Ein Parodontologe ist ein Zahnarzt mit Spezialisierung auf den Zahnhalteapparat – also Zahnfleisch, Wurzelzement, Wurzelhaut und den Kieferknochen, der die Zähne trägt. Im Mittelpunkt steht die Parodontitis, eine bakteriell verursachte Entzündung, die unbehandelt zu Knochenabbau und Zahnverlust führt und mittlerweile als eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt gilt. Anders als bei Kieferorthopädie oder Oralchirurgie ist Parodontologie fast überall in Deutschland kein eigener Fachzahnarzt-Titel, sondern eine Spezialisierung über Fortbildung, mit einer bemerkenswerten Ausnahme.
Was zeichnet die Arbeit als Parodontologe aus?
Parodontologie ist ein Fach, das stark von Langzeitbetreuung lebt: Nach der aktiven Behandlung folgt fast immer eine über Jahre laufende unterstützende Parodontitistherapie (UPT) mit regelmäßigen Kontrollterminen, um erneuten Knochenabbau frühzeitig zu erkennen. Parodontologen arbeiten eng mit der Allgemeinmedizin zusammen, da Parodontitis nachweislich mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen in Wechselwirkung steht.
Zudem ist das Fach vergleichsweise jung im Vergleich zu klassischen Bereichen wie der Prothetik: Regenerative Verfahren mit Membranen oder Schmelzmatrixproteinen, die verlorenes Gewebe teilweise wiederherstellen können, haben sich erst in den vergangenen Jahrzehnten etabliert und entwickeln sich durch neue Materialien und OP-Techniken stetig weiter.
Anders als etwa in der Oralchirurgie stehen nicht nur einzelne Eingriffe im Mittelpunkt, sondern die kontinuierliche Steuerung eines chronischen Krankheitsbilds – ähnlich wie in der Inneren Medizin, nur bezogen auf den Zahnhalteapparat.
Worin liegen die Aufgaben eines Parodontologen?
Zum Aufgabenspektrum gehören:
- Diagnostik: Erhebung von Sondierungstiefen, Bluten auf Sondierung und Attachmentverlust, oft ergänzt durch den Parodontalen Screening-Index (PSI) und Röntgendiagnostik
- Nichtchirurgische Therapie: subgingivales Debridement, die Reinigung der Zahnwurzeln unterhalb des Zahnfleischrandes zur Entfernung bakterieller Beläge
- Chirurgische Parodontaltherapie: Lappenoperationen bei tiefen Zahnfleischtaschen, die nichtchirurgisch nicht mehr zu behandeln sind
- Regenerative Verfahren: Einsatz von Membranen oder Schmelzmatrixproteinen, um verlorenen Kieferknochen und Zahnhalteapparat teilweise wiederherzustellen
- Rezessionsdeckung: plastische Deckung freiliegender Zahnhälse mit Eigengewebe oder Ersatzmaterial
- Unterstützende Parodontitistherapie (UPT): regelmäßige Nachsorgetermine über Jahre, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen
- Interdisziplinäre Fälle: enge Abstimmung mit Kieferorthopäden bei Zahnbewegungen im parodontal vorgeschädigten Gebiss oder mit Implantologen vor Implantatversorgungen
Wo arbeiten Parodontologen?
Parodontologisch spezialisierte Zahnärzte arbeiten überwiegend ambulant – in eigener Praxis, als Teil einer allgemeinzahnärztlichen Gemeinschaftspraxis oder als reine Überweiserpraxis für chirurgische und regenerative Parodontaltherapie. Ein Teil ist an Universitätszahnkliniken tätig, insbesondere im Kammerbereich Westfalen-Lippe, wo die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Parodontologie an entsprechend anerkannten Abteilungen stattfindet. Enge Kooperationen bestehen häufig mit Hausärzt:innen und Diabetolog:innen, weil Parodontitis und bestimmte Allgemeinerkrankungen sich gegenseitig beeinflussen können.
Wie wird man Parodontologe?
Deutschlandweit einzigartig ist der Kammerbereich Westfalen-Lippe: Dort gibt es seit dem 1. Januar 1983 einen eigenen, staatlich reglementierten Fachzahnarzt-Titel für Parodontologie, zum Stichtag 31.12.2023 waren dort 63 Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzte für Parodontologie registriert (Quelle: zm-online, „Spezialisten für besondere Fälle“, zm 2024-06). Über Jahrzehnte war Westfalen-Lippe damit die einzige Kammer mit diesem Titel; inzwischen ist laut derselben Quelle auch Rheinland-Pfalz diesem Modell gefolgt.
