Fachzahnarzt & Weiterbildung

MKG-Chirurg werden: Das Doppelstudium im Überblick

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
OP-Team bei einer Kieferoperation im Operationssaal – MKG-Chirurg werden: Das Doppelstudium im Überblick

Kein anderer Weg in der Zahnmedizin ist so aufwendig wie der zum MKG-Chirurgen: Wer Fachärztin oder Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) werden will, braucht nicht nur ein zahnmedizinisches, sondern zusätzlich ein vollständiges Studium der Humanmedizin, mit beiden Approbationen. Rund 15 Jahre vergehen von Studienbeginn bis zum fertigen Facharzttitel. Wer diesen Weg in Erwägung zieht, sollte die Struktur genau kennen, bevor die Entscheidung fällt.

Warum MKG-Chirurgie kein zahnärztlicher Fachzahnarzt-Titel ist

Anders als Kieferorthopädie oder Oralchirurgie ist MKG-Chirurgie ein ärztlicher Facharzt-Titel, der nach dem Weiterbildungsrecht der Ärztekammern vergeben wird, nicht der Zahnärztekammern. Das liegt am Zuschnitt des Fachgebiets: MKG-Chirurg:innen operieren nicht nur in der Mundhöhle, sondern am gesamten Gesichtsschädel: bei Tumoren, Unfallverletzungen, angeborenen Fehlbildungen und ausgeprägten Kieferfehlstellungen. Diese Bandbreite verlangt medizinisches Grundlagenwissen, das über die zahnärztliche Approbation hinausgeht, weshalb beide Studiengänge und beide Approbationen Voraussetzung sind.

Welches Studium zuerst?

In der Praxis empfiehlt sich meist der Start mit Humanmedizin, da sich zahnmedizinische Approbationsordnungen leichter an ein bereits abgeschlossenes Medizinstudium anpassen lassen als umgekehrt. Wer zuerst Zahnmedizin studiert und danach Humanmedizin beginnt, profitiert von deutlich weniger Anrechnungsmöglichkeiten. Nach dem Physikum (dem gemeinsamen ersten Prüfungsabschnitt beider Fächer) können angehende Doppelapprobierte häufig zunächst die verbleibenden Semester der Zahnmedizin abschließen und anschließend in die klinische Medizin wechseln. In der Gesamtrechnung kommen beide Studiengänge zusammen auf rund 9,5 bis 10 Jahre reine Studienzeit, bevor die Facharztweiterbildung überhaupt beginnt.

Die fünfjährige Facharztweiterbildung

Nach beiden Approbationen folgt die eigentliche Facharztweiterbildung MKG-Chirurgie. Nach der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein dauert sie 60 Monate (5 Jahre) bei einer oder einem Weiterbildungsbefugten an einer anerkannten Weiterbildungsstätte (§ 5 Abs. 1 S. 1 WBO). Davon können bis zu 12 Monate im Gebiet Chirurgie, Anästhesiologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder Neurochirurgie sowie bis zu 12 Monate durch zahnärztliche Weiterbildung in Oralchirurgie angerechnet werden; bis zu 24 Monate der Weiterbildungszeit können im ambulanten Bereich absolviert werden (Quelle: aekno.de, Weiterbildungsordnung).

Eine Besonderheit gilt in Bayern: Während in den meisten Kammerbereichen die zahnärztliche Approbation spätestens zur Facharztprüfung vorliegen muss, verlangt die Bayerische Landesärztekammer beide Approbationen bereits zu Beginn der Facharztweiterbildung (Quellen: aekno.de, dgmkg.de). Wer die Reihenfolge der Studiengänge plant, sollte diesen regionalen Unterschied frühzeitig berücksichtigen.

Inhalte der Weiterbildung

Die Facharztweiterbildung deckt ein ungewöhnlich breites Spektrum ab: operative Eingriffe in der dentoalveolären Chirurgie, septische Chirurgie, Behandlung von Verletzungen und Frakturen des Gesichtsschädels, Fehlbildungschirurgie sowie plastische und Wiederherstellungschirurgie. Hinzu kommen die Diagnostik und Therapie von Tumoren im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich, chirurgische Kieferorthopädie bei ausgeprägten Kieferfehlstellungen sowie prothetische Versorgung und Implantologie. Der Ablauf variiert je nach Klinik, folgt aber meist einem rotierenden System, das Stationsdienst, Ambulanz und OP-Assistenz beziehungsweise -Durchführung kombiniert.

