Ab und zu taucht in Bewerbungsgesprächen oder Beratungsgesprächen eine Frage auf, die auf den ersten Blick simpel klingt: „Kann ich mit einem Zahnmedizinstudium auch Zähne bei Tieren behandeln?“ Die ehrliche Antwort lautet nein, und der Grund dafür liegt tiefer als eine bloße Formalie. Wer Zähne bei Hund, Katze, Pferd oder Wellensittich behandeln möchte, braucht nicht das Zahnmedizinstudium, sondern das Tiermedizinstudium, gefolgt von einer eigenen zahnmedizinischen Spezialisierung innerhalb dieses Fachs.
Zwei komplett getrennte Ausbildungswege
Zahnmedizin und Tiermedizin sind in Deutschland zwei eigenständige, von Grund auf unterschiedliche Studiengänge mit jeweils eigener Zulassung, eigenem Curriculum und eigenem Berufsabschluss. Wer Zahnmedizin studiert, wird approbierte Zahnärztin oder approbierter Zahnarzt und darf ausschließlich Menschen behandeln. Wer Tiermedizin studiert, wird Tierärztin oder Tierarzt und darf, nach bestandenem Staatsexamen und Approbation, Tiere aller Art behandeln, von der Zahnbehandlung bis zur Notfallchirurgie. Ein Wechsel zwischen den Feldern über eine Zusatzprüfung oder einen kurzen Aufbaukurs existiert nicht: Wer sich für Tiere statt Menschen entscheidet, muss von vorn beginnen, mit einem eigenen Studienplatz im Fach Tiermedizin.
Wo man in Deutschland Tiermedizin studieren kann
Tiermedizin wird in Deutschland an einer überschaubaren Zahl staatlicher Standorte angeboten, darunter die Freie Universität Berlin, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Universität Leipzig und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Zugang ist, ähnlich wie bei der Humanmedizin, über die Abiturnote sowie ergänzende Auswahlverfahren der Hochschulen geregelt und gilt traditionell als ähnlich zulassungsbeschränkt wie Humanmedizin. Wer sich ernsthaft für diesen Weg interessiert, sollte sich frühzeitig direkt bei den jeweiligen Hochschulen über die aktuellen Zulassungsvoraussetzungen informieren, da sich Verfahren und Quoten von Jahr zu Jahr ändern können.
Wie Tierzahnheilkunde als Spezialisierung funktioniert
Im eigentlichen Tiermedizinstudium spielt Zahnheilkunde zunächst nur eine untergeordnete Rolle, sie wird im Rahmen der allgemeinen chirurgischen und inneren Ausbildung mitbehandelt, aber nicht als eigenes, tiefgehendes Fach unterrichtet. Wer sich später wirklich auf Zähne bei Tieren spezialisieren möchte, braucht dafür eine postgraduale Weiterbildung nach der tierärztlichen Approbation. In Deutschland ist dafür die Zusatzbezeichnung „Zahnheilkunde beim Klein- und Heimtier“ vorgesehen, die von den Landestierärztekammern vergeben wird und in der Regel eine mehrjährige praktische Weiterbildung an anerkannten Fortbildungsstätten voraussetzt. Wie bei den humanmedizinischen Fachzahnarzt-Titeln gilt auch hier: ohne den vorherigen grundständigen Studienabschluss im jeweiligen Fach geht nichts, die Spezialisierung baut immer auf der vollständigen Approbation auf.
Warum die Verwechslung trotzdem naheliegt
Dass beide Begriffe im Alltag manchmal durcheinandergeraten, ist nachvollziehbar: Sowohl Zahnmedizin als auch Tiermedizin beschäftigen sich mit Heilberufen, beide haben mit „Medizin“ im Namen zu tun, und wer sich für präzise, handwerkliche Arbeit am Patienten interessiert, wie sie zum Beispiel der Artikel Braucht man handwerkliches Geschick für Zahnmedizin? beschreibt, findet in beiden Feldern ähnliche Anforderungen wieder. Der entscheidende Unterschied liegt eben nicht in der Feinmotorik, sondern im Patienten selbst, mit allem, was das an unterschiedlicher Anatomie, unterschiedlichem Betäubungsmanagement und unterschiedlicher Kommunikation (mit Tierhaltenden statt mit den Patient:innen selbst) mit sich bringt.
Für wen sich der andere Weg lohnt
Wer im Zahnmedizinstudium eigentlich von Anfang an lieber mit Tieren als mit Menschen arbeiten wollte, sollte diesen Gedanken ernst nehmen, statt ihn als vorübergehende Laune abzutun. Genau wie beim Vergleich zwischen Zahnmedizin und Humanmedizin, den der Artikel Doch lieber Humanmedizin? behandelt, hilft auch hier ein ehrlicher Blick auf die eigene Motivation: Geht es wirklich um den Patiententyp, oder eher um allgemeinen Studienstress, der sich in jedem Fach ähnlich zeigen würde? Nur wenn die Antwort eindeutig lautet, dass es tatsächlich am liebsten Hund, Katze oder Pferd statt Mensch sein soll, lohnt sich der komplette Neuanfang in einem eigenen Tiermedizinstudium.
Eine Schwesterseite für alle, die es genauer wissen wollen
Wer sich unabhängig vom eigenen Zahnmedizinstudium grundsätzlich für ein Tiermedizinstudium interessiert, findet auf der Schwesterseite tiermedizinstudium.eu ausführliche Informationen rund um Studienplätze, Auswahlverfahren und Studienalltag im Fach Tiermedizin, in Deutschland wie im europäischen Ausland.
Fazit
Zahnbehandlungen bei Tieren gehören ins Tiermedizinstudium, nicht ins Zahnmedizinstudium, und selbst dort ist Tierzahnheilkunde zunächst nur ein Randthema, das erst durch eine gezielte Weiterbildung nach der Approbation zur echten Spezialisierung wird. Wer diesen Weg wirklich gehen will, muss sich auf einen eigenständigen Studiengang mit eigener Zulassung einlassen, nicht auf einen kurzen Umweg vom Zahnmedizinstudium aus.
Quellen
- Bundestierärztekammer: Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde beim Klein- und Heimtier (bundestieraerztekammer.de)
- Tierärztekammer Nordrhein: Fachtierarzt & Zusatzbezeichnung (tieraerztekammer-nordrhein.de)
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Fachtierarztausbildung (tiho-hannover.de)

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