Werkstoffkunde im Zahnmedizinstudium läuft in zwei Strängen. In der Vorklinik und im Phantomjahr lernst Du Materialien in den Praktika kennen und verarbeiten. Dazu kommt der Querschnittsbereich Klinische Werkstoffkunde (Anlage 4 Nr. 10 ZApprO), den Du zum Z3-Antrag nachweisen musst und der im schriftlichen Z3 geprüft wird (§ 72 Abs. 1). Werkstoffkundliche Grundlagen sind außerdem Prüfungsgegenstand im Z2 (§ 46 Abs. 1 Nr. 1).
Wo Werkstoffkunde im Studienplan steht
| Uni | Vorlesung und Praktika vor Z2 | Klinische Werkstoffkunde (Vorlesung, QB) |
|---|---|---|
| LMU München | Werkstoffkunde I im 2. Semester (Vorlesung 2,5 SWS), Werkstoffkunde II im 3. Semester | 8. Semester, 2 SWS |
| Marburg | Werkstoffe in den Praktika der Dentalen Technologie und der Zahnerhaltung am Phantom, kein eigenes Fach | 7. Semester, 2 SWS, Klausur |
| Tübingen | Werkstoffe in den Praktika der Propädeutik | Teil 1 im 4. Fachsemester (Grundlagen), Teil 2 im 7. Fachsemester (Vertiefung) |
| Rostock | im Studienplan kein eigenes Fach | 5. Semester, 2 SWS |
| Mainz | im Studienplan kein eigenes Fach | 5. oder 6. Semester, 2 SWS |
| Münster | im Studienplan kein eigenes Fach | 8. Semester, 2 SWS |
| Frankfurt | im Studienplan kein eigenes Fach | 8. Semester, 2 SWS |
Stand: Studienordnungen und der Tübinger Studiengangleitfaden (März 2023) in der jeweils abgerufenen Fassung, Oktober 2026. Tübingen nennt als Inhalte unter anderem Festigkeitslehre, Chemie der Acrylate und der Abformmaterialien, Keramiken sowie Gipse, Wachse und Metalle. „Kein eigenes Fach“ heißt nicht, dass Materialien nicht vorkommen: In Marburg verlangt das Modul Dentale Technologie, Eigenschaften und fachgerechte Anwendung dentaler Werkstoffe wiederzugeben und sie zu verarbeiten. Marburg prüft den QB mit einer Klausur. Die Dentale Technologie steht im TPK-Artikel – die Praktika am Phantom im Artikel zum Phantomkurs.
Materialgruppen
| Gruppe | Beispiele | Wo Du sie im Studium nutzt |
|---|---|---|
| Plastische Füllungsmaterialien | Komposit, Glasionomerzement; Amalgam seit 2025 nur als Ausnahme, siehe Amalgamverbot | Zahnerhaltung am Phantom (Marburg) |
| Indirekte Restaurationen | Keramik, Gold; allgemein Kunststoffe, metallische, keramische und biofunktionalisierte Werkstoffe | Zahnerhaltung am Phantom, Klinische Werkstoffkunde (Marburg) |
| Modell- und Abformwerkstoffe | Gips, Abformmaterialien, Drahtlegierungen, Kunststoffe | kieferorthopädische Propädeutik (Marburg), TPK |
| Wachs und Gips | Wachs, Gips für Zahnmodellationen | TPK (Marburg, Frankfurt: Materialliste) |
Eigenschaften und Zusammensetzung gehören zum Lernstoff, nicht in die Tabelle. Das Marburger Modul zur Klinischen Werkstoffkunde verlangt, Werkstoffe in ihrer Zusammensetzung zu beschreiben und nach klinisch relevanten Parametern einzuordnen. Du sollst ihnen die richtige Indikation zuweisen – und bei Materialunverträglichkeiten das geeignete Material auswählen.
Amalgam und Medizinprodukterecht
Seit dem 1. Januar 2025 darf Dentalamalgam in der EU nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen verwendet werden. Ausnahme: Der Zahnarzt hält es wegen spezifischer medizinischer Erfordernisse des Patienten für zwingend notwendig (Art. 10 Abs. 2a der Verordnung (EU) 2017/852 in der Fassung der Verordnung (EU) 2024/1849). Marburgs Studienordnung von 2023 führt Amalgam im Modul Zahnerhaltung am Phantom noch neben Komposit; wie Deine Uni mit dem Verbot umgeht, steht in der Kursordnung. Dentalwerkstoffe sind Medizinprodukte nach Verordnung (EU) 2017/745 und in der Regel CE-gekennzeichnet. Individuell gefertigter Zahnersatz gilt als Sonderanfertigung, trägt keine CE-Kennzeichnung und braucht eine Konformitätserklärung nach Anhang XIII.
