Zahnarztberuf & Karrierewege

Spezialisieren oder Generalist bleiben? Die Wege nach dem Examen

RedaktionVon Redaktion6 Min. Lesezeit
Junge Zahnärztin prüft verschiedene Wege der Spezialisierung – Spezialisieren oder Generalist bleiben? Die Wege nach dem Examen

Nach dem Examen kannst Du Generalist bleiben oder Dich auf vier Wegen spezialisieren: mit einer Fachzahnarzt-Weiterbildung, dem MKG-Doppelstudium, einem Master oder einem Curriculum mit Tätigkeitsschwerpunkt. Nur die ersten beiden enden in einem geschützten Titel. Generalist ist der Regelfall. Die Fachzahnärzte für Kieferorthopädie (3.825) und Oralchirurgie (3.910) machen zusammen rechnerisch gut ein Zehntel der 73.511 zahnärztlich aktiven Zahnärztinnen und Zahnärzte aus (BZÄK, Stichtag 31.12.2024).

Fachzahnarzt MKG-Doppelstudium Master (M.Sc.) Curriculum und Tätigkeitsschwerpunkt
Dauer 3 Jahre fachspezifisch, meist plus allgemeinzahnärztliches Jahr (Nordrhein: 3 Jahre) 6 + 3,5 + 5 = 14,5 Jahre 2 bis 2,5 Jahre berufsbegleitend Curriculum rund 1,5 Jahre berufsbegleitend
Kosten Gebühren der Kammer für die Prüfung; Beträge nicht erhoben zweites Studium, Studienplatz in beiden Fächern rund 26.500 bis 36.000 Euro je nach Programm (Stand Oktober 2026) Implantologie 7.455 bis 8.295 Euro netto, Endodontie 7.850 Euro, Parodontologie 6.136 bis 6.721 Euro
Geschützter Titel ja, Fachzahnarzt ja, Facharzt (ärztlich) nein, akademischer Grad nein
Zugang Approbation, ermächtigter Weiterbilder Humanmedizin und Zahnmedizin Approbation, teils Berufserfahrung Approbation, später Anzeige des Schwerpunkts bei der Kammer
Einkommen währenddessen angemessen vergütetes Arbeitsverhältnis, Beträge nicht veröffentlicht Studium, danach Weiterbildung im Krankenhaus nach Tarif Du arbeitest weiter Du arbeitest weiter
Mehr Fachzahnarzt werden MKG-Chirurg werden Masterstudiengänge Curricula

Generalist bleiben

Als Generalist in einer eigenen oder angestellten Praxis arbeitet die große Mehrheit der Zahnärztinnen und Zahnärzte, wie die Zahl der Fachzahnärzte zeigt. Von der Füllungstherapie über die Prophylaxe bis zu einfachen chirurgischen Eingriffen deckt die Ausbildung das Praxisspektrum ab. Den klassischen Karriereweg – von der Assistenzzeit bis zur eigenen Praxis – beschreibt ein eigener Artikel.

Weg 1: Der Fachzahnarzt-Titel

Für die Fachzahnarzt-Weiterbildung brauchst Du die Approbation; vorher darf sie nicht beginnen (§ 1 Abs. 2 der Weiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Niedersachsen, WBO vom 18.06.2026). Die meisten Kammern verlangen außerdem ein allgemeinzahnärztliches Jahr, Nordrhein nicht. Bundesweit verbreitet sind Kieferorthopädie, Oralchirurgie und öffentliches Gesundheitswesen; regional kommen Parodontologie (Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz seit Februar 2024) und Allgemeine Zahnheilkunde (Brandenburg) dazu. Die Stellen sind an Ermächtigungen gebunden, eine Platzzahl veröffentlicht keine Kammer. Alle Details, Kammertabellen und Titel stehen in Fachzahnarzt werden.

