Fachzahnarzt & Weiterbildung

Fachzahnarzt Parodontologie: Ein Titel, zwei Kammern

RedaktionVon Redaktion6 Min. Lesezeit
Zahnärztin mit korallfarbenen Handschuhen blickt durchs OP-Mikroskop auf ein Zahnfleischmodell – Fachzahnarzt Parodontologie: Ein Titel, zwei Kammern

Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentliches Gesundheitswesen sind bundesweit verbreitete Fachzahnarzt-Titel, Parodontologie ist es nicht. Weiterbilden kannst Du Dich zum Fachzahnarzt für Parodontologie nur in zwei von 17 Kammerbereichen: in Westfalen-Lippe, wo es den Titel seit 1983 gibt, und in Rheinland-Pfalz seit 2024. Überall sonst bleibt Parodontologie ein Tätigkeitsschwerpunkt oder ein Fortbildungsziel, kein geschützter Titel. Alle Fachzahnarzt-Wege im Vergleich zeigt Fachzahnarzt werden.

Der Sonderfall Westfalen-Lippe

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe führte den Fachzahnarzt für Parodontologie zum 1. Januar 1983 ein, in enger Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung der Universität Münster. Die aktuelle Weiterbildungsordnung vom 26. November 2016 gilt für Oralchirurgie, Parodontologie und öffentliches Gesundheitswesen seit dem 1. Juli 2017 (Veröffentlichung am 30.06.2017), für Kieferorthopädie seit dem 1. Januar 2018. Sie schreibt ein allgemeinzahnärztliches Jahr zu Beginn und danach mindestens drei fachspezifische Jahre mit mindestens 36 Wochenstunden vor – zusammen 4 Jahre. Mindestens ein Jahr muss unter universitärer Leitung stattfinden. Teilzeit ist mit mindestens 20 Wochenstunden möglich, und der Weiterbilder muss bei der Meldung erklären, dass er mindestens den Mindestlohn zahlt.

Das Gebiet umfasst Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Erkrankungen parodontaler und periimplantärer Gewebe, dazu die primäre Implantatversorgung, die mukogingivale und plastische Parodontalchirurgie und die Perioprothetik. Der Katalog der Anlage 3 nennt unter anderem mindestens 90 systematisch behandelte Parodontitis-Patienten, 100 Sextanten parodontalchirurgischer Maßnahmen, 200 Behandlungen der unterstützenden Parodontitistherapie und mindestens 8 Implantate. Ende 2023 zählte die Kammer 63 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Parodontologie (zm-online 06/2024); neuere Zahlen nennt die Kammer in den geprüften Quellen nicht. Zum Vergleich: In der Kieferorthopädie waren es bundesweit 3.825, in der Oralchirurgie 3.910 (31.12.2024).

Rheinland-Pfalz zieht 2024 nach

Mehr als 40 Jahre lang gab es den Titel nur in Westfalen-Lippe. Dann beschloss die Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz am 25. November 2023 eine neue Weiterbildungsordnung; das Ministerium stimmte Mitte Februar 2024 zu, die Ordnung gilt seit Februar 2024. Auch hier sind es 4 Jahre – ein allgemeinzahnärztliches Jahr vor Beginn, dann drei fachspezifische Jahre an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte, zum Schluss eine mündliche Prüfung (Universitätsmedizin Mainz). In Rheinland-Pfalz dürfen Zahnärztinnen und Zahnärzte bis zu zwei Fachgebietsbezeichnungen nebeneinander führen.

Als erste und zum Stand Mai 2024 einzige Einrichtung erhielt die Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung der Universitätsmedizin Mainz die Zulassung als Weiterbildungsstätte. Ermächtigt werden darf nur, wer selbst Fachzahnarzt für Parodontologie ist und seit mindestens fünf Jahren auf dem Gebiet arbeitet; deshalb kam anfangs nur ein kleiner Personenkreis infrage. Die Kammer wollte ein Verzeichnis der Ermächtigten und Stätten auf ihrer Webseite veröffentlichen. Sie rechnete 2024 damit, dass es mindestens drei Jahre dauert, bis die ersten nach der neuen Ordnung Weitergebildeten in der Versorgung arbeiten (zm-online 06/2024). Zahlen zu bereits anerkannten Titelträgern in Rheinland-Pfalz liegen nicht vor.

Warum gibt es den Titel nur in zwei Kammern?

