Acht Fakten über Zähne, jeweils mit Quelle und mit dem Fach, in dem Dir das Thema im Studium begegnet. Die genannten Paragrafen stammen aus der Approbationsordnung für Zahnärzte.
1. Zahnschmelz ist das härteste Gewebe des Körpers
Die Härte des Schmelzes liegt nach Bartlett zwischen der von Eisen und von Kohlenstoffstahl (Unterbrink et al. 2026). Er besteht zu rund 96 bis 97 Prozent aus Mineral, vor allem Hydroxylapatit. Im Studium begegnet Dir das in der Zahnhartsubstanzlehre (Fächergruppe Zahnerhaltung, § 46 ZApprO) und in der Werkstoffkunde.
2. Schmelz wächst nicht nach, kann aber remineralisieren
Nach dem Durchbruch ist keine zelluläre Reparatur des Schmelzes mehr möglich, anders als bei Dentin und Knochen (Unterbrink et al. 2026). Frühe Schäden lassen sich dennoch umkehren. Fluorid ersetzt verlorene Mineralien und kann frühe Karies rückgängig machen (NIDCR, Stand September 2025) – deshalb kommt Prophylaxe vor der Füllung. Im Studium lernst Du das unter Prävention und Restauration (§ 46 ZApprO), bei Kindern in der Kinderzahnheilkunde.
3. Die Zahnentwicklung beginnt in der 6. Embryonalwoche
Nach Caruso et al. (2016) bildet sich in der 6. Woche der Embryonalentwicklung die Zahnleiste, in der 8. Woche erscheinen die Knospen der Milchzähne. In der 11. Woche beginnt das Kappenstadium, am Ende des dritten Monats setzen im Glockenstadium die Bildung von Schmelz und Dentin ein, am Ende des fünften Monats mineralisieren die Hartgewebe. Im Studium gehört das zur mikroskopischen und makroskopischen Anatomie im Ersten Abschnitt (§ 32 ZApprO).
4. Karies ist weltweit die häufigste unbehandelte Erkrankung
Der Global Oral Health Status Report der WHO (2022) schätzt, dass fast 3,5 Milliarden Menschen an oralen Erkrankungen leiden (S. 6). Unbehandelte Karies an bleibenden Zähnen betrifft mehr als 2 Milliarden Menschen, unbehandelte Milchzahnkaries 514 Millionen Kinder (S. 30); die WHO-Pressemitteilung spricht zusammengefasst von 2,5 Milliarden. Das WHO-Faktenblatt (Stand März 2025) nennt auf Basis der Global Burden of Disease 2021 fast 3,7 Milliarden Menschen mit oralen Erkrankungen. Im Studium behandelt der Querschnittsbereich Gesundheitswissenschaften Epidemiologie und Prävention (§ 72 ZApprO).
5. In Deutschland haben 77,6 Prozent der 12-Jährigen keine Karies
Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6, Erhebung 2021 bis 2023, rund 3.400 Untersuchte an 90 Zentren) fand bei 77,6 Prozent der 12-Jährigen keine Karies; die Karieserfahrung lag bei 0,5 Zähnen. Bei den 8- bis 9-Jährigen waren es 59,9 Prozent (KZBV-Jahrbuch 2025, S. 94). Wie Deutschland im Vergleich dasteht, zeigt der Ländervergleich. Im Studium gehört die Kinderzahnheilkunde zur Fächergruppe Zahnerhaltung.
6. Bei etwa jedem Fünften fehlt mindestens ein Weisheitszahn
Eine verbreitete Erklärung für Probleme mit Weisheitszähnen ist ein Missverhältnis zwischen Kiefer- und Zahngröße. Kleinere Kiefer lassen zu wenig Platz, die hintersten Backenzähne brechen nicht durch (National Geographic 2025). Das ist eine Hypothese; Fachleute warnen, die Geschichte sei nicht so einfach, und fossile Funde sind lückenhaft. Gesichert ist die Häufigkeit der Nichtanlage. Eine Metaanalyse mit 92 Studien und 63.314 Personen ergab weltweit eine Agenesierate von 22,63 Prozent, mit Werten von 5,32 bis 56,0 Prozent je nach Studie (Carter und Worthington 2015). Im Studium gehört die Weisheitszahnentfernung zur Oralchirurgie im Zweiten Abschnitt (§ 46 ZApprO).
