Was macht ein...?

Was macht ein MKG-Chirurg?

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
MKG-Chirurg bespricht anhand eines Kiefer-Röntgenbilds die Behandlung mit einer Patientin – Was macht ein MKG-Chirurg?

MKG-Chirurgen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Anders als Oralchirurgen sind sie keine Fachzahnärzte, sondern Ärzte, allerdings mit einer Besonderheit, die kein anderes medizinisches Fach kennt: Für die Facharztweiterbildung müssen sie sowohl Humanmedizin als auch Zahnmedizin studiert und in beiden Fächern eine Approbation erworben haben. Diese Doppelqualifikation macht MKG-Chirurgie zu einem der ausbildungsintensivsten Fachgebiete überhaupt – dafür operieren sie am gesamten Gesichtsschädel, weit über das hinaus, was in der Mundhöhle passiert.

Was zeichnet die Arbeit als MKG-Chirurg aus?

MKG-Chirurgen bewegen sich an der Schnittstelle aus Zahnmedizin, Chirurgie und plastisch-ästhetischer Medizin. Sie behandeln Tumoren im Mund- und Gesichtsbereich, versorgen Unfallopfer mit Kiefer- oder Gesichtsverletzungen, korrigieren angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und führen komplexe Kieferumstellungsoperationen durch. Für die Doppelapprobation (umgangssprachlich oft „Dr. med. Dr. med. dent.“) braucht man neben fachlicher Breite vor allem Ausdauer: Bis zur Facharztanerkennung vergehen inklusive beider Studiengänge häufig rund 15 Jahre.

Bemerkenswert ist auch der ästhetische Anteil des Fachs: Neben der Wiederherstellung von Kaufunktion, Sprache und Atmung gehören rekonstruktive und ästhetische Eingriffe im Gesicht zum Alltag: etwa nach Tumorentfernungen oder Unfällen, teils auch auf reinen Patientenwunsch.

Die meisten MKG-Chirurgen arbeiten ambulant: Von den 1.916 berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzten waren zum Stichtag 31.12.2025 rund 1.329 im ambulanten Bereich tätig, davon 1.052 in eigener Praxis niedergelassen (oft in enger Kooperation mit Zahnärzten, Kieferorthopäden oder HNO-Praxen, die chirurgische Fälle überweisen). Die übrigen 508 arbeiteten stationär, vor allem in Kliniken und Universitätskliniken, wo komplexe Tumor- und Traumafälle sowie die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses angesiedelt sind (Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025).

Worin liegen die Aufgaben eines MKG-Chirurgen?

Ein MKG-Chirurg ist zugleich Zahnarzt, Chirurg und Facharzt für ein Gebiet, das mehrere klassische Disziplinen verbindet:

  • Tumorchirurgie: Diagnostik und operative Entfernung gut- und bösartiger Tumoren in Mundhöhle, Kiefer, Gesichtshaut und Speicheldrüsen
  • Traumatologie: Versorgung von Kiefer- und Gesichtsverletzungen nach Unfällen, etwa Jochbein-, Kiefer- oder Nasenbeinbrüchen
  • Dysgnathiechirurgie: operative Korrektur ausgeprägter Kieferfehlstellungen, meist in Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden
  • Fehlbildungschirurgie: Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und anderen angeborenen Fehlbildungen, oft schon im Säuglingsalter beginnend
  • Implantologie: Einsetzen von Zahnimplantaten auch unter schwierigen anatomischen Bedingungen, etwa nach größerem Knochenverlust
  • Plastisch-ästhetische Eingriffe: Korrekturen an Lippen, Kinn, Nase oder Augenlidern, sowohl medizinisch als auch ästhetisch motiviert
  • Schmerztherapie: Abklärung und Behandlung von Kiefergelenkbeschwerden und chronischen Gesichtsschmerzen

Wie wird man MKG-Chirurg?

Der Weg beginnt mit einem der beiden Studiengänge: meist Humanmedizin zuerst, da sich dabei mehr Inhalte auf das anschließende Zahnmedizinstudium anrechnen lassen. Für die Facharztanerkennung ist die Approbation in beiden Fächern Voraussetzung; laut Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein muss die zahnärztliche Approbation spätestens zur Facharztprüfung vorliegen. Eine Ausnahme bildet Bayern: Dort müssen beide Approbationen bereits zu Beginn der Facharztweiterbildung nachgewiesen werden (Quellen: aekno.de, Weiterbildungsordnung 2014; dgmkg.de, Ausbildungsweg zum MKG-Chirurgen).

