Gehalt

Zahnarzt-Gehalt nach Bundesland

Von Redaktion4 Min. Lesezeit
Zahnarzt betrachtet eine deutsche Landkarte mit farblich markierten Bundesländern – Zahnarzt-Gehalt nach Bundesland

Bei vielen Berufen gilt die Faustregel: Süden und Westen zahlen am besten, der Osten hinkt hinterher. Bei Zahnärzt:innen stimmt das nur teilweise, und wer sich die aktuellen Zahlen anschaut, wird überrascht sein, wie knapp manche Regionen beieinanderliegen und wie deutlich sich Stadt und Land tatsächlich unterscheiden.

Warum es keine offizielle Statistik nach Bundesland gibt

Anders als bei Ärzt:innen, für die tarifliche Entgelttabellen und amtliche Statistiken oft nach Bundesland oder Klinikträger aufgeschlüsselt vorliegen, gibt es für Zahnärzt:innen keinen bundesweiten Tarifvertrag und entsprechend auch keine offizielle, für alle 16 Bundesländer einzeln aufgeschlüsselte Gehaltsstatistik. Die verfügbaren Zahlen stammen stattdessen aus privat erhobenen Gehaltsstudien, die meist nach größeren Regionen (Nord, Süd, Ost, West) gruppieren, statt jedes einzelne Bundesland separat auszuweisen. Wer sich für ein bestimmtes Bundesland interessiert, muss sich deshalb an diesen gröberen Regionalkategorien orientieren.

Süden liegt vorn, aber der Osten überrascht

Laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 verdienen angestellte Zahnärzt:innen in Süddeutschland mit durchschnittlich 7.139 Euro brutto im Monat am meisten. Auf Platz zwei folgen jedoch nicht die traditionell einkommensstarken westdeutschen Bundesländer, sondern die östlichen Bundesländer mit 7.045 Euro, nur rund 100 Euro hinter dem Süden. Der Norden liegt mit 6.938 Euro knapp dahinter, während der Westen mit 6.857 Euro das Schlusslicht bildet. Der Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten Gehaltsgebiet beträgt damit rund 280 Euro im Monat beziehungsweise gut 3.300 Euro im Jahr, spürbar, aber deutlich geringer als in vielen anderen Berufen.

Warum der Osten mittlerweile mithält

Dass die östlichen Bundesländer bei den Zahnarztgehältern inzwischen vor dem Westen liegen, hat vor allem mit dem Fachkräftemangel zu tun. In vielen ostdeutschen Regionen ist es für Praxen schwieriger, offene Stellen zu besetzen als in gefragten westdeutschen Ballungsräumen: wer als Praxisinhaber:in eine gute Fachkraft gewinnen will, muss entsprechend attraktivere Konditionen bieten. Diese Entwicklung deckt sich mit einem allgemeinen Trend im Gesundheitswesen: Regionen mit strukturell schwächerer Versorgungslage kompensieren die geringere Attraktivität zunehmend über das Gehalt.

Stadt oder Land: der überraschendere Unterschied

Noch deutlicher als zwischen Himmelsrichtungen fällt der Unterschied zwischen Stadt und Land aus. Laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 verdienen angestellte Zahnärzt:innen in ländlichen Regionen im Schnitt rund 622 Euro mehr im Monat als in Großstädten, umgerechnet über 7.400 Euro im Jahr. Als Grund werden vor allem unterschiedliche Vergütungsmodelle genannt: Auf dem Land konkurrieren Praxen stärker um raren Nachwuchs und bieten häufiger großzügige Umsatzbeteiligungen an, um überhaupt Bewerber:innen zu finden. Eine ältere, aber vielzitierte apoBank-Erhebung zeigt eine ähnliche Tendenz mit noch größerer Spannweite: Dort lag das Bruttogehalt angestellter Zahnärzt:innen in ländlichen Gebieten bei rund 82.000 Euro im Jahr, in Großstädten dagegen nur bei rund 68.000 Euro, ein Unterschied von rund 14.000 Euro.

