Zahnärztliche Schlafmediziner fertigen Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) an und betreuen sie, wenn Ärzte eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) diagnostiziert haben und eine Überdrucktherapie mit CPAP-Maske nicht erfolgreich durchführbar ist. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt die UPS seit 1. Januar 2022 über eigene BEMA-Positionen. Einen Fachzahnarzt-Titel gibt es dafür nicht (Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt).
Seit wann und unter welchen Voraussetzungen zahlt die Kasse?
| Datum | Schritt | Quelle |
|---|---|---|
| 20.11.2020 | G-BA nimmt die UPS bei behandlungsbedürftiger OSA, wenn eine Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchgeführt werden kann, in die Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung auf (Anlage I Nr. 36); in Kraft seit 24.02.2021 | G-BA |
| 06.05.2021 | Beschluss zur zahnärztlichen Seite in der Behandlungsrichtlinie; in Kraft seit 30.07.2021 | G-BA, KZV Westfalen-Lippe |
| 15.11.2021 | Bewertungsausschuss beschließt die BEMA-Positionen UP1 bis UP6; sie gelten ab 01.01.2022 | KZV Westfalen-Lippe, BEMA 2026 |
Die Schiene muss zahntechnisch individuell angefertigt, zweiteilig, bimaxillär verankert und mindestens in Millimeterschritten nachjustierbar sein – so fordern es Behandlungsrichtlinie und BEMA. Nötig sind eine vertragsärztliche Indikation und Veranlassung durch einen Arzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin oder der Qualifikation nach § 6 Abs. 2 der Qualitätssicherungsvereinbarung zu schlafbezogenen Atmungsstörungen; ohne sie lässt sich die UPS nicht abrechnen (BEMA UP1). Als zahnmedizinische Voraussetzungen gelten ausreichende Mundöffnung und aktive Protrusion, Verankerungsmöglichkeit und keine entgegenstehende Kiefergelenkstörung.
Wie läuft die Behandlung ab?
- Ärztliche Diagnostik (Polygraphie, bei Bedarf Polysomnographie) und Verordnung durch den Arzt.
- Zahnärztliche Untersuchung und Beratung mit Prüfung der zahnmedizinischen Voraussetzungen (BEMA UP1, 27 Punkte).
- Abformung, analog oder digital, und dreidimensionale Registrierung der Startprotrusion (UP2, 49 Punkte).
- Anfertigung im Labor und Eingliedern; die Startposition liegt regelhaft bei mindestens 50 Prozent der maximalen aktiven Protrusion (UP3, 223 Punkte).
- In der Titration stellt der Zahnarzt die Protrusion in Abstimmung mit dem Arzt in Schritten nach (UP4, 10 Punkte). Die Nachjustierung übernimmt der Zahnarzt, weil er Nebenwirkungen erkennen muss.
- Der Schlafmediziner prüft nach der Titration, ob die Schiene wirkt. Wirkt sie nicht, entscheidet der Arzt über eine andere Therapie.
- Beim Recall empfiehlt die S1-Leitlinie die erste zahnärztliche Kontrolle nach sechs Monaten, danach jährlich; die Intervalle richten sich nach dem Risikoprofil (Kontrollbehandlung UP5, 8 bis 35 Punkte).
Zu den Nebenwirkungen zählen Schmerzen in Kiefermuskeln und Kiefergelenken sowie Veränderungen der Zahnstellung und Okklusion; die Leitlinie verlangt, sie vor Beginn und im Verlauf zu besprechen, und empfiehlt Kiefergymnastik. Stand der Leitlinie: November 2021 (AWMF 083-045, Version 1.0), laut Dokument gültig bis November 2026.
Wie wird man zahnärztlicher Schlafmediziner?
