Zahnarztberuf & Karrierewege

Die grüne Zahnarztpraxis: Nachhaltigkeit als Berufsthema

RedaktionVon Redaktion4 Min. Lesezeit
Helle moderne Zahnarztpraxis mit Pflanzen und Naturholz – Nachhaltigkeit als Berufsthema

Den größten Teil des CO2-Fußabdrucks einer Zahnarztpraxis verursachen die Wege von Patienten und Personal zur Praxis. Das zeigt eine vom britischen National Health Service (NHS) beauftragte Studie, die die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in ihrer Broschüre „Nachhaltige Zahnmedizin” zitiert. Darin entfielen 64,5 Prozent der Emissionen auf An- und Abreisen von Patienten und Personal, etwa 19 Prozent auf die Behandlung und 15,3 Prozent auf den Energieverbrauch. Die BZÄK nennt die Studienlage insgesamt unbefriedigend. Die Anteile stammen aus britischen Daten und gelten für Deutschland nur als Orientierung. Das Gesundheitswesen insgesamt verursacht nach dem Report „Health Care Climate Footprint” (Health Care Without Harm, 2019) weltweit 4,4 Prozent der Nettoemissionen. Für Deutschland nennt die Bundesärztekammer 5,2 Prozent.

Wo Emissionen entstehen und was die BZÄK empfiehlt

Bereich Anteil am CO2-Fußabdruck Empfehlungen der BZÄK (Auswahl)
Anfahrt von Patienten und Personal 64,5 % ÖPNV und Fahrrad fördern, sichere Abstellplätze, Termine bündeln, Verwaltung mobil arbeiten lassen
Behandlung (Material, Geräte, Lieferung) etwa 19 % Einmalprodukte meiden, wo die Hygiene es zulässt; Großpackungen; Lieferungen bündeln; digitale Abformung; Labor in der Nähe
Energie 15,3 % Ökostromtarif; Geräte abschalten; Verbrauch vor dem Neukauf vergleichen; Autoklav, Reinigungs- und Desinfektionsgerät und Kompressor prüfen

Die BZÄK hat zehn Themenfelder aufbereitet, von Beförderung über Energie und Entsorgung bis zu Kunststoffen und Patientenkommunikation, dazu eine Checkliste für Neugeräte und einen Excel-Rechner, mit dem Du den Fußabdruck einer Praxis aus eigenen Verbrauchsdaten schätzt. Er ist die deutsche Fassung des „Simple Carbon Calculator” von B. Duane und I. Steinbach. Als Mitunterzeichnerin des „Klimapakt Gesundheit” hat sich die BZÄK außerdem öffentlich zu Klimaschutz im Gesundheitswesen bekannt. Den größten Energiebedarf hat nach der BZÄK der Autoklav. In der Studie von Duane et al. (2019) fallen außerdem das Reinigungs- und Desinfektionsgerät und Klimaanlagen durch hohen Verbrauch auf. Viele Praxen sterilisieren nach der Reinigung auch Medizinprodukte, bei denen das nicht zusätzlich nötig ist; hier lohnt sich die Prüfung.

Amalgam und Abwasser

Seit dem 1. Januar 2025 darf Dentalamalgam in der EU nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen verwendet werden – mit einer Ausnahme. Hält der Zahnarzt es wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse eines Patienten für zwingend notwendig, bleibt es erlaubt (Art. 10 Abs. 2a der Verordnung (EU) 2017/852, eingefügt durch die Verordnung (EU) 2024/1849). Die Ausfuhr ist seit dem 1. Januar 2025 verboten, Einfuhr und Herstellung sind es seit dem 1. Juli 2026, ebenfalls mit Ausnahme der genannten medizinischen Erfordernisse (Art. 10 Abs. 7).

Wo Amalgam anfällt, schreibt die Abwasserverordnung (Anhang 50) vor, die Amalgamfracht am Ort des Anfalls um 95 Prozent zu verringern. Das gilt als erfüllt, wenn ein zugelassener Amalgamabscheider mit einem Wirkungsgrad von mindestens 95 Prozent eingebaut ist und regelmäßig gewartet und entleert wird. Dazu kommt die Prüfung vor Inbetriebnahme und danach spätestens alle fünf Jahre nach Landesrecht. Das abgeschiedene Amalgam geht in die Verwertung. Wartungsberichte und Abnahmebescheinigungen müssen vorliegen; wer eine Praxis übernimmt, sollte sie sich zeigen lassen.

Digitales Röntgen, Mehrweg und Hygiene

Digitale Röntgenverfahren sparen Chemikalien und Wasser. Ihre Herstellung und ihr Transport erzeugen aber viel CO2. Nach der BZÄK kann es deshalb ökologischer sein, ein altes Gerät zu reparieren und weiter zu nutzen; beim Neukauf empfiehlt sie ein digitales Gerät. Bei Bechern schneiden Mehrwegbecher in den von der BZÄK zitierten Ökobilanzen besser ab. Bei Metallinstrumenten ist selbst eine aufwendige Aufbereitung umweltschonender als der laufende Neukauf aus Plastik. Die Grenze setzt die Hygiene – nach der BZÄK ist eine umweltschonende Praxis nur in engen Grenzen möglich, weil an einigen Stellen allein Einwegprodukte die gesetzlichen Hygieneanforderungen erfüllen. Wie digitale Technik im Studium vermittelt wird, steht in Digitale Zahnmedizin im Studium.

Für Praxisübernahme und Gründung

Aus den BZÄK-Checklisten lassen sich fünf Fragen ableiten, die Du bei einer Praxisübernahme oder Neugründung stellen kannst:

  1. Welchen Stromtarif nutzt die Praxis, und lässt sich auf Ökostrom wechseln?
  2. Wie hoch ist der Verbrauch der Großverbraucher Autoklav, Reinigungs- und Desinfektionsgerät und Kompressor, und wie alt sind sie?
  3. Gibt es einen Amalgamabscheider mit Wartungsnachweis, und wann war die letzte Prüfung?
  4. Welche Einmalprodukte lassen sich durch aufbereitbare ersetzen, ohne die Hygienevorgaben zu verletzen?
  5. Wie viele Lieferungen und Labortransporte fallen an, und lassen sie sich bündeln?

Die Schritte bis zur eigenen Praxis stehen in Eigene Zahnarztpraxis gründen. Im Studium kannst Du Dich mit dem Thema über die BZÄK-Broschüre und den Excel-Rechner befassen. Die European Dental Students’ Association hat sich nach der BZÄK wiederholt damit beschäftigt. Wie Landpraxen aussehen, zeigt Landzahnarzt: Chance oder Sackgasse?, weitere Berufswege nennt Berufe rund um die Zahnmedizin.

Quellen

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