Wissenswertes

8 verblüffende Fakten über Zähne und Zahnmedizin

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit

Über kaum einen Körperteil kursieren so viele Halbwahrheiten wie über Zähne. Deshalb versammelt dieser Artikel bewusst nur Fakten, die sich sauber belegen lassen, von der Materialkunde über die Embryonalentwicklung bis zum Tierreich. Acht Fakten, die zeigen, wie viel Wissenschaft in etwas so scheinbar Alltäglichem steckt wie dem eigenen Gebiss.

1. Der härteste Stoff im menschlichen Körper sitzt im Mund

Zahnschmelz ist nicht einfach nur hart, er ist das härteste Gewebe, das der menschliche Körper überhaupt bildet. Auf der Mohs-Härteskala erreicht er einen Wert von etwa 5, während Eisen bei rund 4 liegt. Möglich macht das seine fast vollständig anorganische Zusammensetzung: Zahnschmelz besteht zu rund 95 Prozent aus dem Mineral Hydroxylapatit, einer Kalziumphosphat-Verbindung, die dem Zahn seine enorme Widerstandsfähigkeit gegen Kaubelastung verleiht.

2. Ausgerechnet dieser härteste Stoff kann sich nie von selbst reparieren

So widerstandsfähig Zahnschmelz gegen mechanische Belastung ist, so verletzlich ist er gegenüber Säure und Karies, denn er enthält weder Nerven noch Blutgefäße noch lebende Zellen. Wo andere Gewebe im Körper sich selbst reparieren, indem sie neue Zellen bilden, kann Zahnschmelz das grundsätzlich nicht: Einmal entstandene Schäden bleiben dauerhaft bestehen und lassen sich bestenfalls durch Fluoridierung in einem sehr frühen Stadium etwas remineralisieren, nicht aber vollständig regenerieren. Genau das macht Prophylaxe in der Zahnmedizin so zentral, denn repariert werden kann am Ende nur mit zahnärztlichen Mitteln wie Füllungen, nicht durch den Körper selbst.

3. Deine Zähne entstehen schon lange vor der Geburt

Die Anlagen für die späteren Milchzähne bilden sich bereits ab der sechsten Schwangerschaftswoche im Kiefer des Embryos, deutlich früher, als die meisten Menschen vermuten würden. Im vierten Schwangerschaftsmonat beginnen diese Zahnanlagen dann, die harten Zahnsubstanzen Schmelz und Dentin auszubilden, mit den nötigen Mineralstoffen, die während der Schwangerschaft über die Mutter aufgenommen werden. Rund sechs Wochen vor der Geburt sind bereits alle 20 Milchzähne vollständig angelegt, wenn auch noch komplett unter dem Zahnfleisch verborgen und für das Neugeborene selbst noch nicht sichtbar.

4. Unbehandelte Karies ist laut WHO die häufigste Erkrankung der Menschheit

Im “Global Oral Health Status Report” der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2022 wird unbehandelte Karies als häufigste untersuchte Erkrankung überhaupt eingestuft: Rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit sind demnach von unbehandelter Karies an den bleibenden Zähnen betroffen, hinzu kommt etwa eine weitere Milliarde Menschen mit schweren Formen von Karies an den Milchzähnen. Insgesamt schätzt die WHO, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung, umgerechnet rund 3,5 Milliarden Menschen, von irgendeiner Form oraler Erkrankungen betroffen ist. Diese Zahl übersteigt nach WHO-Angaben sogar die kombinierte Krankheitslast der fünf häufigsten anderen nicht übertragbaren Krankheiten.

5. Weisheitszähne sind ein Überbleibsel aus der Steinzeit

Dass Weisheitszähne bei so vielen Menschen Probleme bereiten, liegt an einem evolutionären Mismatch: Unsere Vorfahren ernährten sich lange Zeit von roher, zäher und unverarbeiteter Nahrung wie Wurzeln, Fleisch oder Nüssen, wofür ein größerer Kiefer mit mehr Platz für Backenzähne nötig war. Mit der Erfindung des Kochens und der zunehmend weicheren Ernährung verringerten sich die mechanischen Reize auf den Kiefer im Laufe der menschlichen Evolution, wodurch der Kiefer selbst kleiner wurde, während die Anzahl der Zahnanlagen gleich blieb. Das Ergebnis: Für die hintersten Backenzähne, die Weisheitszähne, ist in vielen modernen Kiefern schlicht kein ausreichender Platz mehr vorhanden.

