Kieferorthopäden sind Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Kieferorthopädie (KFO), eine der drei bundesweit anerkannten zahnärztlichen Fachrichtungen. Sie korrigieren Zahn- und Kieferfehlstellungen, damit Zähne richtig aufeinandertreffen, Kauen und Sprechen funktionieren und das Zahnfleisch nicht durch Fehlbelastung geschädigt wird. Bekanntestes Werkzeug ist die Zahnspange, doch das Fachgebiet reicht weit über die klassische Jugendbehandlung hinaus – auch immer mehr Erwachsene lassen ihre Zahnstellung mit unsichtbaren Alignern korrigieren.
Was zeichnet die Arbeit als Kieferorthopäde aus?
Kieferorthopädie ist ein planungsintensives Fach: Bevor die erste Spange eingesetzt wird, stehen ausführliche Diagnostik, Modellanalysen und oft eine mehrjährige Behandlungsplanung. Anders als in der allgemeinen Zahnheilkunde begleitet man Patient:innen häufig über Jahre hinweg – von der Erstberatung im Kindesalter bis zum Abschluss der aktiven Behandlung im Teenageralter, mit regelmäßigen Kontrollterminen dazwischen.
Wirtschaftlich gilt KFO als eine der einträglichsten zahnärztlichen Fachrichtungen: Viele Leistungen werden privat oder als Eigenanteil abgerechnet, und die Nachfrage (gerade nach ästhetisch unauffälligen Behandlungsmethoden) ist ungebrochen hoch.
Auch die Digitalisierung hat das Fach spürbar verändert: Intraoralscanner ersetzen zunehmend den klassischen Abdruck, digitale Modellanalysen erlauben eine präzisere Behandlungsplanung, und bei der Alignertherapie wird der komplette Behandlungsverlauf am Bildschirm simuliert, bevor die erste Schiene gefertigt wird. Wer heute in die Kieferorthopädie einsteigt, arbeitet also deutlich technologienäher als noch vor zehn Jahren.
Worin liegen die Aufgaben eines Kieferorthopäden?
Der Praxisalltag dreht sich um Diagnostik, Behandlungsplanung und die kontinuierliche Steuerung des Zahn- und Kieferwachstums:
- Diagnostik: Auswertung von Röntgenbildern (Fernröntgenseitenbild, Orthopantomogramm), digitalen Abdrücken und Gebissmodellen zur genauen Analyse der Fehlstellung
- Behandlung von Zahnfehlstellungen: z. B. Engstand, Lücken, Kreuzbiss oder Deckbiss – mit herausnehmbaren oder festsitzenden Zahnspangen
- Behandlung von Kieferfehlstellungen: Vor- oder Rückbiss des Unter- bzw. Oberkiefers, oft mit funktionskieferorthopädischen Geräten im Wachstumsalter
- Aligner-Therapie: Planung und Kontrolle transparenter Schienensysteme, vor allem bei erwachsenen Patient:innen
- Interdisziplinäre Fälle: Zusammenarbeit mit MKG-Chirurgen bei schweren Kieferfehlstellungen, die operativ korrigiert werden müssen (kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung)
- Betreuung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten: gemeinsam mit spezialisierten Zentren und Kinderzahnärzten
- Retention: Sicherung des Behandlungsergebnisses nach Abschluss der aktiven Therapie, meist mit Retainern
Wo arbeiten Kieferorthopäden?
Anders als in der Allgemeinzahnheilkunde gibt es in der Kieferorthopädie kaum Anstellungsverhältnisse im Krankenhaus: Das Fach ist fast ausschließlich ambulant organisiert. Die meisten Kieferorthopäden arbeiten in eigener Praxis oder Gemeinschaftspraxis, viele davon spezialisiert und ohne allgemeinzahnärztliches Leistungsspektrum, sodass sie primär Überweisungen von Zahnärzten oder direkte Anfragen von Eltern behandeln. Ein kleinerer Teil ist an Universitätszahnkliniken tätig, wo neben der Behandlung komplexer Fälle auch Forschung und die Ausbildung des Nachwuchses stattfinden.
Wie wird man Kieferorthopäde?
