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Reinertrag Zahnarztpraxis: Umsatz, Kosten, was bleibt

RedaktionVon Redaktion8 Min. Lesezeit
Nahaufnahme von Rechnungen, Belegen und Taschenrechner zur Praxis-Kalkulation – Umsatz, Kosten, Reinertrag: die Praxis-Rechnung

Eine Zahnarztpraxis erwirtschaftete 2023 im Schnitt 677.900 Euro Umsatz je Inhaber. Nach 68,3 Prozent Betriebsausgaben blieben 214.700 Euro vor Steuern, im Median 180.300 Euro (KZBV-Jahrbuch 2025). Das Statistische Bundesamt nennt für 2024 einen Reinertrag von 305.000 Euro je Praxis, im Median 217.000 Euro. Beide Werte sind kein Gehalt – Versorgungswerk, Krankenversicherung, Steuern und die Tilgung des Praxisdarlehens müssen noch bezahlt werden. Wie viel dann bleibt, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten. Das Einkommen nach Praxisform, Fachgebiet und Alter steht in Zahnarzt mit eigener Praxis: Einkommen und Netto.

Die Rechnung im Überblick

Die durchschnittliche Praxis-Rechnung je Inhaber in den beiden zuletzt erhobenen Jahren:

2022 2023
Umsatz 625.900 € 677.900 €
Betriebsausgaben (Kostenquote) 431.200 € (68,9 %) 463.200 € (68,3 %)
Reinertrag, auch Einnahmen-Überschuss (Anteil am Umsatz) 194.700 € (31,1 %) 214.700 € (31,7 %)
Median des Reinertrags 167.300 € 180.300 €

Quelle: KZBV-Jahrbuch 2025, Tab. 5.3 und 5.15, Zahnärzte-Praxis-Panel des Zi (Erhebung 2024 für die Betriebsjahre 2022 und 2023). Ein neueres Jahrbuch ist im Oktober 2026 nicht erschienen.

Der Reinertrag ist hier der steuerliche Einnahmen-Überschuss: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben, vor Einkommensteuer und vor jeder privaten Vorsorge. Die Einnahmen verteilen sich fast hälftig auf die Kassenzahnärztliche Vereinigung (52,1 Prozent) und Leistungen außerhalb davon (47,9 Prozent), zum Beispiel Privatleistungen und Zusatzversicherungen.

Zwei Statistiken, drei Bezugsgrößen

Die KZBV rechnet je Inhaber, das Statistische Bundesamt je Praxis. Deshalb liegen 214.700 und 305.000 Euro so weit auseinander, denn die Werte gelten für verschiedene Einheiten und Jahre.

Quelle Bezugsgröße Jahr Mittel Median
KZBV-Jahrbuch (Zi-Panel) je Praxisinhaber 2023 214.700 € 180.300 €
KZBV-Jahrbuch (Zi-Panel) je Praxis 2023 255.500 € nicht ausgewiesen
Destatis je Praxis (rechtliche Einheit, auch BAG und MVZ) 2023 284.000 € nicht ausgewiesen
Destatis je Praxis (rechtliche Einheit, auch BAG und MVZ) 2024 305.000 € 217.000 €

Eine Praxis hat im Schnitt mehr als einen Inhaber. Im Zi-Panel entfielen 2023 auf eine Praxis 807.000 Euro Umsatz, auf einen Inhaber 677.900 Euro – rechnerisch 1,2 Inhaber je Praxis. Destatis zählt 10,2 tätige Personen je Zahnarztpraxis, davon 9,0 abhängig Beschäftigte. Auch bei gleichem Jahr und gleicher Bezugsgröße liegt Destatis mit 284.000 Euro über dem Panel mit 255.500 Euro. Die Erhebungen unterscheiden sich: Destatis befragt höchstens 7 Prozent der Praxen und rechnet MVZ mit, das Zi-Panel stützt sich auf rund 1.800 Einsendungen von Einzelpraxen und Berufsausübungsgemeinschaften. Eine Zahl für die Differenz nennt keine der beiden Stellen.

