Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie umfasst mindestens drei fachspezifische Jahre. Die meisten Kammern verlangen zusätzlich ein allgemeinzahnärztliches Jahr, also vier Jahre insgesamt; die Zahnärztekammer Nordrhein schreibt drei Jahre vor. Zum 31.12.2024 waren in Deutschland 3.825 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für KFO tätig, 58,4 Prozent davon Frauen (Quelle: BZÄK, Nachgezählt). Das entspricht 5,2 Prozent der aktiven Zahnärzteschaft. Die Oralchirurgie zählt mit 3.910 etwas mehr.
Voraussetzung: die zahnärztliche Approbation
Bevor die Weiterbildung beginnen kann, muss die zahnärztliche Approbation vorliegen. Das allgemeinzahnärztliche Jahr, das die meisten Kammern fordern, sollte vor der fachspezifischen Weiterbildung liegen. Es kann in Westfalen-Lippe bei jeder überwiegend allgemeinzahnärztlich tätigen Stelle abgeleistet werden; ob die Assistenzzeit angerechnet wird, regelt die Kammer, frag dort nach. Einen Schritt-für-Schritt-Überblick über den gesamten Weg — von der Stellensuche bis zur Fachzahnarztprüfung — bietet außerdem kieferorthopäde-werden.de.
Wie lange dauert die Weiterbildung?
Mindestens drei fachspezifische Jahre schreiben alle geprüften Ordnungen vor. Unterschiede gibt es beim allgemeinzahnärztlichen Jahr und bei der Anrechnung von Zeiten.
| Kammer | Dauer | Allgemeinzahnärztliches Jahr | Bedingungen und Anrechnung | Ordnung (Stand) |
|---|---|---|---|---|
| Nordrhein | 3 Jahre | nicht vorgesehen | Zwei Jahre ohne Unterbrechung an einer Stätte; Zeit an einer Hochschulabteilung bis 3 Jahre, bei ermächtigtem Niedergelassenen bis 2 Jahre anrechenbar | WBO vom 17.05.2003, § 8 |
| Westfalen-Lippe | 3 Jahre plus 1 | ja, grundsätzlich zu Beginn | Mindestens 36 Wochenstunden; zwei Jahre ohne Unterbrechung an einer Stätte; mindestens ein Jahr unter universitärer Leitung oder in einer dreijährig ermächtigten KFO-Praxis mit curricularem Teil | WBO vom 26.11.2016, § 3 |
| Baden-Württemberg | mindestens 4 Jahre insgesamt | ja | Mindestens ein Jahr an Hochschulabteilung, Krankenhausabteilung oder bei ermächtigtem Niedergelassenen; zwei Jahre ohne Unterbrechung | WBO, Stand 24.07.2021, §§ 2, 22 |
| Niedersachsen | 3 Jahre plus 1 | ja, sollte vorher liegen | Zwei Jahre ohne Unterbrechung; mindestens 12 Monate an einer Hochschulabteilung oder gleichwertigen Stätte; Praxis in der Regel mit 2 Jahren anrechenbar | WBO vom 18.06.2026, Anlage 2 |
| Brandenburg | 3 Jahre plus 1 | ja, sollte vorher liegen | Hochschulabteilung bis 3 Jahre, Praxis mit universitärer Anbindung bis 3 Jahre, Praxis ohne Anbindung bis 2 Jahre, Krankenhausabteilung bis 1 Jahr | WBO vom 07.03.2016, Anlage 2 |
| Sachsen-Anhalt | 3 Jahre plus 1 | ja, sollte vorher liegen | Zwei Jahre ohne Unterbrechung; mindestens 12 Monate an einer Hochschulabteilung oder gleichwertigen Stätte | WBO, Beschluss 22.11.2025, Anlage 2 |
Die Anrechnungsregel in Nordrhein lautet ausgeschrieben: Bis zu drei Jahre kann die Zeit an einer kieferorthopädischen Hochschulabteilung zählen, bis zu zwei Jahre die Zeit bei einem ermächtigten niedergelassenen Fachzahnarzt (§ 8 Abs. 5 und 6). Wechselst Du die Stelle, darf kein Abschnitt kürzer als zwölf Monate sein (Abs. 8). Die Weiterbildung läuft in Vollzeit; Niedersachsen und Westfalen-Lippe verlangen mindestens 36 Wochenstunden. Für alle anderen Kammern gilt deren eigene Ordnung.
