Geschützt ist nur der Fachzahnarzt-Titel. Einen Tätigkeitsschwerpunkt darfst Du ausweisen, wenn Du die Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausübst und die Angabe niemand mit einer Fachgebietsbezeichnung verwechseln kann. „Zahnarzt für Implantologie” ist deshalb tabu, „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie” erlaubt. Bei Verstößen drohen eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung nach dem UWG und berufsrechtliche Maßnahmen der Kammer.
| Bezeichnung | Voraussetzung | Wer prüft | Zulässig (Beispiel) | Unzulässig (Beispiel) |
|---|---|---|---|---|
| Fachzahnarzt | abgeschlossene Weiterbildung und Prüfung | Landeszahnärztekammer nach ihrer Weiterbildungsordnung | „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie” mit Anerkennung | „Fachzahnarzt für Implantologie” (so einen Titel gibt es nicht) |
| Tätigkeitsschwerpunkt | besondere Kenntnisse, Tätigkeit nicht nur gelegentlich; je nach Kammer Dauer, Anzeige, Höchstzahl | Selbsteinschätzung, die Kammer prüft auf Verlangen | „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie” | „Zahnarzt für Implantologie”, „Zahnarzt für Endodontie” |
| „Spezialist für …” | tatsächliche, nachprüfbare Spezialisierung; strenge Auslegung durch die Zahnärztekammern | Gerichte und Kammer im Streitfall | „Zahnspezialisten” (OLG München, 05.03.2020) | Bezeichnungen, die wie ein Fachgebiet klingen |
| Verbandstitel | Programm einer Fachgesellschaft | Fachgesellschaft | „DG-PARO-Spezialist” mit Nennung der Gesellschaft | verkürzt oder so, dass er wie ein Fachzahnarzt-Titel wirkt |
| Master (M.Sc.) | Hochschulabschluss | Hochschule | „Master of Science Kieferorthopädie” (BGH, 18.03.2010) | „Zahnarzt für Implantologie (Master of Science)” (BVerfG, 01.06.2011) |
Rechtsgrundlage: Gesetz und Berufsordnung
Verbindlich sind das Heilberufe- beziehungsweise Kammergesetz des Landes, die Weiterbildungsordnung und die Berufsordnung der jeweiligen Zahnärztekammer. Die Musterberufsordnung (MBO) der Bundeszahnärztekammer gibt dafür den Rahmen vor, hat aber selbst keine Rechtskraft; die Kammern übernehmen sie in eigene, teils anders nummerierte Berufsordnungen. Zentral sind § 20 Abs. 3 MBO für Fachzahnarztbezeichnungen und § 21 Abs. 2 MBO für den Hinweis auf besondere Kenntnisse. Der Kommentar der BZÄK (5. Auflage, November 2024) ist die Quelle für die Auslegung in diesem Artikel.
Fachzahnarzt: der einzige geschützte Titel
Nach § 20 Abs. 3 MBO dürfen Zahnärzte „nach zahnärztlichem Weiterbildungsrecht erworbene Bezeichnungen (Fachzahnarztbezeichnungen)” führen. Das gilt nur für die tatsächlich abgeschlossene Weiterbildung. Stand Oktober 2026 sind das Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentliches Gesundheitswesen, regional Parodontologie (Westfalen-Lippe; Rheinland-Pfalz seit Februar 2024) und Allgemeine Zahnheilkunde (Brandenburg). Der BZÄK-Kommentar von November 2024 nennt noch Parodontologie nur für Westfalen-Lippe. Die Anerkennungen anderer Kammern gelten grundsätzlich in allen Kammerbereichen, teilweise mit der Maßgabe, die dortige Bezeichnung zu verwenden. Alle Wege vergleicht Fachzahnarzt werden. Wer „Fachzahnarzt für …” ohne bestandene Weiterbildung führt, verstößt gegen das Berufsrecht, egal wie viel Erfahrung vorliegt.
Tätigkeitsschwerpunkt: erlaubt, aber klar abgegrenzt
Nach § 21 Abs. 2 MBO darf jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt „auf besondere, personenbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde hinweisen”. Unzulässig sind Hinweise, „soweit sie die Gefahr einer Verwechslung mit Fachgebietsbezeichnungen begründen oder sonst irreführend sind”. Das Bundesverfassungsgericht hat den „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie” 2001 für zulässig erklärt (Beschluss vom 23.07.2001, 1 BvR 873/00). „Zahnarzt für Implantologie” oder „Zahnarzt für Endodontie” gelten dagegen als verwechselbar. So urteilten das OVG Nordrhein-Westfalen (Beschluss vom 14.06.2005, 13 B 667/05) und das LG Flensburg (Urteil vom 29.12.2017, 6 HK O 51/17).