Zulassung: Numerus clausus in zwei Fächern

Ein oft unterschätzter Aspekt des Weges zum MKG-Chirurgen ist die doppelte Zulassungshürde: Sowohl der Studienplatz in Humanmedizin als auch der in Zahnmedizin unterliegt einer bundesweit zulassungsbeschränkten Vergabe über hochschulstart.de. Wer beide Studiengänge nacheinander in Deutschland absolvieren möchte, muss sich entsprechend zweimal erfolgreich durch ein Auswahlverfahren bewerben, mit allen Unsicherheiten, die das mit sich bringt. Manche angehenden MKG-Chirurg:innen weichen deshalb für eines der beiden Studienfächer, meist die Zahnmedizin, ins Ausland aus, um zeitlich planbarer zum zweiten Abschluss zu kommen, sofern der ausländische Abschluss anschließend in Deutschland anerkannt wird.

Wo findet die Weiterbildung statt?

Möglich sind Universitätskliniken mit MKG-Abteilung, Schwerpunktkrankenhäuser sowie größere Praxiskliniken mit entsprechender Weiterbildungsermächtigung. Ein Sonderfall ist die Bundeswehr: Am Bundeswehrkrankenhaus Ulm etwa lässt sich die Weiterbildung gemeinsam mit der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Ulm absolvieren.

Wie viele MKG-Chirurg:innen gibt es in Deutschland?

Zum Stichtag 31.12.2025 zählte die Bundesärztekammer 2.498 Fachärztinnen und Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, von denen 1.916 berufstätig waren: 508 im stationären, 1.329 im ambulanten Bereich, davon 1.052 in eigener Praxis niedergelassen. Im Jahr 2025 gab es 77 Neuanerkennungen (Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025). Fachliche Heimat ist die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) mit über 2.100 Mitgliedern, die über ihre Akademie AMKG zusätzliche Fortbildungen in Teilbereichen wie Implantologie oder ästhetischer Gesichtschirurgie anbietet.

Warum sich manche trotzdem für diesen Weg entscheiden

Angesichts von Studiendauer, doppelter Zulassungshürde und fünfjähriger Facharztweiterbildung mag der Weg zum MKG-Chirurgen abschreckend wirken. Wer sich trotzdem dafür entscheidet, tut das meist aus einem klaren fachlichen Grund: Kein anderes Fach der Zahn- oder Humanmedizin verbindet Chirurgie im sichtbarsten Bereich des Körpers, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Onkologie, HNO und plastischer Chirurgie sowie die zahnmedizinische Detailkenntnis aus dem Zahnmedizinstudium in dieser Form. Hinzu kommt eine gute berufliche Perspektive: Laut DGMKG wächst die Zahl der MKG-Chirurg:innen langsamer als der demografisch bedingte Bedarf, weil die hohen Zugangsanforderungen viele potenziell Interessierte abschrecken: wer den Weg dennoch geht, profitiert entsprechend von guten Übernahme- und Niederlassungschancen, gerade in ländlichen Regionen.

Zusatzqualifikationen nach dem Facharzt

Viele MKG-Chirurg:innen erwerben nach der Facharztanerkennung die ärztliche Zusatzweiterbildung „Plastische und Ästhetische Operationen“, die das Spektrum um Facelifts, Lidstraffungen oder Narbenkorrekturen erweitert. Ein vollständiges Bild des Berufsalltags samt Aufgabenspektrum bietet der Artikel Was macht ein MKG-Chirurg?

Was verdient man als MKG-Chirurg?

Im Krankenhaus gilt für angestellte MKG-Chirurg:innen der Tarifvertrag TV-Ärzte/VKA, der nicht nach Fachrichtung differenziert: Die Doppelapprobation führt tariflich zu keiner höheren Eingruppierung. Fachärzt:innen (Gruppe II) verdienen aktuell zwischen 7.404 und 9.509 Euro brutto monatlich, leitende Oberärzt:innen bis zu 11.689 Euro (Quelle: Marburger Bund, Entgelttabellen TV-Ärzte/VKA). Details zu niedergelassenen MKG-Chirurg:innen liefert der Artikel Gehalt als MKG-Chirurg

Fazit – lohnt sich das Doppelstudium?

Der Weg zum MKG-Chirurgen ist der zeitintensivste im gesamten Gesundheitswesen: zwei Studiengänge, zwei Approbationen und eine fünfjährige Facharztweiterbildung summieren sich auf rund 15 Jahre. Wer diese Ausdauer mitbringt, erhält dafür eines der vielseitigsten chirurgischen Fachgebiete überhaupt: von der Tumorchirurgie über die Traumaversorgung bis zur ästhetischen Korrektur. Wer sich nicht sicher ist, ob der Aufwand passt, sollte sich vorab mit den kürzeren Alternativen wie der Oralchirurgie auseinandersetzen, die ähnliche operative Inhalte in deutlich kürzerer Ausbildungszeit vermittelt.

Quellen

  • Ärztekammer Nordrhein (aekno.de): Weiterbildungsordnung Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
  • Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (dgmkg.de): Ausbildungsweg
  • Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2025
  • Marburger Bund: Entgelttabellen TV-Ärzte/VKA
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