Was macht ein...?

Was macht ein Oralchirurg?

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Oralchirurg entfernt vorsichtig einen Weisheitszahn – Was macht ein Oralchirurg?

Oralchirurgen sind Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie: spezialisiert auf operative Eingriffe im Mundbereich, die über das übliche Behandlungsspektrum eines Zahnarztes hinausgehen. Dazu zählen die Entfernung verlagerter Weisheitszähne, das Einsetzen von Zahnimplantaten, die Behandlung von Zysten sowie kleinere chirurgische Korrekturen an Kiefer und Mundschleimhaut. Nicht zu verwechseln ist die Oralchirurgie mit der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG): Oralchirurgen bleiben Zahnärzte mit zahnärztlicher Fachweiterbildung, während MKG-Chirurgen ein zweites, ärztliches Studium und eine ärztliche Facharztausbildung durchlaufen.

Was zeichnet die Arbeit als Oralchirurg aus?

Oralchirurgie ist das operative Fach der Zahnmedizin für den ambulanten Bereich. Anders als der MKG-Chirurg operiert der Oralchirurg fast ausschließlich in der Mundhöhle selbst, nicht am übrigen Gesichtsschädel. Der Alltag ist geprägt von kurzen, oft minimal-invasiven Eingriffen unter örtlicher Betäubung, teils auch unter Sedierung oder in enger Zusammenarbeit mit einem Anästhesisten. Viele Oralchirurgen erhalten Überweisungen von allgemeinzahnärztlichen Praxen, wenn ein Fall über deren übliches OP-Spektrum hinausgeht.

Das Fach verbindet chirurgisches Können mit zahnmedizinischem Detailwissen: etwa wenn ein Weisheitszahn dicht am Unterkiefernerv liegt und Millimeter über Erfolg oder Nervschädigung entscheiden. Ein OP-Tag unterscheidet sich damit deutlich vom Tagesgeschäft einer allgemeinzahnärztlichen Praxis: kürzere Taktung zwischen den Patient:innen, dafür anspruchsvollere Einzeleingriffe, häufig mit Bildgebung wie der digitalen Volumentomografie (DVT) zur exakten Planung im Vorfeld.

Worin liegen die Aufgaben eines Oralchirurgen?

Zu den typischen Eingriffen und Aufgaben gehören:

  • Weisheitszahnentfernung: vor allem bei verlagerten oder retinierten Zähnen, die konventionell nicht durchbrechen können
  • Implantologie: operatives Einsetzen von Zahnimplantaten, häufig inklusive Knochenaufbau (Augmentation) oder Sinuslift bei zu geringem Knochenangebot im Oberkiefer
  • Zysten und gutartige Veränderungen: operative Entfernung von Kieferzysten, Fibromen oder anderen gutartigen Gewebeveränderungen
  • Wurzelspitzenresektion: chirurgische Entfernung entzündeter Gewebereste an der Wurzelspitze, wenn eine Wurzelbehandlung allein nicht ausreicht
  • Biopsien: Gewebeentnahmen aus der Mundschleimhaut zur Abklärung verdächtiger Veränderungen
  • Zahnfreilegung: chirurgisches Freilegen verlagerter Zähne, damit sie kieferorthopädisch eingeordnet werden können
  • Behandlung von Angstpatienten: viele oralchirurgische Praxen bieten Lachgas- oder Dämmerschlafsedierung an, da gerade chirurgische Eingriffe besonders angstbesetzt sind

Bei komplexeren Fällen (etwa größeren Tumoren, Kieferbrüchen oder Fehlbildungen) überweist der Oralchirurg an einen MKG-Chirurgen.

Wo arbeiten Oralchirurgen?

Die meisten Fachzahnärzte für Oralchirurgie arbeiten ambulant: entweder in eigener Praxis, in oralchirurgischen Gemeinschaftspraxen oder als angestellte Spezialisten in größeren Zahnarztpraxen und Z-MVZs, die ihr Leistungsspektrum um chirurgische Eingriffe erweitern wollen. Ein kleinerer Teil ist an Universitätszahnkliniken oder in Zahnkliniken tätig, wo auch komplexere und stationär zu versorgende Fälle behandelt werden. Enge Kooperationen bestehen typischerweise zu Anästhesist:innen für Sedierungen und zu MKG-Chirurgen für Fälle, die über das oralchirurgische Spektrum hinausgehen.

Wie wird man Oralchirurg?