Nach dem BZÄK-Kommentar beruhen Tätigkeitsschwerpunkte auf der Selbsteinschätzung der Zahnärzte. Angekündigt werden dürfen sie nur, wenn die Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausgeübt wird – als Maßstab nennt der Kommentar unter Berufung auf das Bundesverfassungsgericht deutlich mehr als 20 Prozent der Gesamtleistung. Wer den Schwerpunkt „Kinderzahnarzt” nannte, ohne überwiegend Kinder zu behandeln und die Praxis darauf auszurichten, handelte irreführend (OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 25.05.2012, 13 A 1399/10).
Die Kammern regeln die Details unterschiedlich. Die Zahnärztekammer Nordrhein beschränkt die Ausweisung in § 13 ihrer Berufsordnung auf drei Tätigkeitsschwerpunkte. Die Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern verlangt in § 18 Abs. 4, die Kammer vorab zu informieren und auf Verlangen Nachweise vorzulegen; Näheres regeln Richtlinien. Eine förmliche Prüfung wie beim Fachzahnarzt gibt es in beiden Fällen nicht. Was ein Curriculum als Grundlage leistet, zeigt Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel.
So meldest Du einen Tätigkeitsschwerpunkt an (Beispiel Nordrhein)
- Prüfe, ob das Teilgebiet fachlich anerkannt und von der Kammer überprüft ist (§ 13 Abs. 2).
- Weise besondere Kenntnisse und eine nachhaltige, mindestens zweijährige Tätigkeit in dem Teilbereich nach (§ 13 Abs. 3).
- Zeige die Ausweisung der Kammer mit dem Formular nach Anlage 2 an (§ 13 Abs. 6). Darin gibst Du an, seit wann Du in dem Teilbereich tätig bist und welche Maßnahmen Dich qualifizieren; eine Frist oder Gebühr nennt die Berufsordnung nicht.
- Weise höchstens drei Schwerpunkte aus und stelle jedem in derselben Schriftgröße den Zusatz „Tätigkeitsschwerpunkt” voran (§ 13 Abs. 4 und 5).
Eine Befristung auf fünf Jahre steht weder in dieser Berufsordnung (Fassung mit Änderung vom 18.05.2019) noch in § 18 der Berufsordnung Mecklenburg-Vorpommern (Änderung vom 10.05.2025). Andere Kammern können abweichen; frag bei Deiner Kammer nach.
„Spezialist für…“: die heikelste Variante
Der Kommentar der BZÄK sieht die Bezeichnung nur in höchst seltenen Ausnahmen als zulässig an. Wer sie führt, müsse „nahezu ausschließlich und dies seit vielen Jahren” in dem engeren Teilgebiet tätig sein und eine herausragende Qualifikation nachweisen. Er beruft sich auf das Bundesverfassungsgericht (Beschluss vom 08.01.2002, 1 BvR 1147/01). Diese Entscheidung betraf allerdings Ärzte einer Privatklinik. Sie durften sich nach mehr als 7.000 Wirbelsäulen- und 13.000 Knieoperationen „Spezialisten” nennen, weil das Gericht darin eine sachangemessene Information ohne Verwechslungsgefahr mit der Facharztbezeichnung sah. Für Zahnärzte bleibt die Linie der Kammern deshalb streng, und die Gerichte urteilen im Einzelfall. Die Bezeichnung „Zahnspezialisten” für eine Praxis hat das OLG München 2020 zugelassen, weil die Verkehrskreise darin keine besondere Erfahrung in einem Teilgebiet sehen.
Fachgesellschaften vergeben eigene Titel wie „DG-PARO-Spezialist”. Das sind private Qualifikationen der Gesellschaft, keine Fachgebietsbezeichnungen; laut zm-online führen viele Zahnärzte sie auf dem Praxisschild. Nenne die Gesellschaft ausdrücklich und kürze den Titel nicht so, dass er wie ein Fachzahnarzt-Titel klingt. Bei Unsicherheit empfiehlt der BZÄK-Kommentar, sich mit der Kammer abzustimmen.
Master-Titel: akademischer Grad, kein Fachgebietstitel
Ein Master of Science (M.Sc.) ist ein akademischer Grad und keine Fachgebietsbezeichnung. § 20 Abs. 2 MBO erlaubt akademische Titel und Grade nur „in der gesetzlich zulässigen Form”. Der BGH hielt „Master of Science Kieferorthopädie” für führungsfähig (Urteil vom 18.03.2010, I ZR 172/08). Unzulässig ist dagegen „Zahnarzt für Implantologie (Master of Science)“: Die Formulierung suggeriert eine Nähe zur Fachgebietsbezeichnung (BVerfG, Beschluss vom 01.06.2011, 1 BvR 233/10 und 235/10). Zulässig ist laut Kommentar der Master unter Nennung der zuständigen Universität. Die Programme zeigt Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick.