Wo findet die Weiterbildung statt?
Weiterbildungsstätten sind zugelassene Hochschuleinrichtungen, Krankenhausabteilungen und Praxen mit ermächtigtem Fachzahnarzt. Ein Teil der Zeit muss an einer Hochschulabteilung oder einer gleichwertigen, in Lehre und Forschung eingebundenen Stätte liegen (Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). Wer später forschen will, findet dort den Zugang zur wissenschaftlichen Karriere. Welche Stätte zu Dir passt, hängt vom Fallspektrum, den Aufgaben in Lehre und Forschung und dem Weiterbildungskonzept ab; die Kammer führt ein Verzeichnis der Ermächtigten und der zugelassenen Stätten.
Was lernt man in der Weiterbildung?
Die Ordnungen nennen Ätiologie und Genese von Gebissfehlbildungen, die kieferorthopädische Diagnostik einschließlich Fernröntgen und kephalometrischer Auswertung sowie die Therapie mit herausnehmbaren, festsitzenden, funktionskieferorthopädischen und extraoralen Behelfen. In Nordrhein ist das erste Jahr als Einführung gedacht, das zweite als Vertiefung, das dritte als umfassende praktische Anwendung (§ 8 Abs. 3). Dazu kommen Kombinationsbehandlungen mit der Kieferchirurgie, etwa zusammen mit MKG-Chirurgen, und Fälle mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder anderen kraniofazialen Anomalien. Wie der Beruf danach aussieht, steht in Was macht ein Kieferorthopäde?
Die Abschlussprüfung
Am Ende steht eine mündliche Prüfung vor der Landeszahnärztekammer. In Niedersachsen dauert sie 30 bis 60 Minuten, in der Kieferorthopädie geht ihr eine halbe Stunde Vorbereitungszeit voraus (§ 16 WBO). Wer nicht besteht, kann die Prüfung nach frühestens drei Monaten wiederholen, höchstens zweimal (§ 17). Den Titel „Fachzahnärztin” beziehungsweise „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” schützen das Heilberufe- und Kammergesetz des Landes und die Weiterbildungsordnung der Kammer. Ein „Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie” ist etwas anderes, den Unterschied erklärt Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt.
Bewerbung, Vergütung und Bedingungen
Gesucht wird bei Weiterbildern, die die Kammer ermächtigt hat. In Niedersachsen braucht ein Ermächtigter nach seiner Anerkennung mindestens fünf Jahre Praxis beschränkt auf die Kieferorthopädie und regelmäßig 500 bis 800 Patienten in Behandlung (Anlage 2 Nr. 4). Wie viele Plätze es gibt, veröffentlicht keine Kammer; Auswahlkriterien für Bewerber nennen die geprüften Ordnungen nicht. Das Verzeichnis der Ermächtigten führt die jeweilige Kammer, in Nordrhein ausdrücklich nach § 4 Abs. 6 der WBO. Melde den Beginn der fachspezifischen Weiterbildung der Kammer, bevor Du anfängst; in Westfalen-Lippe zählt die Zeit frühestens ab Eingang der Meldung.
Die Weiterbildung findet in einem angemessen vergüteten Arbeitsverhältnis statt (Niedersachsen, § 2 Abs. 4); Westfalen-Lippe verlangt eine Erklärung des Weiterbilders, dass mindestens der Mindestlohn gezahlt wird. Zahlen für die Weiterbildungsassistenz in der KFO veröffentlichen die Kammern nicht. Teilzeit ist erlaubt, mindestens mit der halben Wochenarbeitszeit (Nordrhein, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Brandenburg) beziehungsweise 20 Wochenstunden in Westfalen-Lippe; die Weiterbildung verlängert sich entsprechend. In Niedersachsen muss jede Unterbrechung von mehr als einem Monat genehmigt werden, Elternzeit gilt als wichtiger Grund. Wechselst Du die Stelle, gelten Mindestzeiten je Stätte: 12 Monate in Nordrhein, 6 Monate in Niedersachsen.
