Ein Zahnmedizin-Abschluss von außerhalb der EU und des EWR (Drittstaat) führt in Deutschland nur über ein Anerkennungsverfahren zur Approbation. Für Anträge ab dem 1. November 2026 ist die Kenntnisprüfung der Regelweg; die Prüfung der Unterlagen gibt es nur noch, wenn Du Dich innerhalb von vier Wochen nach Antragstellung dafür entscheidest. Dazu kommt der Sprachnachweis: ein allgemeinsprachliches Zertifikat (meist B2) und die Fachsprachprüfung auf C1-Niveau bei der Zahnärztekammer. EU- und EWR-Diplome laufen über die automatische Anerkennung, dazu steht weiter unten ein Absatz.
Welcher Weg gilt für Deinen Abschluss?
Drittstaat ist jeder Staat außerhalb von EU und EWR, etwa Nordmazedonien, Serbien, die Türkei, die USA oder das Vereinigte Königreich. Gleichgestellte Staaten behandelt das Gesetz wie EU-Staaten; bis zum 31. Oktober 2026 nennt es dafür ausdrücklich die Schweiz. Entscheidend ist das Datum Deines Antrags.
| Abschluss | Weg zur Approbation | Prüfung | Grundlage |
|---|---|---|---|
| EU, EWR, Schweiz: Ausbildungsnachweis nach der Richtlinie 2005/36/EG | automatische Anerkennung auf Antrag | keine Prüfung der Unterlagen | § 2 Abs. 1 ZHG (bis 31.10.2026), § 12a ZHG (ab 1.11.2026) |
| Drittstaat, Antrag bis 31.10.2026 | Gleichwertigkeitsprüfung der Unterlagen | Kenntnisprüfung nur bei wesentlichen Unterschieden | § 2 Abs. 2 und 3 ZHG; gilt für diese Anträge weiter (§ 24 ZHG neu) |
| Drittstaat, Antrag ab 1.11.2026 | Kenntnisprüfung als Regelweg | Unterlagenprüfung nur auf Wunsch, Entscheidung binnen vier Wochen nach Antragstellung | § 12b ZHG |
Wer sich für die Unterlagenprüfung entscheidet, bleibt daran gebunden. Zeigen sich wesentliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung, folgt trotzdem die Kenntnisprüfung, ebenso wenn Du Unterlagen ohne eigenes Verschulden nicht vollständig beibringen kannst (§ 12b Abs. 3 ZHG). Die Behörde muss Dich über die Wahlmöglichkeit und ihre Folgen aufklären. Hat ein anderer EU- oder EWR-Staat Dein Drittstaaten-Diplom bereits anerkannt, gelten die Regeln für EU-Abschlüsse. Bei wesentlichen Unterschieden folgt dann eine Eignungsprüfung, die sich nur auf die festgestellten Lücken bezieht (§ 12a Abs. 7 ZHG).
Ablauf in sechs Schritten
- Behörde bestimmen. Ab dem 1. November 2026 entscheidet das Land, in dem Du Deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast; wohnst Du nicht in Deutschland, stellst Du den Antrag in dem Land, in dem Du arbeiten willst (§ 16 Abs. 1a ZHG neu). Bis zum 31. Oktober 2026 zählt allein das Land der geplanten Berufsausübung. Berlin verlangt dafür zum Beispiel eine Einstellungszusage, einen Hauptwohnsitz oder – wenn Du noch im Ausland lebst – Bewerbungen auf Stellen im Land. Die Behörden aller 16 Länder führt die Bundeszahnärztekammer mit Anschrift auf. Die Zuständigkeit nach dem Land der Prüfung (§ 16 Abs. 1 ZHG) gilt weiter, betrifft aber nur Absolventen deutscher Universitäten, siehe Approbation Zahnarzt beantragen. Wer noch im Ausland lebt, kann die kostenlose Beratung der Zentralen Servicestelle Berufsanerkennung der Bundesagentur für Arbeit nutzen.
- Unterlagen sammeln. Das Land Berlin fordert als Beispiel (Checkliste, Stand März 2024): Antrag, Lebenslauf, Identitätsnachweis, Geburtsurkunde, Führungszeugnis aus Deutschland und aus Heimat- und Studienland, Unbedenklichkeitsbescheinigung der Behörden, in denen Du gearbeitet hast, ärztliche Bescheinigung, Diplom mit Fächer- und Stundenübersicht sowie Nachweise zur Berufserfahrung. Führungszeugnisse und Bescheinigungen dürfen bei Vorlage höchstens drei Monate alt sein. Kopien müssen amtlich beglaubigt, Urkunden mit Apostille oder Legalisation versehen und Übersetzungen von einem in Deutschland beeidigten Übersetzer angefertigt oder geprüft sein. Welche Liste gilt, bestimmt Deine Behörde.
