Zahnmedizinstudium in Deutschland

Zahnmedizin an privaten Universitäten in Deutschland

RedaktionVon Redaktion6 Min. Lesezeit
Studierende gehen zu einem modernen Universitätsgebäude – Zahnmedizin an privaten Universitäten in Deutschland

In Deutschland bieten zwei private Universitäten Zahnmedizin mit Staatsexamen an: die Universität Witten/Herdecke (UW/H) und die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB). Beide vergeben bis zu 48 Plätze ohne NC, nach einem persönlichen Auswahlverfahren. Dafür zahlst Du: Witten kostet 110.400 Euro bei Sofortzahlung – alternativ zahlst Du nach dem Abschluss einen Anteil Deines Einkommens –, die MHB verlangt 132.000 Euro. Bewerbungsschluss der MHB für den Start im Sommersemester 2027 ist der 12. Oktober 2026 um 12 Uhr. In Witten bewirbst Du Dich für das Wintersemester 2027/28 zwischen dem 15. Februar und dem 31. Mai 2027.

Witten/Herdecke und MHB im Vergleich

Witten/Herdecke MHB Brandenburg
Studienbeginn nur Wintersemester nur Sommersemester (erster Jahrgang Sommersemester 2024)
Plätze höchstens 48 pro Semester (ein Start pro Jahr) 48
Studiengang Staatsexamen, laut Uni zehn Semester (6 Vorklinik, 4 Klinik) Brandenburgischer Modellstudiengang Zahnmedizin, Regelstudienzeit 5 Jahre 6 Monate
Auswahl schriftliche Unterlagen, dann Auswahltag mit Gespräch und praktischem Test Online-Bewerbung, Begutachtung, Auswahltag mit mehreren Stationen
Zugang allgemeine Hochschulreife allgemeine und fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife, fachgebundene Fachhochschulreife
Kosten 110.400 Euro (1.840 Euro monatlich) oder 14 Prozent vom maßgeblichen Einkommen oder halb/halb 132.000 Euro zuzüglich Verbrauchsmaterial, monatlich oder semesterweise zahlbar
Bewerbungsgebühr 300 Euro (200 Euro bei Bedürftigkeit) 225 Euro
Frist Wintersemester 2027/28: 15.02. bis 31.05.2027 Sommersemester 2027: 12.10.2026, 12 Uhr (abgelaufen)
Auswahltermine 28.06. bis 01.07.2027 14./15.11.2026 für die letzten Plätze

Stand: Oktober 2026, Angaben der beiden Hochschulen. Für das Sommersemester 2028 nennt die MHB noch keine Termine; allgemein gibt sie an, die Frist ende spätestens am 12. Oktober um 12 Uhr und das Verfahren könne früher schließen, weil die Auswahltage laufend vergeben werden.

Witten/Herdecke: Auswahl und Finanzierung

Die UW/H nennt sich Deutschlands erste Privatuniversität. Beworben wird direkt an der Universität, nicht über hochschulstart und das Verfahren mit Abiturbestenquote, ZEQ und AdH. Du schickst Lebenslauf, Motivationsschreiben (höchstens drei Seiten), Zeugnis und weitere Unterlagen in dreifacher Ausfertigung per Post und legst ein Konto im Bewerbungsportal an. Wer sich vollständig bewirbt, wird zum Auswahltag in Witten eingeladen: persönliches Gespräch und praktischer Test, der manuelle Geschicklichkeit und dreidimensionales Vorstellungsvermögen prüft. Rund acht Gutachterinnen und Gutachter bearbeiten eine Bewerbung; schulische Leistungen sind eines von mehreren Kriterien neben Motivation, sozialem Engagement und Berufserfahrung. Eine feste Gewichtung nennt die Universität nicht.

Beim Geld hat Witten drei Zahlungsvarianten: 1.840 Euro monatlich während der zehn Semester (insgesamt 110.400 Euro), 14 Prozent vom maßgeblichen Einkommen nach dem Abschluss oder 920 Euro monatlich im Studium plus 7 Prozent später. Das Modell heißt umgekehrter Generationenvertrag und wird von der StudierendenGesellschaft verwaltet, die Studierende 1995 gegründet haben. Die Rückzahlung ist nach oben gedeckelt und beginnt erst über einer Mindestgrenze. Zahlungsdauer, Höchstbetrag und ein Rechenbeispiel stehen im Artikel Zahnmedizin an der Uni Witten/Herdecke studieren.

MHB Brandenburg: Modellstudiengang mit Start im Sommer

Die MHB sitzt in Brandenburg an der Havel und führt den Brandenburgischen Modellstudiengang Zahnmedizin (BMZ). Statt getrennter Vorklinik und Klinik verknüpft er Grundlagenfächer von Beginn an mit zahnmedizinischen und medizinischen Fächern; die Semesterprüfungen laufen studienbegleitend. Der Standort ist derzeit ein Interimscampus (Geschwister-Scholl-Straße 36) plus MHB-Zahnklinik, die Praxismodule finden überwiegend in kooperierenden Praxen in Brandenburg an der Havel statt. Die MHB schreibt selbst, es gebe deutlich mehr Bewerbungen als Plätze. Ausgewählt wird nach Motivation, Persönlichkeit und Praxiserfahrung. Am Auswahltag durchläufst Du mehrere Stationen; fachliches Wissen fragt die MHB nicht ab.