Weg 2: Das Doppelstudium zum MKG-Chirurgen

Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist ein ärztlicher Facharzt – Du brauchst Humanmedizin und Zahnmedizin und danach eine fünfjährige Weiterbildung, zusammen 14,5 Jahre. Im Krankenhaus gilt für angestellte MKG-Chirurgen der Tarifvertrag der Ärzte; Zahlen stehen in Gehalt als MKG-Chirurg. Wie Zulassung und Anrechnung funktionieren, erklärt MKG-Chirurg werden.

Weg 3: Master als flexiblere Alternative

Masterprogramme gibt es in Implantologie, Endodontologie, ästhetischer Zahnmedizin und Parodontologie, meist berufsbegleitend. Der Master (meist M.Sc.) ist ein akademischer Grad, kein Fachzahnarzt-Titel. Beispiele (Stand Oktober 2026) sind der Master ästhetische Zahnmedizin in Greifswald mit 2,5 Jahren und 26.500 Euro, der Mainzer Master mit vier Semestern und 29.200 Euro und der DG-PARO-Master mit fünf Semestern und 33.100 Euro. Alle Programme vergleicht Masterstudiengänge für Zahnärzte im Überblick.

Weg 4: Curriculum und Tätigkeitsschwerpunkt

Die schlankste Form ist ein Curriculum einer Fachgesellschaft wie DGI, DGET oder DG PARO mit der APW, etwa das DGI/APW-Curriculum Implantologie (rund 1,5 Jahre). Danach kannst Du einen Tätigkeitsschwerpunkt anzeigen, sofern Deine Kammer die Voraussetzungen als erfüllt ansieht. Was Du dabei auf Praxisschild und Website schreiben darfst, steht in Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt im Vergleich.

Entscheidungshilfe

Du musst Dich nicht direkt nach dem Examen festlegen. Viele sammeln erst Erfahrung als Generalist, etwa in der Assistenzzeit, und merken dort, welches Gebiet sie reizt. Prüfe vier Dinge:

  1. Zeit: Hast Du drei bis vier Jahre in einer Weiterbildungsstelle (Fachzahnarzt), 14,5 Jahre (MKG) oder nur Abende und Wochenenden (Master, Curriculum)?
  2. Geld: Curricula kosten laut Tabelle rund 6.100 bis 8.300 Euro, Master 26.500 bis 36.000 Euro; in der Weiterbildung bekommst Du ein Gehalt, während des MKG-Studiums nicht.
  3. Fachinteresse: Willst Du operieren, Behandlungen über Jahre begleiten, Prävention planen oder ein Teilgebiet wie Implantologie oder Parodontologie vertiefen?
  4. Arbeitsort: Fachzahnarzt-Stellen gibt es nur bei ermächtigten Weiterbildern; für Parodontologie nur in Westfalen-Lippe und Rheinland-Pfalz.

Drei Beispielrechnungen mit angenommenen Zeiten: Wer 2027 approbiert wird und in Niedersachsen Kieferorthopädie wählt, braucht ein allgemeinzahnärztliches Jahr und drei fachspezifische Jahre, ist also frühestens 2031 fertig. Ein DGI/APW-Curriculum Implantologie neben der Assistenzzeit dauert rund anderthalb Jahre. Das MKG-Doppelstudium kommt bei Humanmedizin zuerst auf 14,5 Jahre (6 + 3,5 + 5).

Was verdient man mit Spezialisierung?

Nach Angaben des Mitherausgebers Deutscher Zahnarzt Service (Dentale Gehaltsstudie 2025) liegt das Median-Bruttogehalt angestellter Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden bei 10.128 Euro im Monat, bei Oralchirurginnen und Oralchirurgen bei 9.306 Euro (40 Wochenstunden). Der Median aller angestellten Zahnärzte beträgt 6.944 Euro. Die Herausgeber melden außerdem, ein Curriculum bringe im Schnitt 503 Euro, ein Master 610 Euro mehr – eine Zeiteinheit nennt die Meldung dazu nicht. Das sind Angaben aus einer Umfrage von Dentalunternehmen. Die Hub-Tabelle steht in Was verdient ein Zahnarzt?

Quellen

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