Für Fragen zum eigenen Einkommen taugt der Wert je Inhaber besser. Er ist aber älter: Das Jahrbuch 2025 mit dem Datenjahr 2023 ist im Oktober 2026 die jüngste Ausgabe. Der Median liegt in beiden Statistiken deutlich unter dem Mittelwert, weil wenige sehr umsatzstarke Praxen den Durchschnitt anheben.

Destatis weist zwei Gruppen aus: Die allgemeine Stomatologie erzielte 2024 im Mittel 278.000 Euro je Praxis. Die Sammelgruppe „Kieferorthopädie, Oralchirurgie und sonstige Fachgebiete“ kam auf 477.000 Euro bei 13,1 statt 9,8 tätigen Personen je Praxis. Dieser Gruppenwert mischt mehrere Fachrichtungen und größere Praxen. Ein Einkommen für Kieferorthopäden oder für Oralchirurgen lässt sich daraus nicht ablesen.

Wohin die Betriebsausgaben fließen

Die Betriebsausgaben betrugen 2023 im Schnitt 463.200 Euro je Inhaber, 68,3 Prozent des Umsatzes (2022: 68,9 Prozent). Zwei Blöcke machen zusammen zwei Drittel aus.

Posten Euro 2023 Anteil an den Betriebsausgaben
Personalausgaben 199.700 € 43,1 %
Fremdlabor 109.200 € 23,6 %
Material für Praxis und Labor 37.700 € 8,1 %
Raumkosten (Miete, Strom, Wasser, anteilige Hauskosten) 27.700 € 6,0 %
Abschreibungen 23.500 € 5,1 %
Zinsen für Praxisdarlehen 2.400 € 0,5 %
Übrige Betriebsausgaben 63.000 € 13,6 %

Die Laborrechnungen sind für den Zahnarzt laut KZBV ein durchlaufender Posten. Ohne sie lagen der Umsatz bei 568.700 Euro und die Betriebsausgaben bei 354.000 Euro. Die Zinsen von 2.400 Euro sind ein Mittelwert über Inhaber mit und ohne Darlehen; wer eine Praxis gründet oder übernimmt, zahlt mit Darlehen entsprechend mehr Zinsen, und die Tilgung ist keine Betriebsausgabe. Wie die Finanzierung aussieht, steht in Eigene Zahnarztpraxis gründen.

Streuung, Region und Arbeitszeit

Der Mittelwert von 214.700 Euro liegt über dem Einkommen von 60 Prozent der Inhaber. Die Streuung ist groß: 2,8 Prozent erzielten 2023 weniger als 25.000 Euro, 6,4 Prozent weniger als 50.000 Euro, 11,0 Prozent mehr als 400.000 Euro. In den alten Bundesländern (mit Berlin) lag der Einnahmen-Überschuss im Mittel bei 222.900 Euro und im Median bei 189.000 Euro, in den neuen bei 178.800 und 157.400 Euro.

Warum Praxen mehr oder weniger verdienen, schlüsselt das Jahrbuch nicht auf. Es weist keinen Einnahmen-Überschuss getrennt nach Einzelpraxis und Berufsausübungsgemeinschaft aus (die Stichprobe besteht zu 83,7 Prozent aus Einzelpraxen), keinen nach Stadt und Land und keinen nach Privatanteil. Gemessen sind Region, Alter des Inhabers und Umsatzgröße; die Altersgruppen stehen in Zahnarzt mit eigener Praxis: Einkommen und Netto.

Die Inhaber arbeiteten 2023 im Schnitt 44,0 Stunden pro Woche, davon 32,5 Stunden am Stuhl und 8,5 Stunden in der Praxisverwaltung (Zi-Panel). Die Gehaltsstudie für Angestellte rechnet dagegen mit 40 Stunden.

