Seniorenzahnärzte versorgen ältere, oft pflegebedürftige Menschen, häufig im Pflegeheim oder bei Hausbesuchen. Die Alterszahnmedizin ist eine Spezialisierung ohne Titel: Einen Fachzahnarzt dafür gibt es nicht, die Qualifikation läuft über das APW/DGAZ-Curriculum und Stufen der Fachgesellschaft (Tätigkeitsschwerpunkt oder Fachzahnarzt).
Wie groß ist der Bedarf?
Im Dezember 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig (Destatis); 86 Prozent wurden zu Hause versorgt, rund 800.000 (14 Prozent) lebten in Pflegeheimen mit vollstationärer Betreuung. Gleichzeitig behalten mehr Senioren ihre Zähne: Nach der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6, Erhebung 2023) waren nur noch 5,0 Prozent der 65- bis 74-Jährigen vollständig zahnlos, 2014 waren es 12,4 Prozent. Der Zahnersatz verschiebt sich laut KZBV zu festsitzenden, teils implantatgestützten Formen – Versorgungen, die auch bei Pflegebedürftigen gepflegt und kontrolliert werden müssen, die ihre Praxis nicht mehr erreichen.
Was macht ein Seniorenzahnarzt?
| Aufgabe | Inhalt |
|---|---|
| Aufsuchende Betreuung | Besuche in Pflegeheimen und bei Patienten, die die Praxis nicht mehr erreichen, mit mobiler Behandlungsausrüstung |
| Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen | Erhebung des Mundgesundheitsstatus, Mundgesundheitsplan, Aufklärung, Entfernung harter Zahnbeläge einmal je Kalenderhalbjahr (G-BA-Richtlinie) |
| Zahnersatz | Anpassung und Wartung von Zahnersatz bei veränderten Verhältnissen im Alter |
| Multimorbidität | Abstimmung mit Hausärzten, etwa bei Blutverdünnung oder Diabetes; Medikamente und Allgemeinzustand beeinflussen die Behandlung |
| Schulung | Mundhygiene-Konzepte und Anleitung des Pflegepersonals |
| Eingeschränkte Mitwirkung | angepasste Kommunikation und Behandlungsführung bei Demenz und kognitiven Einschränkungen |
Was zahlt die Kasse bei aufsuchender Versorgung?
Besuche sind Kassenleistung. Der BEMA unterscheidet, ob ein Kooperationsvertrag mit der Pflegeeinrichtung besteht (§ 119b SGB V, Zuschläge nach § 87 Abs. 2j SGB V) oder nicht:
| Situation | BEMA-Position | Bewertungszahl (Punkte) |
|---|---|---|
| Besuch eines Versicherten allgemein, mit Beratung und Untersuchung | 151 | 38 |
| Besuch in stationärer Pflegeeinrichtung mit Kooperationsvertrag | 154 (erster Patient) / 155 (jeder weitere) | 30 / 26 |
| Zuschlag für das Aufsuchen bei Kooperationsvertrag | 172a / 172b | 40 / 32 |
| Zuschlag für das Aufsuchen von Versicherten mit Pflegegrad oder Eingliederungshilfe, die Besuche nach 151/152 erhalten | 171a / 171b | 37 / 30 |
Die Position 154 ist nur abrechenbar, wenn die zuständige KZV die Berechtigung festgestellt hat; neben 154 und 155 lässt sich 151 nicht ansetzen (BEMA Stand 01.01.2026). Wegegeld und Reiseentschädigung kommen hinzu. Der Euro-Betrag ergibt sich aus Punkten mal Punktwert der jeweiligen KZV. Die KZBV zählte 2024 bundesweit 7.483 Kooperationsverträge, das entspricht einem Abdeckungsgrad von 41,3 Prozent der Pflegeheime; 2024 erhielten 535.035 Menschen die besonderen Präventionsleistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen.
