Gehalt

Zahnarzt oder Arzt – wer verdient mehr?

Von Redaktion4 Min. Lesezeit
Zahnarzt und Arzt im direkten Vergleich – Zahnarzt oder Arzt – wer verdient mehr?

Wer zwischen Zahnmedizin und Humanmedizin schwankt, hat das Gehalt meistens irgendwo im Hinterkopf, auch wenn es selten der einzige Grund für die Entscheidung ist. Die kurze Antwort vorweg: Im Schnitt verdienen Ärzt:innen mehr als Zahnärzt:innen. Die längere, ehrlichere Antwort zeigt aber auch, wo genau dieser Unterschied entsteht – und wo er kleiner ausfällt, als man denkt.

Der Einstieg: Assistenzarzt gegen Vorbereitungsassistent

Schon am Anfang der Karriere zeigt sich der Unterschied. Ein Assistenzarzt oder eine Assistenzärztin in Weiterbildung verdient nach dem aktuellen Tarifvertrag TV-Ärzte/VKA im ersten Jahr 5.722,05 Euro brutto im Monat, tariflich abgesichert, unabhängig vom einzelnen Arbeitgeber. Ein Vorbereitungsassistent oder eine Vorbereitungsassistentin in der Zahnmedizin kommt dagegen laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 im Median nur auf 3.750 Euro im Monat, und das ohne tarifliche Absicherung – die Gehälter werden individuell verhandelt. Der Unterschied von rund 2.000 Euro im Monat entspricht über das Jahr gerechnet fast 24.000 Euro und ist damit einer der deutlichsten Belege dafür, dass Humanmedizin beim Berufseinstieg klar vorn liegt.

Fachärzte und Fachzahnärzte: der Abstand schrumpft

Auf der Facharztebene wird der Vergleich interessanter. Ein Facharzt oder eine Fachärztin verdient nach TV-Ärzte/VKA zwischen 7.552,19 Euro im ersten und 9.698,91 Euro im 13. Jahr der Facharztzugehörigkeit. Fachzahnärzt:innen für Kieferorthopädie liegen mit durchschnittlich 10.128 Euro im Monat laut Dentaler Gehaltsstudie 2025 tatsächlich über dem oberen Ende dieser ärztlichen Tarifspanne, Oralchirurg:innen mit 9.306 Euro nur knapp darunter. Hier kehrt sich das Bild aus dem Einstieg also teilweise um: Wer sich in der Zahnmedizin erfolgreich spezialisiert, kann angestellt durchaus mit angestellten Fachärzt:innen der Humanmedizin mithalten oder sie sogar übertreffen – vorausgesetzt, es handelt sich um eine der gefragten zahnärztlichen Spezialisierungen. Der breite Durchschnitt aller angestellten Zahnärzt:innen liegt mit 6.944 Euro im Monat allerdings weiterhin deutlich darunter.

Wer verdient in der eigenen Praxis mehr?

Auch niedergelassen bleibt der Unterschied im Durchschnitt bestehen, ist aber kleiner, als viele annehmen. Laut Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2021 erzielten Arztpraxen (ohne fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinische Versorgungszentren) einen durchschnittlichen Reinertrag von 323.000 Euro je Praxis, Zahnarztpraxen kamen im selben Erhebungsjahr auf 281.000 Euro. Ein Unterschied von rund 42.000 Euro also, spürbar, aber weit entfernt von einer Verdopplung. Wichtig für die Einordnung: In der Kategorie „Arztpraxen“ stecken extrem unterschiedliche Fachrichtungen von der eher moderat verdienenden Hausarztpraxis bis zur umsatzstarken Radiologie- oder Augenarztpraxis. Der Durchschnitt verdeckt also erhebliche Unterschiede innerhalb der Humanmedizin selbst – ähnlich wie bei Zahnärzt:innen die Kieferorthopädie deutlich vor der Allgemeinzahnmedizin liegt.