7. Die Zahnbürste mit Borsten stammt vermutlich aus China
Das älteste bekannte Zahnpflegegerät ist der Kauzweig (Miswak, Siwak), nach Hyson (2003) das erste bekannte Instrument. Die früheste schriftliche Erwähnung einer Bürste mit senkrecht stehenden Borsten steht laut ADA in einer chinesischen Enzyklopädie des 17. Jahrhunderts, die als Erfindungsjahr 1498 nennt. In Europa stammen die ältesten Belege ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert. Im Studium ist Mundhygiene Teil von Prävention und Restauration (§ 46 ZApprO); mehr zum Fach steht in der Geschichte der Zahnmedizin.
8. Zwei Zahngenerationen beim Menschen, lebenslang Ersatz bei Haien
Der Mensch hat 20 Milchzähne und, wenn alle vier Weisheitszähne angelegt sind, 32 bleibende Zähne (proDente). Die meisten Wirbeltiere, darunter Fische und Haie, erneuern ihre Zähne dagegen mehrfach im Leben; die meisten Säugetiere tauschen nur einmal (Whitlock und Richman 2013). Welche Bräuche sich um den Zahnwechsel ranken, steht in den Zahn-Bräuchen weltweit. Im Studium begegnet Dir der Zahnwechsel in der Kinderzahnheilkunde (§ 46 ZApprO); einen Überblick über die Fächer gibt Die wichtigsten Fächer im Zahnmedizinstudium.
Quellen
- Unterbrink et al.: Human Enamel Formation, A Scoping Review for Oral Health Professionals, Dent J 2026: Härte nach Bartlett, 97 Prozent Mineral, keine zelluläre Reparatur nach dem Durchbruch
- Nanohydroxyapatite in dentistry: A comprehensive review, PMC: Schmelz als härtestes, am höchsten mineralisiertes Gewebe, rund 96 Prozent anorganisch
- NIDCR: Fluoride and Dental Health: Remineralisierung, Rückgang früher Karies (zuletzt geprüft September 2025)
- Caruso et al.: The process of mineralisation in the development of human tooth, Eur J Paediatr Dent 2016: Zeitplan der Zahnentwicklung
- WHO: Global oral health status report, towards universal health coverage for oral health by 2030, 2022: fast 3,5 Milliarden Menschen mit oralen Erkrankungen (S. 6), mehr als 2 Milliarden mit unbehandelter Karies an bleibenden Zähnen, 514 Millionen Kinder mit unbehandelter Milchzahnkaries (S. 30)
- WHO: Pressemitteilung vom 18.11.2022: zusammengefasst 2,5 Milliarden Menschen mit unbehandelter Karies
- WHO: Oral health, Fact Sheet: fast 3,7 Milliarden Menschen (Global Burden of Disease 2021)
- KZBV-Jahrbuch 2025: Kernergebnisse DMS 6, S. 94 f.
- Worthington: Humans used to have straighter teeth, National Geographic, 15.07.2025: Kiefer-Zahn-Missverhältnis und Vorbehalte
- Carter und Worthington: Predictors of Third Molar Agenesis, J Dent Res 2015: 22,63 Prozent Agenesierate
- Hyson: History of the toothbrush, 2003: Kauzweig als erstes bekanntes Instrument
- ADA: Dental History: Bürste mit Borsten, 1498, Europa 17. Jahrhundert
- proDente: Wie viele Zähne hat ein Mensch?: 20 Milchzähne, 32 bleibende Zähne
- Whitlock und Richman: Biology of tooth replacement in amniotes, Int J Oral Sci 2013: Polyphyodontie bei Fischen und Haien, Zahnwechsel bei Säugetieren
- ZApprO §§ 32, 46, 72: Prüfungsfächer

Redaktion
Die Redaktion von zahnmedizinstudium.eu betreut die Ratgeber-Artikel und Universitätsprofile auf dieser Seite – unabhängig und mit besonderem Blick auf Zulassung, Studieninhalte und Karrierewege in der Zahnmedizin.
Alle Artikel der Redaktion →


