Was macht ein...?

Was macht ein Kieferorthopäde?

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit
Kieferorthopäde justiert den Bogen einer Zahnspange bei einer jungen Patientin – Was macht ein Kieferorthopäde?

Kieferorthopäden korrigieren Fehlstellungen von Zähnen und Kiefern, vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum. Sie sind Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Kieferorthopädie (KFO). Auf die Approbation folgt eine Weiterbildung von drei bis vier Jahren (Weiterbildung Kieferorthopädie). Zum 31.12.2024 waren in Deutschland 3.825 von ihnen tätig, 5,2 Prozent der aktiven Zahnärzteschaft (BZÄK).

Wie läuft eine kieferorthopädische Behandlung ab?

Für gesetzlich Versicherte legen die KFO-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), § 29 SGB V und der Bundesmantelvertrag der Zahnärzte (BMV-Z) den Ablauf fest. Er hat fünf Schritte:

  1. Untersuchung und Einstufung. Der Kieferorthopäde ordnet den Befund einer kieferorthopädischen Indikationsgruppe (KIG) zu. Als Kassenleistung zählt die Behandlung erst ab Behandlungsbedarfsgrad 3.
  2. Diagnostik. Je nach Befund gehören Gebissmodelle, Röntgenbilder (Panoramaaufnahme, Fernröntgenseitenbild), eine Handaufnahme zur Bestimmung des Wachstumsstands und Fotos dazu. Daraus erarbeitet der Zahnarzt persönlich Diagnose, Therapieplan und Retentionsplanung.
  3. Behandlungsplan und Kostenübernahme. Der Plan geht an die Krankenkasse; sie meldet die Kostenübernahme spätestens nach drei Wochen. Begonnen werden soll erst danach.
  4. Aktive Phase. Die Behandlung beginnt in der Regel erst im späten Wechselgebiss. Frühbehandlungen sind auf bestimmte Befunde begrenzt und sollen nach sechs Kalenderquartalen abgeschlossen sein. Der Plan gilt bis zum 16. Behandlungsvierteljahr – vier Jahre. Was darüber hinausgeht, braucht einen Verlängerungsantrag.
  5. Retention. Sie sichert das Ergebnis, etwa mit einem festsitzenden Retainer im Unterkiefer. Retentionsmaßnahmen sind bis zu zwei Jahre nach dem letzten Quartal mit Abschlagszahlung Kassenleistung. Danach bestätigt der Zahnarzt den Abschluss schriftlich.

Versicherte tragen zunächst 20 Prozent der Kosten selbst (10 Prozent für das zweite und jedes weitere Kind, das gleichzeitig behandelt wird). Wurde die Behandlung wie geplant abgeschlossen, erstattet die Kasse diesen Anteil zurück (§ 29 Abs. 2 und 3 SGB V).

In der Regel zahlt die Kasse nur, wenn die Behandlung vor dem 18. Geburtstag beginnt. Bei Erwachsenen übernimmt sie sie nur bei schweren Kieferanomalien, die eine kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Behandlung erfordern; ästhetisch gewünschte Korrekturen sind keine Kassenleistung. Die KZBV zählte 2024 rund 456.700 kieferorthopädische Neuplanungen in der GKV. Meist beginnt die Behandlung mit 10 bis 13 Jahren; 19 Prozent der Neuplanungen betreffen Kinder zwischen 4 und 9 Jahren, rund 1,4 Prozent der Neuversorgungen Erwachsene.

Worin liegen die Aufgaben eines Kieferorthopäden?