6. Die ersten “Zahnbürsten” waren Kauhölzer und Schweineborsten

Zahnpflege ist keine moderne Erfindung. In vielen Regionen der Welt wird bis heute der sogenannte Miswak verwendet, ein Kauholz meist aus dem Zweig des Zahnbürstenbaums (Salvadora persica), dessen ausgefranstes Ende wie eine natürliche Bürste wirkt und dem zusätzlich antibakterielle Eigenschaften nachgesagt werden. Die erste Zahnbürste im heutigen Sinn, mit Borsten an einem festen Griff, entstand nach historischen Quellen in China: Borsten vom Nacken sibirischer Wildschweine wurden dafür an Griffen aus Knochen oder Bambus befestigt. Nach Europa gelangte dieses chinesische Bürstenprinzip erst deutlich später, in Deutschland wird eine Zahnbürste nach chinesischem Vorbild schriftlich erstmals um 1750 erwähnt.

7. Haie haben ein eingebautes Ersatzteillager im Kiefer

Menschen bekommen im Leben genau zwei Zahngenerationen: 20 Milchzähne, die durch 32 bleibende Zähne ersetzt werden, sofern alle vier Weisheitszähne angelegt sind. Danach ist endgültig Schluss, verlorene bleibende Zähne wachsen nicht nach. Haie dagegen leben in dieser Hinsicht im biologischen Überfluss: Ihre Zähne sitzen nicht fest im Kieferknochen, sondern auf einem beweglichen Band im Zahnfleisch, auf dem sich bereits die nächsten Zähne aufgereiht befinden. Fällt ein Zahn aus, rückt einfach der nächste nach, ein Leben lang, weshalb Fachleute auch von einem “Revolvergebiss” sprechen.

8. Ein komplettes Erwachsenengebiss hat 32 Zähne, aber nicht bei allen

Ein vollständiges menschliches Erwachsenengebiss besteht aus 32 Zähnen, je 16 im Ober- und Unterkiefer, eingeschlossen alle vier Weisheitszähne. In der Praxis ist das allerdings längst nicht bei allen Menschen der Fall: Nicht selten sind einzelne Weisheitszähne gar nicht erst angelegt, bei manchen Menschen fehlen sogar alle vier von Geburt an vollständig, eine Normvariante, die in der zahnärztlichen Diagnostik regelmäßig auffällt und keinen Krankheitswert hat.

Fazit: Kleine Fakten, große Wissenschaft

Von der Materialhärte des Zahnschmelzes über die pränatale Entwicklung bis zum Ersatzzahn-System der Haie zeigt sich: Hinter dem scheinbar simplen Thema Zähne steckt eine erstaunliche Bandbreite an Biologie, Evolution und Medizingeschichte. Wer sich für ein Zahnmedizinstudium interessiert, wird auf viele dieser Zusammenhänge im Grundlagenstudium noch deutlich vertiefter treffen, etwa in der Werkstoffkunde oder der Anatomie, mehr dazu im Artikel Die wichtigsten Fächer im Zahnmedizinstudium.

Quellen

  • Wikipedia: Zahnschmelz
  • information-mundgesundheit.de: Der Zahnschmelz: Härter als Eisen und doch empfindlich
  • deine-gesundheitswelt.de (AOK Sachsen-Anhalt): Zahnen – Wenn die ersten Zähne kommen
  • World Health Organization: Global oral health status report – towards universal health coverage for oral health by 2030 (2022)
  • dentagen.de: Immer weniger Menschen haben Weisheitszähne
  • zahnseidenkampagne.de: Wann und wo wurde die erste Zahnbürste erfunden?
  • duda.news: Wachsen die Zähne von Haien wirklich nach?
  • prodente.de: Wie viele Zähne hat ein Mensch?
Redaktion
Über die Redaktion

Redaktion

Die Redaktion von zahnmedizinstudium.eu recherchiert und verfasst alle Ratgeber-Artikel und Universitätsprofile auf dieser Seite – unabhängig und mit besonderem Blick auf Zulassung, Studieninhalte und Karrierewege in der Zahnmedizin.

Alle Artikel von Redaktion →