Oralchirurgen operieren im Mund- und Kieferbereich dort, wo die allgemeine Zahnheilkunde endet: verlagerte Weisheitszähne, Zysten, Wurzelspitzenresektionen, Implantate mit Knochenaufbau. Sie sind Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie (Weiterbildung drei oder vier Jahre nach der Approbation) und keine MKG-Chirurgen; diese haben zusätzlich Humanmedizin studiert und eine ärztliche Facharztweiterbildung absolviert (MKG-Chirurg werden).
Wie läuft eine Weisheitszahn-Operation ab?
Bis zu 80 Prozent der jungen Erwachsenen in Europa haben mindestens einen nicht durchgebrochenen Weisheitszahn. Entfernt wird er meist nur, wenn er Probleme macht oder voraussichtlich machen wird (IQWiG). Der Ablauf in fünf Schritten:
- Vorgespräch und Aufklärung. Der Behandelnde klärt, ob die Entfernung sinnvoll ist, und muss über Art, Durchführung, Risiken, Erfolgsaussichten und Alternativen aufklären (§ 630e BGB).
- Betäubung. In der Regel genügt eine örtliche Betäubung, bei größeren Eingriffen kommt eine Vollnarkose infrage. Sedierung mit Monitoring und Behandlungen in Intubationsnarkose mit Anästhesist gehören zum Katalog der Weiterbildung (Westfalen-Lippe: je 25 Fälle).
- Eingriff. Verlagerte und retinierte Zähne entfernt der Oralchirurg operativ; der Katalog in Westfalen-Lippe verlangt dafür 300 Fälle. Dabei können Nerven oder Blutgefäße verletzt werden, was meist zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen führt. Dauerhafte Probleme wie Gefühlsstörungen oder Schäden an Nachbarzähnen treten bei bis zu 1 von 100 Menschen auf.
- Die ersten Tage. Mundbereich und Wange sind meist geschwollen, der Mund lässt sich Stunden bis Tage nicht ganz öffnen. Gegen Schmerzen helfen Ibuprofen oder Paracetamol – nicht ASS, das die Blutungsgefahr erhöht. Rauchen, heiße Getränke, Fruchtsäfte, Sport und Sauna stören die Wundheilung.
- Kontrolle. Kehren die Schmerzen nach 4 bis 5 Tagen zurück, werden stärker und kommen Schwellung oder Mundgeruch hinzu, spricht das für eine Wundinfektion. Ein vorzeitig gelöster Blutpfropf (trockene Alveole) ist schmerzhaft, lässt sich aber gut behandeln.
Worin liegen die Aufgaben eines Oralchirurgen?
| Bereich | Typische Aufgaben |
|---|---|
| Verlagerte und retinierte Zähne | Operative Entfernung, wenn Zähne nicht durchbrechen können |
| Implantologie | Einsetzen von Implantaten, Knochenaufbau (Augmentation), Sinuslift; der Katalog in Westfalen-Lippe verlangt 10 einfache Implantationen und 5 mit Augmentation |
| Zysten und gutartige Veränderungen | Entfernung von Kieferzysten (Katalog: 25 Zystentherapien) und anderen gutartigen Gewebeveränderungen |
| Wurzelspitzenresektion | Entfernung entzündeten Gewebes an der Wurzelspitze, wenn eine Wurzelbehandlung allein nicht ausreicht (Katalog: 60) |
| Biopsien | Gewebeentnahmen aus der Mundschleimhaut zur Abklärung verdächtiger Veränderungen |
| Zahnfreilegung | Freilegen verlagerter Zähne, damit sie kieferorthopädisch eingeordnet werden können |
| Sedierung und Narkose | Zusammenarbeit mit Anästhesisten; zu Angstpatienten siehe Was macht ein Zahnarzt für Angstpatienten? |
Implantologie ist Teil der oralchirurgischen Weiterbildung, aber kein eigener Titel; was sie darüber hinaus umfasst, beschreibt Was macht ein Implantologe?. Größere Tumoren und Fehlbildungen gehören zum Gebiet der MKG-Chirurgie, das nach der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer auch Frakturen und Veränderungen des Gesichtsschädels bis zur frontalen Schädelbasis umfasst.
Wo arbeiten Oralchirurgen?
Weiterbildungsstätten sind Hochschuleinrichtungen, zugelassene Krankenhausabteilungen und Praxen mit ermächtigtem Fachzahnarzt; nach der Weiterbildung arbeiten Oralchirurgen in eigener Praxis, in einer Gemeinschaftspraxis, angestellt in einer Praxis oder einem Z-MVZ und an Zahnkliniken. Eine Aufteilung nach Arbeitsform weist die BZÄK-Statistik nicht aus. Überweisungen kommen von allgemeinzahnärztlichen Praxen; mit Anästhesisten und MKG-Chirurgen arbeiten Oralchirurgen bei Sedierungen und bei Fällen zusammen, die über ihr Gebiet hinausgehen.
