Gehalt

Umsatz, Kosten, Reinertrag: die Praxis-Rechnung

Von Redaktion5 Min. Lesezeit
Nahaufnahme von Rechnungen, Belegen und Taschenrechner zur Praxis-Kalkulation – Umsatz, Kosten, Reinertrag: die Praxis-Rechnung

Frag mal jemanden, was eine Zahnarztpraxis-Inhaberin verdient, und du bekommst selten eine klare Antwort. Das liegt daran, dass es dieses eine “Gehalt” gar nicht gibt. Wer angestellt ist, bekommt am Monatsende eine feste Summe überwiesen, egal wie die Praxis wirtschaftlich läuft. Wer eine eigene Praxis führt, bekommt dagegen nichts automatisch, sondern erst das, was von den Einnahmen übrig bleibt, nachdem Personal, Material, Miete und alles andere bezahlt sind. Dieser Restbetrag heißt Reinertrag, und genau er bestimmt, wie gut sich Selbstständigkeit finanziell tatsächlich lohnt.

Der Praxisumsatz: was auf dem Papier reinkommt

Der Umsatz ist die oberste Zeile der Rechnung – alles, was über Kassenabrechnung und private Liquidation in die Praxis fließt, bevor irgendetwas davon abgezogen wird. Laut KZBV-Jahrbuch 2025 (Datenjahr 2023, Basis: Zahnärzte-Praxis-Panel des Zi, Erhebung 2024) lag der durchschnittliche Umsatz je Praxisinhaber:in in Deutschland bei 677.900 Euro im Jahr, ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber 2022 mit 625.900 Euro. Die Einnahmen teilen sich dabei fast hälftig auf: 52,1 Prozent kommen über die Kassenzahnärztliche Vereinigung, 47,9 Prozent laufen außerhalb davon, also über private Leistungen und Zusatzversicherungen.

Wichtig zu wissen: Die KZBV-Zahlen hinken der Gegenwart naturgemäß etwas hinterher, weil die zugrunde liegende Erhebung erst 2024 für die Betriebsjahre 2022 und 2023 durchgeführt wurde. Aktuellere Jahrgänge folgen erst mit dem nächsten Jahrbuch. Das ist bei betriebswirtschaftlichen Statistiken normal und ändert nichts daran, dass die Größenordnung als Orientierung taugt.

Die Kostenquote: wohin das Geld tatsächlich fließt

Von den 677.900 Euro Umsatz bleibt nicht annähernd alles hängen. Im Schnitt fraßen die Betriebsausgaben 2023 rund 68,3 Prozent des Umsatzes auf: die sogenannte Kostenquote. Konkret waren das 463.200 Euro je Inhaber:in, etwas weniger als der Anteil von 68,9 Prozent im Jahr davor.

Größter Posten sind mit Abstand die Personalausgaben: Sie machten 43,1 Prozent aller Betriebsausgaben aus, umgerechnet etwa 199.700 Euro: Gehälter für ZFAs, Prophylaxefachkräfte, Verwaltung. Danach folgen die Ausgaben für Fremdlabore mit 23,6 Prozent (rund 109.200 Euro), also das, was zahntechnische Arbeiten wie Kronen oder Prothesen kosten. Material für Praxis und Labor schlägt mit 8,1 Prozent zu Buche, Raumkosten (Miete, Nebenkosten, anteilige Hauskosten) mit 6,0 Prozent, Abschreibungen auf Geräte und Einrichtung mit 5,1 Prozent, Zinsen für Praxisdarlehen mit 0,5 Prozent. Der Rest, gut 13,6 Prozent, verteilt sich auf übrige Betriebsausgaben wie Versicherungen, Fortbildung oder Software.

Wer über eine eigene Praxisgründung nachdenkt, sollte diese Struktur im Kopf behalten: Personal- und Laborkosten allein verschlingen fast zwei Drittel der gesamten Betriebsausgaben, und beide Posten lassen sich kaum kurzfristig senken, ohne die Behandlungsqualität zu gefährden.

Der Reinertrag: was am Ende für dich als Inhaber:in bleibt

Zieht man die Betriebsausgaben vom Umsatz ab, bleibt der Einnahmen-Überschuss – umgangssprachlich der Reinertrag. Für 2023 lag dieser laut KZBV-Jahrbuch bei durchschnittlich 214.700 Euro je Praxisinhaber:in, entsprechend 31,7 Prozent des Umsatzes. Ein Jahr zuvor waren es 194.700 Euro beziehungsweise 31,1 Prozent.