Auch hier ist die zahnärztliche Approbation Voraussetzung. Die anschließende Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie dauert nach den Weiterbildungsordnungen von Landeszahnärztekammern wie Baden-Württemberg oder Niedersachsen 4 Jahre: ein allgemeinzahnärztliches Jahr plus drei fachspezifische Jahre (Quellen: lzk-bw.de, zkn.de). Sie findet an Hochschuleinrichtungen, zugelassenen Krankenhausabteilungen oder in Praxen weiterbildungsermächtigter Oralchirurgen statt. Mehr zum genauen Ablauf im Artikel Weiterbildung Oralchirurgie.

Zum Stichtag 31.12.2024 zählte die Bundeszahnärztekammer 3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie in Deutschland, davon 1.104 Frauen (Quelle: bzaek.de, Mitgliederstatistik).

Welche Fortbildungen und Berufsverbände gibt es?

Der Berufsverband Deutscher Oralchirurgen (BDO) vertritt die Fachrichtung berufspolitisch und organisiert Fortbildungen: von Frühjahrscamps über Jahrestagungen bis zu Arbeitsgemeinschaftstreffen. Wichtig für die Einordnung: Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) ist die Fachgesellschaft der ärztlich-zahnärztlich doppelapprobierten MKG-Chirurgen und damit nicht identisch mit dem BDO, ein Unterschied, der in Laien-Ratgebern häufig verwischt wird, fachlich aber klar zu trennen ist.

Viele niedergelassene Oralchirurgen bilden sich zusätzlich in der Implantologie fort, etwa über das DGI/APW-Curriculum Implantologie, da operative Implantatversorgung einen großen Teil ihres Praxisalltags ausmacht.

Wie viel verdient ein Oralchirurg?

Laut der Dentalen Gehaltsstudie 2025 verdienen angestellte Oralchirurginnen und Oralchirurgen im Median 9.306 Euro brutto monatlich (Quartile 7.375 bis 10.655 Euro), deutlich über dem Median aller angestellten Zahnärzte von 6.944 Euro. Eine gesonderte, offizielle Reinertrags-Statistik für niedergelassene Oralchirurgie-Praxen veröffentlichen KZBV und BZÄK nicht; das KZBV-Jahrbuch weist den durchschnittlichen Praxis-Reinertrag nur fachübergreifend für alle Zahnarztpraxen aus. Details und Bandbreiten liefert der Artikel Gehalt als Oralchirurg.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Oralchirurgen?

Der Weg zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie eignet sich für alle, die sich für den operativen Teil der Zahnmedizin begeistern, ohne den Umweg über ein zweites, ärztliches Studium zu gehen. Mit vier Jahren Weiterbildung nach der Approbation ist der Weg überschaubar, das Aufgabenspektrum (von Weisheitszähnen über Implantate bis zu Zystenoperationen) bleibt dabei erfreulich abwechslungsreich.

Finanziell gehört Oralchirurgie zu den besser bezahlten zahnärztlichen Fachrichtungen. Wer zusätzlich Freude an der Implantologie hat, findet hier ein Fach, das chirurgisches Handwerk mit einem der wachstumsstärksten Bereiche der Zahnmedizin verbindet.

Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass der Praxisalltag anders getaktet ist als in der Allgemeinzahnheilkunde: mehr Konzentration auf den einzelnen Eingriff, dafür weniger Routine-Prophylaxe und Recall-Termine. Wer lieber ein breites Spektrum an Behandlungen anbietet, ist mit einer allgemeinzahnärztlichen Praxis oder einer zusätzlichen Spezialisierung in der Implantologie oft besser bedient als mit dem reinen Fachzahnarzt-Weg.

FAQs

Was macht ein Oralchirurg?

Ein Oralchirurg ist ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie und führt operative Eingriffe im Mundbereich durch: etwa die Entfernung verlagerter Weisheitszähne, das Einsetzen von Zahnimplantaten, die Behandlung von Kieferzysten sowie Wurzelspitzenresektionen und Biopsien.

Was ist der Unterschied zwischen Oralchirurg und MKG-Chirurg?

Oralchirurgen sind Zahnärzte mit einer vierjährigen zahnärztlichen Fachweiterbildung, die vor allem in der Mundhöhle operieren. MKG-Chirurgen haben dagegen sowohl Human- als auch Zahnmedizin studiert und eine fünfjährige ärztliche Facharztausbildung absolviert, sie operieren auch am übrigen Gesichtsschädel, etwa bei Tumoren oder Unfallverletzungen.

Wie viel verdient ein Oralchirurg?

Angestellte Oralchirurginnen und Oralchirurgen verdienen laut der Dentalen Gehaltsstudie 2025 im Median 9.306 Euro brutto monatlich. Mit eigener Praxis liegt der Verdienst tendenziell höher, eine offizielle fachrichtungsspezifische Statistik dazu gibt es allerdings nicht.

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