Wie wird man Seniorenzahnarzt?
| Stufe | Umfang | Kosten und Termine (Stand Oktober 2026) |
|---|---|---|
| APW/DGAZ-Curriculum Seniorenzahnmedizin | 72 Fortbildungsstunden in zwei Blöcken; Abschluss mit Referat und kollegialem Abschlussgespräch (Kolloquium), Zertifikat; für alle Zahnärzte offen | je Block 1.650 Euro (1.490 Euro für APW-, DGAZ- und DGZMK-Mitglieder), Kolloquium 260 Euro (240 Euro) zuzüglich USt; zusammen 3.560 bzw. 3.220 Euro (eigene Addition); nächster Serienstart 17.02.2027 |
| DGAZ-Zertifizierung (ab 1.1.2027) | vier Stufen: Zertifikat, Juniorspezialist (2 Hospitationen in der aufsuchenden Betreuung, 2 Falldokumentationen, Klausur), Clinical oder Scientific Track, Spezialist (10 Falldokumentationen, 1 Peer-Review-Publikation, Klausur, Kolloquium, 10 Hospitationen mobile Zahnmedizin oder Kooperationsvertrag mit DGAZ-Supervision) | nächster Prüfungstermin 08.04.2027 in Würzburg, Unterlagen bis 15.02.2027 |
Das Kolloquium ist der erste Schritt der Zertifizierung zum Spezialisten für Seniorenzahnmedizin der DGAZ – das Curriculum der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe reicht dafür nicht aus. Weitere Curricula zeigt Curricula: Strukturierte Fortbildung.
Im Studium steht Seniorenzahnmedizin im Querschnittsbereich „Medizin und Zahnmedizin des Alterns und des alten Menschen“ (Anlage 4 Nr. 9 ZApprO). Für die Famulatur schließt die Universität Vereinbarungen mit Zahnärzten (Die Famulatur).
Was verdient ein Seniorenzahnarzt?
Eine eigene Statistik gibt es nicht. Als Orientierung dient der Median angestellter Zahnärzte von 6.944 Euro brutto im Monat (Gehalt als angestellter Zahnarzt). Die Zuschläge der aufsuchenden Versorgung (Tabelle oben) vergüten den Mehraufwand der Besuche; wie viel Honorar bleibt, hängt von Punktwert, Fahrzeit und Zahl der Patienten je Besuch ab.
Für wen passt das Fach?
Das Fach passt zu Dir, wenn Du gern außerhalb der Praxis arbeitest, mit Pflegekräften und Hausärzten abstimmst und Geduld für Patienten mit Demenz mitbringst. Plane 72 Fortbildungsstunden und mindestens zwei Hospitationen ein, wenn Du den Spezialistentitel der DGAZ anstrebst.
Quellen
- APW: Curriculum Seniorenzahnmedizin: 72 Stunden, Kursgebühren, Kolloquium, Serienstart 17.02.2027
- DGAZ: Spezialisierung: Zertifizierung zum Spezialisten, neue Zertifizierungsordnung ab 1.1.2027, Prüfungstermin 08.04.2027
- DGAZ: Überblick Trainingsstufenmodell ab 2027 (PDF): vier Stufen mit Anforderungen
- KZBV: BEMA, Stand 01.01.2026: Positionen 151, 154, 155, 171, 172 mit Bewertungszahlen und Abrechnungsvoraussetzungen
- KZBV: Präventionsleistungen für Pflegebedürftige weiter im Aufwärtstrend (22.01.2026): 7.483 Kooperationsverträge, Abdeckungsgrad 41,3 Prozent, 535.035 Versorgte im Jahr 2024
- G-BA: Prophylaxe und Früherkennung von Zahnerkrankungen: Leistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen
- Destatis: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023: Zahl der Pflegebedürftigen, Versorgungsform
- KZBV-Jahrbuch 2025: Kernergebnisse der DMS 6, Zahnlosigkeit der 65- bis 74-Jährigen 5,0 Prozent (2023) gegenüber 12,4 Prozent (2014)
- ZApprO: Anlage 4, Querschnittsbereich Medizin und Zahnmedizin des Alterns und des alten Menschen

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