Die anschließende Facharztweiterbildung dauert 60 Monate (5 Jahre), wovon bis zu 12 Monate durch zahnmedizinische Weiterbildung in Oralchirurgie angerechnet werden können. Sie findet in ermächtigten Kliniken, MVZs oder Praxen statt. Rechnet man beide Studiengänge und die Facharztausbildung zusammen, kommen angehende MKG-Chirurgen auf rund 15 Jahre bis zum fertigen Facharzttitel (mehr Details liefert der Artikel MKG-Chirurg werden: das Doppelstudium).

Zum Stichtag 31.12.2025 zählte die Bundesärztekammer 2.498 Fachärztinnen und Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, von denen 1.916 berufstätig waren: 508 stationär, 1.329 ambulant (davon 1.052 in eigener Praxis niedergelassen) sowie 48 bei Behörden und Körperschaften. Im Jahr 2025 gab es 77 Neuanerkennungen (Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025, Tabelle 3 und 9). Eine eigene BZÄK-Statistik gibt es nicht, da MKG-Chirurgen als Ärzte geführt werden.

Welche Fortbildungen gibt es?

Fachliche Heimat ist die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) mit über 2.100 Mitgliedern. Über ihre Akademie AMKG bietet sie strukturierte Fortbildungen in Teilbereichen wie Implantologie, Parodontologie oder ästhetischer Gesichtschirurgie an. Viele MKG-Chirurgen erwerben zusätzlich die Zusatzweiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen, um ihr Leistungsspektrum um Lidstraffungen, Facelifts oder Narbenkorrekturen zu erweitern. Wer an einer Klinik mit Intensivstation arbeitet, profitiert häufig zusätzlich von einer Weiterbildung in der Intensivmedizin.

Wie viel verdient ein MKG-Chirurg?

Im klinischen Bereich gilt für angestellte MKG-Chirurgen der Tarifvertrag TV-Ärzte/VKA, der nicht nach Fachrichtung unterscheidet – die Doppelapprobation führt tariflich zu keiner höheren Eingruppierung. Für den Zeitraum 01.08.2025 bis 31.05.2026 liegen die Monatsgehälter je nach Erfahrungsstufe zwischen 5.609,85 Euro für Ärzte in Weiterbildung (Gruppe I) und 11.689,17 Euro für leitende Oberärzte (Gruppe IV); Fachärzte (Gruppe II) verdienen zwischen 7.404,11 und 9.508,74 Euro (Quelle: Marburger Bund, Entgelttabellen TV-Ärzte/VKA, gültig ab 08/2025). Für niedergelassene MKG-Chirurgen mit eigener Praxis existieren keine ausreichend belastbaren, aktuellen Einzelquellen. Hier lohnt sich der Blick in den Artikel Gehalt als MKG-Chirurg, der die verfügbaren Zahlen einordnet.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum MKG-Chirurgen?

Der Weg zum MKG-Chirurgen ist der wohl längste im gesamten Gesundheitswesen: rund 15 Jahre bis zum Facharzttitel, verteilt auf zwei Studiengänge und eine fünfjährige Facharztweiterbildung. Er lohnt sich für alle, die sich für Chirurgie im sichtbarsten Bereich des Körpers begeistern und bereit sind, außergewöhnlich viel Zeit in ihre Ausbildung zu investieren.

Wer durchhält, erhält dafür eines der breitesten Tätigkeitsspektren der Medizin: Tumorchirurgie, Unfallversorgung, Fehlbildungschirurgie und ästhetische Eingriffe unter einem Dach – mit entsprechend hoher fachlicher wie finanzieller Anerkennung.

FAQs

Was macht ein MKG-Chirurg?

Ein MKG-Chirurg ist Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und operiert am gesamten Gesichtsschädel: von Tumoren über Unfallverletzungen und angeborene Fehlbildungen bis zu Kieferfehlstellungen und ästhetischen Korrekturen. Er hat sowohl Human- als auch Zahnmedizin studiert und ist in beiden Fächern approbiert.

Wie lange dauert die Ausbildung zum MKG-Chirurgen?

Insgesamt dauert der Weg zum MKG-Chirurgen rund 15 Jahre: etwa 6 Jahre Humanmedizin, danach etwa 5 Jahre Zahnmedizin und anschließend eine 60-monatige (5-jährige) Facharztweiterbildung, von der bis zu 12 Monate durch zahnmedizinische Weiterbildung in Oralchirurgie angerechnet werden können.

Wie viel verdient ein MKG-Chirurg?

Im Krankenhaus gilt der Tarifvertrag TV-Ärzte/VKA: Fachärzte verdienen aktuell zwischen 7.404 und 9.509 Euro brutto monatlich, leitende Oberärzte bis zu 11.689 Euro. Eine Doppelapprobation führt tariflich zu keinem Gehaltszuschlag. Für niedergelassene MKG-Chirurgen gibt es keine belastbare, aktuelle Einzelquelle zum durchschnittlichen Verdienst.

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