Gehalt

Gehalt in der Dentalindustrie: Was Zahnmediziner bei Straumann, Dentsply & Co. verdienen

RedaktionVon Redaktion4 Min. Lesezeit

Nicht jeder, der Zahnmedizin studiert, will am Ende den eigenen Bohrer schwingen. Wer sich für Produkte, Materialien und Vertrieb interessiert statt für den Behandlungsstuhl, findet bei Dentalherstellern wie Straumann, Dentsply Sirona oder vergleichbaren Unternehmen der Branche ganz eigene Karrierewege: als Fachreferent:in, Produktmanager:in oder Clinical Specialist. Wie viel sich damit verdienen lässt, ist allerdings schwerer zu recherchieren, als man erwarten würde, konkrete, öffentlich zugängliche Unternehmenszahlen zu einzelnen Dentalfirmen sind rar. Was sich dagegen gut belegen lässt, sind Gehaltsspannen für die zugrundeliegenden Berufsbilder, wie sie auf etablierten Gehaltsportalen und Jobbörsen erfasst werden.

Wer überhaupt in der Dentalindustrie arbeitet

Die Berufsbilder in diesem Bereich unterscheiden sich deutlich von der klassischen Praxistätigkeit, setzen aber oft zahnmedizinisches oder zahntechnisches Fachwissen voraus. Ein Überblick über verwandte Berufe rund um die Zahnmedizin, von der Zahntechnik bis zum Praxismanagement, findet sich im Artikel Berufe rund um die Zahnmedizin. In der Industrie selbst dominieren drei Rollen: Der oder die Medizinprodukteberater:in beziehungsweise Fachreferent:in betreut Zahnärzt:innen und Praxen im Außendienst, schult sie im Umgang mit neuen Produkten und ist die erste Ansprechperson bei Rückfragen. Produktmanager:innen verantworten dagegen eher die Entwicklung, Positionierung und Markteinführung neuer Produkte im Innendienst. Clinical Specialists schließlich sind meist selbst zahnmedizinisch oder zahntechnisch ausgebildet und unterstützen Anwender:innen mit klinischem Fachwissen bei komplexen Produkten, etwa Implantatsystemen.

Was Medizinprodukteberater:innen verdienen

Für dieses Berufsbild liegt mit dem Gehaltsportal gehalt.de eine vergleichsweise breite Datenbasis vor. Demnach liegt das mittlere Bruttojahresgehalt für Medizinprodukteberater:innen in Deutschland bei rund 53.950 Euro, mit einer Spanne von etwa 47.650 Euro (unteres Quartil) bis 61.100 Euro (oberes Quartil) bei einer 40-Stunden-Woche. Die Berufserfahrung macht sich deutlich bemerkbar: Wer weniger als drei Jahre im Beruf ist, kommt laut derselben Quelle auf rund 48.400 Euro, mit mehr als neun Jahren Erfahrung auf etwa 56.300 Euro. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Bei Arbeitgebern mit mehr als 20.000 Beschäftigten liegt das Gehalt im Schnitt bei knapp 61.000 Euro, bei kleineren Betrieben mit unter 100 Mitarbeitenden eher bei rund 53.200 Euro. Das Jobportal StepStone nennt für den spezifischeren Titel „Dentalfachberater:in“ niedrigere Werte, im Schnitt rund 43.200 Euro jährlich mit einem Einstiegsgehalt ab etwa 35.900 Euro, ein Hinweis darauf, dass die reine Dentalberatung tendenziell etwas unterhalb des allgemeinen Medizinprodukte-Außendienstes liegt.

Pharmareferent:innen als vergleichbares Berufsbild

Weil viele Dentalunternehmen ihren Außendienst ähnlich organisieren wie Pharmaunternehmen, lohnt sich zusätzlich der Blick auf die Gehälter von Pharmareferent:innen als Vergleichsgröße. Hier zeigen verschiedene Gehaltsportale eine relativ breite Spanne: jobvector.de nennt ein Durchschnittsgehalt von rund 66.800 Euro jährlich, während medi-karriere.de mit etwa 50.400 Euro einen deutlich niedrigeren Durchschnitt ausweist. Diese Diskrepanz zwischen den Portalen zeigt, wie stark solche Zahlen von der jeweiligen Erhebungsmethode und Stichprobe abhängen, weshalb sie eher als grobe Orientierung denn als exakte Größe zu verstehen sind.

