Was macht ein...?

Was macht ein Kinderzahnarzt?

RedaktionVon Redaktion7 Min. Lesezeit
Kinderzahnärztin begrüßt ein lachendes Mädchen mit einem Stofflöwen im bunten Behandlungszimmer – Was macht ein Kinderzahnarzt?

Kinderzahnärzte behandeln Säuglinge, Kinder und Jugendliche; im Mittelpunkt stehen Prophylaxe und eine kindgerechte Behandlungsführung. Einen Fachzahnarzt-Titel gibt es dafür nicht (Fachzahnarzt werden). Die Qualifikation läuft über das APW/DGKiZ-Curriculum und die Stufen der Fachgesellschaft; was Du auf dem Praxisschild führen darfst, regelt das Berufsrecht (Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt).

Was zeichnet die Arbeit als Kinderzahnarzt aus?

Der Unterschied zur Praxis mit Erwachsenen liegt in der Behandlungsführung. Kinder brauchen Geduld, altersgerechte Sprache und Techniken, die Angst gar nicht erst entstehen lassen; die Curriculum-Module behandeln dafür Entwicklungspsychologie, Kinderhypnose und Elternmanagement. Lässt sich ein Kind nicht behandeln – etwa weil es sehr jung ist oder eine Behinderung hat –, kommen Sedierung oder Vollnarkose in Betracht. Die Kosten stehen im Abschnitt zur Kasse.

Kinderzahnärzte begleiten außerdem den Zahn- und Kieferwuchs über Jahre. Zeichnen sich Fehlstellungen früh ab, stimmen sie sich mit Kieferorthopäden ab. Ein großer Teil der Aufklärung geht an die Eltern – zu Ernährung, Zähneputzen, Schnuller und Nuckelflasche.

Welche Aufgaben hat ein Kinderzahnarzt?

Aufgabe Inhalt
Kariesprophylaxe Fluoridierung, Ernährungsberatung, Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne nach dem Durchbruch
Milchzahnbehandlung Füllungen, bei tiefer Karies Überkappung, Pulpotomie (Teilentfernung des entzündeten Zahnnervs) oder Pulpektomie sowie konfektionierte Kronen, um den Zahn bis zum Zahnwechsel zu erhalten
Zahnunfälle Sofort- und Folgeversorgung von Frontzahntraumata nach Stürzen
Verhaltensführung Gewöhnung an die Praxissituation, Lokalanästhesie, Sedierung (etwa Lachgas), Zusammenarbeit mit Anästhesisten bei Vollnarkose
Kinder mit Behinderung oder Allgemeinerkrankung angepasste Befunderhebung und Verhaltensführung, Prävention
Wachstumsbegleitung Zahndurchbruch beobachten, Behandlungsbedarf der Kieferorthopädie früh erkennen
Gruppenprophylaxe Untersuchungen und Prävention in Kitas und Schulen, oft mit Zahnärzten des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Die Inhalte der Zeilen zu Milchzahnbehandlung, Verhaltensführung und Behinderung entsprechen den Modulen des DGKiZ-Curriculums. Die Gruppenprophylaxe ist Auftrag der Krankenkassen nach § 21 SGB V.

Was übernimmt die Kasse?

Die Kassenleistungen bei Kindern sind dichter gestaffelt als bei Erwachsenen.

Alter oder Anlass Leistung der gesetzlichen Krankenkasse
6. Lebensmonat bis 6. Lebensjahr sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen (Mundhöhle, Kariesrisiko, Ernährungs- und Putzberatung); Fluoridlack zweimal je Kalenderhalbjahr
7. bis 18. Lebensjahr Individualprophylaxe: Beurteilung von Mundhygiene und Zahnfleisch, Kariesrisiko, Aufklärung, bei Bedarf Fluoridierung und Versiegelung kariesfreier Backenzähne
bis zum 12. Lebensjahr Gruppenprophylaxe in Kita und Schule (§ 21 SGB V)
Vollnarkose nur bei medizinischer Notwendigkeit, anerkannt etwa für Kinder unter 12 Jahren, die unter örtlicher Betäubung nicht behandelt werden können; sonst Privatleistung
Lachgas Der Petitionsausschuss des Bundestags sah im November 2025 keinen Anlass, die G-BA-Regeln zu ändern: Anästhesie oder Analgosedierung gehört zur Leistungspflicht, wenn keine andere Schmerzausschaltung möglich ist. Die Petition beschreibt Lachgas bei sonst behandelbaren Patienten als Selbstzahlerleistung.

Stand: Oktober 2026 (G-BA-Seite zur Prophylaxe; KZBV-Patienteninformation, Stand 2021; zm-online vom 12.11.2025). Die Leistungen für Kinder unter sechs Jahren sind in der Richtlinie des G-BA zur Früherkennung auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten geregelt, die Abrechnungsdetails bei den KZVen.

Wie verbreitet ist Karies bei Kindern?

Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6, Erhebung 2023) fand bei 8- und 9-Jährigen 59,9 Prozent ohne Karieserfahrung, bei den 12-Jährigen 77,6 Prozent (KZBV-Jahrbuch 2025). Für Kleinkinder liefert die letzte bundesweite Untersuchung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) die Zahlen. Im Schuljahr 2015/16 hatten bei rund 300.000 untersuchten Kindern 86,3 Prozent der 3-Jährigen keine Karieserfahrung. Bei den 6- bis 7-Jährigen waren es im Milchgebiss 56,4 Prozent (Länderwerte 43 bis 62 Prozent). Im Milchgebiss sank die Karies seit dem Jahr 2000 nur geringfügig, und ein Fünftel der Kinder trägt den größten Teil der Karieslast. Eine neue DAJ-Erhebung läuft im Schuljahr 2025/26, Ergebnisse stehen noch aus (Zahngesundheit im Ländervergleich).

