Die ersten zahnärztlichen Universitätsinstitute Deutschlands entstanden 1884 in Berlin und Leipzig. Marburg (1890), München (1898) und Greifswald (1901) folgten. Die Tabelle nennt Datum und Quelle; darunter steht, was die Standorte heute bieten.
Zeitleiste der Gründungen
| Datum | Ort | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|---|
| 1855 | Berlin | Eduard Albrecht eröffnet die „Öffentliche Klinik für Mundkrankheiten“, Vorläufer der Universitäts-Zahnklinik | Blankenstein, zm 8/2011 |
| 1883 | Halle | Eröffnung einer bescheiden ausgestatteten universitären Zahnklinik mit zwei Räumen | Nebe/Krischel, zm 7/2022 |
| 9. Oktober 1884 | Berlin | Zahnärztliches Institut offiziell gegründet | Blankenstein, zm 8/2011 |
| 16. Oktober 1884 | Leipzig | Friedrich Louis Hesse beginnt den Unterricht vor sieben Studierenden in vier Räumen | Uniklinikum Leipzig; Groß, zm 14/2017 |
| April 1890 | Marburg | Zahnärztliches Institut der preußischen Universität | Fachschaft Zahnmedizin Marburg |
| 1898 | München | Zahnärztliches Institut, kurz darauf drei Professuren | LMU Klinikum 2023 |
| 1. April 1901 | Greifswald | Ausbildung in der zahnärztlichen Abteilung der chirurgischen Poliklinik; eigenständiges Institut ab 15. April 1916 | ZZMK Greifswald |
Berlin und Leipzig nehmen beide den Rang des ersten deutschen zahnärztlichen Universitätsinstituts für sich in Anspruch: Blankenstein nennt die Berliner Klinik die älteste Deutschlands, Langanke und das Uniklinikum Leipzig das Leipziger Institut das erste. Datiert sind beide 1884, Berlin eine Woche vor Leipzig.
Berlin
Das Institut bezog zum Wintersemester 1884 ein umgebautes Mietshaus in der Dorotheenstraße 40. Friedrich Busch wurde geschäftsführender Direktor, Carl Sauer (Prothetik) und Willoughby D. Miller (Zahnerhaltung) erhielten Titularprofessuren. Seit 2008 ist die Klinik in der Aßmannshauser Straße der einzige Standort. Laut Uni-Profil bietet die Charité 38 Plätze im Winter- und 45 im Sommersemester; mehr dazu im Profil Charité – Universitätsmedizin Berlin und in Zahnmedizin in Berlin studieren.
Leipzig
Hesse (1849 bis 1906) hatte 1873 die ärztliche Approbation erhalten und arbeitete von 1880 bis 1882 am New York College of Dentistry; den Grad D.D.S. erwarb er 1881 (Groß, zm 14/2017). Das Institut lag in der Goethestraße 5. 1898 wurde er Ordinarius für Zahnheilkunde, den ersten Lehrstuhl dieser Art in Deutschland, und sein Institut diente anderen Hochschulen als Vorbild. Leipzig vergibt laut Uni-Profil 53 Plätze zum Wintersemester.
Marburg
Das Institut entstand im April 1890 und gilt nach Berlin und Leipzig als drittälteste zahnärztliche Einrichtung im heutigen Bundesgebiet. Der erste Direktor Julius Witzel verließ Marburg 1898 aus wirtschaftlichen Gründen. Ab 1909 finanzierte der preußische Staat das Institut vollständig, 1964 wurde der heutige Standort am Ortenberg eingeweiht. Das Marburger Profil nennt 39 Plätze.
München
Die LMU richtete 1898 das Zahnärztliche Institut ein und besetzte bald darauf drei Professuren: Zahnerhaltung, Zahnärztliche Chirurgie und Zahnärztliche Prothetik. Eine Prüfungsordnung für Zahnarzneikunde gab es in Bayern seit 1853. Heute bestehen vier Zahn-Mund-Kiefer-Kliniken. Laut Uni-Profil nimmt München 68 Studierende je Semester auf.
Greifswald
Zahnärztliche Spezialkurse gab es an der Chirurgischen Klinik seit dem Wintersemester 1893/94. Am 12. Dezember 1900 berief das Ministerium Hermann Schröder aus Kiel auf Wunsch des Chirurgen August Bier zum ersten Lehrer der Zahnheilkunde. Die Ausbildung begann am 1. April 1901; ab dem 15. April 1916 führte die Universität die Einrichtung als selbständiges Institut. 2026 feierte das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde 125 Jahre akademische Zahnmedizin. Das Greifswalder Profil nennt 43 Plätze.
Einordnung
Frauen konnten in dieser Gründungszeit noch nicht regulär Zahnmedizin studieren: Baden bildete ab 1900 erste Zahnärztinnen aus, die preußischen Universitäten folgten 1908 (Groß, zm 3/2016). Die erste deutsche Zahnärztin, Henriette Hirschfeld-Tiburtius, hatte 1869 in Philadelphia abgeschlossen. Wie sich Studium und Berufsrecht von 1884 bis zur ZApprO entwickelten, steht in der Geschichte der Zahnmedizin – alle heutigen Standorte stellt Zahnmedizin studieren in Deutschland vor. Die Studienplätze oben stammen aus den Uni-Profilen des Portals.
Quellen
- Blankenstein: Aus drei mach eins, zm 8/2011: Berlin 1855, 9. Oktober 1884, Busch, Sauer, Miller, Dorotheenstraße 40, Standorte bis 2008
- Uniklinikum Leipzig: Geschichte der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde: 16. Oktober 1884, sieben Studierende, vier Räume
- Groß: Friedrich Louis Hesse, erster zahnärztlicher Ordinarius, zm 14/2017: Hesses Ausbildung in New York, Goethestraße 5, Ordinariat 1898
- Langanke: Vom Ein-Mann-Institut zum großen ZMK-Zentrum, zm 2009: Leipzig als Vorbild für andere Hochschulen
- Nebe/Krischel: Vom Zahnbrecher zum Spezialisten für Mundgesundheit, zm 7/2022: Halle 1883
- Fachschaft Zahnmedizin Marburg: Geschichte der Zahnklinik: Gründung April 1890, Witzel, Rang, 1909, 1964 (Zusammenstellung Prof. Lehmann, Stand Februar 2014)
- LMU Klinikum: Von Zahnreißern und Badern zu Zähnen aus dem 3D-Drucker, 26.06.2023: Institut 1898, Professuren, Prüfungsordnung 1853, vier Kliniken
- Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Greifswald: Geschichte: 1893/94, 12. Dezember 1900, 1. April 1901, 15. April 1916
- Unimedizin Greifswald: 125 Jahre akademische Zahnmedizin, 03.07.2026: Jubiläum 2026
- Groß: Die Frauenfrage, zm 3/2016: Frauenstudium Baden 1900, Preußen 1908

Redaktion
Die Redaktion von zahnmedizinstudium.eu betreut die Ratgeber-Artikel und Universitätsprofile auf dieser Seite – unabhängig und mit besonderem Blick auf Zulassung, Studieninhalte und Karrierewege in der Zahnmedizin.
Alle Artikel der Redaktion →


