Zahnarztberuf & Karrierewege

Dentfluencer: Was Zahnärzte auf TikTok und Instagram dürfen

RedaktionVon Redaktion5 Min. Lesezeit
Junge Zahnärztin filmt mit Smartphone und Ringlicht ein Video in der Praxis – Dentfluencer auf TikTok und Instagram

Als Dentfluencer treten Zahnärztinnen und Zahnärzte auf, die ihr Fachwissen auf Social Media teilen. Sie dürfen auf TikTok und Instagram sachlich informieren. Unzulässig sind anpreisende, irreführende, herabsetzende und vergleichende Werbung (Berufsordnung), Heilversprechen und Erfolgsgarantien (§ 3 HWG), nicht gekennzeichnete bezahlte Beiträge (§ 5a UWG, § 22 MStV) und Patientenaufnahmen ohne ausdrückliche Einwilligung (Art. 9 DSGVO, § 22 KunstUrhG). Die Regeln gelten für soziale Medien genauso wie für Anzeigen – ein Reel unterliegt denselben Grenzen wie ein Zeitungsinserat. Ein Verstoß gegen § 11 HWG kostet bis zu 50.000 Euro Geldbuße (§ 15 Abs. 3 HWG), außerdem können Mitbewerber und Verbände abmahnen (§ 8 UWG).

Was erlaubt, heikel und unzulässig ist

Einordnung Beispiel Rechtsgrundlage
erlaubt Erklärvideo zu Zahnpflege oder zum Ablauf einer Prophylaxe, ohne Leistungsversprechen § 21 Abs. 1 MBO-Z: sachangemessene Information über die Berufstätigkeit
erlaubt Vorstellung von Team, Räumen, Sprechzeiten, Behandlungsspektrum und Qualifikationen § 21 MBO-Z; Kammerinformation ZÄK Berlin: sachliche Information
erlaubt Einblicke in den Praxisalltag ohne erkennbare Patienten § 21 Abs. 1 MBO-Z; Image- und Sympathiewerbung ist nicht automatisch anpreisend (BVerfG 1 BvR 233/10, zitiert in der BZÄK-Kommentierung)
erlaubt Hinweis auf Tätigkeitsschwerpunkte, wenn keine Verwechslung mit Fachzahnarzt-Titeln droht § 21 Abs. 2 MBO-Z
heikel Vorher-Nachher-Bilder von Behandlungen grundsätzlich zulässig, solange nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 HWG); bei operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen ohne medizinische Notwendigkeit verboten (§ 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HWG)
heikel Weitergabe von Patientenstimmen oder Dankschreiben nur nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 11 HWG)
heikel Beschreibung von Krankheitsbildern oder Krankengeschichten verboten, wenn sie in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt oder zu einer falschen Selbstdiagnose verleitet (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HWG)
heikel Bezahlte Kooperation oder Produktempfehlung erlaubt nur mit klarer Kennzeichnung als Werbung (§ 5a Abs. 4 UWG, § 22 Abs. 1 MStV); die Berufsbezeichnung darf nicht für gewerbliche Zwecke verwendet werden (§ 21 Abs. 4 MBO-Z)
heikel Antwort auf Kommentare, die einen Behandlungsfall bestätigen Schweigepflicht (§ 203 StGB), wenn ein Patientenbezug offenbart wird
unzulässig Erfolgsgarantie, „garantiert schmerzfrei“ irreführend (§ 3 Satz 2 Nr. 2 HWG); die ZÄK Berlin nennt „Schmerzfreie Behandlung!“ und „100 % Erfolgsgarantie“ ausdrücklich
unzulässig Superlative und Eigenlob („beste Praxis der Stadt“) anpreisend (§ 21 Abs. 1 MBO-Z)
unzulässig Vergleich mit anderen Praxen oder Abwertung von Kollegen („günstiger als Dein Zahnarzt“) vergleichend und herabsetzend (§ 21 Abs. 1 MBO-Z)
unzulässig Gutscheine, Rabatte, Verlosungen, kostenlose Behandlungen Abrechnung nur nach Bema und GOZ (Kammerinformation ZÄK Berlin)
unzulässig Patient im Bild oder Video ohne ausdrückliche Einwilligung Art. 9 Abs. 1 und 2 Buchstabe a DSGVO, § 22 KunstUrhG, § 203 StGB

Die Berufsordnung Deiner Landeszahnärztekammer ist maßgeblich; die Musterberufsordnung (MBO-Z) der Bundeszahnärztekammer ist ein Muster, das die Kammern in eigenes Satzungsrecht übernehmen. Für digitale und soziale Medien gelten nach der BZÄK-Kommentierung dieselben Regeln wie für andere Medien. Das HWG greift, soweit sich eine Werbeaussage auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten bezieht (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 HWG). Bei rein kosmetischen Aussagen ist im Einzelfall zu prüfen, ob das HWG greift; Berufsordnung und UWG gelten in jedem Fall.

Als Angestellter auf Social Media

Das berufsrechtliche Werbeverbot gilt nach der BZÄK-Kommentierung auch für angestellte Zahnärzte. Der Praxisinhaber darf berufsrechtswidrige Werbung durch Dritte nicht veranlassen und nicht dulden (§ 21 Abs. 1 MBO-Z). Praxisname, Logo, Räume und Kolleginnen gehören deshalb nur mit seiner Zustimmung in Deine Beiträge – auch auf privaten Kanälen. Bezahlte Social-Media-Arbeit neben dem Job kann eine Nebentätigkeit sein; der Muster-Assistentenvertrag verlangt dafür die Zustimmung des Arbeitgebers (Arbeitsvertrag prüfen). Die Schweigepflicht gilt auch auf Deinen privaten Kanälen. Wer als Vorbereitungsassistent postet, klärt das vorher mit dem Ausbilder (Die Assistenzzeit).

Reichweite und Neupatienten

Ob Social Media Neupatienten bringt, misst nur die Praxis selbst. Die Zahnklinik Denta1 in Herne führt nach Angaben ihres Gründers bis zu 70 Prozent ihres Neupatientenumsatzes auf Social Media zurück (W&V, 18. Mai 2026). Das ist eine ungeprüfte Selbstauskunft eines Einzelfalls und kein Branchenwert. Wer Social Media beruflich nutzen will, findet Stellen rund um Marketing und Agenturen in Berufe rund um die Zahnmedizin; für die Praxisführung ist Eigene Zahnarztpraxis gründen der Einstieg, den Alltag beschreibt Der Berufsalltag als Zahnarzt.

Fünf Punkte vor dem Posten

  1. Enthält der Beitrag ein Heil- oder Erfolgsversprechen, einen Superlativ oder einen Vergleich? Dann streichen.
  2. Ist ein Patient erkennbar? Dann braucht es eine ausdrückliche Einwilligung, sonst bleibt der Beitrag offline.
  3. Steht Geld oder eine Sachleistung dahinter? Dann kennzeichne den Beitrag klar als Werbung.
  4. Zeigt er Vorher-Nachher-Bilder oder Krankheitsbilder? Dann darf die Darstellung nicht missbräuchlich, abstoßend oder irreführend sein.
  5. Hat der Praxisinhaber zugestimmt, und passt der Beitrag zur Berufsordnung Deiner Kammer?

Quellen

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