Mit dem Bohrer um die Welt: Hilfseinsätze als Zahnarzt
Für manche Zahnärzt:innen endet der Berufsalltag nicht an der eigenen Praxistür. Ehrenamtliche Hilfseinsätze in unterversorgten Regionen der Welt, meist über den eigenen Jahresurlaub organisiert, sind für einen Teil der Berufsgruppe fester Bestandteil der eigenen Karriere geworden. Wer sich dafür interessiert, sollte allerdings wissen: Einfach mit dem eigenen Koffer voller Instrumente in ein anderes Land zu reisen und dort zu behandeln, ist rechtlich kompliziert und in aller Regel keine gute Idee. Genau deshalb gibt es Organisationen, die diese Einsätze koordinieren.
Zahnärzte ohne Grenzen: von der privaten Stiftung zum Verein
Die bekannteste deutsche Organisation in diesem Bereich ist die Stiftung beziehungsweise heute der Verein Zahnärzte ohne Grenzen, auf Englisch Dentists Without Limits Federation (DWLF). Sie entstand 2004 als private Stiftung, gegründet vom Nürnberger Kieferorthopäden Claus Macher, der nach einem Vortrag über die zahnmedizinische Versorgungslage in Nepal beschloss, aktiv zu werden. 2018 wandelte sich die Organisation in einen eingetragenen Verein um, um den gewachsenen Aufgaben besser gerecht zu werden. Heute stehen hinter DWLF nach eigenen Angaben nur wenige feste Angestellte, aber ein Netzwerk von rund 2.000 Freiwilligen.
Warum das Ganze über eine Organisation läuft
Der wichtigste Grund für die Existenz solcher Organisationen ist bürokratischer und rechtlicher Natur: Wer als approbierte:r Zahnärzt:in im Ausland behandeln will, braucht in aller Regel eine Genehmigung der dortigen Gesundheitsbehörden, oft eingebettet in völkerrechtliche Vereinbarungen zwischen Organisation und Gastland. DWLF handelt diese Rahmenbedingungen zentral über sogenannte Memoranda of Understanding mit den Regierungen und Gesundheitsministerien der Einsatzländer aus, sodass einzelne Zahnärzt:innen diesen Aufwand nicht für jeden Einsatz einzeln stemmen müssen. Auch wichtige Haftungsfragen für den Fall von Komplikationen sind über diesen organisatorischen Rahmen geregelt.
Wie ein Einsatz abläuft
Ein typisches Einsatzteam besteht laut DWLF aus zwei Zahnärzt:innen und zwei Assistenzkräften, die überwiegend während des eigenen Jahresurlaubs teilnehmen und ihren Einsatz selbst planen und finanzieren. Die Organisation stellt dafür mobile Behandlungseinheiten bereit, kümmert sich um Materialtransport und Zollabwicklung und vermittelt vor Ort sogenannte Projektmanager:innen im Gastland, die die praktische Umsetzung koordinieren. Grundlage jedes Einsatzes ist nach eigenen Angaben eine ethische Leitlinie namens SCIMUS-Ethik, die den Rahmen für Planung und Durchführung aller Einsätze vorgibt. DWLF ist derzeit nach eigenen Angaben in rund 15 Ländern aktiv, darunter Nepal, die Mongolei, Indien, Sri Lanka sowie mehrere afrikanische Staaten.
Wer teilnehmen kann
Angesprochen sind laut DWLF in erster Linie approbierte Zahnärzt:innen, Zahntechniker:innen und zahnmedizinische Assistenzkräfte aus Europa, die kostenlose zahnärztliche Grundversorgung für Menschen in unterversorgten Regionen leisten wollen. Ob und in welcher Form auch Studierende etwa im Rahmen einer Hospitation oder eines Praktikums an solchen Einsätzen teilnehmen können, geht aus den öffentlich zugänglichen Informationen der Organisation nicht eindeutig hervor, hier lohnt sich eine direkte Anfrage bei DWLF, bevor Du Erwartungen daran knüpfst.
Was Studierende schon jetzt tun können
Wer sich bereits während des Studiums für internationale Hilfsarbeit interessiert, muss nicht zwangsläufig bis zur Approbation warten, um erste Erfahrungen zu sammeln. Eine gute Vorbereitung sind zahnmedizinische Famulaturen, die sich teils gezielt an Einrichtungen mit Bezug zu unterversorgten Regionen oder internationalen Partnerschaften absolvieren lassen, ebenso wie der frühe Kontakt zu Organisationen wie DWLF über deren offizielle Kanäle, um sich über künftige Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren, sobald die Approbation erreicht ist.
Warum Zahnärzt:innen sich dafür entscheiden
Die Motive für einen Hilfseinsatz sind unterschiedlich: der Wunsch, medizinisches Wissen dort einzusetzen, wo reguläre zahnärztliche Versorgung kaum vorhanden ist, die Erfahrung, unter einfacheren technischen Bedingungen zu arbeiten als in der eigenen, oft hoch ausgestatteten Praxis, oder schlicht das Bedürfnis, den eigenen Berufsalltag um eine Erfahrung zu erweitern, die sich deutlich von der Routine zuhause unterscheidet. Wie sich das mit dem sonstigen Berufsalltag als Zahnarzt vereinbaren lässt, hängt stark von der eigenen beruflichen Situation ab: Angestellte müssen sich den Urlaub mit dem Arbeitgeber abstimmen, Praxisinhaber:innen brauchen eine verlässliche Vertretung während der Abwesenheit.
Kein Ersatz für reguläre Versorgungsstrukturen
So wertvoll einzelne Hilfseinsätze für die betroffenen Regionen sind, sie ersetzen keine dauerhafte zahnmedizinische Versorgungsstruktur vor Ort. Organisationen wie DWLF verstehen sich entsprechend nicht als Ersatz, sondern als punktuelle Ergänzung, mit dem erklärten Ziel, langfristig zu einer ausgeglicheneren Gesundheitsversorgung in den jeweiligen Ländern beizutragen. Für Dich als angehende:r Zahnärzt:in bedeutet ein solcher Einsatz vor allem eines: eine intensive, meist zeitlich begrenzte Erfahrung, die den eigenen Blick auf den Beruf verändern kann, ohne dass daraus zwangsläufig eine dauerhafte Karriereausrichtung werden muss.
Quellen
- Zahnärzte ohne Grenzen (DWLF): Warum DWLF? (dwlf.org)
- Wikipedia: Zahnärzte ohne Grenzen (de.wikipedia.org)

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