Was das für die Berufswahl bedeutet

Wer nach dem Studium vor der Frage steht, wo er oder sie arbeiten möchte, sollte diese Zahlen nicht überbewerten, aber auch nicht ignorieren. Die reine Gehaltsdifferenz zwischen den Himmelsrichtungen ist überschaubar; der Unterschied zwischen Stadt und Land dagegen ist real und lässt sich auch inhaltlich erklären: wer bereit ist, aufs Land zu gehen, wird von Praxen oft aktiv umworben. Mehr zur Frage, ob sich das lohnt, findest Du im Artikel Landzahnarzt: Chance oder Sackgasse?

Regionale Unterschiede bei der eigenen Praxis

Für niedergelassene Zahnärzt:innen liegen die regionalen Unterschiede nicht primär im Gehalt, sondern in den Rahmenbedingungen: In Ballungsräumen ist die Konkurrenz durch mehr Praxen pro Einwohner oft größer, während in ländlichen Regionen häufig ein größeres Patientenpotenzial auf eine einzelne Praxis entfällt. Gleichzeitig unterscheiden sich Mietkosten, Grundstückspreise und das Lohnniveau für Praxispersonal deutlich zwischen den Regionen, all das beeinflusst am Ende den Reinertrag, auch wenn dazu keine bundesweit einheitliche, nach Bundesland aufgeschlüsselte amtliche Statistik vorliegt. Wer sich niederlassen möchte, findet die grundsätzliche Einnahmen-Ausgaben-Reinertrag-Rechnung im Artikel Eigene Praxis: Was bleibt wirklich übrig?

Warum Umsatzbeteiligung der eigentliche Regionalfaktor ist

Hinter den regionalen Unterschieden steckt seltener ein grundsätzlich anderes Grundgehalt als vielmehr ein unterschiedlicher Umgang mit Umsatzbeteiligungen. In Regionen mit stärkerer Konkurrenz um Fachpersonal (ob im ländlichen Raum oder in den östlichen Bundesländern) setzen Praxen häufiger auf großzügigere Beteiligungsmodelle, um sich im Wettbewerb um gute Bewerber:innen zu behaupten. In stark nachgefragten Großstadtlagen dagegen, wo sich mehr Bewerber:innen auf offene Stellen melden, haben Praxen weniger Anlass, über das übliche Maß hinauszugehen. Wer eine Stelle sucht, sollte deshalb weniger nach dem reinen Grundgehalt fragen als nach dem gesamten Vergütungsmodell: Details dazu findest Du im Artikel Gehalt als angestellter Zahnarzt.

Regionale Unterschiede und die Wahl der Fachrichtung

Die genannten Regionalunterschiede gelten für den Durchschnitt aller angestellten Zahnärzt:innen. Wer sich zusätzlich spezialisiert, etwa auf Kieferorthopädie oder Oralchirurgie, verschiebt sein Gehaltsniveau ohnehin so deutlich nach oben, dass die Region zur Nebensache wird: Der Abstand zwischen einem Fachzahnarzt in Süddeutschland und einem in Westdeutschland dürfte anteilig ähnlich ausfallen wie beim Durchschnitt, absolut aber deutlich größer sein. Wer die Standortfrage strategisch angehen will, sollte deshalb Fachrichtung und Region zusammen denken, statt nur einen der beiden Faktoren zu betrachten.

Fazit – Stadt-Land-Unterschied schlägt Ost-West-Gefälle

Wer beim Zahnarztgehalt ein klassisches Ost-West-Gefälle erwartet, wird von den aktuellen Zahlen überrascht: Die östlichen Bundesländer liegen bei angestellten Zahnärzt:innen inzwischen vor dem Westen, wenn auch knapp hinter dem Süden. Weit deutlicher schlägt der Unterschied zwischen Stadt und Land zu Buche, und der spricht, entgegen mancher Erwartung, für den ländlichen Raum. Wer beim Berufseinstieg auch aufs Gehalt schaut, sollte deshalb weniger auf die Himmelsrichtung achten als auf die Frage, ob eine Praxis in einer stark umworbenen Region liegt.

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