Henriette Hirschfeld-Tiburtius (14. Februar 1834 in Westerland auf Sylt bis 25. August 1911 in Marienfelde bei Berlin) war nach der Berliner Gedenktafel die erste approbierte und promovierte Zahnärztin Deutschlands. Sie studierte von 1867 bis 1869 in Philadelphia, weil deutsche Hochschulen Frauen den Zugang verwehrten. Heute gehen rund zwei Drittel der Staatsexamina in Zahnmedizin an Frauen: 2024 waren es 1.210 von 1.801.
Lebensdaten
| Jahr | Station |
|---|---|
| 1834 | Geburt in Westerland auf Sylt |
| 1854 | Heirat mit Christian Conrad Hirschfeld (gestorben 1867) |
| 1867 | Beginn des Studiums am Pennsylvania College of Dental Surgery in Philadelphia |
| Februar 1869 | Abschluss als Doctor of Dental Surgery |
| 1869 | Eigene Praxis in der Behrenstraße in Berlin; im ersten Jahr Hofzahnärztin (NDB) |
| 1872 | Heirat mit Karl Tiburtius |
| 1877 | Eröffnung der Poliklinik weiblicher Ärzte; Henriette organisiert die Räume und sammelt Geld |
| 1881 | Pflegestation, deren Verwaltungskommission sie leitet |
| 1893 | Frauenkomitee des Zahnärztekongresses zur Weltausstellung in Chicago |
| 1899 | Übergabe der Praxis an ihre Nichte |
| 1911 | Tod in Marienfelde bei Berlin |
Quellen: Neue Deutsche Biographie (Wolff 2016), Groß (zm 3/2016), Berliner Gedenktafel-Datenbank.
Wann Frauen in Deutschland studieren durften
Die Öffnung kam Jahrzehnte nach Hirschfelds Studium. Nach Groß (zm 3/2016) ließen 1894 erste Hochschulen Frauen in der Zahnheilkunde als Gasthörerinnen zu, nur mit Erlaubnis des Dozenten. 1899 öffnete die Prüfungsordnung den Frauen Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Baden begann 1900 als erster Staat mit der Ausbildung von Zahnärztinnen, die preußischen Universitäten folgten als letzte 1908. Im Jahr 1900/01 war nur 1 von 1.583 Zahnärzten eine Frau.
Studium in Philadelphia
Hirschfeld wurde am Pennsylvania College of Dental Surgery zunächst nicht zugelassen; erst die Fürsprache des Dozenten James Truman änderte das (NDB). Weltweit war ihr Lucy Hobbs Taylor zuvorgekommen. Sie erhielt 1866 am Ohio College of Dentistry in Cincinnati als erste Frau der Welt einen zahnärztlichen Doktorgrad (Kansas Historical Society). Hirschfeld kehrte 1869 nach Berlin zurück. Die Gedenktafel an ihrer Praxis nennt sie die erste approbierte und promovierte Zahnärztin Deutschlands.
Praxis und Poliklinik
Ihre Praxis in der Behrenstraße behandelte Frauen und Kinder. Schon im ersten Jahr wurde sie Hofzahnärztin (NDB). 1872 heiratete sie in zweiter Ehe Karl Tiburtius, den Bruder der Ärztin Franziska Tiburtius; seit 1876 lebte die Familie in einem gemeinsamen Haushalt. Im Juni 1877 eröffneten Franziska Tiburtius und Emilie Lehmus die Poliklinik weiblicher Ärzte für Frauen und Kinder. Die Räume stellte ein Brauereibesitzer. Henriette organisierte den Betrieb und sammelte das Geld für die Erstausstattung und die ersten Betriebsjahre – 1897 übernahm der Berliner Frauenpflegeverein die Poliklinik.
Frauen im Fach heute
Nach dem Statistischen Bundesamt (Statistik der Prüfungen, zitiert von ZWP online) legten 2024 in Deutschland 1.801 Personen das Staatsexamen in Zahnmedizin ab, davon 1.210 Frauen und 591 Männer. Das sind rund 67 Prozent Frauen.
Wie sich Beruf und Familie heute vereinbaren lassen, steht in Zahnärztin mit Familie. Die Fachgeschichte im Ganzen beschreibt die Geschichte der Zahnmedizin, weitere Namen nennt der Artikel über berühmte Zahnärzte der Geschichte. Den Studienalltag zeigen die Erstsemester-Tipps.
Quellen
- Wolff: Tiburtius, Franziska, Neue Deutsche Biographie 26 (2016) und Tiburtius, Henriette: Familie, Studium und Abschluss Februar 1869, Praxis in der Behrenstraße, Hofzahnärztin, Poliklinik 1877, Pflegestation 1881, Chicago 1893, Praxisübergabe 1899, Heirat 1854 und 1872
- Berliner Gedenktafel für Henriette Hirschfeld-Tiburtius: erste approbierte und promovierte Zahnärztin Deutschlands, Praxis für Frauen und Kinder, Studium in den USA
- Groß: Die Frauenfrage, zm 3/2016: Zulassung von Frauen zum Studium 1894 bis 1908, Studium ab 1867, Zahl der Zahnärztinnen 1900/01
- Kansas Historical Society: Lucy Hobbs Taylor: erster zahnärztlicher Doktorgrad einer Frau 1866
- ZWP online: Zahnmedizin fest in Frauenhand: 1.801 Staatsexamina in Zahnmedizin 2024, davon 1.210 von Frauen (Statistisches Bundesamt, Stand der Meldung 13.04.2026)

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