Ein Detail, das in vielen Schlagzeilen untergeht: Der Mittelwert von 214.700 Euro wird von einigen sehr erfolgreichen Praxen nach oben gezogen. Der Median (also der Wert, unter dem genau die Hälfte aller Praxisinhaber:innen liegt) betrug 2023 nur 180.300 Euro. Rund 3 Prozent aller Inhaber:innen erwirtschafteten sogar weniger als 25.000 Euro im Jahr, während knapp 11 Prozent über 400.000 Euro erzielten. Die Spannbreite ist also enorm, und wer sich fragt, was ein Zahnarzt mit eigener Praxis wirklich verdient, sollte diese Streuung nicht ignorieren.

Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit dazu: Der Reinertrag ist ein Wert vor Steuern. Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die komplette Altersvorsorge – anders als bei angestellten Zahnärzt:innen gibt es hier keinen Arbeitgeberanteil – müssen aus diesem Betrag noch selbst finanziert werden.

Die Rechnung im Überblick

So sah die durchschnittliche Praxis-Rechnung je Inhaber:in laut KZBV-Jahrbuch 2025 in den beiden zuletzt erhobenen Jahren aus:

2022 2023
Umsatz 625.900 € 677.900 €
Betriebsausgaben (Kostenquote) 431.200 € (68,9 %) 463.200 € (68,3 %)
Reinertrag (Anteil am Umsatz) 194.700 € (31,1 %) 214.700 € (31,7 %)
Median des Reinertrags 167.300 € 180.300 €

Quelle: KZBV-Jahrbuch 2025, Datenjahr 2023, Grundlage: Zahnärzte-Praxis-Panel des Zi, Erhebung 2024.

Warum der Reinertrag so stark schwankt

Diese Durchschnittswerte sind ein grober Kompass, keine verlässliche Prognose für die eigene Zukunft. Schon zwischen Ost und West klafft eine deutliche Lücke: In den alten Bundesländern lag der Reinertrag 2023 bei 222.900 Euro, in den neuen Bundesländern bei 178.800 Euro – ein Unterschied von rund 44.000 Euro, der vor allem mit Honorarniveau und Umsatz zusammenhängt.

Auch die Praxisform macht einen Unterschied. In einer Berufsausübungsgemeinschaft teilen sich mehrere Inhaber:innen den Umsatz einer größeren, oft effizienter organisierten Praxis, während eine Einzelpraxis stärker von der individuellen Auslastung abhängt. Wer eine Übernahme statt einer Neugründung plant, übernimmt meist auch die bestehende Kostenstruktur samt Personal. Dazu kommt die Lage: Mieten und Personalkosten in Großstädten drücken die Kostenquote nach oben, während ländliche Praxen oft günstiger wirtschaften, aber mit geringerer Patientenzahl kalkulieren müssen. Und schließlich der Kassen-/Privatanteil: Praxen mit einem höheren Anteil an privat versicherten oder selbst zahlenden Patient:innen erzielen bei gleichem Behandlungsaufwand häufig höhere Honorare, was sich direkt im Reinertrag niederschlägt. Wer diese Freiheitsgrade nicht will, findet mit einem Gehalt in einem MVZ übrigens ein Modell, das näher am klassischen Angestelltendasein liegt, ohne komplett auf unternehmerische Beteiligung zu verzichten.

Fazit: Eine Rechnung statt eines Gehaltszettels

Wer sich für die eigene Praxis entscheidet, tauscht ein festes Monatsgehalt gegen eine Rechnung mit mehreren Variablen ein. Der Umsatz ist nur der Ausgangspunkt, die Kostenquote von rund zwei Dritteln frisst den größten Teil davon wieder auf, und was am Ende als Reinertrag bleibt, hängt von Faktoren ab, die sich erst mit der Praxisführung selbst zeigen: Lage, Größe, Patientenmix, Personalplanung. Die KZBV-Durchschnittswerte – gut 215.000 Euro Reinertrag bei knapp 678.000 Euro Umsatz im Jahr 2023 – geben eine Orientierung, ersetzen aber keine eigene Kalkulation. Genau deshalb lohnt es sich, diese Rechnung schon während des Studiums zu verstehen, statt sie erst am Tag der ersten eigenen Praxisübernahme kennenzulernen.

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