- Antrag stellen und den Weg wählen. Die Behörde bestätigt den Eingang; ihre gesetzliche Frist läuft erst, wenn alle Unterlagen vorliegen. Für Drittstaaten nennt Berlin eine Bearbeitungszeit von mehreren Monaten, in Einzelfällen von über einem Jahr. Wer bei einem Antrag ab dem 1. November 2026 die Unterlagenprüfung statt der Kenntnisprüfung will, erklärt das in den ersten vier Wochen.
- Sprachnachweis erbringen. In Berlin brauchst Du die Sprachnachweise bei Antragstellung noch nicht; die Fachsprachprüfung meldest Du an, sobald der Antrag eingegangen ist (Abschnitt unten).
- Kenntnisprüfung ablegen. Bei der Unterlagenprüfung kommt sie nur, wenn die Behörde wesentliche Unterschiede feststellt.
- Approbationsurkunde erhalten. Danach meldest Du Dich bei Zahnärztekammer und Versorgungswerk, siehe Nach dem Examen: Kammer, Versorgungswerk, eHBA, Meldungen. Ausländische Fachzahnarzt-Titel lassen sich erst nach der Approbation anerkennen; zu den deutschen Titeln führt Fachzahnarzt werden.
Kenntnisprüfung: Fächer, Dauer, Kosten
Die Kenntnisprüfung bezieht sich auf den Inhalt der staatlichen Abschlussprüfung (§ 12b Abs. 2 ZHG) und wird in deutscher Sprache abgenommen. Die Einzelheiten regeln die §§ 104 bis 118 der Approbationsordnung (ZApprO). Geprüft werden Zahnärztliche Prothetik, Kieferorthopädie, Oralchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie die Fächergruppe Zahnerhaltung (Endodontologie, Kinderzahnheilkunde, Parodontologie, Zahnhartsubstanzlehre mit Prävention und Restauration). Im Gespräch kommen Notfallmedizin, Pharmakologie, Hygiene und Berufsrecht dazu – ergänzend zu den fünf Fächern. Die Behörde kann ein weiteres Fach festlegen, wenn sie dort wesentliche Unterschiede festgestellt hat.
| Abschnitt | Inhalt | Dauer |
|---|---|---|
| schriftlich | Behandlungsplanung zu einem Befund (Modelle, Röntgenbild, Parodontalstatus) mit mindestens zwei begründeten Behandlungsvorschlägen | 45 Minuten |
| mündlich | Prüfungsgespräch zu allen Fächern | 60 bis 90 Minuten |
| praktisch | am Phantomkopf: Verblend- und Teilkrone, Kavität und Kompositfüllung, Wurzelkanalbehandlung, Instrumentenwahl in Chirurgie und Parodontologie | etwa 5 Stunden |
Die Abschnitte folgen aufeinander; den nächsten darfst Du erst ablegen, wenn der vorherige bestanden ist. Bestanden ist die Prüfung, wenn alle drei Abschnitte bestanden sind. Jeder nicht bestandene Abschnitt lässt sich zweimal wiederholen (§ 118 ZApprO); Berlin rechnet Fehlversuche in anderen Ländern an. Die Behörde soll die Prüfung mindestens zweimal im Jahr anbieten (Berlin meist im Mai und Oktober), Dich spätestens fünf Tage vorher laden und dafür sorgen, dass Du sie innerhalb von sechs Monaten nach dem Bescheid ablegen kannst (§§ 105, 106 ZApprO).
Die Gebühr hängt vom Land ab. In Sachsen-Anhalt prüft die Zahnärztekammer im Auftrag des Landesprüfungsamts und erhebt 500 Euro für den schriftlichen, 1.150 Euro für den mündlichen und 1.300 Euro für den praktischen Abschnitt – zusammen 2.950 Euro (Infoblatt der Kammer, Abruf 20. Oktober 2026; das Blatt trägt kein Datum, eine ältere Fassung von 2020 nannte 400, 900 und 1.100 Euro). Die Gebühr wird mit der Anmeldung zu jedem Abschnitt fällig und bei einer Wiederholung erneut berechnet. Dazu kommen die Gebühr der Behörde für den Antrag und die Kosten für Beglaubigungen und Übersetzungen.
