Die grüne Zahnarztpraxis: Nachhaltigkeit als Berufsthema
Zahnmedizin wird gemeinhin nicht als besonders klimarelevante Branche wahrgenommen, dabei verbraucht eine Zahnarztpraxis mit Röntgengerät, Sterilisation, Absauganlage und laufendem Materialverbrauch durchaus spürbar Energie und Ressourcen. In den vergangenen Jahren ist Nachhaltigkeit deshalb zunehmend auch ein Thema für die Standesvertretung geworden, nicht nur für einzelne besonders engagierte Praxen.
Warum das Gesundheitswesen überhaupt eine Klimafrage ist
Nach Angaben der Bundesärztekammer, die sich auf einen internationalen „Health Care Climate Footprint Report“ bezieht, ist der Gesundheitssektor weltweit für rund 4,4 Prozent der globalen Nettoemissionen verantwortlich, in Deutschland liegt der Anteil des Gesundheitswesens an den nationalen Emissionen bei rund 5,2 Prozent. Zahnarztpraxen sind darin nur ein kleiner Teilbereich, tragen aber über Röntgentechnik, Sterilisationsprozesse, Einwegmaterial und laufenden Betrieb ebenfalls zu diesem Fußabdruck bei.
Die Bundeszahnärztekammer wird aktiv
Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat einen eigenen Nachhaltigkeitsausschuss eingerichtet und mit der Publikation „Nachhaltige Zahnmedizin“ ein umfangreiches Informationspaket veröffentlicht. Es umfasst zehn einzelne Checklisten und Informationsblätter zu Themenfeldern wie Beförderung, Behandlung, Verwaltung, Energieverbrauch, Bauen und Renovieren, Entsorgung, Medikamente, Zahnbürsten, Kunststoffe und Patientenkommunikation. Ergänzt wird das Angebot durch einen einfachen CO2-Rechner als Excel-Vorlage, mit dem Praxen ihren eigenen CO2-Fußabdruck grob abschätzen können, eine deutsche Adaption des „Simple Carbon Calculator“ von B. Duane und I. Steinbach.
Zusätzlich hat der Vorstand der BZÄK ein Positionspapier verabschiedet, das die Umweltauswirkungen zahnärztlicher Behandlung reduzieren soll, ohne die Sicherheit und Qualität der Versorgung zu gefährden. Die BZÄK ist zudem Unterzeichnerin der gemeinsamen Erklärung „Klimapakt Gesundheit“ des Bundesministeriums für Gesundheit, mit der sich Akteure des Gesundheitswesens gemeinsam zu Klimaanpassung und Klimaschutz bekennen.
Digitales Röntgen statt Chemie
Ein konkreter Hebel, der in vielen Praxen längst umgesetzt ist: digitale Röntgensensoren statt klassischer Röntgenfilme, die mit Entwickler- und Fixierchemikalien verarbeitet werden mussten. Digitale Verfahren sparen nicht nur den Chemikalieneinsatz und dessen fachgerechte Entsorgung, sondern reduzieren durch geringere Strahlendosis auch die Belastung für Patient:innen. Wo digitale Zahnmedizin an anderer Stelle vor allem im Studium diskutiert wird, etwa bei Intraoralscannern und CAD/CAM, zeigt sich hier, dass dieselbe Technik auch einen handfesten Nachhaltigkeitseffekt hat.
Energieverbrauch und Anfahrtswege
Neben der Behandlungstechnik selbst spielt auch der laufende Praxisbetrieb eine Rolle: Beleuchtung, Klimatisierung, der Betrieb von Sterilisatoren und Kompressoren sowie Heizung machen einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs einer Praxis aus. Viele der Checklisten der BZÄK setzen genau hier an, etwa bei der Umstellung auf LED-Beleuchtung, einer bewussteren Standby-Verwaltung von Geräten oder der Wahl von Ökostromtarifen. Auch die Anfahrtswege spielen eine Rolle, sowohl die der Patient:innen als auch die von Materiallieferungen, weshalb manche Praxen etwa auf gebündelte Bestellungen oder wohnortnahe Zulieferer setzen, statt viele Kleinlieferungen einzeln zu bestellen.
Materialverbrauch und Einwegprodukte
Ein Spannungsfeld, das sich in kaum einer anderen medizinischen Fachrichtung so deutlich zeigt wie in der Zahnmedizin: Aus Hygiene- und Sicherheitsgründen sind viele Einwegprodukte, von Handschuhen über Spritzen bis zu bestimmten Absaugkanülen, im Praxisalltag kaum wegzudenken. Die BZÄK-Checklisten zu Kunststoffen und Entsorgung zielen entsprechend nicht darauf ab, Hygienestandards zu senken, sondern darauf, wo möglich auf wiederverwendbare oder besser recycelbare Materialien umzusteigen und Verpackungsmüll zu reduzieren, ohne die Behandlungssicherheit zu gefährden.
Was das für Deine spätere Berufswahl bedeutet
Für angehende Zahnärzt:innen wird Nachhaltigkeit zunehmend auch bei der Praxiswahl oder späteren Praxisgründung relevant, sei es als Auswahlkriterium beim Berufseinstieg oder als eigener Gestaltungsspielraum, sobald Du selbst über Praxisausstattung und -organisation entscheidest. Wer sich schon während des Studiums mit dem Thema beschäftigt, etwa über die Materialien der BZÄK, geht mit einem klareren Blick dafür in die eigene Karriere, welche Stellschrauben in der eigenen Praxis später tatsächlich etwas bewirken.
Kein Nischenthema mehr
Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin ist damit längst kein Randthema einzelner besonders engagierter Praxen mehr, sondern ein Feld, in dem sich die eigene Standesvertretung mit Positionspapieren, Selbstverpflichtungen und praktischen Arbeitsmaterialien aktiv positioniert. Wie stark sich das in den kommenden Jahren auf konkrete Vorgaben oder gar verpflichtende Standards auswirkt, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen, die Richtung der Entwicklung ist aber klar erkennbar.
Quellen
- Bundesärztekammer: CO2-Fußabdruck Gesundheitssektor (bundesaerztekammer.de)
- Bundeszahnärztekammer: Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin (bzaek.de)

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