In allen anderen Kammerbereichen führt der Weg über die Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO). Seit 1992 vergibt sie den Titel „DG PARO-Spezialist:in für Parodontologie®“, inhaltlich an die Fachzahnarzt-Weiterbildung angelehnt: rund 5.000 Ausbildungsstunden, davon mindestens zwei Jahre an einer anerkannten Fachabteilung für Parodontologie, die Behandlung mehrerer hundert Patient:innen sowie eine Abschlussprüfung vor einer DG-PARO-Kommission (Quelle: dgparo.de). Wer bereits einen Masterstudiengang Parodontologie (M.Sc.) absolviert hat, kann den Spezialistentitel über ein verkürztes Programm mit rund 1.800 Stunden gezielter Lehre, Mentoring und Supervision erreichen.
Eine niedrigschwelligere Möglichkeit ist der Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie bei der jeweiligen Landeszahnärztekammer nach § 17 Berufsordnung: Je nach Kammer und Anbieter reichen dafür rund 70 bis 140 Fortbildungsstunden über 5 bis 7 Wochenendmodule – deutlich weniger als für den geschützten Spezialistentitel. Details zum Fachzahnarzt-Weg in Westfalen-Lippe liefert der Artikel Fachzahnarzt Parodontologie, zur Einordnung der verschiedenen Qualifikationsstufen der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?
Wie viel verdient ein Parodontologe?
Eine gesonderte Gehaltsstatistik für parodontologisch spezialisierte Zahnärzte veröffentlichen weder die KZBV noch die BZÄK noch die aktuelle Dentale Gehaltsstudie. Als Orientierung dient das allgemeine Zahnärztegehalt: Angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte verdienen im Median rund 6.944 Euro brutto monatlich, mit Berufserfahrung und Spezialisierung entsprechend mehr. Wer als Fachzahnarzt für Parodontologie im Kammerbereich Westfalen-Lippe niedergelassen ist, dürfte ähnlich wie andere Fachzahnärzte von höheren Honoraren für spezialisierte Leistungen profitieren, belastbare, veröffentlichte Zahlen dazu liegen allerdings nicht vor.
Fazit: Lohnt sich die Spezialisierung auf Parodontologie?
Die Spezialisierung auf Parodontologie lohnt sich für alle, die langfristige Patientenbeziehungen und die Behandlung eines chronischen, weit verbreiteten Krankheitsbilds interessant finden. Der formale Weg ist ungewöhnlich: Fast überall in Deutschland führt er über die Fachgesellschaft DG PARO statt über eine Kammerweiterbildung – nur in Westfalen-Lippe und inzwischen auch Rheinland-Pfalz gibt es einen echten Fachzahnarzt-Titel.
Angesichts der hohen Verbreitung von Parodontitis in der Bevölkerung und ihrer nachgewiesenen Wechselwirkung mit Allgemeinerkrankungen dürfte die Nachfrage nach spezialisierter parodontologischer Versorgung in den kommenden Jahren eher zunehmen. Auch der demografische Wandel spielt hier eine Rolle: Mit steigender Lebenserwartung wächst die Zahl der Menschen, die ihre eigenen Zähne bis ins hohe Alter erhalten wollen, und damit auch der Bedarf an langfristiger parodontaler Betreuung.
FAQs
Was macht ein Parodontologe?
Ein Parodontologe ist ein Zahnarzt, der sich auf Erkrankungen des Zahnhalteapparats spezialisiert hat – vor allem Parodontitis. Er diagnostiziert Zahnfleischtaschen und Knochenabbau, führt nichtchirurgische und chirurgische Parodontaltherapien durch und begleitet Patient:innen über Jahre in der unterstützenden Parodontitistherapie.
Gibt es einen Fachzahnarzt für Parodontologie?
In fast ganz Deutschland nicht: Hier führt der Weg über die Fachgesellschaft DG PARO zum Titel „DG PARO-Spezialist:in für Parodontologie®“ oder über den niedrigschwelligeren Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie. Eine Ausnahme bildet der Kammerbereich Westfalen-Lippe, wo es seit 1983 einen eigenen Fachzahnarzt-Titel gibt; inzwischen ist auch Rheinland-Pfalz diesem Modell gefolgt.
Wie viel verdient ein Parodontologe?
Eine gesonderte Statistik dazu gibt es nicht. Als Orientierung gilt das allgemeine Zahnärztegehalt von im Median rund 6.944 Euro brutto monatlich für angestellte Zahnärzte laut Dentaler Gehaltsstudie 2025.

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