Deutschkenntnisse: Zertifikat und Fachsprachprüfung
Die Approbation setzt die für den Beruf erforderlichen Deutschkenntnisse voraus (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 ZHG). Die Behörden verlangen dafür zwei Nachweise. Der erste ist ein allgemeinsprachliches Zertifikat, meist auf B2 von Goethe-Institut, telc, TestDaF oder ÖSD; in Brandenburg darf es höchstens drei Jahre alt sein. Der zweite ist die Fachsprachprüfung auf C1-Niveau bei der Zahnärztekammer. Sie beruht auf Eckpunkten der 87. Gesundheitsministerkonferenz vom 26./27. Juni 2014 und besteht in den meisten Kammerbereichen aus dreimal 20 Minuten; Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt prüfen rund 60 Minuten insgesamt, in Rheinland-Pfalz mit zusätzlichem schriftlichem Teil, in Sachsen-Anhalt beginnt die Prüfung mit dem schriftlichen Teil. Geprüft werden ein simuliertes Gespräch mit einer Patientin oder einem Patienten, eine schriftliche Dokumentation wie ein kurzer Zahnarztbrief und ein Fachgespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Fachwissen wird dabei nicht geprüft. Wer die Prüfung nicht besteht, muss sie als Ganzes wiederholen; die Zahl der Versuche ist in Berlin und Rheinland-Pfalz nicht begrenzt.
| Land | Prüfende Stelle | Gebühr | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Berlin | Zahnärztekammer Berlin | 450 Euro | Anmeldung erst nach dem Approbationsantrag, mit der Eingangsbestätigung des LAGeSo; die Kammer meldet das Ergebnis direkt dem LAGeSo (Kammerseite, Abruf 20.10.2026) |
| Rheinland-Pfalz | Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz | 450 Euro | Hauptwohnsitz im Land, C1-Zertifikat schon bei Antragstellung, Wiederholung frühestens nach sechs Monaten |
| Brandenburg | Landeszahnärztekammer Brandenburg | 470 Euro | B2-Zertifikat als Voraussetzung (Stand der Hinweise: April 2024) |
| Niedersachsen | Zahnärztekammer Niedersachsen | 580 Euro Kostenvorschuss | Zahlung erst nach Aufforderung durch den Zweckverband NiZzA |
Die Termine nennen die Kammern in der Ladung; Gebühr und Zahlungsweg stehen in ihren Hinweisen. In Berlin entfällt der Test in der Regel, wenn Du mindestens zehn Jahre eine deutschsprachige Schule oder mindestens drei Jahre eine Berufsausbildung auf Deutsch absolviert hast; das LAGeSo entscheidet darüber (Hinweise des LAGeSo, Stand April 2020). Gebühren und Abläufe aller Länder stehen in den Artikeln Kenntnisprüfung Zahnmedizin und Fachsprachprüfung Zahnmedizin.
Berufserlaubnis nach § 13 ZHG
Wer vor der Approbation schon arbeiten will, kann eine Erlaubnis zur Ausübung der Zahnheilkunde beantragen. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Zahnmedizin-Studium (§ 13 Abs. 1 ZHG). Die Erlaubnis ist widerruflich und gilt für höchstens zwei Jahre zahnärztlicher Tätigkeit in Deutschland; darüber hinaus gibt es sie nur im besonderen Einzelfall oder aus Gründen der zahnärztlichen Versorgung (Abs. 2 und 3). Sie kann auf bestimmte Tätigkeiten und Beschäftigungsstellen beschränkt werden. Das Land, in dem Du arbeiten willst, entscheidet; Berlin erteilt sie nur für Berlin und kann sie von einer Kenntnisprüfung abhängig machen. Wer einen Ausbildungsnachweis aus der EU, dem EWR oder einem gleichgestellten Staat besitzt, bekommt sie grundsätzlich nicht (Abs. 1 Satz 2). Ist die Ausbildung noch nicht abgeschlossen, gilt Abs. 4: Die Erlaubnis kann dann mit der Auflage verbunden werden, unter Aufsicht eines Zahnarztes zu arbeiten. Die Berufserlaubnis ersetzt die Approbation nicht und verkürzt das Verfahren nicht.