Vom Reinertrag zum Netto: ein Rechenbeispiel

Das Beispiel nimmt den Median je Inhaber (180.300 Euro) und rechnet mit dem Steuer- und Beitragsrecht von 2026. Alle Annahmen stehen offen, damit Du sie ändern kannst:

  1. Das Darlehen beträgt 350.000 Euro bei 10 Jahren Laufzeit und 4,33 Prozent Zins; die monatliche Rate liegt bei 3.599 Euro (43.185 Euro im Jahr). Der Zins entspricht dem Durchschnitt, den die EZB-Zinsstatistik (in der Fassung der Bundesbank) für August 2026 im Euroraum für neue Kredite an Einzelunternehmen mit variabler Verzinsung oder bis zu einem Jahr Zinsbindung nennt. Er ist eine Orientierung, kein Angebot. Im ersten Jahr stecken 14.592 Euro Zinsen und 28.593 Euro Tilgung in der Rate. Die Zinsen sind Betriebsausgaben und werden vereinfacht zusätzlich zu den im Mittelwert enthaltenen abgezogen; die Tilgung mindert den Gewinn nicht.
  2. Beim Versorgungswerk gilt die Satzung der Zahnärztekammer Berlin (gültig seit 21.03.2026, § 26). Selbstständige zahlen 19 Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (8.450 Euro), also 1.605,50 Euro im Monat. Andere Versorgungswerke weichen ab.
  3. Die Krankenversicherung ist gesetzlich, mit Höchstbeitrag bis zur Bemessungsgrenze von 5.812,50 Euro im Monat. Der Satz beträgt 14,6 Prozent plus 2,9 Prozent durchschnittlicher Zusatzbeitrag, in der Pflegeversicherung 3,6 Prozent plus 0,6 Prozent Zuschlag für Kinderlose. Privat Versicherte zahlen andere Beiträge.
  4. Die Steuer folgt dem Grundtarif nach § 32a EStG (2026) für Alleinstehende, ohne Kirchensteuer. Versorgungswerk-, Kranken- und Pflegebeiträge gelten vereinfacht in voller Höhe als Sonderausgaben. Der Solidaritätszuschlag richtet sich nach den §§ 3 und 4 SolzG. Gewerbesteuer fällt für Zahnärzte als Freiberufler nicht an. Die Werte stammen aus einer eigenen Berechnung und nicht aus dem Rechner des Bundesfinanzministeriums.
Posten Euro pro Jahr
Einnahmen-Überschuss (Median je Inhaber, 2023) 180.300
Zinsen des Darlehens im 1. Jahr −14.592
Gewinn nach Zinsen 165.708
Versorgungswerk (19 % der Bemessungsgrenze) −19.266
Kranken- und Pflegeversicherung −15.136
Einkommensteuer −44.012
Solidaritätszuschlag −2.421
Bleibt vor Tilgung 84.873
Tilgung im 1. Jahr −28.593
Bleibt nach Tilgung (rund 4.690 Euro im Monat) 56.280

Im ersten Jahr bleiben damit rund 4.690 Euro im Monat zum Leben – bei 44 Wochenstunden. Ist das Darlehen getilgt, entfallen Zins und Tilgung. Ohne Darlehen blieben aus 180.300 Euro rund 93.000 Euro im Jahr, etwa 7.750 Euro im Monat, bevor Rücklagen für Reinvestitionen gebildet sind. Ein angestellter Zahnarzt mit dem Median von 6.944 Euro brutto behält nach der Rechnung in Was verdient ein Zahnarzt? rund 3.880 Euro netto im Monat bei 40 Wochenstunden. Beide Wege stellt Angestellt oder selbstständig als Zahnarzt gegenüber.

Wie stark die Lebenssituation das Ergebnis verschiebt, zeigt die KZBV selbst: Für einen verheirateten Zahnarzt mit zwei Kindern, der genau den Median von 180.300 Euro erzielte, kommt das Jahrbuch nach Steuern und sozialer Sicherung auf ein verfügbares Einkommen von 113.400 Euro (2023). Eine Darlehenstilgung ist darin nicht abgezogen.

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