Digitale Verfahren wie Intraoralscan, CAD/CAM und 3D-Druck sind im Studium angekommen, aber nicht überall gleich weit. Tübingen nennt die frühe Integration digitaler Technologien ausdrücklich als Besonderheit seines Curriculums. Aachen gab im Phantomkurs jedem Studierenden einen eigenen Scanner (Stand 2021). Halle richtete 2025 einen Phantomsaal mit 24 Plätzen und mobilen Scannern ein. In den Praxen ist die Technik noch nicht Standard – nach einer Umfrage von 2023 hatten 27 Prozent einen Intraoralscanner.
Was digital heißt
Ein Intraoralscanner erfasst die Zahnoberfläche direkt im Mund. Per CAD-Software (Computer Aided Design) wird daraus eine Restauration konstruiert, CAM (Computer Aided Manufacturing) fräst oder druckt sie. Die ZApprO lässt das zu. Vorlesungen dürfen digital stattfinden (§ 6 Abs. 1), praktische Übungen können durch digitale Lehrformate begleitet werden (§ 7 Abs. 2), und der schriftliche Z3 kann rechnergestützt laufen (§ 72 Abs. 2). Die analogen Grundfertigkeiten stehen im TPK, im Phantomkurs und in der Werkstoffkunde.
Digitale Lehre je Standort
| Uni | Digitale Ausstattung und Inhalte | Semester | Quelle und Stand |
|---|---|---|---|
| Tübingen | Dentale Technologie: Einführung in digitale Prozessketten, CAD am PC; Prothetik am Phantom: Intra- und Extraoralscans, analoge und digitale Abformung am Phantom, CAD/CAM-Zahnersatz, CAD-Training am PC | 4. und 5. Fachsemester | Studiengangleitfaden, Stand März 2023 |
| Frankfurt | Vorlesung Dentale Technologie: Abformungen auch digital, CAD-CAM-Techniken, Digitalisierung; 2013 Pilotphase von prepCheck, einem mit Sirona entwickelten Analysetool für Präparationen | 4. Fachsemester (Winterstart), 1. (Sommerstart) | Veranstaltungsinfo, Stand 28.03.2022; Beitrag in dentalfresh 3/2013 |
| Marburg | Kieferorthopädische Propädeutik: Modellwerkstoffe digital und analog | 6. Semester | Studienordnung 2023 |
| Aachen | Curriculum „Digitale Praxis“: eigener Scanner je Studierendem, CAD/CAM-PMMA-Krone und -Brücke im Phantomkurs, gegenseitiges Scannen zu Beginn des 7. Semesters geplant | Phantomkurse, 7. und 9. Semester | zm 03/2021, Beitrag der Klinik; aktueller Stand nicht geprüft |
| Halle | Phantomsimulationssaal mit 24 Plätzen, drei mobile Intraoralscanner, Fräszentrum für Kronen, Brücken und Aufbissschienen; Investition rund 700.000 Euro | vorklinischer Prothetikkurs | zm-online, 01.09.2025 |
Eine Bonner Studie (2021, 97 Studierende) fand zwischen Lehrendenfeedback und digitalen Systemen (darunter PrepCheck) keinen signifikanten Unterschied in den Ergebnissen, die Studierenden bevorzugten aber das Feedback der Lehrenden. Die Autoren sehen digitale Systeme vor allem für das freie Üben und halten eine Kombination für notwendig. Zu prepCheck gibt es hier nur den Beitrag einer Studierenden von 2013, daher gilt er als Beispiel, nicht als Beleg für heutige Standards.
Digitale Technik in den Praxen
Prothetik-Arbeitsgruppen der Unis Gießen und Kiel werteten 1.005 Fragebögen von Zahnarztpraxen aus (Erhebung 2023, berichtet von zm-online am 05.11.2025). 27 Prozent nutzten einen Intraoralscanner, 15 Prozent eine CAD/CAM-Fräse, 5 Prozent einen 3D-Drucker. Zum Vergleich: 80 Prozent der Röntgenaufnahmen entstehen digital. Experten schätzen den Scanner-Anteil inzwischen auf etwa ein Drittel. Wie viel Digitalkompetenz Du im Beruf brauchst, hängt auch von der Praxis ab – mehr dazu in Assistenzzeit und Prothetik.
Fünf Fragen an Fachschaft und Fakultät
- Gibt es Intraoralscanner für Studierende, und ab welchem Semester?
- Ist der Umgang mit Scannern und CAD/CAM Pflichtanteil oder Wahlfach?
- Haben Studierende Zugang zu 3D-Druck und Fräsen?
- Wird digital geprüft, etwa mit rechnergestützten Klausuren?
- Welche Geräte nutzt die Fakultät nach eigener Angabe, und wer hat sie bezahlt?
Welche analogen Instrumente Du trotzdem brauchst, steht in der Instrumentenkiste. Wie Universitäten KI in der Diagnostik einsetzen, zeigt der Artikel zur KI in der Kariesdiagnostik-Lehre, ob solche Systeme den Beruf verändern, der Artikel Ersetzt die KI den Zahnarzt?.
Quellen
- § 6 ZApprO und § 7 ZApprO: digitale Vorlesungen und digitale Lehrformate in praktischen Übungen
- § 72 ZApprO: schriftlicher Z3 kann rechnergestützt durchgeführt werden (Abs. 2)
- Uni Tübingen, Studiengangleitfaden Zahnmedizin Staatsexamen (Stand März 2023) (PDF): Besonderheit „Frühe Integration digitaler Technologien“, Lehr-Lern-Einheiten Dentale Technologie und Prothetik am Phantom
- Uni Frankfurt, Veranstaltungsinfo Zahnärztliche Propädeutik (Dentale Technologien) (PDF, Stand 28.03.2022): Themenübersicht mit digitaler Abformung und CAD-CAM
- Uni Marburg, Studienordnung Zahnmedizin (Amtliche Mitteilungen 79/2023) (PDF): Modul Kieferorthopädische Propädeutik, Modellwerkstoffkunde digital und analog
- zm-online 03/2021: Digitalisierung in der Lehre an der RWTH Aachen: Fachbeitrag der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien, Curriculum „Digitale Praxis“, Stand 2021
- zm-online, 01.09.2025: Neuer Phantomsimulationssaal an der MLU eingerichtet: 24 Plätze, drei mobile Intraoralscanner, rund 700.000 Euro
- zm-online, 05.11.2025: Studie, wie digital ist die Zahnmedizin in Deutschland: Umfrage Gießen/Kiel 2023, 1.005 Fragebögen, Geräteanteile
- dentalfresh 3/2013: Selbstkontrolle von Präparationen (prepCheck, Goethe-Universität Frankfurt) (PDF): Beitrag einer Frankfurter Studierenden, Analysetool mit Sirona entwickelt
- Stoilov et al., Comparison of Digital Self-Assessment Systems and Faculty Feedback for Tooth Preparation in a Preclinical Simulation (Int J Environ Res Public Health 2021; 18(24):13218): 97 Studierende, kein signifikanter Unterschied, Kombination mit Lehrendenfeedback notwendig

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