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ZApprO Zahnmedizin: Was sich gegenüber 1955 geändert hat

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit
Nahaufnahme zweier sich überlagernder Regelwerk-Dokumente – Die neue ZApprO: Was hat sich geändert?

Die Approbationsordnung für Zahnärzte und Zahnärztinnen (ZApprO) vom 8. Juli 2019 (BGBl. I S. 933) ist am 1. Oktober 2020 in Kraft getreten und gilt für Studienbeginn ab Wintersemester 2021/22. Sie hat die Approbationsordnung für Zahnärzte vom 26. Januar 1955 (BGBl. I S. 37) abgelöst. Statt zwei Vorprüfungen und einer Abschlussprüfung gibt es seitdem drei Abschnitte der Zahnärztlichen Prüfung (Z1 bis Z3), dazu eine Pflichtfamulatur und fächerübergreifenden Unterricht. Die Regelstudienzeit ist gleich geblieben – zehn Fachsemester plus Prüfungszeit, zusammen fünf Jahre und sechs Monate oder elf Semester.

Für wen gilt was?

Maßgeblich ist der Studienbeginn:

  • Studienbeginn vor dem 1. Oktober 2021 (auch Sommersemester 2021): Das Studium läuft nach der Approbationsordnung von 1955 in der am 30. September 2020 geltenden Fassung weiter (§ 133 Abs. 1 ZApprO), vorbehaltlich der Ausnahmen in § 134.
  • Studienbeginn ab 1. Oktober 2021 (Wintersemester 2021/22): ZApprO.
  • Wer bis zum 10. Februar 2025 nicht zur zahnärztlichen Vorprüfung zugelassen war, führt das Studium nach der ZApprO fort (§ 134 Abs. 1 und 2).
  • Wer die zahnärztliche Vorprüfung bestanden hat und bis zum 30. März 2028 nicht zur zahnärztlichen Prüfung zugelassen ist, ebenfalls (§ 134 Abs. 3).

Wie die Ausnahmen im Einzelnen aussehen, steht im Artikel ZApprO-Übergangsregeln: Welche Ordnung gilt für Dich?.

Alte Ordnung und ZApprO im Vergleich

Merkmal Approbationsordnung 1955 ZApprO
Regelstudienzeit zehn Semester und sechs Monate einschließlich der Prüfungszeit der Abschlussprüfung (§ 2) fünf Jahre und sechs Monate, also elf Semester (§ 2 Abs. 3)
Gliederung zehn Semester Studium, je fünf vorklinisch und klinisch (§ 2) 5.000 Stunden in fünf Jahren, Module mit ECTS-Punkten, fächerübergreifender Unterricht und Querschnittsbereiche (§§ 2, 3)
Erste Prüfungen naturwissenschaftliche Vorprüfung (Physik, Chemie, Zoologie oder Biologie; frühestens nach zwei Semestern) und zahnärztliche Vorprüfung (Anatomie, Physiologie, Physiologische Chemie, Zahnersatzkunde; frühestens nach fünf Semestern) Z1: mündlich, drei Fächergruppen und das Fach Zahnmedizinische Propädeutik, frühestens am Ende des 4. Fachsemesters (§§ 28, 32)
Weitere Prüfungen zahnärztliche Prüfung (Abschlussprüfung) mit elf Abschnitten, in der Regel innerhalb von acht Wochen, frühestens fünf Semester nach der zahnärztlichen Vorprüfung (§§ 33, 35, 40) Z2 frühestens zwei Fachsemester nach Z1, Z3 frühestens vier Fachsemester nach Z2 (§§ 42, 58)
Wiederholung eine Wiederholungsprüfung; danach keine Zulassung mehr, auch nicht nach erneutem Studium (§§ 22, 30, 54) zwei Wiederholungen je Fach oder Fächergruppe (§§ 38, 54, 78)
Famulatur, Pflegedienst, Erste Hilfe im Abdruck der Verordnung nicht enthalten Pflicht: Famulatur vier Wochen, Pflegedienst ein Monat, Nachweis über Erste Hilfe (§§ 13 bis 15)
Zuständige Stelle Prüfungsausschuss je Universität, von der Landesbehörde bestellt (§ 4) die nach Landesrecht zuständige Stelle des Landes (§ 18)