Wie wird man Oralchirurg?
Voraussetzung ist die zahnärztliche Approbation. Danach dauert die Weiterbildung je nach Landeszahnärztekammer drei oder vier Jahre; Kammertabelle, OP-Katalog und Brückenweg zur MKG-Chirurgie stehen in Weiterbildung Oralchirurgie. Weiterbilden dürfen nur ermächtigte Zahnärzte, in Westfalen-Lippe etwa nach fünf Jahren Tätigkeit, davon zwei in eigener Niederlassung. Wie viele Plätze es gibt, veröffentlicht keine Kammer. Zum 31.12.2024 waren in Deutschland 3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie tätig, davon 1.104 Frauen (BZÄK). Wer ohne Titel operativ arbeitet, kann einen Tätigkeitsschwerpunkt ausweisen; die Regeln erklärt Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt.
Fachgesellschaft und Berufsverband
Der Berufsverband Deutscher Oralchirurgen (BDO) vertritt die zahnärztliche Chirurgie berufspolitisch, nicht nur die Fachzahnärzte für Oralchirurgie. Für 2026 kündigt er unter anderem die 42. Jahrestagung am 20. und 21. November in Berlin an. Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) ist der Gesamtverband der Fachärzte für MKG-Chirurgie mit mehr als 2.100 Mitgliedern.
Wie viel verdient ein Oralchirurg?
Nach Angaben des Mitherausgebers Deutscher Zahnarzt Service (Dentale Gehaltsstudie 2025) verdienen angestellte Oralchirurgen im Median 9.306 Euro brutto im Monat bei 40 Wochenstunden; die mittlere Hälfte liegt zwischen 7.375 und 10.655 Euro. Der Median aller angestellten Zahnärzte beträgt in derselben Studie 6.944 Euro (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Das sind Angestelltengehälter, kein Praxisertrag. Bandbreiten und Praxisinhaber behandelt Gehalt als Oralchirurg.
Oralchirurgie oder MKG-Chirurgie?
Die Oralchirurgie führt in drei bis vier Jahren nach der Approbation zum Fachzahnarzt-Titel. Der MKG-Weg dauert mit beiden Studiengängen und 60 Monaten Weiterbildung rund 14,5 Jahre – dafür öffnet er das größere Gebiet. Wer operativ arbeiten will und das ärztliche Zweitstudium nicht möchte, ist bei der Oralchirurgie richtig.
Quellen
- Bundeszahnärztekammer: Nachgezählt: 3.910 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Oralchirurgie zum 31.12.2024, davon 1.104 Frauen
- IQWiG gesundheitsinformation.de: Weisheitszähne entfernen, Ja oder nein? (Stand 23.08.2023): bis zu 80 Prozent nicht durchgebrochene Weisheitszähne, Betäubung, Nebenwirkungen, Wundheilung, bis zu 1 von 100 mit dauerhaften Problemen
- § 630e BGB Aufklärungspflichten: Inhalt der Aufklärung vor dem Eingriff
- Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe vom 26.11.2016, Anlage 1: OP-Katalog mit Fallzahlen, Ermächtigung nach fünf Jahren, davon zwei in eigener Niederlassung
- Musterweiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer (Beschluss vom 16.11.2024), Anlage 1: Fachgebiet Oralchirurgie, mindestens drei fachspezifische Jahre plus allgemeinzahnärztliches Jahr
- Bundesärztekammer: (Muster-)Weiterbildungsordnung, Fassung vom 03.07.2026: Gebiet Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, 60 Monate Weiterbildung, zahnärztliches Staatsexamen als Voraussetzung
- Berufsverband Deutscher Oralchirurgen (BDO): Aufgaben des Verbands, 42. Jahrestagung am 20. und 21.11.2026 in Berlin (Abruf Oktober 2026)
- DGMKG: Über uns: Gesamtverband der Fachärzte für MKG-Chirurgie, mehr als 2.100 Mitglieder
- Deutscher Zahnarzt Service: Gehalt als Oralchirurg: Median angestellter Oralchirurgen mit Quartilen aus der Dentalen Gehaltsstudie 2025 (Beitrag eines Studienanbieters und Mitherausgebers, Personalvermittler)
- ZWP online: Dentale Gehaltsstudie: Median angestellter Zahnärzte von 6.944 Euro brutto monatlich (Mitteilung der Studienanbieter)

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