Wie geht es nach der Weiterbildung weiter?
Nach der Prüfung bleibt Dir die eigene KFO-Praxis, die Anstellung in einer bestehenden Praxis oder die wissenschaftliche Laufbahn an einer Universitätszahnklinik. Fachlich vernetzen sich viele Kieferorthopäden über die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) und den Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK).
Was verdient man als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie?
Nach Angaben des Mitherausgebers Deutscher Zahnarzt Service (Dentale Gehaltsstudie 2025) verdienen angestellte Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden im Median 10.128 Euro brutto im Monat bei 40 Wochenstunden; das untere Quartil liegt bei 8.240, das obere bei 12.125 Euro. Der Median aller angestellten Zahnärzte beträgt in derselben Studie 6.944 Euro (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Das sind Angestelltengehälter, kein Praxisertrag. Was Kieferorthopäden angestellt und mit eigener Praxis einnehmen können, zeigt Gehalt als Kieferorthopäde.
Nächste Schritte
- Lies die Weiterbildungsordnung Deiner Kammer – die Tabelle oben zeigt, worauf es ankommt.
- Plane das allgemeinzahnärztliche Jahr, wenn Deine Kammer es verlangt, und frage nach, ob die Assistenzzeit zählt.
- Sprich ermächtigte Weiterbilder und Hochschulabteilungen an und melde den Beginn der Weiterbildung der Kammer.
FAQs
Was verdient man während der Weiterbildung?
Die Weiterbildungsordnungen verlangen eine angemessene Vergütung, in Westfalen-Lippe mindestens den Mindestlohn. Konkrete Beträge für die KFO-Weiterbildung veröffentlichen die Kammern nicht; die Höhe steht im Vertrag mit der Weiterbildungsstätte.
Geht die Weiterbildung in Teilzeit?
Ja, mit mindestens der Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit (in Westfalen-Lippe 20 Wochenstunden). Die Weiterbildungszeit verlängert sich entsprechend. Die Teilzeit ist vorher bei der Kammer anzuzeigen oder zu beantragen.
Wie viele Weiterbildungsplätze gibt es?
Dazu gibt es keine veröffentlichten Zahlen. Das Angebot hängt von den Ermächtigungen ab, die an mehrjährige Praxis im Fachgebiet und an Patientenzahlen geknüpft sind.
Quellen
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Niedersachsen vom 18.06.2026: Anlage 2 Kieferorthopädie, § 2 Vergütung, § 3 Teilzeit und Unterbrechung, §§ 16, 17 Prüfung
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein vom 17. Mai 2003: § 8 Dauer und Anrechnung, § 4 Verzeichnis der Ermächtigten
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe vom 26. November 2016: § 3 Dauer, Teilzeit, Meldung, Mindestlohn-Erklärung
- Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg: §§ 2, 4, 22
- Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Brandenburg vom 7. März 2016: Anlage 2 Kieferorthopädie, Anrechnung
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt (Beschluss 22.11.2025): Anlage Kieferorthopädie
- Bundeszahnärztekammer: Nachgezählt: 3.825 Fachzahnärzte für Kieferorthopädie (31.12.2024), 58,4 Prozent weiblich, 5,2 Prozent der aktiven Zahnärzte
- Deutscher Zahnarzt Service: Gehalt als Kieferorthopäde: Median 10.128 Euro, Quartile 8.240 und 12.125 Euro, Dentale Gehaltsstudie 2025 (Angaben des Mitherausgebers, Abruf Oktober 2026)
- ZWP online: Dentale Gehaltsstudie 2025: Median aller angestellten Zahnärzte 6.944 Euro brutto im Monat (Angaben der Studie, Abruf Oktober 2026)

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