Ein Kinderzahnarzt ist ein Zahnarzt mit Spezialisierung auf die Behandlung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Im Mittelpunkt steht nicht nur die reine Zahnbehandlung, sondern vor allem die Prophylaxe: Karies bei Milch- und bleibenden Zähnen soll gar nicht erst entstehen. Anders als Kieferorthopädie oder Oralchirurgie ist Kinderzahnheilkunde in Deutschland kein eigener Fachzahnarzt-Titel, sondern eine Spezialisierung, die viele Praxen über Fortbildung und ein besonders kindgerechtes Praxiskonzept aufbauen.
Was zeichnet die Arbeit als Kinderzahnarzt aus?
Kinderzahnmedizin unterscheidet sich vom Praxisalltag mit erwachsenen Patient:innen vor allem durch die Behandlungsführung: Wer mit Kindern arbeitet, braucht neben zahnmedizinischem Wissen viel Geduld, kindgerechte Kommunikation und Techniken, um Angst gar nicht erst entstehen zu lassen. Viele Kinderzahnärzte setzen auf spielerische Gewöhnung, Lachgassedierung bei ängstlichen Kindern oder (in besonders schwierigen Fällen, etwa bei sehr jungen Kindern oder Kindern mit Behinderung) auf eine Behandlung unter Vollnarkose in Kooperation mit einer Klinik.
Ein weiterer Unterschied: Kinderzahnärzte behandeln nicht nur Zähne, sondern begleiten das Wachstum des gesamten Kausystems über Jahre und arbeiten dafür eng mit Kieferorthopäden zusammen, wenn sich Fehlstellungen früh abzeichnen.
Auch die Eltern gehören zur Zielgruppe der Aufklärungsarbeit: Ernährungsgewohnheiten, das richtige Putzverhalten und der Umgang mit Schnuller oder Nuckelflasche werden meist gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten besprochen, denn kindliche Mundgesundheit entsteht vor allem im familiären Alltag, nicht erst im Behandlungszimmer.
Worin liegen die Aufgaben eines Kinderzahnarztes?
Der Praxisalltag umfasst unter anderem:
- Kariesprophylaxe: Fluoridierung, Ernährungsberatung und Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne direkt nach dem Durchbruch
- Milchzahnbehandlung: Füllungstherapie und, bei tiefer Karies, Pulpotomie (teilweise Entfernung des entzündeten Zahnnervs) an Milchzähnen, um sie bis zum natürlichen Zahnwechsel zu erhalten
- Behandlung von Zahnunfällen: Versorgung von Frontzahntraumata nach Stürzen, die im Kindesalter besonders häufig vorkommen
- Verhaltensführung: altersgerechte Aufklärung, spielerische Gewöhnung an die Praxissituation und (bei Bedarf) Lachgassedierung oder Behandlung unter Vollnarkose
- Betreuung von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf: etwa bei kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen, die eine angepasste Behandlungsumgebung erfordern
- Wachstumsbegleitung: Beobachtung des Zahndurchbruchs und frühzeitiges Erkennen kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs
- Gruppenprophylaxe: viele Kinderzahnärzte engagieren sich zusätzlich in Kitas und Schulen, oft in Zusammenarbeit mit Zahnärzten des öffentlichen Gesundheitsdienstes
Wo arbeiten Kinderzahnärzte?
Die meisten kinderzahnmedizinisch spezialisierten Zahnärzte arbeiten in eigener Praxis oder Gemeinschaftspraxis, oft mit einem bewusst kindgerecht gestalteten Wartebereich und Behandlungszimmer. Ein Teil ist an Universitätszahnkliniken oder Zahnkliniken tätig, wo auch Behandlungen unter Vollnarkose sowie die Versorgung von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf angeboten werden. Zahnärztinnen und Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst übernehmen ergänzend die Gruppenprophylaxe an Kitas und Schulen und erreichen damit auch Kinder, die sonst seltener in eine Zahnarztpraxis kommen.
Wie wird man Kinderzahnarzt?
Da kein eigener Fachzahnarzt-Titel existiert, führt der Weg über Fortbildung. Fachliche Heimat ist die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ), die gemeinsam mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) ein strukturiertes Curriculum Kinder- und Jugendzahnmedizin anbietet: 150 Fortbildungsstunden über zehn Wochenendkurse, abgeschlossen mit dem „Zertifikat für Kinder- und Jugendzahnmedizin“, laut Fachgesellschaft das führende postgraduale Fortbildungsprogramm in diesem Bereich (Quelle: dgkiz.de).