Voraussetzung ist die zahnärztliche Approbation nach abgeschlossenem Zahnmedizinstudium. Erst danach kann die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie beginnen. Die genaue Dauer regeln die Landeszahnärztekammern unterschiedlich: Die Zahnärztekammer Nordrhein sieht ein Modell mit 3 Jahren ohne vorgeschaltetes allgemeinzahnärztliches Jahr vor, während etwa die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und die Zahnärztekammer Niedersachsen ein Modell mit 4 Jahren verlangen, einem allgemeinzahnärztlichen Jahr plus drei fachspezifischen Jahren (Quellen: zahnaerztekammernordrhein.de sowie lzk-bw.de und zkn.de). Die Weiterbildung findet an Universitätskliniken, zugelassenen Krankenhausabteilungen oder in Praxen weiterbildungsermächtigter Kieferorthopäden statt. Details zum Ablauf liefert der Artikel Weiterbildung Kieferorthopädie.
Zum Stichtag 31.12.2024 zählte die Bundeszahnärztekammer 3.825 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Kieferorthopädie in Deutschland, davon 58,4 Prozent Frauen (Quelle: bzaek.de, Mitgliederstatistik).
Welche Fortbildungen gibt es?
Die fachliche Heimat der Kieferorthopädie ist die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO), gegründet 1908 und damit eine der ältesten zahnmedizinischen Fachgesellschaften Deutschlands. Sie richtet die jährliche wissenschaftliche Jahrestagung aus und zertifiziert Fortbildungsangebote nach den Vorgaben von BZÄK, KZBV und DGZMK. Daneben vertritt der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) die wirtschaftlichen und berufspolitischen Interessen der Fachrichtung und bietet über seine Landesverbände eigene Fortbildungsreihen an.
Innerhalb der Kieferorthopädie spezialisieren sich manche Praxen zusätzlich auf Teilgebiete wie die kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung Erwachsener, die Frühbehandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder die digitale Alignertherapie – eigene Fachzahnarzt-Titel gibt es dafür allerdings nicht, das bleibt Praxis- und Fortbildungsschwerpunkt.
Wie viel verdient ein Kieferorthopäde?
Kieferorthopädie gehört zu den bestbezahlten zahnärztlichen Fachrichtungen. Laut der Dentalen Gehaltsstudie 2025 verdienen angestellte Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden im Median 10.128 Euro brutto monatlich (Quartile 8.240 bis 12.125 Euro), deutlich mehr als der Median aller angestellten Zahnärzte von 6.944 Euro. Eine offizielle, fachrichtungsspezifische Reinertrags-Statistik für niedergelassene KFO-Praxen veröffentlichen weder KZBV noch BZÄK; das KZBV-Jahrbuch weist den Praxis-Reinertrag nur für alle Zahnarztpraxen gemeinsam aus. Dass niedergelassene Kieferorthopäden überdurchschnittlich verdienen, gilt in der Branche dennoch als weitgehend unstrittig – belastbare Zahlen dazu liefert der Artikel Gehalt als Kieferorthopäde.
Fazit: Lohnt sich der Weg zum Kieferorthopäden?
Der Weg zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie lohnt sich für alle, die gern langfristig planen und Freude an sichtbaren, oft über Jahre begleiteten Behandlungserfolgen haben. Die Weiterbildung dauert je nach Kammer drei bis vier Jahre nach der Approbation und ist damit überschaubarer als andere fachzahnärztliche Wege. Finanziell zählt KFO zu den attraktivsten Spezialisierungen der Zahnmedizin, sowohl angestellt als auch mit eigener Praxis.
Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte allerdings auch Geduld mitbringen: Anders als eine Füllung ist eine kieferorthopädische Behandlung selten in einer Sitzung erledigt, sondern das Ergebnis vieler kleiner, präziser Anpassungen über Monate und Jahre.
FAQs
Was macht ein Kieferorthopäde?
Ein Kieferorthopäde ist ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und korrigiert Zahn- und Kieferfehlstellungen mit Zahnspangen, funktionskieferorthopädischen Geräten oder Alignern. Dazu gehören Diagnostik, Behandlungsplanung, die Steuerung des Kieferwachstums bei Kindern und Jugendlichen sowie zunehmend auch die Behandlung erwachsener Patient:innen.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Kieferorthopäden?
Je nach Landeszahnärztekammer dauert die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie 3 bis 4 Jahre nach der zahnärztlichen Approbation. Manche Kammern verlangen zusätzlich ein allgemeinzahnärztliches Jahr vor Beginn der fachspezifischen Weiterbildung.
Wie viel verdient ein Kieferorthopäde?
Angestellte Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden verdienen laut der Dentalen Gehaltsstudie 2025 im Median 10.128 Euro brutto monatlich – deutlich mehr als der Durchschnitt aller angestellten Zahnärzte. Mit eigener Praxis liegt der Verdienst in der Regel noch darüber, belastbare KZBV-Zahlen speziell für KFO-Praxen gibt es dazu allerdings nicht.

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