Gehalt

Zahnarzt-Gehälter im internationalen Vergleich

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit

Wer als Zahnarzt oder Zahnärztin über einen Wechsel ins Ausland nachdenkt, stößt schnell auf ziemlich unterschiedliche Zahlen, je nachdem, welche Quelle man ihnen glaubt. Ein Land wird dabei besonders oft genannt: die Schweiz, mit Löhnen deutlich über deutschem Niveau, dazu aber auch entsprechend hohen Lebenshaltungskosten. Diesem Sonderfall widmet sich der Artikel Als Zahnarzt in der Schweiz arbeiten bereits ausführlich. Hier geht es um den Blick darüber hinaus: in die USA, nach Großbritannien, nach Skandinavien und nach Irland, jeweils gestützt auf offizielle Behördendaten oder Berufsverbandserhebungen statt auf vage Schätzungen.

USA: hohe Bruttozahlen, aber auch sinkende Realeinkommen

Die verlässlichste Quelle für amerikanische Zahnarztgehälter ist die American Dental Association (ADA) selbst, über ihr Health Policy Institute. Laut der aktuellen ADA-Erhebung lag das durchschnittliche Nettoeinkommen niedergelassener Zahnärzt:innen 2025 bei 215.320 US-Dollar für Allgemeinzahnärzt:innen und bei 346.520 US-Dollar für Spezialist:innen. Ergänzend nennt die offizielle Arbeitsmarktstatistik der US-Bundesbehörde Bureau of Labor Statistics (BLS) für Mai 2025 ein bundesweites Median-Jahresgehalt von 175.578 US-Dollar für den Beruf insgesamt. Was auf den ersten Blick nach reinem Wachstum klingt, hat allerdings einen Haken: Die ADA weist selbst darauf hin, dass das inflationsbereinigte Realeinkommen von Allgemeinzahnärzt:innen seit rund 15 Jahren tendenziell sinkt, weil die Praxiskosten schneller steigen als die Erstattungssätze der Versicherer. Zwischen angestellten und niedergelassenen Zahnärzt:innen bestehen zudem deutliche Unterschiede: 2024 verdienten Praxisinhaber:innen laut ADA im Schnitt 217.781 US-Dollar netto, angestellte Zahnärzt:innen ohne eigene Praxis dagegen 160.891 US-Dollar.

Großbritannien: NHS-Gehalt und private Praxis liegen weit auseinander

In Großbritannien hängt das Einkommen stark davon ab, ob im staatlichen Gesundheitssystem NHS oder privat gearbeitet wird. Für angestellte NHS-Zahnärzt:innen im Community-Bereich nennt die zuständige Vergütungskommission Review Body on Doctors’ and Dentists’ Remuneration (DDRB) in ihrem 53. Bericht 2025 ein Gehaltsband von 52.532 bis 112.360 britischen Pfund jährlich. Für selbstständige NHS-Vertragszahnärzt:innen (Associates) meldete der National Association of Specialist Dental Accountants and Lawyers (NASDAL) in seinem Benchmarking-Bericht für 2023/24 laut Berichterstattung des Fachmagazins Dentistry ein durchschnittliches Einkommen von 90.161 Pfund, ein Anstieg von 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bereits die dritte Steigerung in Folge. Die British Dental Association (BDA) selbst hatte in einer früheren Erhebung für 2023 noch einen niedrigeren Durchschnittswert von rund 65.000 Pfund für selbstständige Associates genannt, ein Beleg dafür, wie stark solche Zahlen je nach Erhebungsjahr und -methode schwanken können. Wer ausschließlich privat behandelt, kann laut mehreren Fachquellen deutlich über 100.000 Pfund verdienen, hier liegt allerdings keine einheitliche Verbandsstatistik vor.

Schweden: solide Zahlen von der amtlichen Statistikbehörde

Für Schweden liefert die amtliche Statistikbehörde Statistiska centralbyrån (SCB) eine der verlässlichsten Datengrundlagen im Vergleich. Für 2025 nennt sie ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt für Tandläkare (Zahnärzt:innen) von 54.600 schwedischen Kronen, umgerechnet auf das Jahr also rund 655.000 Kronen. Innerhalb dieses Durchschnitts zeigen sich laut derselben Statistik deutliche Unterschiede: Zahnärzt:innen im privaten Sektor verdienen mit durchschnittlich 54.400 Kronen monatlich spürbar mehr als jene im öffentlichen Dienst mit rund 44.400 Kronen, und spezialisierte Tandläkare kommen mit rund 76.500 Kronen deutlich über den Durchschnitt hinaus. Zwischen 2019 und 2024 stieg das Durchschnittsgehalt laut SCB-Daten um rund 2,2 Prozent pro Jahr, ein moderates, aber stabiles Wachstum.