Wo arbeiten Kinderzahnärzte?

Die meisten kinderzahnmedizinisch ausgerichteten Zahnärzte führen eine eigene Praxis oder arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis, oft mit kindgerecht gestaltetem Wartebereich. Ein Teil arbeitet an Universitätszahnkliniken, wo auch Behandlungen unter Vollnarkose und die Versorgung von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf angeboten werden.

Wie wird man Kinderzahnarzt?

Der Weg führt über Fortbildung und Verbandsstufen, nicht über eine Weiterbildungsordnung. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) bietet drei Stufen an.

Stufe Umfang Kosten und Termine (Stand Oktober 2026)
APW/DGKiZ-Curriculum Kinder- und Jugendzahnmedizin 150 Fortbildungsstunden an 10 Kurswochenenden (je zwei Kurstage, online und in Präsenz); offen für alle Zahnärzte, auch für Familienzahnärzte; Abschluss: drei positiv begutachtete Behandlungsfälle (nur ein Fall darf eine Sanierung in Intubationsnarkose sein) und ein kollegiales Gespräch, danach Zertifikat Preise und Termine nennt die APW auf Anfrage; nächster Online-Start 27./28. November 2026
Zahnarzt mit Zusatzqualifikation in Kinder- und Jugendzahnmedizin (DGKiZ) mindestens drei Jahre halbtags an einer von der DGKiZ anerkannten Universitätsklinik, 12 komplexe Behandlungsfälle, drei Publikationen in begutachteten Zeitschriften, Kolloquium vor drei Prüfern; DGKiZ-Mitgliedschaft Prüfungsgebühr 750 Euro
Master Kinderzahnmedizin Programme an den Universitäten Gießen/Marburg und Greifswald Kosten und Zugang bei den Universitäten

Ohne APW/DGKiZ-Zertifizierung nimmt die Gesellschaft Zahnärzte nicht in ihre Behandlersuche auf. Über 1.000 Zahnärzte haben das Curriculum seit 2002 absolviert; das sind Angaben der Fachgesellschaft, keine amtliche Statistik. Für Lachgas bei Kindern führt die DGKiZ eine eigene Zertifizierung. Sie verlangt einen DGKiZ-zertifizierten Kurs mit Kindernotfalltraining, je fünf Hospitationen, Assistenzen und eigene Sedierungen unter Aufsicht sowie den Nachweis der kinderzahnmedizinischen Ausbildung (etwa das Curriculum); die Verwaltungsgebühr beträgt 178,50 Euro.

Wer sich „Kinderzahnarzt“ oder „Tätigkeitsschwerpunkt Kinderzahnheilkunde“ nennen will, bewegt sich im Berufsrecht der Kammer. Die Musterberufsordnung lässt den Tätigkeitsschwerpunkt zu, wenn die Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausgeübt wird; die Details regelt jede Landeskammer selbst (Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt).

Das OVG Nordrhein-Westfalen hat die Bezeichnung „Kinderzahnarzt“ bei einem Zahnarzt, der überwiegend andere Patienten behandelte und seine Praxis nicht auf Kinder ausgerichtet hatte, für irreführend erklärt. Weitere Curricula zeigt Curricula: Strukturierte Fortbildung.

Kinderzahnheilkunde im Studium und als Einstieg

Kinderzahnheilkunde ist ein eigenes Prüfungsfach in der Fächergruppe Zahnerhaltung. Im Zweiten Abschnitt weist Du praktische Fertigkeiten in Prävention und Restauration nach, an der ersten oder der jugendlich bleibenden Dentition, in der Regel mit Füllung, Krone in der ersten Dentition und Fissurenversiegelung (§ 47 Abs. 5 ZApprO). Im Dritten Abschnitt behandelst Du mindestens eine präventive und eine therapeutische Maßnahme selbstständig am Patienten; fehlen Patienten, ersetzt eine vergleichbare Leistung am Phantom die therapeutische Maßnahme (§ 64 Abs. 7 ZApprO). Wie Pädodontie im klinischen Abschnitt verteilt ist, legt jede Universität fest (Der klinische Abschnitt). Eine Famulatur bei Zahnärzten mit Kinderschwerpunkt ist möglich, soweit Deine Universität dazu eine Vereinbarung hat (Die Famulatur).

Wie viel verdient ein Kinderzahnarzt?

Eine eigene Gehaltsstatistik gibt es nicht. Als Orientierung dient der Median angestellter Zahnärzte von 6.944 Euro brutto im Monat bei 40 Wochenstunden (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Vergleichszahlen zur Wirtschaftlichkeit kinderzahnärztlicher Praxen liegen nicht vor.

Für wen passt das Fach?

Das Fach passt, wenn Du gern mit Kindern und Eltern arbeitest und Behandlungserfolg auch an der Mitarbeit des Kindes misst. Das Curriculum umfasst zehn Kurswochenenden – die Spezialistenstufe der DGKiZ dauert mindestens drei Jahre an einer Universitätsklinik.

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