Als Dentfluencer treten Zahnärztinnen und Zahnärzte auf, die ihr Fachwissen auf Social Media teilen. Sie dürfen auf TikTok und Instagram sachlich informieren. Unzulässig sind anpreisende, irreführende, herabsetzende und vergleichende Werbung (Berufsordnung), Heilversprechen und Erfolgsgarantien (§ 3 HWG), nicht gekennzeichnete bezahlte Beiträge (§ 5a UWG, § 22 MStV) und Patientenaufnahmen ohne ausdrückliche Einwilligung (Art. 9 DSGVO, § 22 KunstUrhG). Die Regeln gelten für soziale Medien genauso wie für Anzeigen – ein Reel unterliegt denselben Grenzen wie ein Zeitungsinserat. Ein Verstoß gegen § 11 HWG kostet bis zu 50.000 Euro Geldbuße (§ 15 Abs. 3 HWG), außerdem können Mitbewerber und Verbände abmahnen (§ 8 UWG).
Was erlaubt, heikel und unzulässig ist
| Einordnung | Beispiel | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| erlaubt | Erklärvideo zu Zahnpflege oder zum Ablauf einer Prophylaxe, ohne Leistungsversprechen | § 21 Abs. 1 MBO-Z: sachangemessene Information über die Berufstätigkeit |
| erlaubt | Vorstellung von Team, Räumen, Sprechzeiten, Behandlungsspektrum und Qualifikationen | § 21 MBO-Z; Kammerinformation ZÄK Berlin: sachliche Information |
| erlaubt | Einblicke in den Praxisalltag ohne erkennbare Patienten | § 21 Abs. 1 MBO-Z; Image- und Sympathiewerbung ist nicht automatisch anpreisend (BVerfG 1 BvR 233/10, zitiert in der BZÄK-Kommentierung) |
| erlaubt | Hinweis auf Tätigkeitsschwerpunkte, wenn keine Verwechslung mit Fachzahnarzt-Titeln droht | § 21 Abs. 2 MBO-Z |
| heikel | Vorher-Nachher-Bilder von Behandlungen | grundsätzlich zulässig, solange nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 HWG); bei operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen ohne medizinische Notwendigkeit verboten (§ 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HWG) |
| heikel | Weitergabe von Patientenstimmen oder Dankschreiben | nur nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 11 HWG) |
| heikel | Beschreibung von Krankheitsbildern oder Krankengeschichten | verboten, wenn sie in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt oder zu einer falschen Selbstdiagnose verleitet (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HWG) |
| heikel | Bezahlte Kooperation oder Produktempfehlung | erlaubt nur mit klarer Kennzeichnung als Werbung (§ 5a Abs. 4 UWG, § 22 Abs. 1 MStV); die Berufsbezeichnung darf nicht für gewerbliche Zwecke verwendet werden (§ 21 Abs. 4 MBO-Z) |
| heikel | Antwort auf Kommentare, die einen Behandlungsfall bestätigen | Schweigepflicht (§ 203 StGB), wenn ein Patientenbezug offenbart wird |
| unzulässig | Erfolgsgarantie, „garantiert schmerzfrei“ | irreführend (§ 3 Satz 2 Nr. 2 HWG); die ZÄK Berlin nennt „Schmerzfreie Behandlung!“ und „100 % Erfolgsgarantie“ ausdrücklich |
| unzulässig | Superlative und Eigenlob („beste Praxis der Stadt“) | anpreisend (§ 21 Abs. 1 MBO-Z) |
| unzulässig | Vergleich mit anderen Praxen oder Abwertung von Kollegen („günstiger als Dein Zahnarzt“) | vergleichend und herabsetzend (§ 21 Abs. 1 MBO-Z) |
| unzulässig | Gutscheine, Rabatte, Verlosungen, kostenlose Behandlungen | Abrechnung nur nach Bema und GOZ (Kammerinformation ZÄK Berlin) |
| unzulässig | Patient im Bild oder Video ohne ausdrückliche Einwilligung | Art. 9 Abs. 1 und 2 Buchstabe a DSGVO, § 22 KunstUrhG, § 203 StGB |
Die Berufsordnung Deiner Landeszahnärztekammer ist maßgeblich; die Musterberufsordnung (MBO-Z) der Bundeszahnärztekammer ist ein Muster, das die Kammern in eigenes Satzungsrecht übernehmen. Für digitale und soziale Medien gelten nach der BZÄK-Kommentierung dieselben Regeln wie für andere Medien. Das HWG greift, soweit sich eine Werbeaussage auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten bezieht (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 HWG). Bei rein kosmetischen Aussagen ist im Einzelfall zu prüfen, ob das HWG greift; Berufsordnung und UWG gelten in jedem Fall.
