Zahnarztberuf & Karrierewege

Erste 100 Tage als Assistenzzahnarzt: Fristen, Pflichten

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit
Junge Assistenzzahnärztin bereitet in der Praxis den Behandlungsplatz vor – Die ersten 100 Tage als Assistenzzahnarzt

In den ersten 100 Tagen als Assistenzzahnarzt läuft Deine Vorbereitungszeit schon, aber Du bist noch in der Probezeit, arbeitest unter Anleitung Deines Ausbilders und lernst Praxisabläufe, Hygiene und Abrechnung. Eine feste Wochenfolge kennen Gesetz und Kammer nicht – belegt sind Fristen, Rechte und eine Lernliste der Bundeszahnärztekammer, und die stehen hier. Die Vorbereitungszeit selbst, die zwei Jahre bis zur Eintragung ins Zahnarztregister (§ 3 Zahnärzte-ZV), erklärt Die Assistenzzeit.

Vor dem ersten Arbeitstag

Fünf Punkte sollten vorher stehen. Sie sind ausführlich erklärt in Nach dem Examen.

  • Die KZV hat die Beschäftigung genehmigt; den Antrag stellt die Praxis, in Bayern mindestens zwei Wochen vor Beginn, rückwirkend geht es nicht.
  • Du hast die Praxis gefragt, ob Du in die Berufshaftpflicht eingeschlossen bist, und was im Schadensfall zu tun ist.
  • Der Masern-Nachweis liegt der Praxisleitung vor (§ 20 IfSG).
  • Kammer und Versorgungswerk sind angemeldet; die Befreiung von der Rentenversicherung beantragst Du bis drei Monate nach dem ersten Arbeitstag.
  • Den eZahnarztausweis (eHBA) bestellst Du früh, denn der Bestellvorgang dauert nach BZÄK etwa sechs Wochen.

Zeitleiste: Was in den 100 Tagen und danach gilt

Zeitpunkt Was gilt Quelle
Erster Arbeitstag Probezeit höchstens sechs Monate, Kündigungsfrist in dieser Zeit zwei Wochen § 622 Abs. 3 BGB
Nach vier Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen § 3 EntgFG
Bis Ende Monat 3 Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung, sonst gilt sie erst ab Antragseingang BZÄK-Checkliste, § 6 SGB VI
Nach sechs Monaten Voller Urlaubsanspruch erstmals erworben; Kündigungsschutzgesetz greift erst jetzt, in kleinen Praxen nach § 23 KSchG nicht § 4 BUrlG, § 1 KSchG
Nach zwölf Monaten Vertretung des Praxisinhabers wird erst jetzt als Vorbereitungszeit anerkannt § 3 Abs. 3, § 32 Abs. 1 Zahnärzte-ZV

Selbstständigkeit, Abrechnung, Notdienst

Thema Was die Regeln sagen Quelle
Selbstständigkeit Du arbeitest unselbstständig bei einem Vertragszahnarzt (§ 3 Abs. 3 Zahnärzte-ZV). Nach den Richtlinien der KZV Hamburg darf der Assistent nicht regelhaft ohne Vertretungsgrund allein in der Praxis sein, und er ist nicht unterschriftsberechtigt. KZV Hamburg
Abrechnung Leistungen nicht genehmigter Assistenten sind in Bayern nicht zu vergüten und werden regressiert. Die BZÄK rät, zuerst die Abrechnung nach BEMA zu lernen und erst danach die GOZ, und die Einträge in der Patientenkartei am Tagesende zu prüfen. KZVB-Merkblatt, BZÄK-Checkliste
Notdienst In Bayern sind laut KZVB Vertragszahnärzte und MVZ zur Teilnahme verpflichtet; Assistenten nennt die Seite nicht. Das BLZK-Muster für den Assistentenvertrag sieht eine Zahl von Notdiensten mit Ausgleich vor. KZVB, Arbeitsvertrag prüfen

Ob Du Notdienste leistest und wie sie vergütet werden, hängt je nach Kammer von der Notdienstordnung und vom Vertrag ab. Baden-Württemberg (§ 2) und Nordrhein (§ 1) nehmen Vorbereitungs- und Entlastungsassistenten per Ordnung aus (Stand: Oktober 2026; Vergleich der Regionen in Zahnärztlicher Notdienst). Frag in jedem Fall danach, bevor Du unterschreibst.

Lernliste der ersten Wochen

Neben der Behandlung musst Du Dich einarbeiten. Die BZÄK-Checkliste für die ersten Jahre (2025) nennt dafür diese Bereiche:

Bereich Inhalt laut Checkliste
Praxisabläufe Aufbereitung von Medizinprodukten mit Dokumentation, Hygieneplan, Abfallentsorgung, Amalgamabscheider
Strahlenschutz Fachkunde alle fünf Jahre aktualisieren, Prüfung der Röntgenanlage
Notfall Inhalt des Notfallkoffers kennen
Recht und Datenschutz Aufklärung, Dokumentation, Schweigepflicht, Datenschutz, Qualitätsmanagement
Honorierung BEMA, GOZ, Heil- und Kostenpläne, Steigerungssatz, Mehrkostenvereinbarung
Telematikinfrastruktur Umgang mit der TI

Fehler und Komplikationen: Wen Du ansprichst

Einzelfälle nennt die Checkliste nicht, ihre Punkte lassen sich aber zuordnen:

Situation Was vorgesehen ist
Fehler oder Beinahe-Fehler Meldung im anonymen Fehlerberichtssystem CIRS dent; vorab mit dem Arbeitgeber klären, wie im Schadensfall vorzugehen ist
Medizinischer Notfall Notfallkoffer und seine Medikamente vorher kennenlernen
Unerwünschte Arzneimittelwirkung Meldung; die Checkliste weist auf die Meldeverpflichtung hin
Stichverletzung Ablauf im Unfallfall vorher klären (gesetzliche Unfallversicherung)
Beschwerde über die Rechnung Abrechnungspositionen mit der Abrechnungskraft durchgehen
Bedrohung durch Patienten Umgang mit Gewaltereignissen kennen

Erste Ansprechperson bei Komplikationen ist Dein Ausbilder; der Vertragszahnarzt muss Assistenten zur Erfüllung der vertragszahnärztlichen Pflichten anhalten (§ 32 Abs. 4 Zahnärzte-ZV). Wer haftet und was Dein Vertrag dazu sagt, steht in Arbeitsvertrag Assistenzzahnarzt prüfen.

Fragen an die Praxis

Wie die Einarbeitung geplant ist, wer Dein Ansprechpartner bleibt und wie viel Supervision Du am Stuhl bekommst – das klärst Du am besten vor der Zusage. Hilfe bietet Gute Ausbildungspraxis finden. Wie sich der Alltag nach der Einarbeitung anfühlt, beschreibt der Berufsalltag als Zahnarzt.

Danach

Was Du in der Assistenzzeit verdienst, steht in Gehalt als Assistenzzahnarzt. Wohin der Weg nach den zwei Jahren führt, zeigt Wie wird man Zahnarzt?.

Quellen

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