Irland: hohe Nachfrage, hohe Spezialisten-Gehälter

Irland gilt in mehreren Vergleichsanalysen des europäischen Zahnmedizin-Arbeitsmarkts als eines der besser bezahlten Länder. Nach Auswertungen des Fachportals dentistryjobs.ie aus dem Jahr 2025 verdienen Allgemeinzahnärzt:innen in Irland im Schnitt rund 96.850 Euro jährlich, wobei Berufseinsteiger:innen laut derselben Quelle mit 65.000 bis 85.000 Euro starten und nach drei bis fünf Jahren häufig in eine Spanne von 100.000 bis 130.000 Euro wechseln. Besonders deutlich fällt der Unterschied bei Spezialist:innen aus: Kieferorthopäd:innen kommen laut dentistryjobs.ie im Schnitt auf rund 180.500 Euro jährlich, in Einzelfällen auch deutlich mehr. Im öffentlichen Gesundheitsdienst HSE reicht die tarifliche Spanne von 74.080 Euro zum Berufseinstieg bis zu 107.389 Euro am oberen Ende der Erfahrungsstufen. Eine belastbare, direkt vom irischen Zahnärzteverband veröffentlichte Gesamterhebung war für diesen Artikel nicht auffindbar, weshalb die genannten Zahlen als Orientierung eines spezialisierten Branchenportals zu verstehen sind und nicht als amtliche Statistik.

Warum ein direkter Vergleich trotzdem schwierig bleibt

Bei aller Zahlenfülle gilt: Bruttogehälter aus unterschiedlichen Ländern lassen sich nicht eins zu eins gegenüberstellen. Steuersysteme, Sozialabgaben, Krankenversicherungspflichten und vor allem die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich zwischen den USA, Großbritannien, Skandinavien und Irland teils erheblich, wie es auch der Vergleichsartikel zur Schweiz ausführlich zeigt. Ein hohes Bruttogehalt in den USA kann durch private Krankenversicherung und ein anderes Praxisfinanzierungsmodell netto ganz anders aussehen als eine niedrigere, aber mit umfassender Sozialversicherung abgesicherte Zahl in Skandinavien. Wer einen Wechsel ins Ausland ernsthaft erwägt, sollte deshalb nie nur auf die Bruttozahl schauen, sondern sich frühzeitig mit den jeweiligen Anerkennungsverfahren für die eigene Approbation und den tatsächlichen Lebenshaltungskosten vor Ort beschäftigen, dazu liefert der Artikel Als Zahnarzt ins Ausland einen guten Ausgangspunkt.

Fazit: Die USA führen brutto, aber nicht ohne Wenn und Aber

Legt man ausschließlich die verfügbaren Bruttozahlen nebeneinander, liegen die USA mit ADA-Werten von über 200.000 US-Dollar für Allgemeinzahnärzt:innen an der Spitze, gefolgt von Irland und Großbritannien mit Werten häufig zwischen 90.000 und 130.000 Euro beziehungsweise Pfund für erfahrene Praktiker:innen, während Schweden mit rund 655.000 Kronen jährlich moderater, aber durch ein sehr stabiles Sozialsystem abgesichert dasteht. Wie in der Schweiz gilt aber auch hier: Die Bruttozahl ist nur der erste Schritt der Rechnung, nicht das Ergebnis.

Quellen

  • American Dental Association (ADA), Health Policy Institute: Survey of Dental Practice, Nettoeinkommen 2025/2024
  • U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS): Occupational Employment and Wage Statistics, Dentists, Mai 2025
  • Review Body on Doctors’ and Dentists’ Remuneration (DDRB): 53rd Report 2025
  • NASDAL Benchmarking Report 2023/24, zitiert nach Dentistry.co.uk (März 2025)
  • British Dental Association (BDA): Earnings-Erhebung 2023
  • Statistiska centralbyrån (SCB), Schweden: Lönestatistik Tandläkare 2025
  • dentistryjobs.ie: Gehaltsanalysen für Irland, 2025
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