Die Qualifikation besteht aus dem APW/DGZS-Curriculum und der Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin (DGZS); beides sind Verbandsangebote, kein Kammertitel.
| Baustein | Umfang | Kosten (Stand Oktober 2026) |
|---|---|---|
| APW/DGZS-Curriculum Zahnärztliche Schlafmedizin | 3 Module mit 6 Kurstagen: Grundlagen und UPS-Einführung, Anwendung und praktische Übungen, chirurgische und kieferorthopädische Aspekte sowie Umsetzung in Praxis und Netzwerk | Modul 1: 710 Euro, Modul 2: 1.040 Euro, Modul 3: 830 Euro (Nichtmitglieder), zusammen 2.580 Euro; für DGZS- und APW-Mitglieder 660, 990 und 780 Euro, zusammen 2.430 Euro (Summen eigene Addition) |
| DGZS-Zertifizierung | Nachweis des Curriculums, Polygraphie-Kurs nach G-BA, Hospitation in einer gelisteten Praxis, drei vollständig dokumentierte Behandlungsfälle, DGZS-Mitgliedschaft; Prüfung mit 85 Multiple-Choice-Fragen (50 zahnärztlich, 35 ärztlich) und kollegialem Fachgespräch | Zertifizierungsgebühr 950 Euro (Antragsformular 2025); nächster Prüfungstermin laut DGZS 19. Februar 2027 in Hannover |
| Rezertifizierung | alle zwei Jahre durch Fortbildung auf dem Gebiet der Schlafmedizin und DGZS-Mitgliedschaft | 50 Euro Gebühr |
Weitere Curricula zeigt Curricula: Strukturierte Fortbildung.
Wo arbeiten zahnärztliche Schlafmediziner, und was verdienen sie?
Die Schienentherapie läuft in der Regel in einer regulären Zahnarztpraxis, abgestimmt mit Ärzten für Schlafmedizin. Eine eigene Gehaltsstatistik gibt es nicht. Als Orientierung dient der Median angestellter Zahnärzte von 6.944 Euro brutto im Monat (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Die BEMA-Punktzahlen aus dem Ablauf (UP1 bis UP6) zeigen, was die Kasse vergütet; wie viel davon in der Praxis bleibt, hängt vom Punktwert der jeweiligen KZV und von den Laborkosten ab. Ebenfalls mit Schienen arbeitet der CMD-Spezialist – dort geht es um Kiefer- und Muskelschmerzen.
Für wen passt das Fach?
Die UPS ist Kassenleistung für Patienten, bei denen die Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchführbar ist, und sie setzt die ärztliche Diagnostik voraus. Das Fach passt zu Dir, wenn Du gern mit Ärzten abstimmst und bereit bist, rund 2.430 bis 2.580 Euro für das Curriculum plus 950 Euro für die Zertifizierung zu investieren.
Quellen
- G-BA: Methodenbewertung Unterkieferprotrusionsschiene (Verfahren 179): Beschluss vom 20.11.2020, Inkrafttreten 24.02.2021, Beschluss zur Behandlungsrichtlinie vom 06.05.2021
- G-BA: Zusammenfassende Dokumentation zum Beschluss vom 20.11.2020 (PDF): Fazit: Nutzen anerkannt für behandlungsbedürftige obstruktive Schlafapnoe, wenn eine Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchgeführt werden kann
- G-BA: Behandlungsrichtlinie (Fassung 16.12.2021, in Kraft 09.03.2022): Abschnitt VI.3, Anforderungen an die Schiene, Voraussetzungen, Einstellung ab 50 Prozent der aktiven Protrusion
- KZBV: BEMA, Stand 01.01.2026: Positionen UP1 bis UP6 mit Bewertungszahlen und Veranlassung durch Vertragsarzt
- KZV Westfalen-Lippe: Unterkieferprotrusionsschiene, neue BEMA-Leistungen: Inkrafttreten der BEMA-Positionen am 1. Januar 2022, Behandlungsrichtlinie in Kraft seit 30. Juli 2021
- AWMF-Register: S1-Leitlinie 083-045, Die Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) in der zahnärztlichen Schlafmedizin beim Erwachsenen (Langfassung, Stand November 2021): Titration, Recall nach sechs Monaten und danach jährlich, Nebenwirkungen
- APW: Curriculum Zahnärztliche Schlafmedizin: Module, Kurstage, Kursgebühren, Prüfungsaufbau; dort verlinkt der DGZS-Antrag auf Zertifizierung 2025 (Voraussetzungen, Gebühr 950 Euro)
- DGZS: Mitgliedschaft und Zertifizierung: Zertifizierung, Prüfungstermin 19.02.2027, Rezertifizierungsgebühr 50 Euro

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