Bereich Typische Aufgaben
Diagnostik Auswertung von Röntgenbildern, Gebissmodellen und digitalen Abdrücken, Analyse der Fehlstellung
Zahnfehlstellungen Engstand, Lücken, Kreuzbiss, Deckbiss; mit herausnehmbaren oder festsitzenden Spangen
Kieferfehlstellungen Vor- oder Rückbiss von Unter- und Oberkiefer, im Wachstumsalter oft mit funktionskieferorthopädischen Geräten
Aligner Planung und Kontrolle transparenter Schienensysteme
Zusammenarbeit Mit MKG-Chirurgen bei Fehlstellungen, die zusätzlich operiert werden müssen; mit spezialisierten Zentren und Kinderzahnärzten bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Festsitzende Multibandapparaturen machten 2024 in der GKV 42,5 Prozent des kieferorthopädischen Punktevolumens aus, Maßnahmen zur Umformung eines Kiefers 25,9 Prozent (KZBV-Jahrbuch 2025). Wie Intraoralscanner und digitale Planung im Studium vorkommen, zeigt Digitale Zahnmedizin im Studium.

Wo arbeiten Kieferorthopäden?

Kieferorthopäden arbeiten in eigener Praxis, in einer Gemeinschaftspraxis, angestellt in einer Praxis oder einem Z-MVZ und an Universitätszahnkliniken, wo neben komplexen Fällen auch Forschung und Lehre anfallen. Die KZBV zählte zum 31.12.2024 bundesweit 2.820 Vertragszahnärzte, die ausschließlich kieferorthopädisch abrechnen (2016: 3.088). Angestellte Zahnärzte erfasst sie ohne Fachgebiet, 20.501 waren es Mitte 2025. Wie viele Kieferorthopäden angestellt arbeiten, weist keine der beiden Statistiken aus – dass es sie gibt, belegt die Gehaltsstudie im Abschnitt zum Verdienst.

Wie wird man Kieferorthopäde?

Voraussetzung ist die zahnärztliche Approbation. Danach dauert die Weiterbildung zum Fachzahnarzt je nach Landeszahnärztekammer drei oder vier Jahre; mindestens drei Jahre sind fachspezifisch, viele Kammern verlangen zusätzlich ein allgemeinzahnärztliches Jahr. Die Kammertabelle mit Anrechnung und Bedingungen steht in Weiterbildung Kieferorthopädie.

Weiterbilden dürfen nur ermächtigte Fachzahnärzte. In Niedersachsen verlangt die Ordnung dafür mindestens fünf Jahre Praxis im Fach und regelmäßig 500 bis 800 Patienten in Behandlung (WBO vom 18.06.2026). Wie viele Weiterbildungsplätze es gibt, veröffentlicht keine Kammer; das Angebot hängt von diesen Ermächtigungen ab. Den Titel führen darf nur, wer die Weiterbildung abgeschlossen hat. Was Zahnärzte ohne Titel auf dem Praxisschild angeben dürfen, erklärt Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt; alle Fachrichtungen im Vergleich zeigt Fachzahnarzt werden.

Fachgesellschaft und Berufsverband

Die wissenschaftliche Fachgesellschaft ist die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO). Sie geht auf die im Mai 1908 in Köln gegründete Deutsche Gesellschaft für Orthodontie zurück und ist damit eine der ältesten zahnmedizinischen Fachgesellschaften Deutschlands. Der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) wurde 1967 gegründet und vertritt die berufspolitischen Interessen der Fachrichtung. Wie ein typischer Arbeitstag in Praxis und Uniklinik konkret aussieht, beschreibt anschaulich das Berufsbild Kieferorthopäde.

Wie viel verdient ein Kieferorthopäde?

Nach Angaben des Mitherausgebers Deutscher Zahnarzt Service (Dentale Gehaltsstudie 2025) verdienen angestellte Kieferorthopäden im Median 10.128 Euro brutto im Monat bei 40 Wochenstunden; die mittlere Hälfte liegt zwischen 8.240 und 12.125 Euro. Der Median aller angestellten Zahnärzte beträgt in derselben Studie 6.944 Euro (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Das sind Angestelltengehälter, kein Praxisertrag. Das Statistische Bundesamt weist Kieferorthopädie, Oralchirurgie und sonstige Fachgebiete nur gemeinsam aus; was Inhaber verdienen und investieren, steht in Gehalt als Kieferorthopäde.

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