Beim Zugang ist die MHB offener als Witten. Nach § 10 Absatz 2 des Brandenburgischen Hochschulgesetzes zählen neben der allgemeinen auch die fachgebundene Hochschulreife, die Fachhochschulreife und die fachgebundene Fachhochschulreife. Ohne Abitur kommst Du über Nummer 11 hinein: Mittlere Reife, eine geeignete Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung; die MHB nennt dafür einen medizinischen Beruf. Die 132.000 Euro Studienbeitrag kommen zu Verbrauchsmaterial hinzu, die persönlichen Instrumente veranschlagt die MHB mit rund 4.500 Euro, der Semesterbeitrag liegt bei 286,80 Euro (mit Deutschland-Semesterticket). Einen einkommensabhängigen Vertrag wie in Witten gibt es nicht. Als Finanzierungswege nennt die MHB einen Studienkredit der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, kommunale Stipendien mit späterer Bindung an die Region, den Studienfonds der Deutschen Bildung und das Deutschlandstipendium. BAföG sei grundsätzlich möglich, die Voraussetzungen seien streng. Wer aus einem anderen Zahnmedizinstudium wechselt, kann in das 2., 3., 5. oder 7. Fachsemester einsteigen, wenn Plätze frei sind (Fristen 30. Juni für das Wintersemester, 31. Dezember für das Sommersemester). Weitere Daten stehen im Uni-Profil der MHB.

Nach der Frist für das Sommersemester 2027 bleibt Dir der Weg über andere Standorte oder das nächste Verfahren; welche Unis zum Sommer starten, zeigt Zahnmedizin zum Sommersemester.

Geld und BAföG

Die Beträge sind hoch, die Zahlungswege verschieden. In Witten bestimmst Du vor der Immatrikulation, ob Du im Studium zahlst oder erst danach; die StudierendenGesellschaft bestätigt, dass Du parallel BAföG beziehen kannst und die Beiträge darauf nicht angerechnet werden. Später können Rückzahlungen für BAföG-Darlehen und den Generationenvertrag zusammenfallen. Wie BAföG im Zahnmedizinstudium rechnet, steht in BAföG im Zahnmedizinstudium; Förderwerke und Stipendien führt Stipendien im Zahnmedizinstudium auf. Die Kosten staatlicher Standorte (Semesterbeitrag, Instrumente) vergleicht Was kostet das Zahnmedizinstudium?.

Staatsexamen und Abgrenzung zu Aufbauangeboten

An beiden Hochschulen legst Du dieselben Abschnitte der Zahnärztlichen Prüfung nach der ZApprO ab wie an staatlichen Fakultäten. Die Prüfung findet vor der zuständigen Stelle des Landes statt (§ 18 ZApprO; die MHB nennt das Landesprüfungsamt), die Approbation beantragst Du danach (§ 2 Absatz 1 ZHG). Nicht jedes Angebot mit dem Etikett „Zahnmedizin an einer Privatuniversität” führt dorthin – Aufbau- und Masterprogramme setzen eine abgeschlossene Zahnmedizin voraus. Prüfe bei jedem Angebot, ob es ein grundständiges Studium mit Staatsexamen ist. Außerhalb Deutschlands gibt es eine dritte private Option, die Danube Private University in Krems; sie steht im Artikel Zahnmedizinstudium in Österreich.

Welche Hochschule zu Dir passt

Die Wahl folgt zuerst dem Zeitplan. Witten startet zum Wintersemester, die MHB zum Sommersemester; wer jetzt das Abitur hat, kann sich für Witten 2027 bewerben und für die MHB beim nächsten Verfahren. Beide Verfahren setzen auf Persönlichkeit und Praxiserfahrung, deshalb helfen ein Praktikum in einer Praxis oder einem Dentallabor und ein Blick darauf, ob handwerkliches Geschick zu Dir passt. Ohne Abitur ist nur die MHB eine Option – Witten verlangt die allgemeine Hochschulreife oder einen gleichwertigen Abschluss. Die Zahlungsfrage entscheidet über den Rest: Wer im Studium nichts zahlen kann, hat in Witten die einkommensabhängige Variante; die MHB verlangt 132.000 Euro unabhängig vom späteren Einkommen. Weitere Wege jenseits des Notenwettbewerbs vergleicht Zahnmedizin ohne NC studieren.

Quellen

Redaktion
Über die Redaktion

Redaktion

Die Redaktion von zahnmedizinstudium.eu betreut die Ratgeber-Artikel und Universitätsprofile auf dieser Seite – unabhängig und mit besonderem Blick auf Zulassung, Studieninhalte und Karrierewege in der Zahnmedizin.

Alle Artikel der Redaktion →