Produktmanagement: mehr Verantwortung, mehr Gehalt

Für Produktmanager:innen im Dentalbereich liegen belastbare, spezifische Zahlen deutlich spärlicher vor als für den Außendienst. Allgemeine Auswertungen für Produktmanagement-Positionen bei Dentsply Sirona in Deutschland, wie sie auf dem Jobportal Indeed veröffentlicht sind, deuten auf ein Gehaltsniveau von grob 60.000 bis 65.000 Euro jährlich hin, eine Zahl, die sich auf eine begrenzte Anzahl gemeldeter Angaben stützt und daher mit Vorsicht zu lesen ist. Generell gilt für Produktmanagement-Rollen in der Medizintechnik- und Dentalbranche: Wer zusätzlich einschlägige klinische Erfahrung oder eine zahnmedizinische Ausbildung mitbringt, verhandelt in aller Regel aus einer deutlich stärkeren Position, weil dieses Fachwissen bei komplexen Produkten wie Implantatsystemen oder digitalen Planungslösungen kaum zu ersetzen ist.

Clinical Specialist: die Brücke zwischen Klinik und Industrie

Die Rolle des Clinical Specialist ist unter den drei Berufsbildern am stärksten auf tatsächliche zahnmedizinische oder zahntechnische Vorbildung angewiesen, weil hier oft direkte Schulungen von Zahnärzt:innen an neuen Systemen anstehen, teils sogar Hospitationen im OP oder bei chirurgischen Eingriffen. Öffentlich zugängliche, belastbare Gehaltsdaten speziell für diese Position bei einzelnen Dentalherstellern in Deutschland waren im Rahmen dieser Recherche nicht auffindbar, größere internationale Plattformen wie Glassdoor führen zwar Einzelmeldungen, diese sind aber zu unregelmäßig und uneinheitlich, um daraus eine seriöse Spanne abzuleiten. Realistisch einordnen lässt sich die Position am ehesten zwischen dem beschriebenen Niveau erfahrener Medizinprodukteberater:innen und dem von Produktmanager:innen, mit deutlichen Aufschlägen für Auslandseinsätze oder Spezialisierung auf komplexe Implantatsysteme.

Für wen sich dieser Weg lohnt

Der Wechsel in die Dentalindustrie eignet sich vor allem für Zahnmediziner:innen, die kommunikationsstark sind, gerne reisen oder zumindest regional viel unterwegs sein wollen, und die sich für die technische und wissenschaftliche Seite neuer Materialien und Systeme begeistern, statt für den täglichen Patientenkontakt am Stuhl. Wer aus der Assistenzzeit oder nach einigen Jahren Praxiserfahrung diesen Weg einschlägt, bringt gegenüber klassisch ausgebildeten Vertriebsmitarbeiter:innen einen klaren Vorteil mit: echtes klinisches Verständnis, das bei technisch anspruchsvollen Produkten wie Implantatsystemen oder digitalen Workflows kaum zu ersetzen ist und sich entsprechend auch im Gehalt niederschlagen kann, auch wenn dafür belastbare Einzelzahlen, wie beschrieben, schwer zu finden sind.

Quellen

  • gehalt.de: Gehaltsanalyse Medizinprodukteberater/-in, Deutschland
  • StepStone: Gehaltsanalyse Dentalfachberater/-in, Deutschland
  • jobvector.de: Gehaltsanalyse Pharmareferent/-in
  • medi-karriere.de: Gehaltsanalyse Pharmareferent/-in
  • Indeed.de: Gehaltsangaben für Produktmanager-Positionen bei Dentsply Sirona
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