Fachzahnarzt & Weiterbildung

Hypnose beim Zahnarzt: Die Fortbildung, die keiner auf dem Zettel hat

RedaktionVon Redaktion3 Min. Lesezeit

Wer an zahnärztliche Fortbildung denkt, hat meist Implantologie, Endodontologie oder Parodontologie im Kopf. Ein Bereich taucht dabei selten auf, obwohl er seit Jahrzehnten etabliert ist und von einer eigenen Fachgesellschaft getragen wird: die zahnärztliche Hypnose. Zentraler Träger in Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH), eine der größten Fachgesellschaften für Hypnose im deutschsprachigen Raum, die über ihre unabhängigen Regionalstellen bundesweit Aus- und Fortbildung in Hypnose und therapeutischer Kommunikation anbietet.

Was zahnärztliche Hypnose eigentlich ist

Zahnärztliche Hypnose hat wenig mit der Bühnenshow-Vorstellung von Hypnose gemein, sondern ist eine wissenschaftlich untersuchte Methode zur Herbeiführung einer tiefen Entspannung, bei der die Aufmerksamkeit gezielt nach innen gelenkt wird und äußere Reize während der Behandlung in den Hintergrund treten. Eingesetzt wird sie vor allem bei ängstlichen Patient:innen und bei kleineren bis mittleren Eingriffen, für die andernfalls eine Sedierung oder Vollnarkose nötig wäre. Anders als bei einer Vollnarkose bleiben Patient:innen dabei ansprechbar und kooperationsfähig, was sowohl den organisatorischen Aufwand als auch die medizinischen Risiken gegenüber einer Narkose reduziert.

Für wen die Fortbildung gedacht ist

Das zentrale Ausbildungsformat der DGZH ist das Z-Curriculum, die Grundausbildung in Hypnose und therapeutischer Kommunikation. Es richtet sich in erster Linie an Zahnärzt:innen, steht aber auch Ärzt:innen, Psycholog:innen und Heilpraktiker:innen offen. Vermittelt werden moderne Hypnose- und Kommunikationstechniken für den Umgang mit ängstlichen, schmerzsensiblen und schwierigen Patient:innen, eine Zielgruppe, die sich stark mit der im Artikel Was macht ein Zahnarzt für Angstpatienten? beschriebenen Spezialisierung überschneidet.

Ablauf und Dauer der Fortbildung

Das Z-Curriculum umfasst 6 Wochenenden (freitags von 14 bis 20 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr) und wird über die Regionalstellen der DGZH bundesweit angeboten, etwa in Berlin, Nordrhein oder Mainz. Für eine anschließende Zertifizierung durch die DGZH e. V. ist zusätzlich Supervision erforderlich: mindestens 32 Stunden Supervision sowie die Vorstellung von mindestens drei eigenen dokumentierten Fällen, teils per Videoaufzeichnung, sind Voraussetzung. Für DGZH-Mitglieder ist das Zertifikat kostenlos, Nichtmitglieder zahlen dafür eine Gebühr von 170 Euro (Quelle: dgzh.de, dgzh.org). Nach eigenen Angaben der Fachgesellschaft haben bereits mehr als 1.500 Zahnärzt:innen das Z-Curriculum mit Zertifikat abgeschlossen, was zeigt, dass es sich trotz geringer öffentlicher Wahrnehmung um ein etabliertes Fortbildungsformat handelt.

Wie sich zahnärztliche Hypnose von anderen Curricula unterscheidet

Anders als etwa das Curriculum Implantologie oder Curriculum Parodontologie zielt die zahnärztliche Hypnose nicht auf eine bestimmte Behandlungstechnik, sondern auf die Kommunikation und Betreuung während der Behandlung selbst. Sie lässt sich deshalb mit nahezu jedem zahnmedizinischen Schwerpunkt kombinieren, von der Allgemeinzahnheilkunde über die Kinderzahnheilkunde bis zur Oralchirurgie, überall dort, wo Angst oder Anspannung eine Behandlung erschweren. Wie andere strukturierte Fortbildungscurricula ohne Fachzahnarzt-Status grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt der Artikel Curricula: Strukturierte Fortbildung ohne Fachzahnarzt-Titel.

Für wen sich die Fortbildung lohnt

Besonders sinnvoll ist die Fortbildung für Zahnärzt:innen, die in ihrer Praxis regelmäßig mit ängstlichen oder schmerzsensiblen Patient:innen zu tun haben und eine Alternative zu Sedierung oder Vollnarkose anbieten möchten, ohne zusätzliches anästhesiologisches Personal einzubinden. Auch für Zahnärzt:innen in der Kinderzahnheilkunde, wo Kooperationsfähigkeit oft eine größere Rolle spielt als bei Erwachsenen, ist der Kommunikationsansatz der Hypnose ein praktikables Werkzeug.

Fazit: unterschätzt, aber praxisnah

Zahnärztliche Hypnose ist eines der am wenigsten bekannten, gleichzeitig aber am längsten etablierten Fortbildungsformate der deutschen Zahnmedizin. Wer bereit ist, sechs Wochenenden zu investieren und anschließend Supervision zu absolvieren, erwirbt eine Fähigkeit, die im Praxisalltag direkt anwendbar ist, ganz ohne teure Zusatzgeräte oder aufwendige apparative Ausstattung. Für Zahnärzt:innen, die den Umgang mit schwierigen Patientensituationen professionalisieren möchten, ist die zahnärztliche Hypnose damit eine der pragmatischeren Fortbildungsoptionen abseits der bekannten Klassiker.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (dgzh.de, dgzh.org): Z-Curriculum, Zertifizierung
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