Die Angaben zur alten Ordnung stammen aus dem Abdruck der Verordnung (Stand 2004) auf den Seiten der Universität Marburg. Die Regelstudienzeit hat sich damit nicht verändert; geändert haben sich die Prüfungsabschnitte, die Wiederholungsregeln und die Pflichtbausteine neben dem Studium. Den kompletten Ablauf mit Semestertabelle beschreibt Aufbau des Zahnmedizinstudiums.

Warum die Ordnung von 1955 reformiert wurde

Der Wissenschaftsrat forderte am 31. Januar 2005 in seinen Empfehlungen zur universitären Zahnmedizin dringend die Novellierung der Approbationsordnung von 1955 (berichtet von den Zahnärztlichen Mitteilungen im Februar 2005). Das Bundeskabinett machte im August 2017 den Weg für den Verordnungsentwurf frei. Der Bundesrat stimmte der Verordnung am 7. Juni 2019 zu, das Kabinett nahm die Fassung am 3. Juli 2019 zur Kenntnis, ausgefertigt wurde sie am 8. Juli 2019.

Theorie und Klinik verzahnt

§ 3 ZApprO verlangt fächerübergreifenden Unterricht und Querschnittsbereiche und will theoretisches und klinisches Wissen während der gesamten Ausbildung verknüpfen. Praktische Kurse wie der Kurs der technischen Propädeutik liegen deshalb näher an der theoretischen Lehre. Eine feste Grenze gibt es dennoch – Phantomkurse sind erst nach bestandenem Z1 möglich, die Behandlungskurse am Patienten erst nach bestandenem Z2 (§ 5 Abs. 3).

Neue Inhalte

Die ZApprO nennt Querschnittsbereiche ausdrücklich, darunter Notfallmedizin, Schmerzmedizin, Medizin und Zahnmedizin des Alterns und des alten Menschen sowie Wissenschaftliches Arbeiten mit Biometrie und evidenzbasierter Medizin (§ 72 Abs. 1, Anlage 4). Im Dritten Abschnitt sollen auch die Besonderheiten spezieller Patientengruppen geprüft werden: junge Menschen, alte Menschen, versehrte Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit relevanten seltenen Erkrankungen (§ 62 Abs. 2). Die Fächerliste des schriftlichen Teils steht im Artikel zum IMPP-Gegenstandskatalog, den Ablauf beschreibt Das Staatsexamen.

Neu: die Pflichtfamulatur

Die Famulatur dauert vier Wochen, ist ganztägig abzuleisten, mindestens zwei Wochen davon bei demselben Zahnarzt oder derselben Zahnärztin, und beginnt frühestens nach bestandenem Z1 (§ 15). Im Abdruck der Verordnung von 1955 kommt sie nicht vor. Fristen und Einsatzorte stehen im Artikel zur Famulatur.

Was sich seit 2021 geändert hat

Die ZApprO wurde zum 1. Dezember 2024 durch die Verordnung vom 21. November 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 360) geändert. Der Erste Abschnitt wird seitdem in drei Fächergruppen und dem Fach Zahnmedizinische Propädeutik geprüft statt in einzelnen Fächern; ein Prüfungsgespräch dauert 20 bis 30 statt zuvor 30 bis 45 Minuten (§ 32). Für Wiederholungsprüfungen nach der alten Fassung gilt die Übergangsregel in § 135.

Der schriftliche Teil des Z3 findet im Juni und im November an einem bundeseinheitlichen Termin statt (§ 60 Abs. 2). Das IMPP nennt für den Dritten Abschnitt die Termine 3. November 2026, 15. Juni 2027 und 9. November 2027 (Stand: Oktober 2026); was sich damit für Dich ändert, steht im Artikel zum schriftlichen Z3-Teil.

Quellen

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