Die Bundeszahnärztekammer lehnt weitere Fachzahnarzt-Disziplinen ab. Ihr Vorstand hat sich nach Angaben von Präsident Christoph Benz im zm-Interview 2024 einstimmig dagegen ausgesprochen. Die Zahnmedizin sei im Präventions-Umbruch, Parodontologie werde zum Kernbereich jeder Praxis, und eine „Facharzteritis” würde den kleinen Berufsstand spalten. Die Hauszahnärztin oder der Hauszahnarzt decke nach der Warnemünder Erklärung der BZÄK 80 bis 90 Prozent der Patientenbedürfnisse ab, für den Rest gebe es den Überweisungskontakt.

Der Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Wilfried Woop, sieht das anders. Er verweist auf die wachsende Zahl parodontaler Erkrankungen (belegt durch die Deutschen Mundgesundheitsstudien), auf die Wechselwirkungen mit Allgemeinerkrankungen und auf schwere Fälle sowie regenerative Eingriffe, die den Rahmen einer allgemeinzahnärztlichen Praxis übersteigen. Dazu kam der Wunsch, ein an der Universitätsmedizin Mainz verankertes Weiterbildungsangebot zu schaffen. In Westfalen-Lippe habe der Titel nach Angaben der Kammer keine nennenswerte Konkurrenz zu den Generalisten gebracht, die Parodontologie anbieten.

Was, wenn die eigene Kammer keinen Fachzahnarzt-Titel vorsieht?

Für die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland bleibt Parodontologie ohne Fachzahnarzt-Titel. Vertiefen kannst Du Dich trotzdem auf zwei Wegen.

Das Curriculum Parodontologie von APW und DG PARO dauert etwa eineinhalb Jahre. Es besteht aus fünf zweitägigen Wochenendveranstaltungen, zwei Onlinemodulen, einer Hospitation, einer Supervision und einem Abschlusskolloquium, für das drei dokumentierte Behandlungsfälle nötig sind. Die Gesamtkosten betragen laut DG PARO 6.136 Euro für APW- und DG-PARO-Mitglieder und 6.721 Euro für Nichtmitglieder (Abruf Oktober 2026; die Supervision kann zzgl. Mehrwertsteuer anfallen).

Der berufsbegleitende DG-PARO-Master mit dem Abschluss M.Sc. dauert fünf Semester und kostet an der Health and Medical University Erfurt 6.600 Euro pro Semester plus 100 Euro einmalige Einschreibegebühr. Über eine befristete Aufstiegsweiterbildung (60 ECTS-Credits, verlängert bis 31.12.2029) führt er zum DG-PARO-Spezialisten. Beide Wege vermitteln Fachwissen, sind aber keine Fachzahnarzt-Titel und dürfen nicht als solche beworben werden. Überblick und Vergleich: Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel und Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick. Was Du ohne Titel auf Praxisschild und Website schreiben darfst, steht in Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?

Was das für die Standortwahl bedeutet

In Rheinland-Pfalz läuft die Weiterbildung nur an zugelassenen Stätten im Land, in Westfalen-Lippe bei einer von der Kammer zugelassenen Stätte. Bei Kieferorthopädie oder Oralchirurgie ist die Auswahl der Kammern größer; hier brauchst Du einen Umzug, wenn Du nicht ohnehin dort wohnst. Beide Titel sind eng an eine Universität angebunden, in Westfalen-Lippe an Münster, in Rheinland-Pfalz an Mainz.

Nach dem Titel kannst Du die Region wieder wechseln. Niedersachsen, Nordrhein und Westfalen-Lippe erkennen in ihren Weiterbildungsordnungen ausdrücklich die Anerkennungen anderer deutscher Zahnärztekammern an (§ 20 ZKN, § 19 Nordrhein, § 15 Westfalen-Lippe). Für andere Kammern richtet sich die Titelführung nach deren Berufs- und Weiterbildungsordnung; frag vor dem Umzug dort nach. Zur Bezahlung nennen die Quellen für Rheinland-Pfalz nichts; in Westfalen-Lippe gilt mindestens der Mindestlohn.

Der Berufsalltag als Parodontologie-Spezialist

Die Arbeit reicht von der nicht-chirurgischen Parodontitistherapie über regenerative und resektive Parodontalchirurgie bis zur unterstützenden Parodontitistherapie im Recall – ausführlich beschrieben in Was macht ein Parodontologe?

Nächste Schritte

Prüfe, ob Dein Kammerbereich den Titel anbietet. Wenn nicht, schau, ob ein erreichbarer es tut, und frag die Kammer nach ermächtigten Weiterbildern. Gibt es keinen? Dann plane Curriculum oder Master mit den Kosten oben ein.

Quellen

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