Abschluss aus der EU, dem EWR oder der Schweiz
Für Diplome aus EU und EWR, die in Anhang V Nummer 5.3.2 der Richtlinie 2005/36/EG aufgeführt sind, entfällt die inhaltliche Prüfung; die Schweiz stellt das Gesetz gleich. Die Approbation gibt es trotzdem nur auf Antrag, mit Führungszeugnis, ärztlicher Bescheinigung und Deutschnachweis. Die Schritte, Zusatznachweise je Land und Gebühren stehen in EU-Zahnmedizin-Abschluss anerkennen: Schritt für Schritt; Studieninteressierten gibt Zahnmedizin-Abschluss aus dem EU-Ausland: Wird er anerkannt? den Überblick. Die Drittstaaten-Variante am Beispiel eines Studienlandes zeigt Zahnmedizin in Nordmazedonien studieren. Wer als niedergelassener Zahnarzt eines anderen EU- oder EWR-Staats nur vorübergehend und gelegentlich in Deutschland arbeitet, braucht keine Approbation, muss sich aber vorher melden (§ 13a ZHG, ab 1. November 2026 § 13b). Den umgekehrten Weg beschreibt Als Zahnarzt im Ausland arbeiten: Anerkennung nach Land.
Quellen
- Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 225, Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren (Art. 4: Änderung des ZHG; §§ 1a, 2, 12 bis 12c, 13, 13b, 16, 24): neue Rechtslage ab 1. November 2026, Übergangsregel für Anträge bis 31. Oktober 2026 (Abruf 11.10.2026)
- § 2 ZHG, Fassung bis 31.10.2026: Gleichwertigkeitsprüfung und Kenntnisprüfung nach bisherigem Recht (Abruf 11.10.2026)
- § 13 ZHG, Fassung bis 31.10.2026: Erlaubnis zur Ausübung der Zahnheilkunde, Zweijahresgrenze (Abruf 11.10.2026)
- Approbationsordnung für Zahnärzte und Zahnärztinnen, §§ 104 bis 118: Aufbau, Fächer, Dauer, Termine und Wiederholung der Kenntnisprüfung (Abruf 11.10.2026)
- Bundeszahnärztekammer: Ausländische Zahnärztinnen und Zahnärzte: Voraussetzungen der Approbation, Behörden der Länder
- Anerkennung in Deutschland: Zahnärztin/Zahnarzt: Approbation, Fachzahnarzt-Anerkennung erst nach der Approbation
- LAGeSo Berlin: Akademische Ausbildung außerhalb der EU (Drittstaat): Berufserlaubnis, Sprachnachweise, Beratung durch die ZSBA (Abruf 11.10.2026)
- LAGeSo Berlin: Checkliste für Personen mit Drittstaaten-Ausbildung: Unterlagen, Bearbeitungszeit (Stand März 2024)
- LAGeSo Berlin: Verfahrensgrundsätze Kenntnisprüfung nach dem ZHG: Prüfungsablauf, Termine, Wiederholung (Stand Januar 2020)
- LAGeSo Berlin: Hinweise zum Fachsprachentest für Zahnärztinnen und Zahnärzte: Befreiung bei zehnjähriger deutschsprachiger Schule oder dreijähriger Berufsausbildung (Stand April 2020)
- Zahnärztekammer Berlin: Berufsrecht, Fachsprachprüfung: Anmeldung mit Eingangsbestätigung des LAGeSo, Gebühr 450 Euro, drei Teile à 20 Minuten, Ergebnismeldung direkt an das LAGeSo (Abruf 20.10.2026)
- Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt: Verfahrensordnung für die Fachsprachprüfung: Prüfungsdauer insgesamt 60 Minuten, schriftlicher Teil zuerst (Abruf 20.10.2026)
- Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt: Informationsblatt Kenntnisprüfung: Gebühren je Prüfungsabschnitt 500, 1.150 und 1.300 Euro (Datum nicht angegeben, Abruf 20.10.2026; verlinkt auf der Kammerseite zu ausländischen Zahnärzten)
- Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz: Hinweise zur Fachsprachprüfung: Gebühr 450 Euro, Prüfungsdauer rund 60 Minuten mit schriftlichem Teil, Ablauf (Stand August 2025)
- LAVG Brandenburg: Hinweise zum Fachsprachtest: Gebühr 470 Euro, B2-Zertifikat (Stand April 2024)
- NiZzA Niedersachsen: Informationsblatt Fachsprachprüfung: Kostenvorschuss 580 Euro, Beschluss der 87. Gesundheitsministerkonferenz 2014
- EUR-Lex: Richtlinie 2005/36/EG, Fassung vom 29.10.2025: Anhang V Nummer 5.3.2, Ausbildungsnachweise der Zahnärzte

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