Zusätzlich können Zahnärzte bei einzelnen Landeszahnärztekammern den Tätigkeitsschwerpunkt Kinderzahnheilkunde nach § 17 Berufsordnung führen, mit den für Tätigkeitsschwerpunkte üblichen Anforderungen an Fortbildungsstunden und praktische Erfahrung. Da die genaue Ausgestaltung je Landeszahnärztekammer variiert und nicht bundesweit einheitlich geregelt ist, lohnt sich vorab der Blick in die Weiterbildungsordnung der jeweils zuständigen Kammer. Anders als in der Implantologie oder Parodontologie gibt es in der Kinderzahnheilkunde bislang kein mehrstufiges Spezialisten-System mit Fallzahlen und Publikationspflicht: der Schwerpunkt liegt stärker auf strukturierter Fortbildung als auf einem geprüften Titel. Einen Überblick über vergleichbare Fortbildungswege bietet der Artikel Curricula: strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel, zur begrifflichen Einordnung der Artikel Tätigkeitsschwerpunkt, Spezialist, Fachzahnarzt: Wer darf sich was nennen?
Wie viel verdient ein Kinderzahnarzt?
Eine gesonderte Gehaltsstatistik für Kinderzahnärzte gibt es nicht: weder die KZBV noch die BZÄK noch die Dentale Gehaltsstudie weisen diese Spezialisierung separat aus. Als Orientierung gilt das allgemeine Zahnärztegehalt: Angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte verdienen laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 im Median rund 6.944 Euro brutto monatlich. Da viele kinderzahnmedizinische Leistungen über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet werden und der Behandlungsaufwand pro Termin durch Verhaltensführung oft höher ist als bei Erwachsenen, unterscheidet sich die Wirtschaftlichkeit kinderzahnärztlicher Praxen spürbar von implantologisch oder ästhetisch ausgerichteten Praxen, belastbare, veröffentlichte Vergleichszahlen dazu liegen allerdings nicht vor.
Fazit – Lohnt sich die Spezialisierung auf Kinderzahnheilkunde?
Die Spezialisierung auf Kinderzahnheilkunde lohnt sich für alle, die Freude am Umgang mit Kindern mitbringen und bereit sind, Behandlungserfolg nicht nur an der Zahnsubstanz, sondern auch an der Vertrauensbildung zu messen. Der formale Weg ist unkompliziert: ein anerkanntes Curriculum genügt, ein eigener Fachzahnarzt-Titel ist nicht nötig.
Wer sich auf dieses Fach einlässt, übernimmt gleichzeitig eine besondere Verantwortung: Wie ein Kind seine ersten Zahnarztbesuche erlebt, prägt oft die Einstellung zur Mundgesundheit fürs ganze Leben. Eine schlecht verlaufene erste Behandlung kann jahrzehntelange Zahnarztangst begründen, eine gut geführte dagegen legt den Grundstein für ein entspanntes Verhältnis zur eigenen Mundgesundheit.
Auch strukturell spricht einiges für das Fach: Der Anteil kariesfreier Kinder ist zwar über die letzten Jahrzehnte gestiegen, doch bei Milchzähnen und in sozial benachteiligten Familien bleibt Karies ein verbreitetes Problem, die Nachfrage nach kindgerechter, präventionsorientierter Betreuung dürfte deshalb bestehen bleiben.
FAQs
Was macht ein Kinderzahnarzt?
Ein Kinderzahnarzt behandelt Säuglinge, Kinder und Jugendliche und legt besonderen Wert auf Prophylaxe, kindgerechte Behandlungsführung und den Erhalt der Milchzähne bis zum natürlichen Zahnwechsel. Dazu gehören Fluoridierung, Fissurenversiegelung, Füllungstherapie an Milchzähnen sowie die Versorgung von Zahnunfällen im Kindesalter.
Ist Kinderzahnarzt ein Fachzahnarzt-Titel?
Nein. Kinderzahnheilkunde ist kein eigener Fachzahnarzt-Titel, sondern eine Spezialisierung über Fortbildung, insbesondere über das APW/DGKiZ-Curriculum Kinder- und Jugendzahnmedizin mit 150 Fortbildungsstunden.
Wie viel verdient ein Kinderzahnarzt?
Eine gesonderte Statistik dazu gibt es nicht. Als Orientierung gilt das allgemeine Zahnärztegehalt von im Median rund 6.944 Euro brutto monatlich für angestellte Zahnärzte laut Dentaler Gehaltsstudie 2025.

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