Prüfung und Lernen
Im Z2 sollst Du die „zahnmedizinischen, werkstoffkundlichen und zahntechnischen Grundlagen“ des vorklinischen und klinischen Abschnitts beherrschen (§ 46 Abs. 1 Nr. 1); mehr im Artikel zum Z2. Im Z3 gehört Klinische Werkstoffkunde zu den neun Querschnittsbereichen des schriftlichen Teils (§ 72 Abs. 1); er umfasst 200 Fragen in fünf Stunden (Abs. 4 und 5). Der IMPP-Gegenstandskatalog (Version 1.2.1) ordnet das Fach mehr als 20 Abschnitten zu, etwa den Unverträglichkeiten und Allergien gegen dentale Werkstoffe. Die Z3-Fächerliste steht im Artikel zum Gegenstandskatalog, den schriftlichen Teil beschreibt der Z3-Artikel.
Lernhinweise aus den Lernzielen der Marburger Module:
- Zu jeder Werkstoffgruppe Zusammensetzung, klinisch relevante Parameter, Indikation und Verarbeitung lernen.
- Materialunverträglichkeiten mitlernen, denn sie sind Lernziel und Teil des GK.
- Im Praktikum Werkstoffe selbst verarbeiten; das fachgerechte Verarbeiten dentaler Werkstoffe ist Lernziel des Marburger Moduls Dentale Technologie.
- Digital gefertigte Restaurationen bestehen aus denselben Materialgruppen, siehe Digitale Zahnmedizin im Studium.
Wie Werkstoffkunde in die Fächerfolge passt, zeigt der Artikel zu den wichtigsten Fächern.
Quellen
- Anlage 4 ZApprO: Querschnittsbereich Klinische Werkstoffkunde (Nr. 10), Nachweis zum Z3-Antrag
- § 46 ZApprO: werkstoffkundliche Grundlagen im Z2
- § 72 ZApprO: Klinische Werkstoffkunde im schriftlichen Z3, 200 Fragen, fünf Stunden
- IMPP, Gegenstandskatalog Zahnmedizin V1.2.1 (PDF): Klinische Werkstoffkunde als Querschnittsbereich, Zuordnung zu Lernzielen
- Verordnung (EU) 2024/1849: Verbot der Verwendung von Dentalamalgam ab 1. Januar 2025 (Art. 10 Abs. 2a der Verordnung (EU) 2017/852)
- LMU München, Prüfungs- und Studienordnung Zahnmedizin (PDF): Werkstoffkunde I und II, Klinische Werkstoffkunde im 8. Semester
- Uni Marburg, Studienordnung Zahnmedizin (Amtliche Mitteilungen 79/2023) (PDF): Module Dentale Technologie, Zahnerhaltung am Phantom, Klinische Werkstoffkunde (7. Semester, Klausur)
- Uni Tübingen, Studiengangleitfaden Zahnmedizin Staatsexamen (Stand März 2023) (PDF): QB Werkstoffkunde in zwei Teilen (4. und 7. FS) mit Inhalten
- Uni Rostock, Studienordnung Zahnmedizin, Lesefassung 2023 (PDF): QB Klinische Werkstoffkunde im 5. Semester
- Uni Mainz, Studienordnung Zahnmedizin (PDF): QB Klinische Werkstoffkunde im 5. oder 6. Semester
- Uni Münster, Studienordnung Zahnmedizin (AB Uni 44/2021) (PDF): QB Klinische Werkstoffkunde im 8. Fachsemester
- Uni Frankfurt, Studienordnung Zahnmedizin (PDF): QB Klinische Werkstoffkunde im 8. Semester
- Zahnärztekammer Nordrhein: Informationen zur Medical Device Regulation (MDR): Sonderanfertigungen mit technischer Dokumentation und EU-Konformitätserklärung nach Anhang XIII Abschnitt 1 MDR
- Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG), § 2: Anwendung des Gesetzes auf Produkte im Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2017/745

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