Die Ausnahme, die die Regel bestätigt: der MKG-Chirurg

Am eindeutigsten zeigt sich der Gehaltsunterschied zwischen beiden Welten ausgerechnet an einem Beruf, der beide vereint: dem MKG-Chirurgen. Wer die Doppelapprobation als Arzt und Zahnarzt erwirbt und in der Klinik arbeitet, wird nach dem ärztlichen Tarif TV-Ärzte bezahlt, nicht nach zahnärztlichen Maßstäben. Als Oberarzt oder Oberärztin sind das nach aktueller Tabelle bis zu 10.810,95 Euro im Monat, als ständiger ärztlicher Vertreter der Chefärztin oder des Chefarztes sogar bis zu 11.922,95 Euro. Dass gerade diese Doppelqualifikation zu den bestbezahlten Positionen der gesamten Zahnmedizin führt, unterstreicht: Der entscheidende Gehaltsfaktor ist am Ende weniger die Fachrichtung an sich als die Frage, ob man nach ärztlichem Tarif oder nach zahnärztlichem Verhandlungsspielraum bezahlt wird.

Warum der direkte Vergleich hinkt

So eindeutig die Durchschnittszahlen wirken, so wichtig ist eine Einschränkung: Beide Berufsgruppen sind intern extrem heterogen. Eine Hausärztin auf dem Land kann finanziell schlechter dastehen als ein erfolgreicher Kieferorthopäde in der Stadt, und ein angestellter Zahnarzt mit großzügiger Umsatzbeteiligung kann mehr verdienen als ein Assistenzarzt im ersten Weiterbildungsjahr. Hinzu kommt: Die Ausbildungswege unterscheiden sich in der Länge kaum (beide Studiengänge dauern rund sechs Jahre bis zur Approbation), aber der Weg zum Facharzt beziehungsweise Fachzahnarzt kann in der Humanmedizin je nach Fachrichtung länger dauern als in der Zahnmedizin.

Was neben dem Gehalt noch zählt

Wer die Entscheidung zwischen Human- und Zahnmedizin ausschließlich am Gehalt festmacht, übersieht wichtige Unterschiede in der Arbeitsrealität. Ärzt:innen im Krankenhaus arbeiten häufig in Schichtsystemen mit Nacht- und Wochenenddiensten, tragen in Notfallsituationen unmittelbare Verantwortung für Leben und Gesundheit und durchlaufen oft eine längere, unvorhersehbarere Facharztweiterbildung, deren Dauer stark vom jeweiligen Fach und der Klinik abhängt. Zahnärzt:innen arbeiten dagegen überwiegend in klar strukturierten Praxisöffnungszeiten, planen Behandlungen langfristig und tragen seltener akute Lebensrisiken für Patient:innen – dafür ist der berufliche Alltag oft repetitiver und stark auf ein enges Set an Behandlungen konzentriert. Diese Unterschiede in Arbeitsbelastung und Planbarkeit relativieren die reine Gehaltsdifferenz erheblich.

Wie sich der Ausbildungsweg auf die Rechnung auswirkt

Ein oft übersehener Faktor ist der Zeitpunkt, ab dem überhaupt Geld verdient wird. Beide Studiengänge dauern in etwa gleich lang bis zur Approbation, doch danach unterscheiden sich die Wege: Angehende Zahnärzt:innen starten mit der vergleichsweise gering bezahlten Assistenzzeit, während angehende Ärzt:innen direkt als tariflich bezahlte Assistenzärzt:innen einsteigen. Über die ersten Berufsjahre gerechnet verschiebt das den finanziellen Vorteil zusätzlich in Richtung Humanmedizin, ein Effekt, der sich erst mit fortschreitender Spezialisierung in der Zahnmedizin wieder ausgleicht oder sogar umkehrt.

Fazit: Im Schnitt vorn, aber nicht in jeder Konstellation

Über den Daumen gepeilt verdienen Ärzt:innen in Deutschland mehr als Zahnärzt:innen – das gilt besonders deutlich beim Berufseinstieg und im breiten Durchschnitt aller Fachrichtungen. Wer aber genauer hinschaut, sieht: Auf der Ebene gefragter Spezialisierungen wie Kieferorthopädie oder Oralchirurgie schrumpft der Abstand erheblich, und in eigener Praxis ist er kleiner als der Ruf vermuten lässt. Wer beide Welten verbinden will, findet im MKG-Chirurgen die Ausnahme, die zeigt, wohin die Reise gehaltlich gehen kann, wenn man bereit ist, den längeren, aufwendigeren Weg der Doppelapprobation zu gehen.

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