Folgen bei Verstößen
Es gibt zwei Wege. Zum einen die wettbewerbsrechtliche Abmahnung: Irreführende Angaben über Befähigung oder Status sind nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 UWG unlauter, und den Unterlassungsanspruch haben nach § 8 Abs. 3 UWG Mitbewerber und bestimmte Verbände. Vor einem Gerichtsverfahren sollen sie abmahnen und eine Unterlassungsverpflichtung mit Vertragsstrafe verlangen; berechtigte Abmahnungen können einen Anspruch auf Ersatz der erforderlichen Aufwendungen auslösen (§ 13 UWG). Zum anderen die berufsrechtliche Maßnahme: Die Kammer kann irreführende Bezeichnungen untersagen, denn § 21 Abs. 1 MBO verbietet berufsrechtswidrige, auch irreführende Werbung. Betrifft die Werbung ein konkretes Behandlungsverfahren, kommt zusätzlich das Heilmittelwerbegesetz ins Spiel. Typische Kosten einer Abmahnung nennt dieser Artikel nicht, weil sie vom Streitwert abhängen.
Weitere Grenzen
Die MBO untersagt in § 21 Abs. 5 für Einzelpraxen und Berufsausübungsgemeinschaften Bezeichnungen wie „Akademie”, „Institut”, „Poliklinik” oder „Ärztehaus”. Das OLG Düsseldorf hat „Praxis für Kieferorthopädie” ohne Fachzahnarzt in der Praxis wettbewerbsrechtlich nicht beanstandet (Urteil vom 18.06.2020, 20 U 35/19) – der BZÄK-Kommentar hält die auf das UWG gestützte Entscheidung für nur bedingt übertragbar. Wie Berufsrecht und Heilmittelwerberecht auf Instagram und TikTok greifen, zeigt Dentfluencer: Zahnärzte auf TikTok und Instagram.
Checkliste vor Praxisschild und Website
- Steht „Fachzahnarzt” nur da, wo Du eine Anerkennung Deiner Kammer hast?
- Kann ein Patient die Angabe mit einer Fachgebietsbezeichnung verwechseln („Zahnarzt für …“, „Spezialist für …”, „Fachzahnarzt (M.Sc.)“)?
- Erfüllst Du die Voraussetzungen Deiner Kammer für den Tätigkeitsschwerpunkt (Tätigkeitsanteil, Dauer, Anzeige)?
Antwortest Du bei Frage 2 mit Ja oder bei Frage 1 oder 3 mit Nein – oder bist Du unsicher –, stimm Dich vor der Veröffentlichung mit der Kammer ab. Wie Du Dich nach dem Examen für eine Richtung entscheidest, behandelt Spezialisieren oder Generalist bleiben?
Quellen
- Kommentar zur Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer (5. Auflage, November 2024): Wortlaut der §§ 20 und 21 MBO, Kommentierung zu Fachgebietsbezeichnungen, Tätigkeitsschwerpunkten (mehr als gelegentliche Ausübung, deutlich über 20 Prozent der Gesamtleistung), „Zahnarzt für …” und „Spezialist für …” mit Rechtsprechung (BVerfG 1 BvR 873/00, 1 BvR 233/10; BGH I ZR 172/08; OVG NRW 13 B 667/05, 13 A 1399/10; LG Flensburg 6 HK O 51/17; OLG München 29 U 830/19; OLG Düsseldorf 20 U 35/19)
- BVerfG, Beschluss vom 8. Januar 2002, 1 BvR 1147/01: „Spezialist” für Ärzte einer Klinik, Verwechslungsgefahr mit der Facharztbezeichnung
- Berufsordnung der Zahnärztekammer Nordrhein (Änderung 18.05.2019): § 13 Ausweisung von Qualifikationen und Anlage 2 (Anzeige)
- Berufsordnung der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern (Änderung 10.05.2025): § 18 Abs. 4, besondere Qualifikationen
- UWG § 5: Irreführende geschäftliche Handlungen, § 8: Beseitigung und Unterlassung und § 13: Abmahnung: Anspruchsgrundlage, Berechtigte, Aufwendungsersatz
- Weiterbildungsordnung der Landeszahnärztekammer Brandenburg vom 7. März 2016: Fachzahnarzt für Allgemeine Zahnheilkunde
- zm-online: Spezialisten für besondere Fälle (Ausgabe 06/2024): Fachzahnarzt für Parodontologie in Westfalen-Lippe und Rheinland-Pfalz, DG-PARO-Spezialisten

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