in elf Bereichen.

Kann ich als Oralchirurg später MKG-Chirurg werden?

Ja, wenn Du Humanmedizin studierst und approbiert bist. Dann lassen sich nach der Muster-WBO bis zu 24 Monate Oralchirurgie-Weiterbildung bei einem für MKG befugten Weiterbilder anrechnen.

Was verdient man während der Weiterbildung?

Die Ordnungen verlangen eine angemessene Vergütung, Westfalen-Lippe mindestens den Mindestlohn. Konkrete Beträge veröffentlichen die Kammern nicht.

Quellen

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