Als Angestellter auf Social Media
Das berufsrechtliche Werbeverbot gilt nach der BZÄK-Kommentierung auch für angestellte Zahnärzte. Der Praxisinhaber darf berufsrechtswidrige Werbung durch Dritte nicht veranlassen und nicht dulden (§ 21 Abs. 1 MBO-Z). Praxisname, Logo, Räume und Kolleginnen gehören deshalb nur mit seiner Zustimmung in Deine Beiträge – auch auf privaten Kanälen. Bezahlte Social-Media-Arbeit neben dem Job kann eine Nebentätigkeit sein; der Muster-Assistentenvertrag verlangt dafür die Zustimmung des Arbeitgebers (Arbeitsvertrag prüfen). Die Schweigepflicht gilt auch auf Deinen privaten Kanälen. Wer als Vorbereitungsassistent postet, klärt das vorher mit dem Ausbilder (Die Assistenzzeit).
Reichweite und Neupatienten
Ob Social Media Neupatienten bringt, misst nur die Praxis selbst. Die Zahnklinik Denta1 in Herne führt nach Angaben ihres Gründers bis zu 70 Prozent ihres Neupatientenumsatzes auf Social Media zurück (W&V, 18. Mai 2026). Das ist eine ungeprüfte Selbstauskunft eines Einzelfalls und kein Branchenwert. Wer Social Media beruflich nutzen will, findet Stellen rund um Marketing und Agenturen in Berufe rund um die Zahnmedizin; für die Praxisführung ist Eigene Zahnarztpraxis gründen der Einstieg, den Alltag beschreibt Der Berufsalltag als Zahnarzt.
Fünf Punkte vor dem Posten
- Enthält der Beitrag ein Heil- oder Erfolgsversprechen, einen Superlativ oder einen Vergleich? Dann streichen.
- Ist ein Patient erkennbar? Dann braucht es eine ausdrückliche Einwilligung, sonst bleibt der Beitrag offline.
- Steht Geld oder eine Sachleistung dahinter? Dann kennzeichne den Beitrag klar als Werbung.
- Zeigt er Vorher-Nachher-Bilder oder Krankheitsbilder? Dann darf die Darstellung nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend sein.
- Hat der Praxisinhaber zugestimmt, und passt der Beitrag zur Berufsordnung Deiner Kammer?
Quellen
- Heilmittelwerbegesetz (HWG), § 1, § 3, § 11 und § 15: Anwendungsbereich, irreführende Werbung, unzulässige Werbung außerhalb der Fachkreise, Geldbußen bis 50.000 und 20.000 Euro
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 5a und § 8: Kennzeichnung des kommerziellen Zwecks, Unterlassungsansprüche von Mitbewerbern und Verbänden
- Medienstaatsvertrag (Fassung seit 1. Dezember 2025), § 2 Abs. 2 Nr. 7 und § 22: Begriff der Werbung, Werbung muss klar erkennbar und vom übrigen Inhalt getrennt sein
- Datenschutz-Grundverordnung (EUR-Lex), Artikel 9: Gesundheitsdaten, ausdrückliche Einwilligung
- Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie (KunstUrhG), § 22 und Strafgesetzbuch, § 203: Einwilligung zur Verbreitung von Bildnissen, Verletzung von Privatgeheimnissen durch Zahnärzte
- Bundeszahnärztekammer: Musterberufsordnung, Berufliche Kommunikation (§ 21 MBO-Z mit Kommentierung): sachangemessene Information, berufsrechtswidrige Werbung, Werbung durch Dritte, Berufsbezeichnung, digitale und soziale Medien, Werbeverbot auch für angestellte Zahnärzte
- Zahnärztekammer Berlin: Werbung von Zahnärzten (Kammerinformation): Beispiele zulässiger und unzulässiger Aussagen, Vorher-Nachher-Bilder, Gutscheine und Rabatte, § 19 der Berufsordnung der Kammer
- W&V: Wie dieser Zahnarzt Social Media zur Umsatzmaschine macht (18.05.2026): Selbstauskunft der Zahnklinik Denta1 zum Anteil am Neupatientenumsatz (Beitrag teilweise hinter Bezahlschranke)

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